“Qualität zählt!” – Andrea Kargs “Embracing Uncertainty SS15 Kollektion für Allude

“Ich kann die Welt nicht verändern, aber etwas angenehmer machen”, lautete das Leitmotiv der Kreativ Direktorin Andrea Karg für die SS 15 Kollektion ihres Labels Allude, die sie am 1.Oktober im Pariser Palais de Tokyo zeigte. Weniger radikal als der deutsche Kollege Lagerfeld, der ein Tag zuvor im Namen des Feminismus seine Models protestieren ließ, war die Münchnerin damit. Dabei könnte man bei einem ähnlich traditionellen Unternehmen mehr Haltung wagen. Aber vielleicht kann man Andrea Karg mit ihrer Arbeit als gelernte Juristin, Mutter und Gründerin eines erfolgreichen Labels bereits selbst als Beispiel par excellence der feministischen Emanzipation sehen. Ohnehin sei der Wechsel von Jura zur Mode kein Sinneswandel gewesen, wie sie mir backstage vor der Show verriet. “Letztendlich ist es überhaupt kein Widerspruch. Sie müssen ja eine klare Linie verfolgen.” Die klare Linie muss für Andrea Karg der 20-jährige Erfolg ihres selbst gegründeten Labels Allude sein. Zeigte sie bereits Kaschmir in verschiedensten Entwürfen, womit sie vor 20 Jahren eine Nische entdeckte, kommt die Verwurzelung der Mode in der französischen Kultur ihrer Marke, die sie als internationale begreift, gelegen. Ihre Mode kommt in Frankreich ohnehin so gut an, dass der französische Markt der zweit stärkste ist.  Möchte man wissen, was das Geheimnis dahinter ist, so erfolgreich mit deutschen Wurzeln in der Pariser Woche zu überleben, muss Andrea Karg nicht lange überlegen. “Qualität zählt!” In Paris sei es ein ausgesprochen hohes Level, und da beweise sie sich gut. “Das ist es”, sagt sie bestimmt selbstbewusst mit einem charmanten Lachen. Von dieser Herangehensweise, dieser Wertschätzung an längst verlorener Qualität können sich sicherlich die Kollegen in Deutschland eine Scheibe abschneiden.

Hingeführt hat sie nach Paris letztlich ein hochwertiges Material. Ihre Faszination an Kaschmir ist selbst faszinierend. Das Material sei unheimlich inspirierend. Getreu dem Motto “Geht nicht, gibt’s nicht” fange sie immer an, die Experimenntierkunst auszudehnen und genau das mache ihr Spaß. Dass ihr die Arbeit Spaß macht, sieht man ihrem frischen schönen Antlitz an.

War ihre letzte Kollektion nahezu sakral, so erinnerten ihre Entwürfe der Frühling Sommer Kollektion 2015 an die Schönheit der Jahreszeiten. Dunkle marineblaue Teile, die an Monokinis am Meer erinnern, paarten sich zu schneeweißen Minikleidern, verschlossen oder sexy mit Cutouts. Auch an dieser Kollektion ging die Ästhetik der Sportlichkeit nicht unbemerkt vorbei. Highlights waren leuchtende Zweiteiler besetzt mit leuchtenden pastellfarbenen Steinchen. So groß die Herausforderung ist, sich auf ein Material zu fokussieren, Andrea Kargs Stärke besteht darin, klassische Teile, vor Allem aus Kaschmir, zeitlos und tragbar zu entwerfen, weniger Trends zu setzen. Wer sich in ihren Entwürfen widerfindet, findet sich selbst wieder. Denn schlichte Pullover aus hochwertigem Material mögen zwar für die einen konservativ wirken, doch kozentrieren sie sich auf eine reife Frau, die ihre Ziele verfolgt. Die Geborgenheit des Ziegenfells gibt ein sich selbst wertschätzendes Gefühl. Das teuerste Material ist bei Andrea Karg damit in besten Händen.

ALLUDE SS15 01ALLUDE SS15 11ALLUDE SS15 45ALLUDE SS15 48ALLUDE SS15 55Die Models waren vielfältig wie ein weiterer Gedanke der Kollektion: Offenheit. Offenheit für verschiedene Lebensweisen, ohne vorgegebene Regeln. Zu Dünn waren nur die Models dennoch, deren Rippen man unnatürlicherweise wie gewohnt sehen konnte.

Andrea Karg arbeite an einer Arbeit, in der sich Mode und Jura verbinde. Da wäre vielleicht Gerechtigkeit in der Modewelt ein Thema. Eine Arbeit, deren Ergebnisse vor Allem der Feminismus begrüßen würde. Bis dahin zelebriere ich auf diesem Blog die starke, sexy Weiblichkeit der SS Kollektion von Allude!

ALLUDE SS15 58Bilder: Shoji Fuji

Iris van Herpen SS 15 Paris “Magnetic Motion” – Nackt über Wasser in Bewegung

Zur Präsentation der SS 15 Kollektion lud Designerin Iris van Herpen vergangenen Dienstag auf die Dächer des Musee Centre Pompidou. Bekannt für ihren Hang zur Technik und räumlichen Dehnung des menschlichen Körpers, besuchte die niederländische Designerin zur Inspiration ihrer Entwürfe der “Magnetic “Motion” die Large Hadron Collider (Großer Hadronen-Speicherring) am CERN (Europäische Organisation für Kernforschung). Auch ihrer Sonderstellung als eine der wenigen Künstlerinnen der Pariser Modewoche wurde sie gerecht: zur Realisierung ihrer skulpturalen Modeentwürfe arbeitete sie mit dem kanadischen Architekten Philip Beesley und dem dänischen Künstler Jolan van der Wiel.

IMG_8864Das Radikale an ihrer Mode ist nicht nur die Erhebung zur Kunst sowie der Verschmelzung technischen Fortschritts, sondern die prägende Natur am weiblichen Körper. Nicht etwa, weil van Herpen wie viele der anderen Designer gängig klassisch traditionelle Motive wie das der Blumen nutzt wie es so oft in den vergangenen Wochen wenn nicht Jahren gezeigt wurde. Mit der Technik bringt sie den Menschen wieder zurück, zu dem, was er ist: zur Natur. Sowohl die Oberfläche der Tiere als auch physikalischer Gebilde der Natur zieren den Körper der Frauen. Iris van Herpen ist dafür bereit, den Körper weiter zu denken. Das Relief wird aus einem eindimensionalen zeitigen Gedanken zu einem futuristischen 3D Gewand. Interessant ist dabei, dass der ironischerweise so dürre Körper der Models durch die insektenartige Oberfläche sexuell aufgeladen, fast fetischisiert wird. Und trotz des künstlerischen Anspruchs verzichtet die Designerin nicht auf den Sex-Appeal in ihrer Kollektion. Denn Kunst und Mode schien lange den Sexiness-Charakter auszuschließen. Iris van Herpen hingegen zeigt ein tiefes Dekolléte, kurze Kleider, Cut-Outs. Zwischen transparenten Kleidern finden sich auch ausgeweitete oversize Schultern in Schwarz, sogar eine Jacke im Bomberstil. Natürlich keine einfache Bomberjacke, sondern eine dunkelblaue, stachelig und glänzend wie die mysteriösen, fast angsteinflößenden Insekten dieser Welt.

In Wasser gekleidet, ihr Gang so bemüht  leicht, ließ das Kleid zum Finale durchblicken. Als führe sie über das rote Meer, ihre Lieder so wässrig wie das Nichts um ihren Körper. Inge Gognard bemalte die Lieder mit einer transparenten Substanz von M.A.C. as Haar blieb offen verspielt, streng im Mittelscheitel wie der Beautylook bereits auch bei anderen Designern gezeigt wurde. Zu den ohnehin animalischen Kleidern trugen die Models igelartige High Heels ohne standfesten Absatz wie sie an den Meister Alexander McQueen erinnerten. Ihre Models liefen gut, waren vielfältig schön. Nachtdunkle Haut jedoch vermisste ich, da gerade ein durchsichtiges wässrig weißes Kleid intesiv gewirkt hätte.

IMG_8854IMG_8860IMG_8876IMG_8882IMG_8891IMG_8897Iris van Herpen zeigte erneut eine starke Kollektion, die von Kritikerin wie Suzy Menkes, Model Saskia de Brauw, und Schauspielerin Gwendoline Christie bewundert wurde.  Iris van Herpen schafft es, durch Betonungen auf den Körper der Frau ihre Stärke hervor zu heben. Mit ihrem besonderen Interesse an Wissenschaft, Natur und ihrer besonderen ästhethischen Note kreiert sie Kunstwerke für die Zukunft.

Chanel protestiert – Als Feminist schickt Karl Lagerfeld seine Models mit politischen Plakaten auf den Laufsteg

“History is her story”, “Ladies First”, “He for She” forderten Topmodels wie Cara Delevingne, Baptiste Giabiconi und Toni Garrn zum Finale von Chanels SS Kollektion 2015 vergangenen Dienstag. Als Sohn einer Feministin widmete Karl Lagerfeld seine Show den Frauen, und dem einst vergessenen doch längst wieder aufkommendem Feminismus.

CHA_0792Feminismus, ein Trend gejagt von einem modischen Zeitdiagnostiker

Erst vor knapp zwei Wochen sprach Schauspielerin Emma Watson im Rahmen der feministischen Kampagne “He for She” bei den Vereinten Nationen. In ihrer Rede setzte sie sich für Selbstbestimmung über den Körper, Bildung und das nötige Engagement der Männer für Frauen ein.

Eben jener Ruf “He for She” zierte auch eines der Plakate, das von dem männlichen Model und Lagerfeldmuse Baptiste Giabiconi in der Präsentation der Damenkollektion SS15 getragen wurde. Es ist nicht das erste Mal, dass Karl Lagerfeld den Laufsteg zum Protest nutzt, oder zumindest den Zeitgeist genial kommentiert und in der Mode zum Ausdruck bringt. Erst seine letzte Show war ein großer Erfolg. Stand die Supermarktkulisse der sportlichen Kollektion durch die Fetischisierung des Essens und Sports, den Aufstieg der Supermärkte in der westlichen Welt und dramatischen (Marketing/Instagram-)Präsentation im Zeichen der Zeit, so machte Lagerfeld  erneut den Laufsteg zur Bühne seiner Zeitdiagnostik. Karl Lagerfeld ist einer der Modemacher, deren Stärke nicht in der Mode selbst liegen, sondern in der erfolgreichen Jagd nach Trends. Als belesener, intellektueller Mensch ist er stets darum bemüht, politische Statements zu geben, die von Tageszeitungen festgehaltene Geschichte in der Mode aufzuarbeiten. Auch zur gleichgeschlechtlichen Liebe, die in Frankreich stark umstritten war, äußerte er sich über den Laufsteg. Präsentationen dieser Art scheinen jedoch auch dem Marketing der Kollektionen gelegen zu kommen. Schließlich schafft es Chanel, sich dadurch immer wieder auch dort Gehör zu verschaffen, wo die Mode insbesondere in Deutschland kaum Beachtung findet: in der Politik.

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Können Models feministische Vorbilder sein?

Haben Proteste dieser Art also überhaupt eine Wirkung? Wer sind diese Frauen, die sich für den Feminismus als Model im Rahmen der Show einsetzen? “Je ne suis pas en solde” (Ich bin nicht käuflich) ruft eines der Taschen der neuen Kollektion. Das Model hat diesen typischen leeren Ausdruck der Sorte Frau, die schön, aber nicht stark ist. Gerade der Modelberuf ist oft Zielscheibe der Kritik. Frauen verkaufen ihren Körper, reduzieren sich auf ihr Geschlecht, werden zum Objekt der Männer – Vorwürfe eines festgesetzten Feminismus. Der Modelberuf schließt ein feministisches, starkes Frauenbild nicht aus. Doch er ist nicht zu Unrecht umstritten. Gerade in Frankreich sind Models – ob natürlich oder nicht- ausgesprochen dünn. Die Bilder der Kollektionen erreichen Frauen aller Welt. Der Modelberuf ist längst wieder die Bestätigung von Schönheit: wer modelt, ist schön. Das müssen zumindest gerade die jüngeren Mädchen denken, die auch in Deutschland Castingshows wie “Germanys next Topmodel” verfolgen und davon träumen, Model zu sein. Der Umgang mit dem Körper, der einhergende Magerwahn sowie der Boom der Schönheitschirurgir durch normierende Gesichtszüge sind sehr wohl Probleme, die von der Modeindustrie begünstigt werden. Aber da die Mode durch ihre Bilder und Regeln Mode einzige Pädagoge ist, ist die Kritik an ihr als einzige Quelle allen Übels zu einfach. Trotzdem ist der dargestellte Protest kontrovers. Denn gerade die Wahl eines 15-jährigen Models wie der Schweizerin Stella Lucia ist fraglich. Auch wenn sie nicht obszön auftritt, die Anforderungen in der Industrie könnten für eine 15-jährige noch belastender sein als ohnehin für Models. Betrachtet man jedoch ihre kritische Haltung, ihren Beruf als Beruf, weniger als Krönung zur Schönheit sowie Objektisierung zu betrachten, so kann ihre Arbeit neben der Schule auch als Fleiß anerkannt werden.  Das lässige Model Edie Campbell wirkt derweil mit ihrer Tasche “Ladies First” cooler und stärker, mag der Spruch auch aus einem traditionelleren Gentlemen-Habitus stammen. So passt er nicht zum Image des Models, doch die Wahl Campbells durch ihr markantes Äußeres steht dafür, dass die Modeindustrie offen für verschiedene Schönheitsideale ist. Dass Schönheit aber auch Teil des Marketings sein könnte, würde wohl Kendall Jenner zeigen können. Stammt sie aus einer Reality Soap-Familie, wirkt sie trotz der schönen langen Beine in der Riege der großen Models sehr deplatziert. Mit über 16 Millionen Instagram-Follower ist die Wahl weniger feministisch als kalkuliert kapitalistisch. Wirklich vorbildhaft könnte das Model Toni Garrn sein. Sie setzt sich als Botschafterin der Kampagne “Because I am a girl” für Bildungsprojekte in Burkina Faso ein. Kollegin Gisele Bündchen trat sogar stets gesund auf, und ist sie doch mit ihrer Ausstrahlung, ihrer Professionalität und kultureller deutsch-brasilianischen Identität sogar für viele ein berechtigtes Vorbild.

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Wie effektiv ist solch ein Protest letztlich?

Ob junge Mädchen die Nebentätigkeiten und den Charakter der für Schönheit gefeierten Models wie Toni Garrn, Charlotte Free oder Cara Delevingne wahrnehmen, ist ungewiss. Zumal der Widerspruch letztlich doch dadurch entsteht, dass es Models sind, die eher bekannt für ihren Körper sind als andere feministische Errungenschaften. Doch müssen gleichzeitig diese Models eben auch nicht als Pädagogen betrachtet werden, sondern als einfache, gesichtslose Modelle für echte Frauen. Und die kämpfen stellvertretend mit Plakaten für ihre Rechte!

Inhaltlich betrachtet verhält sich der Feminismus westlich bis universal. Ob er all die vergewaltigten Frauen erreicht, die bildungsfernen und diskriminierten Frauen dieser Welt? Die Frage nach dem richtigen Feminismus oder dem wichtigeren ist eine schwierige. Doch so elitär Chanel ist, so elitär wird der Feminismus bleiben, den Lagerfeld vertritt. Ein schöner sowie genialer Abgang in der Pariser Modewoche ist er trotzdem.

karlBilder: Style.com

Mailand Fashion Week – Krieg im Namen der Frau

spring 2015 gucciDie italienischen Designer der Mailänder Modewoche ließen ganz offensichtlich den Hippie der 70er Jahre widererleben. Vanessa Friedman beschreibt Guccis Kollektion als das Liebeskind von Jimi Hendrix und Ali MacGraw nach einem Rendevouz in Kyoto. War der Rockstar auch auf dem Woodstock Festival politisch aktiv, fragt man sich, gegen was er heute protestieren würde. Frida Giannini jedenfalls scheint das politische Amerika zu feiern. Mögen die Frauen in geschlossener Bluse konventioneller daherkommen, so bricht die Jeans dieses Bild gleichzeitig. Der vom Wilden Westen stammende Look könnte als Demonstration der Stärke Amerikas interpretiert werden. Versucht Amerika stets als  “Weltpolizei” mit weltweiten Eingriffen in Russland sowie Irak sich darum zu bemühen, als friedenschaffender Staat in gutem Licht zu stehen. Der Rest der Kollektion verhält sich zwischen bedruckten hochgeschlossenen 60s Kleidern, military grünen und aggressiven roten Looks in diesem Sinne. Weniger auf einem Woodstock-Festival stellt man sich diese Frauen nach Frieden fordernd voll, konventioneller in Gesprächen in Cafés über die Politik. Der Wille nach Frieden wird so oder so niemals aussterben, das zeigt selbst die Mode. barbie

Weniger gesellschaftliches Interesse hat Jeremy Scotts Moschino Barbie. So flach seine Mode, so genial! Nach McDonalds, Sponge Bob, und Coca Cola verarbeitet Scott nun ein weiteres erfolgreich internationales Produkt jener amerikanischen “Kultur-Industrie”.  Viele fragen sich, was aus dem italienischen Hause wurde. Es wurde amerikanisiert, wenn dies heißt, dass es an Klassik verloren hat, an Wirtschaft gewonnen hat. Es ist einfacher geworden, die Schnitte sind unkompliziert, die Farben kreischig einfallslos. Aber der Witz ist: es funktioniert. Denn Jeremy Scott spielt mit diesem Witz. Als schlauer Designer hat er diese Machtstellung. Er erhebt etwas zum Kult. Ein derzeitiger Kult ist der Streetstyle. Er glorifiziert nicht all jene, die jenseits des Modellaufens auf dem Laufsteg die Straße zur Bühne machten, er karikatiert gleichzeitig den unglaublichen Willen nach Aufmerksamkeit über das Äußere. Zwischen vielen anspruchsvollen Modepersönlichkeiten scheinen sich unzählige einfallslos laut gekleidete Damen zu befinden. Mit sogenannten Statement-Pieces wie Handyhülle oder Logopullover, erkennbar saisonale Produkte der Kollektion einer Marke, werden sie fotographiert. Eben solche Teile entwirft Jeremy Scott. Indem Streetstyle auch als die menschliche Editorial Variante großen Einfluss hat, ist seine Mode eine sich mit dem Marketing deckende Strategie. Es demonstriert in diesem Prinzip auch die Dümmlichkeit der Mode durch das einfache Nachkaufen und Anpassen, was bei jener einstig freien Streetstyle-Kultur geschieht. Und von einer letzten Seite ist Jeremy Scotts Mode interessant: ich bin der festen Überzeugung, dass eben solche Kollektionen, die eine platinblonde, pinke Barbie kommentarlos feiern, sich letztlich negativ zumindest prägend auf jüngere unbewusste Generationen auswirken können. Konsumiert wird sie trotz insgeheimer Konsumkritik trotzdem kritiklos. Kann man machen, jedoch nur, wenn man diese Strukturen versteht.

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Das letzte Frauenbild, an dem ich hängenblieb, ist das des italienischen Duos Dolce & Gabbana. Ihre rosigen Zeiten sind im Volk längst vorbei. Die Körperlichkeit, die sie präsentieren, steht längst nicht mehr im Interesse vieler Frauen. Es ist zu sinnlich in einer sinnlosen Zeit. Christian Dior hat mit mehr Souveränität im traditionellen Frauenbild mehr Erfolg. Auch fehlt die Intellektualität, sowie das Interesse an Kunst wie es Louis Vuitton zeigt. Das klassisch schön sinnliche wie es die dolce Jungs nach wie vor zelebrieren, ist zu einem Relikt geworden. Doch in letzter Zeit schicken die Designer die Mädchen zum Finale in einer Horde zur Präsentation. Sie demonstrieren ihre eigene Stärke, aber allem voran auch die Stärke der Frau in Gesellschaft anderer Frauen. Was an Stierkämpfe erinnern soll, überträgt sich auf das Verhältnis zwischen den Frauen: jede Frau ist sich bewusst, definiert sie sich über ihr Geschlecht, ist jedes andere Mitglied des Geschlechts ihre Konkurrenz, gleichzeitig der Mann Ziel des Angriffs. Die Frau ist hier nicht nur die Unschuldige, sondern auch aktiv machtergreifend im Geschlechterverhältnis. Ist ihr Geschlecht aber ihre Stärke, ist sie auch ihre Schwäche. Dolce & Gabbana ist ein Unternehmen, dass die Frau als Mutter und Schönheit feiert. Mit ihrer Weiblichkeit erfährt sie sowohl in der Familie als Mutter, Tochter oder Großmutter hohe Anerkennung, als auch schöne Ehefrau und Geliebte. Das ist wunderschön, aber auch tragisch! In einem Seminar zu Männlichkeiten diskutierten wir über die Darstellung einer Werbung aus dem Jahr 2007. Diese zeigt wie sich ein älterer Herr über eine Frau beugt, sie fesselt und dabei von mehreren umstehenden Männern beobachtet wird. Sieht die Szenerie eindeutig nach einer Gruppenvergewaltigung aus, so bestand ich im ersten Moment auf das Gegenteil. Wie könnte ein Unternehmen, das Verantwortung zu tragen hat, da eben jene Bilder auf diese Art den Betrachter positiv prägen können, eine solche Darstellung zur Werbung ihrer Produkte nutzen? Doch genau dies geschah und darauf bestand meine Professorin. Wird die Frau in so einem Kontext in der Extreme in einer Gesellschaft sexualisiert, so passiert genau dies: sie wird mit Gewalt an das andere Geschlecht herangezogen. Ob Machtdarstellungen  oder der Wunsche nach Liebe, es geschieht über den Frauenkörper. Mag das Unternehmen die Werbung nach Verbot wenig später zurückgezogen haben, so zeigt dies die Mentalität einer Kultur um Dolce & Gabbana herum, weshalb das Frauenbild, so schön es auch sein mag, niemals unreflektiert stehen mag. Aber das gilt womöglich für alle Bilder, die zur Mailänder Modewoche wie auch weltweit gezeigt werden.

Bilder: Style.com

Nicht weiblich genug

Auf diesem Blog wird Weiblichkeit selbstverständlich gefeiert, aber die Kritik an ihr gehört genauso sehr hier her. Deshalb möchte ich in diesem Beitrag Gedanken zu einer Schwierigkeit im Leben vieler Frauen teilen, die mich seit Längerem beschäftigt: Der Weiblichkeit nicht genügen zu können, nicht weiblich genug zu sein.

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Gerade für heterosexuelle Frauen ist Weiblichkeit manchmal ein Ideal, das sie zu erreichen versuchen, um den Erwartungen des Mannes wie ihrer Selbst gerecht zu werden. In unserer Gesellschaft gibt es selverständlich verschiedene Ausprägungen des Weiblichkeitsideals. Aber um den Körper kommen wir nicht umhin. Wie wir unseren Körper darstellen hängt natürlich nicht nur von unserem Geschlecht ab, sondern auch von unserem Alter, unserer Kultur, unserer Religion, unserer Klasse.

In unserer Gesellschaft höre ich Frauen über sich selbst und andere Frauen immer wieder sagen “das sieht nicht weiblich aus”; das sieht “männlich aus”. Sie benutzen diese Zuschreibungen negativ, wenn nicht als Beleidigung. Dabei meinen sie die Gesichtszüge einer Frau gleichermaßen wie die Körpersilhouette. “Ja, aber sie ist einfach viel zu groß, wie ein Mann.” oder ganz konrekt: “sie sieht total männlich aus”, oder “Sie hat überhaupt keine Oberweite, sie ist voll flach” oder “Schau mal, sie hat voll das breite Kreuz” oder “sie ist sehr stämmig” oder “sie ist voll dünn, wie ein Kind, voll unweiblich.”

Aber was sieht nach Weiblichkeit aus? Ein Gesicht, indem schwarze dichte, lange Wimpern naiv klimpern, eine Nase profillos stupsig verläuft, ein sich lasziv aufgebauschte volle Lippen eines offenenen Mundes bewegen. Die Taille schmal, der Busen üppig, die Beine lang.

Wieviele Frauen entsprechen dem? Aber ist die Frage nicht viel mehr: Wieso gilt nur das als weiblich, sondern nichts anderes? Auch schmale Lippen, dünneres Haar, ein kleiner Busen können wunderschöna aussehen. Ungetuschte kurze Wimpern, flache Wangen, eine gerade Silhouette sind keine Formen, die eine Frau unschön machen müssen. Und warum können wir nicht beginnen, Weiblichkeit mit mehr zu konnotieren? Warum können wir unter Weiblichkeit nicht Stärke, und Intelligenz verstehen?

Aber auch um bei dem Körper zu bleiben, der traditionell Weiblichkeit definiert: Das eigentliche “Problem” ist die Tatsache, dass Weiblichkeit als Ideal heißt, schön zu sein. Eine Frau, die als weiblich anerkannt wird, gilt als schön und attraktiv. Deshalb störe ich mich an diesen Normen, mit der man Schönheit und Weiblichkeit festzuschreiben versucht. Viele Frauen leiden an ihrem Körper und glauben, dem Ideal der Weiblichkeit nicht gerecht werden zu können. Dabei ist Schönheit wie auch Weiblichkeit nichts Festgelgtes. Schönheit ist nichts, das man messen kann. Entweder man ist es, oder nicht. Aber ist man es nicht, heißt es nicht, dass man es nie sein kann. Und dabei spreche ich nicht von Schönheitsoperationen mit denen man sich schön zurecht formen kann. Nein, man muss es aus dem Inneren strahlen lassen, und das kommt nicht von ungefähr: Selbstbewusstsein, Körperbewusstsein, und Intelligenz und Sinnlichkeit.

Aber bei Weiblichkeit ist das Problem auch, dass wir Charaktereigenschaften dem zuordnen und diese formen eben auch das Aussehen.

Aber Diskriminierung gegen gewollte Weiblichkeit selbst gibt es auch genug:” das sieht viel zu feminin aus”, heißt es dann meist. Wenn Frauen auf ihren Körper achten, werden sie meist abgwertet, genauso, wenn Frauen Kind und Familie wollen und gerne Hausfrau sind. Auch das wird abgwertet, wobei über das Klischee der gebährenden, unemanzepierten Frau herzgezogen wird. Auch das ist nicht so ganz richtig.

Es ist wichtig, ob “weiblich” oder nicht, körperbewusst zu sein, seinen Körper zu lieben so wie er ist, ihn zu akzeptieren und sich selbst wert zu schätzen unabhängig von irgendwelchen festgesetzten Normen und Regeln. Genauso wichtig ist es, Weiblichkeit auch von der Körperlichkeit unabhängig zu machen, indem man Weiblichkeit mit mehr als nur dem Körper konnotiert, was nicht heißt, dass man sie missachten muss. Weiblichkeit ist nichts Anderes als ein Teil eines Menschengeschlechts.

Bild und Video: Kurzfilm “Supervenus” gezeigt zum 17. Brüssel Shortfilm Festival

https://www.youtube.com/watch?v=4N-_3IMQY-0

 

Der Rhtythmus der Gefühle, die Bewegung in ihr

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Ich tanze meine Verletzlichkeit der Welt entlang, Schritt für Schritt, Herzschlag für Herzschlag. Meinen Körper längst vergessen, doch war er doch so kostbar, das Kostbarste, das ich je besaß, um ich zu sein? Ich konnte und wollte nicht auf den eigenen Körper verzichten, ihn spüren in seiner unvollkommenen Vollkommenheit, die Wege der Sinne zu befreien, um den Sinn zu finden. Ich hatte ihn liegen gelassen, die Sinnlichkeit verachtet. Dabei trug dieses Etwas aus Fleisch und Blut, so rein wie er sich bewegen konnte, in allen Adern, … nein, nein, nein, nein. Die Liebe, die einzig mögliche Liebe. Der Körper.

Was, wenn ich dich gehen ließ, wie das Band, das ich um mich schwang, wenn ich die Ängste gehen ließ in Wort und Tat. Das Band in meiner Hand, es half mir, all die Ängste fliegen zu lassen. Es war nicht so, dass ich nicht das Denken verlernte, verlernen wollte, wenn ich das Band fliegen ließ. Es war viel mehr so, dass ich meine Gedanken im Einklang meines Körpers führen ließ. Mein Körper musste definiert werden, um mein Ich zu definieren. Um Gefühle zu zeigen, deren Offenbarungen mir nicht gelangen, aus Scham und Angst, ließ ich meinen Körper sprechen. Ihn dabei zu bekleiden, befreiend und fügend zugleich, war mir die größte Freude.

Verschönerte das Kleid meinen Körper, so verschönerte mein Körper meinen Geist wie mein Geist meinen Körper verschönerte, wie mein Körper das Kleid verschönerte. Der Rhythmus ist es, spürst du ihn? Den Rhtythmus des Lebens, der dich auf Trab hält, all die Freuden, all die Trauer, die dich af Trab halten, die dich tanzen lassen, gleiten und schwingen. Den Rhtythmus des Lebens, die so wunderschöne Bewegung in ihr.

DSC_9912-2DSC_9913DSC_9914DSC_9915DSC_9932Outfit & Make Up

Kleid: Vintage Carpe Diem Frankfurt maßgeschneidert für 20 Euro, Band: RSG Vintage, Schläppchen: Bleyer

Wimperntusche: Loreal 5x Voluminous, Eyeliner: Catrice Ink Eyeliner, Augenbrauen: Rose Kosmetik Studio in der Porzellanhofstraße 4, 4.OG. in Frankfurt (Die gewünschte Augenbrauenform muss Rosie, der Inhaberin und Zupferin, genaustens erklärt werden), Lidschatten: Mac silver Glitter, Lippenstift und Nagellack: P2, Parfum: Salvatore Ferragamo Signorina

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Hugo Boss und Louis Vuitton – gekaufte Ideen im Zeichen der Zeit

leibovitz--940x479Kommerziellen Mode-Designern wird vorgeworfen, unauthentisch zu sein und dabei profitorientiertes Design hervorzubringen, was die Masse anzieht. Im Zuge der Globalität ist heute jedoch das kulturelle Erbe wichtiger denn je, und vor allem aber die Originaitltät der Kunst. Wie sich eben solche kommerziellen Mode-Designer durch kreative und zugleich kulturelle Kunst in einem anderen Licht zu präsentieren versuchen, lässt sich deutlich an Hugo Boss und Louis Vuitton erkennen. Denn was beide Designer verbindet, ist ihr Image als Statussymbole. In einer sich immer verstärkter zur Kunst und Kultur wendenden Mode, scheinen beide Unternehmen sich davon distanzieren zu wollen.Edie-Campbell-Scott-Eastwood-Boss-FW14-01

Für die Herbst/Winter 2015 Kampagnenbilder wählte Hugo Boss nicht nur das derzeit gefragte vom gängigen Schönheitsideal abweichende Model Edie Campbell, sondern auch das Fotographenduo Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin, als Künstler längst zur Marke geworden. Hugo Boss scheint bewusst mit eben solchen Persönlichkeiten zu arbeiten, die dem eigenen Konzern etwas von der Starrheit und Uniformalität entziehen und diese eben umwandeln in einen künstlerisch-kreativen Kontext. Lamweerde & Matadin sind bekannt für ihre tiefen körperumspielenden Schwarz-Weiß Bilder von Persönlichkeiten.

Mit Jason Wu möchte das deutsche Unternehmen zudem an der gefragten Internationalität teilnehmen.Ihren Abzug von Berlin, die erneute Einsiedlung in New York erklärt sich eben damit, dass in Deutschland (noch) die Mode nicht die Bedeutung hat, die nötig ist, um international zu überleben gleichzeitig aber auch im Ausland durch das erstige Scheitern der Berlin Fashion Week Deutschland bzw. Berlin sich neben die Moderigen hat einordnen lassen können. Auch mit Berlin, gefeiert für ihre Internationalität, Multikulturalität und Kreatitvität, scheint Hugo Boss versucht zu haben, sich im eigenen Herkunftsland einnisten zu wollen. Heute zeigt die Marke aus Baden Württenberg in einer Stadt, die junge international erfolgreiche Designer wie Alexander Wang hervorgebracht. Dort scheint Kreativität im Kontext eines Einwanderungslandes deutlich besser zu funktionieren.

Auch Louis Vuitton hat sich mit ihrem Monogramm über die Jahre als Statussymbol einen Namen in der Masse gemacht. Mit dem neuen Creative Director Nicolas Ghesquiere scheint man die Marke weniger protzig, dafür in viel bescheidenerem Stil präsentieren zu wollen, der aber weiterhin die Masse anzusprechen hat. Zur neuen Zusammenarbeit hat sich das Haus für einen Imagewechsel den deutschen Fotographen Juergen Teller geholt. Arbeitete Teller zuvor noch für Marc Jacobs, den vorigen Creative Director, so hat sich das Haus zusammengeschlossen mit einem Künstler, der für die nackte Wahrheit, den Realismus bekannt ist. Besonders interessant sind dabei die Bilder, die aus den Series 1 entstanden sind. Wie im Video zu sehen, ist das Model Freja Beha Erichsen im Stil der 70-er vor einem Auto zu sehen. Lederhose und Blazer lassen sie war militantisch aussehen, das Motiv der Frau in der Nähe des Autos distanziert und erinnert zugleich an die sexistische Metaphorik der Frau als Accessoire. Cool sieht sie schon aus, aber mit Täschen in der Hand und Bubikragen hat sie auch etwas sehr mädchenhaft naiv Feminines. Und wird wieder zu dem, was man sich unter einer Louis Vuitton-Kundin vorstellt. Sehr viel interessanter ist die vom Hause benannte Vision der zeitgenössischen Mode des Nicolas Ghesquières: Charlotte Gainsburg ist zu sehen in einem Atelier, fotographiert von Anie Leibovitz. Es ist nicht ganz klar: Ist sie Muse oder Künstlerin? Posiert sie erst als Muse vor der Leinwand, so ist das Täschen auf dem anderen Bild auf dem Stuhl der Künstlerin abgestellt. Damit wird die Frau als Künstlerin präsentiert und verhält sich sehr modern.

Beide Unternehmen jedoch verabschieden sich nicht von ihrem einstigen Publikum. Hugo Boss führt weiterhin schicke, konservative Businesskleidung, Louis Vuitton ist nach wie vor modisch, aber nicht allzu gewagt. Ihre Käuferschaft hat sich dabei nur verändert, das müssen sie selbst auch. Und dafür benötigen die Unternehmen die gekauften Ideen der Künstler.

 

“Wie könnte man an die Jugend nicht glauben?” Swatch Creative Director Carlo Giordanetti im Interview

Der Creative Director von Swatch ist ein stilsicherer Herr mit einem breiten Lächeln beim Erzählen, so charismatisch, dass man ihm unglaublich gerne zuhört. Zu seiner ausdrucksstarken Brille und den feinen Anzügen kombiniert er gleich zwei Uhren der Marke seines Arbeitgebers. Das Kind in ihm ist überzeugt.

Umso mehr habe ich mich über die Möglichkeit gefreut, Carlo Giordanetti Fragen zu seiner Arbeit, Kreativität und insbesondere der italienischen Jugend im Rahmen des ITS Contest in Trieste stellen zu dürfen.

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Wie kann man sich Ihre Arbeit als Creative Director von SWATCH vorstellen?

Der Job, den ich habe, ist keiner, den man lernt. Es ist manchmal ein Teil davon, glücklich im Leben zu sein. Du hast etwas in dir und du findest die perfekte Möglichkeit, auszudrücken, wer du wirklich bist. Ich bin sehr glücklich und dankbar. Die Idee ist im Grunde genommen, dass ich mit meinen wachen Sinnen lebe rund um die Uhr. Denn die meiste Zeit weißt du nicht, wann und woher du die Idee bekommst. Und plötzlich bahnt sich eine Menge Information und der Moment, den ich gerne den “sich verlieben”-Moment nenne, indem Dinge zusammen kommen, muss schnell gefasst werden. Sonst ist er verloren. Wenn du nicht schnell bist, ist er weg.

Es ist kein geschriebener Job. Es ist das, was in deinem Kopf passiert. Aber natürlich, als ein  sehr struktiertes Unternehmen haben wir einen sehr intensiven Prozess im Kreieren von Produkten, indem wir Produkte zwei Mal im Jahr präsentieren. Die Fähigkeit, Dinge zusammen zu setzen, um das an das Team weiter zu geben, muss man mibtringen.

Ich arbeite in einer sehr visuellen Art. Was ich mache: ich erzähle dem Designteam eine Geschichte wie ein Großvater an einem Feuer. lachen Ich versuche in diesem Sinne mit Bildern, Stichworten, Beispielen, Materialien, Farben -Farben sind sehr wichtig für mich und Swatch – sie in eine Dimension zu bringen. Aber sie leben in der vollkommenen Freiheit, die Geschichte mit ihren eigenen Augen zu lesen. Und ich denke, das ist die interessante Balance.

Ich bin kein Designer, aber ich kreiere Bilder in meinem Kopf. Wenn es eine Geschichte über den Jungle gibt, oder eine Bäckerei, habe ich Bilder in meinem Kopf. Die Challenge ist es, ein Team von Designern zu finden, die fähig sind, meine Vision auszuführen, aber auch ihre eigene. So finden wir die Balance. Wir haben den Luxus. Die erste Runde von Kreativität sind vollkommen 360 Grad Freiheit. Danach beginnen wir mit dem Edit. Das ist manchmal nicht so einfach, denn starke Designer haben starke Persönlichkeiten. Einen Kompromiss zu akzeptieren, muss gelernt sein. Das verlangt viel Diplomatie. lachen Erfahrung bringt Ruhe, denn der Beweis kann manchmal dafür sprechen, dass man Recht hat.

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Als Creative Director scheinen Sie auch zu sein, wer Sie sind. Viele nehmen an, dass die Arbeit eines Creative Directors mehr Business abverlangt. 

Ich denke, da gibt es einen Unterschied. Wenn du eine Marke führst oder du eine Marke hast, die deinen Namen trägt. Wenn du eine Marke hast – was ich nie hatte und haben werde und was okay ist -  die deinen Namen trägt, ist es fast natürlich, dass es die Aufbläung deines Egos und deiner Persönlichkeit wird. Wenn du an die großen Namen denkst, an die ganz großen Namen, gehen viele in der Mode auch in andere Richtungen. Denn bis zu einem gewissen Punkt ist die Mode ist nicht genug. Die großen Namen machen alle auch Schmuck, oder Accessoires. Die pure Mode, die eigentlich nur Kleidung ist, macht keiner mehr. Wenn du für eine Marke arbeitest, ist es etwas komplizierter. Du musst die Werte der Marke absorbieren. Als eine kreative Person kannst du auch etwas zu diesen Werten beitragen. Ich denke, das ist etwas, dass Menschen manchmal nicht sehen oder nicht darüber nachdenken. Das ist jedoch eine fantastische Möglichkeit. Du erhältst ein Geschhenk, das ich Swatch nenne, du kannst aber das Geschenk verändern, wenn du es an jemand anderes weiter gibst. Als kreative Person solltest du diese Verantwortung fühlen. Es ist nur eine Welt, die diese Leidenschaft ausdrückt. Wenn du sie nicht mit Leidenschaft annimmst, kannst du nicht erfolgreich sein. Bei einem Unternehmen musst du Kompromisse machen, aber wenn du den Moment erreichst, an dem du dir denkst “okay, das repräsentiert mich” ist es der goldene Moment. Keiner muss wissen, dass ich es bin, der dahinter steht.

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Die Teilnehmer dieses Wettbewerbs lernen das.

Ich denke schon. Viele von ihnen haben das bereits erfahren. Sie haben ihre eigene Linie, oder haben bereits für große Firmen gearbeitet. Manche von ihnen sind vollkommen unschuldig. Die Schönheit des Wettbewerb ist edie Unschuld. Deshalb liebe ich e, mit Swatch zusammen zu arbeiten und diese Kategorie Artwork zu krieren. Denn es geht zurück zur Freiheit. Ich möchte niemanden in einen Käfig stecken, denn dieser Käfig ist sehr klein: Du musst für Swatch entwerfen. Als aller erstes – so arbeiten wir auch bei Swatch – Gib mir das Bild! Was sind die Gefühle, ist es Glück oder nicht, ist es kompliziert oder einfach, ist es romantisch oder sportlich, was auch immer. Und dann brauchst du dir keine Sorgen machen, wir werden einen Weg finden. Ich denke, das ist es, was dieses Mal so gut funktionierte. Sie sind vollkommen offen, und wir hatten die Möglichkeit, sie alle einzeln zu treffen. Ihre Geschichten sind sehr tief. Das ist fantastisch.

Manche der Teilnehmen sind jung. Was macht die Kreativität junger Menschen aus?

Das ist eine gute Frage! Ich denke wir, um es mal für meine Generation zu sagen, erwarten eine Kreativität von der Jugend, die glücklich ist. In der mittleren Zeit haben wir sehr viele Erfahrungen, und ich denke Jugend ist Enthusiasmus nicht in einer blöden Art. Diese Menschen treiben dich dazu, zurück zu denken. Wow, als ich 20 war, war ich glücklich. Ich war nicht immer glücklich,. Du findest Facetten in der Art, wie sie denken. Das hauptsächiche Ziel für mich ist es, das Element zu finden, was die einen von den anderen unterscheidet. Und ich denke, das ist Kultur. Ich glaube sehr an die Wichtigkeit davon, woher du kommst. Ob du aus Italien oder Deutschland kommst, einer großen oder kleinen Stadt. Es unterscheidet dich darin, wie du mit anderen Menschen interagierst. Es ist anders, wie sicher du bist. Es ist wichtig wie du mit deiner Familie lebst. Und all diese Dinge äußern sich letztlich in der Kreativitt. Und das ist es, was ich interessant finde. Die Oberfläche zu kratzen, und diese Elemente zu finden.  Natürlich stelle ich mir vor, wie diese Menschen in unser Team passen könnten. Wir wollen auch die Lücke füllen. Also denken wir uns, vielleicht brauchen wir jemand stylischeren, glamoröseren, manchmal jemanden, der technisch ist oder bereits schon weiß, was er will.

Die größte Rolle für die Jugend ist es, den Horizont derer zu öffnen, die Macht haben. Und es wird gefährlich, wenn wir ihnen nicht zuhören.

Es ist interessant, dass Sie von einer glücklichen Jugend sprechen. Manchmal nehme ich die Jugend in Deutschland als depressiv wahr.

Da ich in einem Land wie Italien lebe, weiß ich, was eine depressive Jugend ist. Denn unglücklicherweise ist das Land in einer solchen Situation. Wenn du das Glück hast, in einer Firma zu arbeiten, die diese Angelenheit ansprechen kann und mit positiver Energie auf Vordermann bringen kann, auch wenn es nur für ein Event ist… Wir wissen alle, die Macht der Marken ist heute limitiert. Es ist nicht mehr wie in den 80ern. Aber man kann inspirieren. Ich habe ein gutes Beispiel: Der Gewinner von letztes ITS Artwork von Swatch arbeitet bei uns seit sechs Monaten und wurde übernommen. Er kam mit einem Talent, aber einer dunklen Seite. Es war nicht mein Ziel, ihn zu verändern. Aber die Umgebung hat ihn verändert. Die Idee, in einer dynamischen Welt zu sein, in der Dinge ernst genommen werden, weil es um Erfolg geht, haben wir auch immer eine lustige Seite.  Und ich denke, das ist die Verantwortung, die wir als Gesellschaft haben sollten. Das Leben ist eine ernste Sache. Aber wenn du eine lächelnde Seite hast, ist es so viel einfacher.

Also glauben Sie an die Jugend?

Absolut. An die Jugend nicht zu glauben, ist Selbstmord. Wie könnte man nicht an die Jugend glauben? Es ist so, als würde man nicht lieben.

Aber es gibt Menschen, die nicht an die Liebe glauben.

Ich glaube, es ist ganz im Gegenteilt. Menschen, die nicht an die Liebe glauben, halten Ausschau danach. Ich habe immer diese Unterhaltung mit einem Freund “Ich glaube nicht an die große Liebesstory – ich bin allein und habe kleine Flirts”. Vielleicht ist das wahr, aber auch das ist deine Form der Liebe (er meinte die Flirts). Aber Liebe und Jugend sind die ultimativen Bestreben der Menschheit. Warum möchte heute keiner Falten haben? Wenn du jung aussiehst, denkst du, du kannst alles tun. Ich persönlich bin sehr gegen die plastische Chirurgie wie man sieht, da ich sehr natürlich bin. Aber ich verstehe diesen Punkt. Man möchte immer noch Liebe.

An den Falten sieht man letztlich, dass es eines Tages zum Ende kommt.

Als ich ein Kind war, und jemand 100 Jahre alt wurde, dachte man, der Typ sei ein Magier. Heutzutage sterben Menschen im Alter von 105, 107. Natürlich ist das ein Problem in der Gesellschaft. Je älter die Menschen werden, je weniger Raum haben die Jungen. Der Raum ist limitiert. Am Ende gehen wir zum Mars. Aber es lehrt eine große Lektion: Du hast mehr Zeit, um glücklich zu sein. Du hast mehr Zeit, um erfolgreich zu sein. Was ich nicht mag, ist es, wenn es künstlich wird.

Wenn du Jung in deinen Gefühlen und Leidenschaften bleibst, kannst du für immer weitermachen. Aber ich möchte nicht für immer weitermachen. lachen Aber du kannst für immer weitermachen.

Was muss passieren, damit sich die italienische Jugend verändert?

Was passieren muss ist, dass das alte Establishement verstehen muss, dass sie austreten müssen. Für mich ist es sehr traurig. Denn ich denke, das Potential ist da. Die Menschen sind da. Die jungen Menschen sind da. Aber keiner ermutigt sie. Einen Vogel zum Fliegen zu bringen fehlt. Mit zwei Händen bringen sie sie dazu, sich selbst zu essen statt sich selbst zu füttern. aAs ist ein soziales Problem. Deshalb verlieren wir die Talente.

Sie müssen sic mit ihrer Existenz herumschlagen. Es bleibt nicht die Freiheit…

Aber ich muss sagen, mache Menschen habe nicht, entschuldige das Wort, die Eier, das Risiko aufzunehmen. Wir sind Italiener, es ist sehr nett bei der Mama zu wohnen bis man 30 ist. lachen

Aber Italien hat das Auge für die Schönheit. Zuletzt möchte ich von Ihnen noch wissen, woher das kommt!

Wie ich bereits sagte, glaube ich, dass die Wurzeln sehr wichtig sind. Italiens Fundament ist die Ästhetik der Renaissance. Das ist die goldene Zeit. Auch wenn Italien damals kein Land war, mehr oder weniger war es eine Kultur. Die Vision der wie man sie heutzutage Sponsoren nennen würde, der Mäzenen war von Bedeutung. Es gab illuminierte Menschen, die eine Vision von Schönheit und Kunst hatten, die die Welt retten kann. Ich denke, wenn du in Italien geboren bist, sogar ein normales Leben hast ohne von einer sophisticated, kultivierten Familie zu kommen, penetriert es deine Haut. So endest du mit einer Ästhetik, die anders ist. Es ist der glückliche Moment Italiens, dass dieses Land noch immer einen Einfluss auf uns hat. Und ich bin sehr stolz darauf. Ich muss sagen, dass ich einen großen Sinn dafür habe. Es ist sehr interessant. Mir ist das zwei Mal passiert in meinem Leben – für Swatch natürlich und für andere Marken – dass ich es mit einer Marke aus dem Norden zu tun hatte, die sehr technisch und pur ist, die perfekt arbeiten, die Funktion ist toll, aber die Emotion fehlt. Swatch ist österreischich, die Dimension des Unternehmens ist präsizise und sauber. Aber wenn du dazu nicht den mediterranen Geist, um poltisch korrekt zu sein, mit Farben, Formen, Balance bringst, dann stirbt es. Und wir sind gute Geschichtenerzähler! lachen

Vielen herzlichen Dank für das tolle Gespräch!

Bilder: Gianmaria Gava, ITS itsweb.org, http://2.bp.blogspot.com, Swatch Press