Lust, angefasst zu werden?

Brauchen wir den Feminismus in Deutschland überhaupt noch? Auf diese Frage antwortete meine Dozentin im Seminar “Neuer Feminismus”, dass jede Art von Diskriminierung bezüglich des eigenen Geschlechts ein Grund dafür ist, feministisch zu sein.

Hierzulande wird gerne mit den Situationen anderer Frauen anderer Kulturen verglichen und relativiert. Ich selbst tue es auch gerne, indem ich sage, “Mir geht es hier sicherlich deutlich besser als in vielen anderen Ländern.” Es heißt jedoch nicht, dass mich die Ungerechtigkeiten gegenüber meinem Geschlecht im Alltag einschränken in meiner Freiheit und meinen Entscheidungen. Es ist nämlich kein Grund, sich all die sexistischen Äußerungen und Geschehnisse ergehen zu lassen.

Wo ist der #aufschrei zum Alltagssexismus geblieben?

Zurzeit setze ich mich im Rahmen meiner Hausarbeit über Aufschrei mit Alltagssexismus auseinander. Vor über einem Jahr schaffte der Twitter-Hashtag es endlich, den Feminismus wieder in Gang zu setzen und erreichte dabei die Massenmedien. Jeder konnte dabei seine persönlichen sexistischen Alltagserfahrungen veröffentlichen. Der Artikel „Der Herrenwitz“ als Porträt über den Politiker Rainer Brüderle hatte diese Debatte nur ein Tag früher in größerem Kontext angestoßen. Dort kritisierte und legte Journalistin Laura Himmelreich die sexistischen Kommentare des Politikers auf ihr Äußeres reduzierend im Rahmen des Interviews offen. Wie es häufig im Beruf noch immer in Deutschland passiert.

Ein Jahr nach Aufschrei ist es wieder still geworden. Als wären Frauen im Alltag und im Berufsleben nicht von sexistischen Kommentaren betroffen. Als hätte es so etwas nie gegeben. In unserer damaligen anschließenden Diskussion im Seminar um die Sache mit Brüderle war sich einer der wenigen männlichen Kommilitonen etwas unsicher und fragte: Wann ist denn klar, welcher Kommentar noch ein Flirt ist und wann er schon sexistisch sei? Seine Frage war berechtigt. Denn wie Himmelreich sicherlich zunutze ihres Artikels kein klares Nein zu verstehen gab, so reagieren auch viele Frauen im Alltag auf sexistische Kommentare kokett wie auf Komplimente. Und wollen Bemerkungen zu ihrem Aussehen hören, wie er versicherte, ohne dies als Abwertung zu sehen.

Aber es gibt eindeutig eine Grenze. Auch wenn es vielen Frauen gefällt, Komplimente zu bekommen, und viele Frauen auch Berührungen nicht scheuen. Viele Männer legen eine Selbstverständlichkeit an den Tag, nach der sie sich bestimmend so verhalten wie sie es möchten. Sie ignorieren dabei, ob die Frau nun flirten möchte oder nicht.
Zum Beispiel im Club. Dort fassen so viele Männer Frauen „ohne zu Fragen“ an. Am liebsten beim Vorbeigehen. Da lässt man dann nochmal schön die Hand an der Taille gleiten.

Ich war neulich im Avenue Berlin. Auf dem Weg zur Toilette nutzen sie gerne mal die Gelegenheit zur Berührung statt Platz zu machen.
Es können noch so viele Frauen mit aufgespritzten Lippen, kurzen Kleidern und gemachtem Busen sich in diesem Club befinden. Und selbst das ist keine Einladung dafür, angefasst zu werden. Wie offensiv manche Frauen sind, kann und möchte ich nicht beurteilen. Dass aber manche Männer meinen, dass sie dies prinzipiell dürften oder es einfach tun, muss ich mir nicht gefallen lassen. Ich setze also meinen ernsthaftesten Blick auf, und gebe ihnen mit meinen Händen zu verstehen „Wage es, ja nicht, mich anzufassen, wehe!“ Den Weg zur Toilette kann ich nur aufnehmen, indem ich mich darauf konzentriere, schnell zu reagieren, falls etwas passiert.

Jetzt kann man mir natürlich vorwerfen, dass das ja typisch für Clubs wie solche sind. Dort sind die Männer einfach konventioneller mit ihrem Anzug und den Champagnerflaschen an den Tischen, und Hiphop ist ja sowieso voll Macho. Ja, das denke ich mir manchmal auch, und besuche dann bewusst Electro-und Technoläden. Da kann man in Ruhe tanzen. Aber da scheine ich mich wohl auch zu irren. Seit sich im Berghain immer mehr Heterosexuelle verirren, hat mich doch ernsthaft einer beim Tanzen von hinten angefasst. Das kennt man doch nur von den extremsten amerikanischen Hiphop-Läden. Da ich mir aber in dem engen Club nicht sicher war, ob einfach mal eine Hand verrutscht ist, oder einer mal wieder zum Eingang hin gedrängelt hat, konnte ich natürlich nichts sagen. Als er mich wenige Sekunden später angesprochen hat, war mir natürlich klar, dass er das getan hat. Das Einzige, was ich im Nachhinein konnte, war es, ihn nach den ersten Fragen abblitzen zu lassen.

Aber auch auf offener Straße ist man nicht sicher. Am Frankfurter Bahnhof werde ich oft angesprochen. Es ist so extrem, dass ich viele Männer, die einfach nur freundlich sind, unfreundlich entgegen treten muss, aus Selbstschutz. Wenn mir etwa jemand seine Hilfe anbietet, oder mich vorlässt oder mich anspricht, und eine Frage stellt. Kulturelle Gepflogenheiten wie Körperkontakt im Smallstalk werden da auch schon mal schneller undeutlicher. Sucht dieser Mann nun bewusst Körperkontakt auf oder gehört das zum selbstverständlichen Habitus eines “typischen Südländers” oder lockeren Menschen?

Der Umgang junger Migranten auf der Straße in Deutschland- Kommunikativ oder sexistisch?

Fest steht, viele nutzen Freundlichkeit auch aus und missinterpretieren sie bewusst. Wenn ich meinen Professor beim Reden anlächle, ist es keine Einladung, mich am Arm festzuhalten. Oder liegt das nun doch wieder an seiner orientalischen Herkunft? Ich weiß es nicht. Ich glaube, wir Frauen sind uns oft unsicher, ob jemand einfach nur freundlich sein will oder uns dumm anmacht.

Neulich wurde ich auf meine Klamotten angesprochen. Als ich ihm sagte, dass es ihn nichts angehe, meinte er, meine hässliche Fresse gehe ihn etwas an.
Ich hatte danach doch tatsächlich noch ein schlechtes Gewissen. Er hatte mich ja letztlich nur darauf aufmerksam machen wollen, dass mein Oberteil verrutscht sei, dabei trug ich bewusst ein cropped top zu einer highwaist Hose. Ich habe intuitiv reagiert.

Wegen seiner orientalischen Herkunft dachte ich mir im Nachhinein, er habe mich eben sicher nur darauf aufmerksam gemacht, aber ist ihm denn entgangen, dass bauchfrei “in” ist, und mein Oberteil natürlich nicht verrutscht ist, sondern bewusst so getragen wird? Als er mit einer Beleidigigung reagierte, wusste ich, dass ich ihn richtig einschätzte. Es war eine dumme Anmache. Wie so oft.

Die orientalische Kultur hierzulande wird immer mehr zum Problem. Wird man angesprochen und möchte kommunikativ reagieren, ist man schnell ratlos, wenn es letztlich doch in einem “gibst du mir deine Nummer?” endet. Mit einem “Nein, tut mir Leid” wäre die Sache geklärt. Da man aber nicht weiß, wie der Typ darauf reagiert, geht man auf einfache Gespräche auf der Straße ohnehin nicht direkt ein. Viele orientalischen Männer glauben aber auf der Straße flirten und Frauen kennenlernen zu können. Die wenigsten Frauen gehen darauf ein. Warum geschieht dies also immer noch?

Aber was Kleidung betrifft, muss ich mich selbst immer wieder einschränken. Bewusst verstecke ich oft meinen Körper, da ich weiß, wie viele Menschen auf der Straße mit löchernden Blicken belästigend sein können. Das ist aber noch auszuhalten. Was viel schlimmer ist, ist die Tatsache, dass ich nachts nichts laufen kann und stets Angst haben muss, vergewaltigt zu werden. Warum müssen Frauen überhaupt mit der Angst leben, nachts nicht auf die Straße gehen zu können wie es meine Kommilitonin kritisierte?

Im Anschluss einer Diskussion kamen wir auf das Ergebnis, dass diese Alltagserfahrungen einfach noch zu sehr ins Private fallen, weshalb sie in der Öffentlichkeit nicht angesprochen und diskutiert werden.

Viele Frauen ertragen dies einfach und denken sich, so ist das einfach als Frau. Ja, stimmt auch, so ist es als Frau. Wir kennen es ja nicht anders. Wir werden ja so erzogen mit dieser Angst und nehmen es einfach hin.

Aber ich muss das nicht ertragen, das Hupen, damit ich mich mal für Autofahrer umdrehe und sie mich auch von vorne sehen können, das Schnipsen vor meinen Augen, um auf sich aufmerksam machen zu können und dann noch über meine erschrockene Reaktion lachen zu können, das Anfassen an meiner Taille nach einem Meeting unter Kreativen, nachdem man sich die Hand gibt. Und bei all’ dem habe ich auch noch immer das Gefühl, Schuld daran zu haben. Falsche Signale zu senden, falsche Klamotten zu tragen.

Nein, ich kann anziehen, was ich möchte. Ich kann mich schminken wie ich möchte und ich kann verdammt nochmal hingehen, wohin ich möchte, zu welcher Zeit ich es auch möchte. Es ist alles nicht das Recht von irgendwem, mich anzufassen.

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Nicht weiblich genug

Auf diesem Blog wird Weiblichkeit selbstverständlich gefeiert, aber die Kritik an ihr gehört genauso sehr hier her. Deshalb möchte ich in diesem Beitrag Gedanken zu einer Schwierigkeit im Leben vieler Frauen teilen, die mich seit Längerem beschäftigt: Der Weiblichkeit nicht genügen zu können, nicht weiblich genug zu sein.

Unbenannt

Gerade für heterosexuelle Frauen ist Weiblichkeit manchmal ein Ideal, das sie zu erreichen versuchen, um den Erwartungen des Mannes wie ihrer Selbst gerecht zu werden. In unserer Gesellschaft gibt es selverständlich verschiedene Ausprägungen des Weiblichkeitsideals. Aber um den Körper kommen wir nicht umhin. Wie wir unseren Körper darstellen hängt natürlich nicht nur von unserem Geschlecht ab, sondern auch von unserem Alter, unserer Kultur, unserer Religion, unserer Klasse.

In unserer Gesellschaft höre ich Frauen über sich selbst und andere Frauen immer wieder sagen “das sieht nicht weiblich aus”; das sieht “männlich aus”. Sie benutzen diese Zuschreibungen negativ, wenn nicht als Beleidigung. Dabei meinen sie die Gesichtszüge einer Frau gleichermaßen wie die Körpersilhouette. “Ja, aber sie ist einfach viel zu groß, wie ein Mann.” oder ganz konrekt: “sie sieht total männlich aus”, oder “Sie hat überhaupt keine Oberweite, sie ist voll flach” oder “Schau mal, sie hat voll das breite Kreuz” oder “sie ist sehr stämmig” oder “sie ist voll dünn, wie ein Kind, voll unweiblich.”

Aber was sieht nach Weiblichkeit aus? Ein Gesicht, indem schwarze dichte, lange Wimpern naiv klimpern, eine Nase profillos stupsig verläuft, ein sich lasziv aufgebauschte volle Lippen eines offenenen Mundes bewegen. Die Taille schmal, der Busen üppig, die Beine lang.

Wieviele Frauen entsprechen dem? Aber ist die Frage nicht viel mehr: Wieso gilt nur das als weiblich, sondern nichts anderes? Auch schmale Lippen, dünneres Haar, ein kleiner Busen können wunderschöna aussehen. Ungetuschte kurze Wimpern, flache Wangen, eine gerade Silhouette sind keine Formen, die eine Frau unschön machen müssen. Und warum können wir nicht beginnen, Weiblichkeit mit mehr zu konnotieren? Warum können wir unter Weiblichkeit nicht Stärke, und Intelligenz verstehen?

Aber auch um bei dem Körper zu bleiben, der traditionell Weiblichkeit definiert: Das eigentliche “Problem” ist die Tatsache, dass Weiblichkeit als Ideal heißt, schön zu sein. Eine Frau, die als weiblich anerkannt wird, gilt als schön und attraktiv. Deshalb störe ich mich an diesen Normen, mit der man Schönheit und Weiblichkeit festzuschreiben versucht. Viele Frauen leiden an ihrem Körper und glauben, dem Ideal der Weiblichkeit nicht gerecht werden zu können. Dabei ist Schönheit wie auch Weiblichkeit nichts Festgelgtes. Schönheit ist nichts, das man messen kann. Entweder man ist es, oder nicht. Aber ist man es nicht, heißt es nicht, dass man es nie sein kann. Und dabei spreche ich nicht von Schönheitsoperationen mit denen man sich schön zurecht formen kann. Nein, man muss es aus dem Inneren strahlen lassen, und das kommt nicht von ungefähr: Selbstbewusstsein, Körperbewusstsein, und Intelligenz und Sinnlichkeit.

Aber bei Weiblichkeit ist das Problem auch, dass wir Charaktereigenschaften dem zuordnen und diese formen eben auch das Aussehen.

Aber Diskriminierung gegen gewollte Weiblichkeit selbst gibt es auch genug:” das sieht viel zu feminin aus”, heißt es dann meist. Wenn Frauen auf ihren Körper achten, werden sie meist abgwertet, genauso, wenn Frauen Kind und Familie wollen und gerne Hausfrau sind. Auch das wird abgwertet, wobei über das Klischee der gebährenden, unemanzepierten Frau herzgezogen wird. Auch das ist nicht so ganz richtig.

Es ist wichtig, ob “weiblich” oder nicht, körperbewusst zu sein, seinen Körper zu lieben so wie er ist, ihn zu akzeptieren und sich selbst wert zu schätzen unabhängig von irgendwelchen festgesetzten Normen und Regeln. Genauso wichtig ist es, Weiblichkeit auch von der Körperlichkeit unabhängig zu machen, indem man Weiblichkeit mit mehr als nur dem Körper konnotiert, was nicht heißt, dass man sie missachten muss. Weiblichkeit ist nichts Anderes als ein Teil eines Menschengeschlechts.

Bild und Video: Kurzfilm “Supervenus” gezeigt zum 17. Brüssel Shortfilm Festival

https://www.youtube.com/watch?v=4N-_3IMQY-0

 

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Der Rhtythmus der Gefühle, die Bewegung in ihr

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Ich tanze meine Verletzlichkeit der Welt entlang, Schritt für Schritt, Herzschlag für Herzschlag. Meinen Körper längst vergessen, doch war er doch so kostbar, das Kostbarste, das ich je besaß, um ich zu sein? Ich konnte und wollte nicht auf den eigenen Körper verzichten, ihn spüren in seiner unvollkommenen Vollkommenheit, die Wege der Sinne zu befreien, um den Sinn zu finden. Ich hatte ihn liegen gelassen, die Sinnlichkeit verachtet. Dabei trug dieses Etwas aus Fleisch und Blut, so rein wie er sich bewegen konnte, in allen Adern, … nein, nein, nein, nein. Die Liebe, die einzig mögliche Liebe. Der Körper.

Was, wenn ich dich gehen ließ, wie das Band, das ich um mich schwang, wenn ich die Ängste gehen ließ in Wort und Tat. Das Band in meiner Hand, es half mir, all die Ängste fliegen zu lassen. Es war nicht so, dass ich nicht das Denken verlernte, verlernen wollte, wenn ich das Band fliegen ließ. Es war viel mehr so, dass ich meine Gedanken im Einklang meines Körpers führen ließ. Mein Körper musste definiert werden, um mein Ich zu definieren. Um Gefühle zu zeigen, deren Offenbarungen mir nicht gelangen, aus Scham und Angst, ließ ich meinen Körper sprechen. Ihn dabei zu bekleiden, befreiend und fügend zugleich, war mir die größte Freude.

Verschönerte das Kleid meinen Körper, so verschönerte mein Körper meinen Geist wie mein Geist meinen Körper verschönerte, wie mein Körper das Kleid verschönerte. Der Rhythmus ist es, spürst du ihn? Den Rhtythmus des Lebens, der dich auf Trab hält, all die Freuden, all die Trauer, die dich af Trab halten, die dich tanzen lassen, gleiten und schwingen. Den Rhtythmus des Lebens, die so wunderschöne Bewegung in ihr.

DSC_9912-2DSC_9913DSC_9914DSC_9915DSC_9932Outfit & Make Up

Kleid: Vintage Carpe Diem Frankfurt maßgeschneidert für 20 Euro, Band: RSG Vintage, Schläppchen: Bleyer

Wimperntusche: Loreal 5x Voluminous, Eyeliner: Catrice Ink Eyeliner, Augenbrauen: Rose Kosmetik Studio in der Porzellanhofstraße 4, 4.OG. in Frankfurt (Die gewünschte Augenbrauenform muss Rosie, der Inhaberin und Zupferin, genaustens erklärt werden), Lidschatten: Mac silver Glitter, Lippenstift und Nagellack: P2, Parfum: Salvatore Ferragamo Signorina

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Hugo Boss und Louis Vuitton – gekaufte Ideen im Zeichen der Zeit

leibovitz--940x479Kommerziellen Mode-Designern wird vorgeworfen, unauthentisch zu sein und dabei profitorientiertes Design hervorzubringen, was die Masse anzieht. Im Zuge der Globalität ist heute jedoch das kulturelle Erbe wichtiger denn je, und vor allem aber die Originaitltät der Kunst. Wie sich eben solche kommerziellen Mode-Designer durch kreative und zugleich kulturelle Kunst in einem anderen Licht zu präsentieren versuchen, lässt sich deutlich an Hugo Boss und Louis Vuitton erkennen. Denn was beide Designer verbindet, ist ihr Image als Statussymbole. In einer sich immer verstärkter zur Kunst und Kultur wendenden Mode, scheinen beide Unternehmen sich davon distanzieren zu wollen.Edie-Campbell-Scott-Eastwood-Boss-FW14-01

Für die Herbst/Winter 2015 Kampagnenbilder wählte Hugo Boss nicht nur das derzeit gefragte vom gängigen Schönheitsideal abweichende Model Edie Campbell, sondern auch das Fotographenduo Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin, als Künstler längst zur Marke geworden. Hugo Boss scheint bewusst mit eben solchen Persönlichkeiten zu arbeiten, die dem eigenen Konzern etwas von der Starrheit und Uniformalität entziehen und diese eben umwandeln in einen künstlerisch-kreativen Kontext. Lamweerde & Matadin sind bekannt für ihre tiefen körperumspielenden Schwarz-Weiß Bilder von Persönlichkeiten.

Mit Jason Wu möchte das deutsche Unternehmen zudem an der gefragten Internationalität teilnehmen.Ihren Abzug von Berlin, die erneute Einsiedlung in New York erklärt sich eben damit, dass in Deutschland (noch) die Mode nicht die Bedeutung hat, die nötig ist, um international zu überleben gleichzeitig aber auch im Ausland durch das erstige Scheitern der Berlin Fashion Week Deutschland bzw. Berlin sich neben die Moderigen hat einordnen lassen können. Auch mit Berlin, gefeiert für ihre Internationalität, Multikulturalität und Kreatitvität, scheint Hugo Boss versucht zu haben, sich im eigenen Herkunftsland einnisten zu wollen. Heute zeigt die Marke aus Baden Württenberg in einer Stadt, die junge international erfolgreiche Designer wie Alexander Wang hervorgebracht. Dort scheint Kreativität im Kontext eines Einwanderungslandes deutlich besser zu funktionieren.

Auch Louis Vuitton hat sich mit ihrem Monogramm über die Jahre als Statussymbol einen Namen in der Masse gemacht. Mit dem neuen Creative Director Nicolas Ghesquiere scheint man die Marke weniger protzig, dafür in viel bescheidenerem Stil präsentieren zu wollen, der aber weiterhin die Masse anzusprechen hat. Zur neuen Zusammenarbeit hat sich das Haus für einen Imagewechsel den deutschen Fotographen Juergen Teller geholt. Arbeitete Teller zuvor noch für Marc Jacobs, den vorigen Creative Director, so hat sich das Haus zusammengeschlossen mit einem Künstler, der für die nackte Wahrheit, den Realismus bekannt ist. Besonders interessant sind dabei die Bilder, die aus den Series 1 entstanden sind. Wie im Video zu sehen, ist das Model Freja Beha Erichsen im Stil der 70-er vor einem Auto zu sehen. Lederhose und Blazer lassen sie war militantisch aussehen, das Motiv der Frau in der Nähe des Autos distanziert und erinnert zugleich an die sexistische Metaphorik der Frau als Accessoire. Cool sieht sie schon aus, aber mit Täschen in der Hand und Bubikragen hat sie auch etwas sehr mädchenhaft naiv Feminines. Und wird wieder zu dem, was man sich unter einer Louis Vuitton-Kundin vorstellt. Sehr viel interessanter ist die vom Hause benannte Vision der zeitgenössischen Mode des Nicolas Ghesquières: Charlotte Gainsburg ist zu sehen in einem Atelier, fotographiert von Anie Leibovitz. Es ist nicht ganz klar: Ist sie Muse oder Künstlerin? Posiert sie erst als Muse vor der Leinwand, so ist das Täschen auf dem anderen Bild auf dem Stuhl der Künstlerin abgestellt. Damit wird die Frau als Künstlerin präsentiert und verhält sich sehr modern.

Beide Unternehmen jedoch verabschieden sich nicht von ihrem einstigen Publikum. Hugo Boss führt weiterhin schicke, konservative Businesskleidung, Louis Vuitton ist nach wie vor modisch, aber nicht allzu gewagt. Ihre Käuferschaft hat sich dabei nur verändert, das müssen sie selbst auch. Und dafür benötigen die Unternehmen die gekauften Ideen der Künstler.

 

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“Wie könnte man an die Jugend nicht glauben?” Swatch Creative Director Carlo Giordanetti im Interview

Der Creative Director von Swatch ist ein stilsicherer Herr mit einem breiten Lächeln beim Erzählen, so charismatisch, dass man ihm unglaublich gerne zuhört. Zu seiner ausdrucksstarken Brille und den feinen Anzügen kombiniert er gleich zwei Uhren der Marke seines Arbeitgebers. Das Kind in ihm ist überzeugt.

Umso mehr habe ich mich über die Möglichkeit gefreut, Carlo Giordanetti Fragen zu seiner Arbeit, Kreativität und insbesondere der italienischen Jugend im Rahmen des ITS Contest in Trieste stellen zu dürfen.

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Wie kann man sich Ihre Arbeit als Creative Director von SWATCH vorstellen?

Der Job, den ich habe, ist keiner, den man lernt. Es ist manchmal ein Teil davon, glücklich im Leben zu sein. Du hast etwas in dir und du findest die perfekte Möglichkeit, auszudrücken, wer du wirklich bist. Ich bin sehr glücklich und dankbar. Die Idee ist im Grunde genommen, dass ich mit meinen wachen Sinnen lebe rund um die Uhr. Denn die meiste Zeit weißt du nicht, wann und woher du die Idee bekommst. Und plötzlich bahnt sich eine Menge Information und der Moment, den ich gerne den “sich verlieben”-Moment nenne, indem Dinge zusammen kommen, muss schnell gefasst werden. Sonst ist er verloren. Wenn du nicht schnell bist, ist er weg.

Es ist kein geschriebener Job. Es ist das, was in deinem Kopf passiert. Aber natürlich, als ein  sehr struktiertes Unternehmen haben wir einen sehr intensiven Prozess im Kreieren von Produkten, indem wir Produkte zwei Mal im Jahr präsentieren. Die Fähigkeit, Dinge zusammen zu setzen, um das an das Team weiter zu geben, muss man mibtringen.

Ich arbeite in einer sehr visuellen Art. Was ich mache: ich erzähle dem Designteam eine Geschichte wie ein Großvater an einem Feuer. lachen Ich versuche in diesem Sinne mit Bildern, Stichworten, Beispielen, Materialien, Farben -Farben sind sehr wichtig für mich und Swatch – sie in eine Dimension zu bringen. Aber sie leben in der vollkommenen Freiheit, die Geschichte mit ihren eigenen Augen zu lesen. Und ich denke, das ist die interessante Balance.

Ich bin kein Designer, aber ich kreiere Bilder in meinem Kopf. Wenn es eine Geschichte über den Jungle gibt, oder eine Bäckerei, habe ich Bilder in meinem Kopf. Die Challenge ist es, ein Team von Designern zu finden, die fähig sind, meine Vision auszuführen, aber auch ihre eigene. So finden wir die Balance. Wir haben den Luxus. Die erste Runde von Kreativität sind vollkommen 360 Grad Freiheit. Danach beginnen wir mit dem Edit. Das ist manchmal nicht so einfach, denn starke Designer haben starke Persönlichkeiten. Einen Kompromiss zu akzeptieren, muss gelernt sein. Das verlangt viel Diplomatie. lachen Erfahrung bringt Ruhe, denn der Beweis kann manchmal dafür sprechen, dass man Recht hat.

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Als Creative Director scheinen Sie auch zu sein, wer Sie sind. Viele nehmen an, dass die Arbeit eines Creative Directors mehr Business abverlangt. 

Ich denke, da gibt es einen Unterschied. Wenn du eine Marke führst oder du eine Marke hast, die deinen Namen trägt. Wenn du eine Marke hast – was ich nie hatte und haben werde und was okay ist -  die deinen Namen trägt, ist es fast natürlich, dass es die Aufbläung deines Egos und deiner Persönlichkeit wird. Wenn du an die großen Namen denkst, an die ganz großen Namen, gehen viele in der Mode auch in andere Richtungen. Denn bis zu einem gewissen Punkt ist die Mode ist nicht genug. Die großen Namen machen alle auch Schmuck, oder Accessoires. Die pure Mode, die eigentlich nur Kleidung ist, macht keiner mehr. Wenn du für eine Marke arbeitest, ist es etwas komplizierter. Du musst die Werte der Marke absorbieren. Als eine kreative Person kannst du auch etwas zu diesen Werten beitragen. Ich denke, das ist etwas, dass Menschen manchmal nicht sehen oder nicht darüber nachdenken. Das ist jedoch eine fantastische Möglichkeit. Du erhältst ein Geschhenk, das ich Swatch nenne, du kannst aber das Geschenk verändern, wenn du es an jemand anderes weiter gibst. Als kreative Person solltest du diese Verantwortung fühlen. Es ist nur eine Welt, die diese Leidenschaft ausdrückt. Wenn du sie nicht mit Leidenschaft annimmst, kannst du nicht erfolgreich sein. Bei einem Unternehmen musst du Kompromisse machen, aber wenn du den Moment erreichst, an dem du dir denkst “okay, das repräsentiert mich” ist es der goldene Moment. Keiner muss wissen, dass ich es bin, der dahinter steht.

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Die Teilnehmer dieses Wettbewerbs lernen das.

Ich denke schon. Viele von ihnen haben das bereits erfahren. Sie haben ihre eigene Linie, oder haben bereits für große Firmen gearbeitet. Manche von ihnen sind vollkommen unschuldig. Die Schönheit des Wettbewerb ist edie Unschuld. Deshalb liebe ich e, mit Swatch zusammen zu arbeiten und diese Kategorie Artwork zu krieren. Denn es geht zurück zur Freiheit. Ich möchte niemanden in einen Käfig stecken, denn dieser Käfig ist sehr klein: Du musst für Swatch entwerfen. Als aller erstes – so arbeiten wir auch bei Swatch – Gib mir das Bild! Was sind die Gefühle, ist es Glück oder nicht, ist es kompliziert oder einfach, ist es romantisch oder sportlich, was auch immer. Und dann brauchst du dir keine Sorgen machen, wir werden einen Weg finden. Ich denke, das ist es, was dieses Mal so gut funktionierte. Sie sind vollkommen offen, und wir hatten die Möglichkeit, sie alle einzeln zu treffen. Ihre Geschichten sind sehr tief. Das ist fantastisch.

Manche der Teilnehmen sind jung. Was macht die Kreativität junger Menschen aus?

Das ist eine gute Frage! Ich denke wir, um es mal für meine Generation zu sagen, erwarten eine Kreativität von der Jugend, die glücklich ist. In der mittleren Zeit haben wir sehr viele Erfahrungen, und ich denke Jugend ist Enthusiasmus nicht in einer blöden Art. Diese Menschen treiben dich dazu, zurück zu denken. Wow, als ich 20 war, war ich glücklich. Ich war nicht immer glücklich,. Du findest Facetten in der Art, wie sie denken. Das hauptsächiche Ziel für mich ist es, das Element zu finden, was die einen von den anderen unterscheidet. Und ich denke, das ist Kultur. Ich glaube sehr an die Wichtigkeit davon, woher du kommst. Ob du aus Italien oder Deutschland kommst, einer großen oder kleinen Stadt. Es unterscheidet dich darin, wie du mit anderen Menschen interagierst. Es ist anders, wie sicher du bist. Es ist wichtig wie du mit deiner Familie lebst. Und all diese Dinge äußern sich letztlich in der Kreativitt. Und das ist es, was ich interessant finde. Die Oberfläche zu kratzen, und diese Elemente zu finden.  Natürlich stelle ich mir vor, wie diese Menschen in unser Team passen könnten. Wir wollen auch die Lücke füllen. Also denken wir uns, vielleicht brauchen wir jemand stylischeren, glamoröseren, manchmal jemanden, der technisch ist oder bereits schon weiß, was er will.

Die größte Rolle für die Jugend ist es, den Horizont derer zu öffnen, die Macht haben. Und es wird gefährlich, wenn wir ihnen nicht zuhören.

Es ist interessant, dass Sie von einer glücklichen Jugend sprechen. Manchmal nehme ich die Jugend in Deutschland als depressiv wahr.

Da ich in einem Land wie Italien lebe, weiß ich, was eine depressive Jugend ist. Denn unglücklicherweise ist das Land in einer solchen Situation. Wenn du das Glück hast, in einer Firma zu arbeiten, die diese Angelenheit ansprechen kann und mit positiver Energie auf Vordermann bringen kann, auch wenn es nur für ein Event ist… Wir wissen alle, die Macht der Marken ist heute limitiert. Es ist nicht mehr wie in den 80ern. Aber man kann inspirieren. Ich habe ein gutes Beispiel: Der Gewinner von letztes ITS Artwork von Swatch arbeitet bei uns seit sechs Monaten und wurde übernommen. Er kam mit einem Talent, aber einer dunklen Seite. Es war nicht mein Ziel, ihn zu verändern. Aber die Umgebung hat ihn verändert. Die Idee, in einer dynamischen Welt zu sein, in der Dinge ernst genommen werden, weil es um Erfolg geht, haben wir auch immer eine lustige Seite.  Und ich denke, das ist die Verantwortung, die wir als Gesellschaft haben sollten. Das Leben ist eine ernste Sache. Aber wenn du eine lächelnde Seite hast, ist es so viel einfacher.

Also glauben Sie an die Jugend?

Absolut. An die Jugend nicht zu glauben, ist Selbstmord. Wie könnte man nicht an die Jugend glauben? Es ist so, als würde man nicht lieben.

Aber es gibt Menschen, die nicht an die Liebe glauben.

Ich glaube, es ist ganz im Gegenteilt. Menschen, die nicht an die Liebe glauben, halten Ausschau danach. Ich habe immer diese Unterhaltung mit einem Freund “Ich glaube nicht an die große Liebesstory – ich bin allein und habe kleine Flirts”. Vielleicht ist das wahr, aber auch das ist deine Form der Liebe (er meinte die Flirts). Aber Liebe und Jugend sind die ultimativen Bestreben der Menschheit. Warum möchte heute keiner Falten haben? Wenn du jung aussiehst, denkst du, du kannst alles tun. Ich persönlich bin sehr gegen die plastische Chirurgie wie man sieht, da ich sehr natürlich bin. Aber ich verstehe diesen Punkt. Man möchte immer noch Liebe.

An den Falten sieht man letztlich, dass es eines Tages zum Ende kommt.

Als ich ein Kind war, und jemand 100 Jahre alt wurde, dachte man, der Typ sei ein Magier. Heutzutage sterben Menschen im Alter von 105, 107. Natürlich ist das ein Problem in der Gesellschaft. Je älter die Menschen werden, je weniger Raum haben die Jungen. Der Raum ist limitiert. Am Ende gehen wir zum Mars. Aber es lehrt eine große Lektion: Du hast mehr Zeit, um glücklich zu sein. Du hast mehr Zeit, um erfolgreich zu sein. Was ich nicht mag, ist es, wenn es künstlich wird.

Wenn du Jung in deinen Gefühlen und Leidenschaften bleibst, kannst du für immer weitermachen. Aber ich möchte nicht für immer weitermachen. lachen Aber du kannst für immer weitermachen.

Was muss passieren, damit sich die italienische Jugend verändert?

Was passieren muss ist, dass das alte Establishement verstehen muss, dass sie austreten müssen. Für mich ist es sehr traurig. Denn ich denke, das Potential ist da. Die Menschen sind da. Die jungen Menschen sind da. Aber keiner ermutigt sie. Einen Vogel zum Fliegen zu bringen fehlt. Mit zwei Händen bringen sie sie dazu, sich selbst zu essen statt sich selbst zu füttern. aAs ist ein soziales Problem. Deshalb verlieren wir die Talente.

Sie müssen sic mit ihrer Existenz herumschlagen. Es bleibt nicht die Freiheit…

Aber ich muss sagen, mache Menschen habe nicht, entschuldige das Wort, die Eier, das Risiko aufzunehmen. Wir sind Italiener, es ist sehr nett bei der Mama zu wohnen bis man 30 ist. lachen

Aber Italien hat das Auge für die Schönheit. Zuletzt möchte ich von Ihnen noch wissen, woher das kommt!

Wie ich bereits sagte, glaube ich, dass die Wurzeln sehr wichtig sind. Italiens Fundament ist die Ästhetik der Renaissance. Das ist die goldene Zeit. Auch wenn Italien damals kein Land war, mehr oder weniger war es eine Kultur. Die Vision der wie man sie heutzutage Sponsoren nennen würde, der Mäzenen war von Bedeutung. Es gab illuminierte Menschen, die eine Vision von Schönheit und Kunst hatten, die die Welt retten kann. Ich denke, wenn du in Italien geboren bist, sogar ein normales Leben hast ohne von einer sophisticated, kultivierten Familie zu kommen, penetriert es deine Haut. So endest du mit einer Ästhetik, die anders ist. Es ist der glückliche Moment Italiens, dass dieses Land noch immer einen Einfluss auf uns hat. Und ich bin sehr stolz darauf. Ich muss sagen, dass ich einen großen Sinn dafür habe. Es ist sehr interessant. Mir ist das zwei Mal passiert in meinem Leben – für Swatch natürlich und für andere Marken – dass ich es mit einer Marke aus dem Norden zu tun hatte, die sehr technisch und pur ist, die perfekt arbeiten, die Funktion ist toll, aber die Emotion fehlt. Swatch ist österreischich, die Dimension des Unternehmens ist präsizise und sauber. Aber wenn du dazu nicht den mediterranen Geist, um poltisch korrekt zu sein, mit Farben, Formen, Balance bringst, dann stirbt es. Und wir sind gute Geschichtenerzähler! lachen

Vielen herzlichen Dank für das tolle Gespräch!

Bilder: Gianmaria Gava, ITS itsweb.org, http://2.bp.blogspot.com, Swatch Press

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ITS – International Talent Support Festival 2014 in Trieste

Vergangene Woche unterbrach ich die Fashion Week in Berlin, um zum ITS Festival nach Trieste zu reisen, wozu mich SWATCH einlud. Das ITS Festival ist ganz nach dem Namen International Talent Support ein Festival, das in vier Kategorien mit zahlreichen Preisen, Dotierungen und neuen Berufsmöglichkeiten Nachwuchsdesigner auf ihrem Weg unterstützt. Gegründet wurde das Festival vor 13 Jahren von Barbara Franchin, einer Talententdeckerin, die bereits Designer wie Raf Simons und Viktor&Rolf als Jury-Mitglieder für ITS gewinnen konnte. Und unter den Gewinnern war bereits unter Anderem der britische Designer Mark Fast, der Strickmode erfolgreich auf der London Fashion Week zeigt. Die großen Sponsoren sind die Marken Swatch, Diesel, Swarovski, YKK und Samsung, die alle ihre eigene Kategorie und Jury haben. Unter dem Thema „lucid dream“ war die einzige Einschränkung und zugleich Herausforderung, mit der DNA der Marke zu arbeiten. Nominiert wurden in jeder Kategorie 10 Teilnehmer aus den verschiedensten Nationen. Freitag Abend fand die Ausstellung statt, in der alle Arbeiten in den Kategorien, Accessories, Kunst und Schmuck zu sehen waren, von denen am nächsten Tag die besten ausgezeichnet werden sollten. Die Arbeiten der Kategorie Mode wurden mit einer Präsentation vor der Preisverleihung angekündigt. virginia

In der hochkarätigen Jury von SWATCH saßen Carlo Giordanetti, Creative Director des Labels, der Kunsthistoriker Juri Steiner, das Berliner Künstlerpaar Eva & Adele, der italienische Künstler Gianluigi Colin, der Creative Director Sebastian Fischenich, ehemalige Direktorin der spanischen Vogue Maria Eugenia Alberti und zuletzt der Sänger Mika Penniman und seine Schwester Yasmine. Allein wegen der ersten drei Jury-Mitgleider wollte ich mir dieses Event nicht entgehen lassen. Die Interviews, die ich mit ihnen führen durfte, werde ich in den nächsten Tagen veröffentlichen können. Wegen des letzten Teils der Jury kamen übrigens unzählige Mädchen, um stundenlang vor unserem Hotel gelegen am Meer im Zentrum Triests zu warten. Solch einen Andrang habe ich in Deutschland noch nie erlebt. Wie ich später erfuhr, ist Mika in Italien so beliebt und bekannt, weil er in der Jury der italienischen Verison von X-Factor saß.

Der Preis in der Kategorie “Artwork” ging an Virginia Burlina. Ein Kriterium der Juroren Eva & Adele war Radikalität und Schönheit. Gewonnen hat sie letztlich Carlo Giordanetti zufolge, vor Allem auch durch die Feminität des Bildes und Eleganz, die nur von einer Frau verkörpert werden könne. Auch mit der Emotionalität und Poetrie habe Viriginia Burulina die Essenz der Marke Swatch am stärksten gedeckt. SWATCH, eine Schweizer Uhrenfirma, die sich als “größte Kunstgallerie” mit dem Geiste eines 6 jährigen Kindes beschreibt, fand sich verkörpert auch durch die Visionen der weiteren 9 Teilnehmer aus 6 Nationen in einem neuen Kontext. Beachtet sollte neben der DNA von Swatch, auch die Größe von 150x150cm und das Einbinden dreidimensionaler Elemente. Den Materialien, Farben und Formen waren keine Grenzen gesetzt. Mir hat besonders die Arbeit von Ryota Murakami und seiner Mutter Chiaki gefallen. Gemeinsam haben Sohn und Mutter eine gestrickte Welt aus dem Kinderzimmer eingereicht. Fabelhafte Kuscheltiere glitzernd getragen auf Wolken zwischen Regenbogen waren farbträchtig kreativ und phantasiereich. Die Arbeit der Teilnehmerin Youmeng Liu stellte ein Koboldartiges Wesen dar, das in einem transparenten Bauch bewegliche Insekten in sich barg. Ihre Vision war faszinierend gruselig und kindlich zugleich. Virginia Burlina jedenfalls wird ihre Vorstellungen zu der Marke SWATCH in einem Praktikum in das Design der Uhren einfließen lassen, und mit einem 10.000 Euro dotierten Preis sich ihren eigenen kreativen Weg ebnen. swatchKobold

In der Kategorie Fashion, dessen Jury unter Anderem von Diesel Creative Director Nicola Formichetti und beherbergt wurde, gewann die Britin Katherine Roberts-Wood mit ihrer Kollektion “Synch” gleich zwei Preise: Fashion Collection of the Year und den Vogue Talents Award. Obwohl ihre Entwürfe weniger innovativ waren, passen sie ganz in die Ästhetik der italienischen Vogue durch ihre raffinierte Schönheit, der unverkennbar aufwendigen Handarbeit. Wie alle anderen Teinehmer entwarf auch sie ein Teil in ihrem Stil ganz nach Profil Diesels in Jeans-Optik. In der Kategorie Fashion beeindruckte mich besonders Jae Woo Lee aus Südkorea, die jedoch leider leer ausging. Ihre Kollektion “Dis.connect” zeigte zweiseitige, gerippte Wolle, wobei Stoffreste lose an den fundamentalen Kleidungsstücken hingen, fliegten, magnetisch klebten.

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leelee2xxDen Award für Fashion Special Prize erhielt Anita Hirlekar mit gestrickten, unendlich einander verwobener sichtbar maschiger Wolle.

Die Männer – Kollektion “Bunnies with the sea” von Anna Bornhold, die ganz nach ihren deutschen Wurzeln die nordische Ästhetik auf hippe Art wiedergegeben hat, gefiel mir persönlich leider gar nicht. Entwürfe dieser Art waren bereits häufig zu sehen. Sie jedoch erhielt den Modateca Award. Den Diesel Award erhielt verdient Zoe Water. Ihre Jacken erinnerten an Rucksäcke. Ihre Entwürfe kamen dem Stil Diesels selbstverständlich am nächsten und werden hoffentlich bald in ähnlicher Form zu kaufen sein.

annaanitaDen Vogue Talent Award in der Kategorie Jewellry hat Maiko Takedo gewonnen. Ihr Traum besteht aus der Vorstellung, Wolken zu tragen. Ästhetisch hat sie sich inspireren lassen von Robert Wilson`s Produktion von Philip Glass Oper “Einstein am Meer” aus dem Jahre 1976, die die Japanerin 2012 in London sah.   maikoMirja Pitkaarts Entwürfe haben mir ebenfalls sehr gut gefallen, wofür sie auch in der Kategorie Accessoire einen Preis gewonnen hat. Hier zu sehen ein Teil ihrer Kollektion: ein Notizbuch mit dreidimensionalem Cover aus Leder hochwertig hergestellt. mirja pitkaartAm gleichen Tag vor der Preisverleihung durften wir noch im Archiv von ITS Entwürfe vergangener Gewinner bestaunen. Dort erzählte mir einer der Triest Helferinnen, eine Filmstudentin aus Kroatien, dass der Illy Cafè aus der Stadt Triest komme und man an der slowenischen Grenze, wo der Kaffee produziert werde, den Kaffee bereits riechen könne. Den himmlischen Duft habe ich nicht mehr erleben können, aber das Archiv hatte fast ebenso eine berauschende Wirkung. Zwei kleine Zimmer im obersten Stockwerk eines alten Gebäudes waren gefüllt mit den Arbeiten der Gewinner aus den letzten 13 Jahren. Tausende Einreichungen hatte man ebenfalls in grauen Pappkartons aufbewahrt, die während des Festivals jederzeit geöffnet werden durften. Das Archiv selbst öffnet nur einmal im Jahr während der Veranstaltung, daher ein paar Eindrücke aus der Schatzkammer:

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Wie erwartet waren unter den Gästen sehr gut angezogene Frauen und Männer. Kreativität und Opulenz waren die Charakteristiken, die zu sehen waren. Der Berliner Individualismus und die jugendlichen Subkulturen, aus denen ich direkt eingeflogen war, vermisste ich dennoch. Denn die Feminität wurde von vielen Gästen auch auf die Spitze getrieben, von vielen Gästen aber auch wunderbar verkörpert. Von den männlichen (italienischen) Gäste habe ich leider keine Bilder machen können, doch deren Stilbewusstsein ist ohnehin reichlich auf den Streetstyle Bildern der Pitti Umo zu bewundern.

style itsIMG_2453style triesteVon dem Wettbewerb hatte ich zuvor nichts gehört, es hat jedoch meine Erwartungen übertroffen. Viele Arbeiten waren sehr künsterlisch und beinhalteten einen Gedanken, und das trotz der Tatsache, dass eine Zusammenarbeit mit Marken stattfand, in der eben die Arbeiten auch der Ästhetik der Marken gerecht werden mussten. Das Thema “lucid dream” ließ dabei den größtmöglichen Raum für Ideen offen, und hat dabei eben selbst auch die Kreativen allein mit der Auswahl der Thematik zum Nachdenken angeregt. Unterstützt werden sie mit zahlreichen Awards allemal. So viele Awards waren es vor Allem in der Kategorie Fashion, dass man keine Übersicht mehr hatte. Zudem wurden manche Arbeiten in mehreren Kategorien nominiert und gekrönt. Eine gute Möglichkeit für die Talente ist ITS auch deshalb, weil sie eben auch entdeckt werden können, von Investoren oder beispielsweise Gallerien. Mit 99 Medienvertreten aus 13 Ländern bestand das Publikum aus hochwertiger internationaler Fachpresse, unter Anderem mit der italienischen Vogue als Berichterstatter und zugleich Unterstützer. Dadurch, dass sich Kunsthistoriker, Künstler und Modedesigner unter den Juroren befanden, hatte der Wettbewerb auch einen intellektuellen Anspruch an die materiellen Arbeiten. Die Qualität des Festivals kam durch die Aufmachung des Designs und Layouts der Festivalbilder sowie die Internetpräsenz nicht sehr gut zum Vorschein, was wohl auch mein einziger Kritikpunkt wäre.

Was mir besonders an dem Festival gefiel, war die Entspanntheit des kreativen Publikums. Ich mochteauch die Gelassenheit der Stadt Trieste, die der Gastgeberin und mitwirkenden Juroren und Partnern. Die Arbeit der Kreativen wurden zelebriert und gefeiert. Neben den drei Juroren von SWATCH, lernte ich außerdem die Redakteurin Juliana Buchroithner von Material Girl, Anja Tranninger von Flair aus Österreich, sowie Andrea Lucia Brun von der Schweizer Zeitschrift Bolero und letztlich auch Samantha Oberholzer und Nina Thelenberg von SWATCH kennen. trieste1.Bild:  Giuliano Koren für ITS

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“Wien ist keine supergehypte Modestadt” – Jungdesignerin Roshi Porkar in Berlin

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Ihre erste Kollektion für Frühjahr Sommer 2015 durfte Roshi Porkar, Gewinnerin des Chloe Preises des diesjährigen Hyères Fashion Festivals, vergangenen Donnerstag auf der Mercedes Benz Fashion Week Berlin zeigen. Die gerade erst 25-jährige Absolventin der Wiener Universität für angewandte Kunst wurde im Rahmen des Nachwuchsförderungsprogramms von Mercedes Benz und Elle gewählt. Ausgestellt wurde eines ihrer Entwürfe zudem gemeinsam mit denen von Steven Tai und Satu Maraanen im Bikini Berlin unter der Leitung Haider Ackermanns. Letzterer kam zur Vernissage, um die ebenfalls ausgestellten Kampagnenbilder vorzustellen, für die er als Stylist arbeitete. Dort traf Roshi ihn auch zum ersten Mal. Aufmerksam und zugleich verlegen hört sie einem der großen Avantgardisten der Modewelt zu, den sie als sehr netten Menschen beschreibt. Nervös war sie vor Allem, weshalb man ihr erst zur letzten Minute vor der Show verriet, dass er gemeinsam mit Tilda Swinton im Publikum saß, um sich die Show anzusehen wie sie mir im anschließenden Gespräch erzählte.

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Die Entwürfe ihrer ersten Kollektion betrachtet sie selbst viel mehr als Kunstobjekte als dass sie die Teile getragen an einer Frau betrachten könnte. Sie sehe sie nur an der Frau auf dem Laufsteg. Von der Kunst selbst ließ sich die Künstlerin für ihre erste Kollektion inspirieren. Auf der Documenta in Kassel letztes Jahr stieß sie bei einer Ausstellung auf die 4000 Jahre alten Statuen baktrischer Prinzessinnen.

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Die junge Wienerin wirkt in sich gekehrt mit großen Augen und weicher Stimme dabei selbst fast schon wie eine iranische (Disney-) Prinzessin. Ihre iranischen Wurzeln jedenfalls sind nicht weit entfernt von denen der Baktrischen Prinzessinnen: das ehemalige Baktrien ist das heutige Afghanistan. Sie stimmt zu, dass Prinzessinnen heute im Zuge des Feminismus negativ konnotiert sind, auch deshalb tue sie sich damit schwer. Die Prinzessin sei aber nur Ausgangspunkt der Kollektion. Sie baue nicht durchgehend darauf auf und sei viel mehr ein Experiment mit dem Körper, eine Auseinandersetzung mit weiblichen Proportionen. “Mode ist nur dazu da, dass man sich anzieht, sehr oberflächlich. Alles andere muss man selbst beweisen. Jede kultivierte Frau weiß das auch.” Sie hat nichts dagegen einzuwenden, wenn Frauen sich wie Prinzessinnen fühlen möchten, jedoch nur, solange es nicht zu negativ betont werde.  Schließlich sei die Kollektion, die eine Weiterführung der in Hyères gezeigten ist, an die Chloe-Frau angelehnt. Und die beschreibt sie als starke, freie, softe Frau genauso wie ihre Models, die sie selbst gecastet hat. Dass sie stark waren sah man vor Allem an dem festen, zielstrebigen Gang der Models. Die Chloe-Frau jedenfalls trage Elemente, die sie auch selbst interessant fände. Sie habe die DNA der Marke jünger und cooler machen wollen. Genau dafür erhielt sie den mit 15.000 Euro dotierten Chloe Preis des Hyeres Festivals, das als Avantgarde gefeiert wird. Wie in einem Artikel auf der Zeit beobachtet wird, habe sich das Festival aber mit der Wahl der Kenzo Creative Directors in eine kommerzielle Richtung entwickelt. Einen Konflikt, wie er viele Künstler und Designer beschäftigt, sieht Roshi Porkar jedoch zwischen Avantgarde und Kommerz für sich selbst nicht. “Ich entwickle mich langsam in eine Richtung, in der es mir wichtiger wird, dass es von vielen getragen werden kann. Nicht von jedem, aber ich bin nicht jemand, der nur experimentieren will und Avantgarde sein möchte.” An der Uni sei sie experimenteller gewesen so wie jeder es an der Uni ist, meint Roshi. Dabei habe sie aber auch Sachen gemacht, auf die sie überhaupt nicht stolz ist. Doch das gehöre dazu. Ihr Studium an der Universität der Angewandten, wo sie unter Bernhard Wilhelm lernte, beschreibt sie als einen Ort, der sie gefördert habe, selbst zu lernen. Die Universität sei offen und habe ihr anders als an anderen Unis ohne Stress, Zeit zum Entwickeln gegeben. “An der Angewandten hat man eine sehr große Freiheit, vor allem sehr viel Zeit, Platz und Raum, seinen Weg zu finden.” Über die Zukunft macht sie sich noch nicht so viele Gedanken, weder über eine mögliche Arbeit als Creative Director für eine Firma, noch über das Einkleiden von Persönlichkeiten, genauso wenig über die Arbeit anderer Designer. Andere Designer habe sie in Berlin bedauerlicherweise auch nicht sehen können, doch die Stadt wirke sehr energetisch auf sie, weshalb sie sich auch gut vertreten fühle. Sie merke, wie hoch die Nachfrage sei, vor Allem bei Jungdesignern und das findet sie gut. Einmal im Jahr besuche sie Berlin, und sei dabei oft in Neukölln, wobei sie sich dabei nicht sicher sei, denn die Stadt empfindet sie als riesig, deutlich größer als Wien. Die Modeszene in in Wien hingegen sei relativ klein. Zwar gäbe es sehr viele talentierte, junge Designer, die dort arbeiten, aber es sei alles noch ein bisschen kleiner und langsamer. “Wien ist keine supergehypte Modestadt.”

Supergehypt hingegen is zurzeit Pharrell und Eminem, die ja doch mittlerweile zu Ikonen aufsteigen könnten, wenn sie es nicht sogar schon sind. Die Rapper begleiteten im Remix eines Freundes zur klassischen Melodie ihre Kollektion. Die Musik spiegele ihre Kollektion wieder: Klassisch, aber durchbrochen. Sportlich, feminine Elemente wollte sie dabei in ihrer Kollektion haben. Da entwarf sie ganz nach den aktuellen großen Kollektionen, wo Sportlichkeit eine immer größere Rolle spielt. Ihre Kollektion ist nicht geleitet von einem künstlerischen Gedanken, sondern viel mehr von den äußerlichen Codes der DNA wie auch aktuellen Trends in ihrer eigenen Sprache, und vor Allem Technik des neudefinierten Raumes des weiblichen Körpers. Aber über ihre eigene Kollektion möchte sie gar nicht so viel sprechen, denn die müsse so gut wie möglich werden, dass sie für sich selbst sprechen kann. Und das kann sie.

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Fashion Week Berlin SS 2015: favorisierte Designer

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Die Mercedes Benz Fashion Week, die kommenden Dienstag im Erika Heß Stadion in Wedding beginnt, wird eine entspannte Modewoche, davon bin ich überzeugt. Umso mehr freue ich mich, auf Designer konzentrieren zu können, die ich schon seit Längerem aus persönlichem Interesse verfolge. Deutsche Modemacher haben es nicht einfach in ihrem Beruf, gerade weil das Vorurteil über ihre Kultur besteht, für Mode weder Interesse noch Kompetenz zu haben. Dennoch bahnen sie sich ihren Weg, so schwer dieser auch sein mag. Keinen der Berliner Designer sehe ich auf dem höchst möglichen Niveau, doch manche von ihnen sind auf dem besten Weg dahin. Andere wiederum lassen sich feiern, obwohl sie nicht einmal so genau wissen, wo es lang geht. In den nächsten Tagen werde ich insbesondere auf die folgenden Designer ein Auge werfen:

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Dawid Tomaszewski Metamorphosis nannte sich die Kollektion für SS 2013, die mich fesselte. Die transparente Seide schmückte dabei die Frau, und erhob sie gleichzeitig. Er definiert die Frau nicht per se durch ihr Aussehen. “Die Dawid Tomaszewski Frau ist eine starke und durchsetzungsfähige Person und versteht es, diese Eigenschaften in ihrer Kleidung reflektieren zu lassen.” Seine bisherigen Winterkollektionen waren sind definitv sehr unspektakulär, während seine Entwürfe für den Sommer ganz im Kontrast stehen und mich bisher überzeugten. Lesen fortsetzen

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