Hugo Boss und Louis Vuitton – gekaufte Ideen im Zeichen der Zeit

leibovitz--940x479Kommerziellen Mode-Designern wird vorgeworfen, unauthentisch zu sein und dabei profitorientiertes Design hervorzubringen, was die Masse anzieht. Im Zuge der Globalität ist heute jedoch das kulturelle Erbe wichtiger denn je, und vor allem aber die Originaitltät der Kunst. Wie sich eben solche kommerziellen Mode-Designer durch kreative und zugleich kulturelle Kunst in einem anderen Licht zu präsentieren versuchen, lässt sich deutlich an Hugo Boss und Louis Vuitton erkennen. Denn was beide Designer verbindet, ist ihr Image als Statussymbole. In einer sich immer verstärkter zur Kunst und Kultur wendenden Mode, scheinen beide Unternehmen sich davon distanzieren zu wollen.Edie-Campbell-Scott-Eastwood-Boss-FW14-01

Für die Herbst/Winter 2015 Kampagnenbilder wählte Hugo Boss nicht nur das derzeit gefragte vom gängigen Schönheitsideal abweichende Model Edie Campbell, sondern auch das Fotographenduo Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin, als Künstler längst zur Marke geworden. Hugo Boss scheint bewusst mit eben solchen Persönlichkeiten zu arbeiten, die dem eigenen Konzern etwas von der Starrheit und Uniformalität entziehen und diese eben umwandeln in einen künstlerisch-kreativen Kontext. Lamweerde & Matadin sind bekannt für ihre tiefen körperumspielenden Schwarz-Weiß Bilder von Persönlichkeiten.

Mit Jason Wu möchte das deutsche Unternehmen zudem an der gefragten Internationalität teilnehmen.Ihren Abzug von Berlin, die erneute Einsiedlung in New York erklärt sich eben damit, dass in Deutschland (noch) die Mode nicht die Bedeutung hat, die nötig ist, um international zu überleben gleichzeitig aber auch im Ausland durch das erstige Scheitern der Berlin Fashion Week Deutschland bzw. Berlin sich neben die Moderigen hat einordnen lassen können. Auch mit Berlin, gefeiert für ihre Internationalität, Multikulturalität und Kreatitvität, scheint Hugo Boss versucht zu haben, sich im eigenen Herkunftsland einnisten zu wollen. Heute zeigt die Marke aus Baden Württenberg in einer Stadt, die junge international erfolgreiche Designer wie Alexander Wang hervorgebracht. Dort scheint Kreativität im Kontext eines Einwanderungslandes deutlich besser zu funktionieren.

Auch Louis Vuitton hat sich mit ihrem Monogramm über die Jahre als Statussymbol einen Namen in der Masse gemacht. Mit dem neuen Creative Director Nicolas Ghesquiere scheint man die Marke weniger protzig, dafür in viel bescheidenerem Stil präsentieren zu wollen, der aber weiterhin die Masse anzusprechen hat. Zur neuen Zusammenarbeit hat sich das Haus für einen Imagewechsel den deutschen Fotographen Juergen Teller geholt. Arbeitete Teller zuvor noch für Marc Jacobs, den vorigen Creative Director, so hat sich das Haus zusammengeschlossen mit einem Künstler, der für die nackte Wahrheit, den Realismus bekannt ist. Besonders interessant sind dabei die Bilder, die aus den Series 1 entstanden sind. Wie im Video zu sehen, ist das Model Freja Beha Erichsen im Stil der 70-er vor einem Auto zu sehen. Lederhose und Blazer lassen sie war militantisch aussehen, das Motiv der Frau in der Nähe des Autos distanziert und erinnert zugleich an die sexistische Metaphorik der Frau als Accessoire. Cool sieht sie schon aus, aber mit Täschen in der Hand und Bubikragen hat sie auch etwas sehr mädchenhaft naiv Feminines. Und wird wieder zu dem, was man sich unter einer Louis Vuitton-Kundin vorstellt. Sehr viel interessanter ist die vom Hause benannte Vision der zeitgenössischen Mode des Nicolas Ghesquières: Charlotte Gainsburg ist zu sehen in einem Atelier, fotographiert von Anie Leibovitz. Es ist nicht ganz klar: Ist sie Muse oder Künstlerin? Posiert sie erst als Muse vor der Leinwand, so ist das Täschen auf dem anderen Bild auf dem Stuhl der Künstlerin abgestellt. Damit wird die Frau als Künstlerin präsentiert und verhält sich sehr modern.

Beide Unternehmen jedoch verabschieden sich nicht von ihrem einstigen Publikum. Hugo Boss führt weiterhin schicke, konservative Businesskleidung, Louis Vuitton ist nach wie vor modisch, aber nicht allzu gewagt. Ihre Käuferschaft hat sich dabei nur verändert, das müssen sie selbst auch. Und dafür benötigen die Unternehmen die gekauften Ideen der Künstler.

 

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“Wie könnte man an die Jugend nicht glauben?” Swatch Creative Director Carlo Giordanetti im Interview

Der Creative Director von Swatch ist ein stilsicherer Herr mit einem breiten Lächeln beim Erzählen, so charismatisch, dass man ihm unglaublich gerne zuhört. Zu seiner ausdrucksstarken Brille und den feinen Anzügen kombiniert er gleich zwei Uhren der Marke seines Arbeitgebers. Das Kind in ihm ist überzeugt.

Umso mehr habe ich mich über die Möglichkeit gefreut, Carlo Giordanetti Fragen zu seiner Arbeit, Kreativität und insbesondere der italienischen Jugend im Rahmen des ITS Contest in Trieste stellen zu dürfen.

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Wie kann man sich Ihre Arbeit als Creative Director von SWATCH vorstellen?

Der Job, den ich habe, ist keiner, den man lernt. Es ist manchmal ein Teil davon, glücklich im Leben zu sein. Du hast etwas in dir und du findest die perfekte Möglichkeit, auszudrücken, wer du wirklich bist. Ich bin sehr glücklich und dankbar. Die Idee ist im Grunde genommen, dass ich mit meinen wachen Sinnen lebe rund um die Uhr. Denn die meiste Zeit weißt du nicht, wann und woher du die Idee bekommst. Und plötzlich bahnt sich eine Menge Information und der Moment, den ich gerne den “sich verlieben”-Moment nenne, indem Dinge zusammen kommen, muss schnell gefasst werden. Sonst ist er verloren. Wenn du nicht schnell bist, ist er weg.

Es ist kein geschriebener Job. Es ist das, was in deinem Kopf passiert. Aber natürlich, als ein  sehr struktiertes Unternehmen haben wir einen sehr intensiven Prozess im Kreieren von Produkten, indem wir Produkte zwei Mal im Jahr präsentieren. Die Fähigkeit, Dinge zusammen zu setzen, um das an das Team weiter zu geben, muss man mibtringen.

Ich arbeite in einer sehr visuellen Art. Was ich mache: ich erzähle dem Designteam eine Geschichte wie ein Großvater an einem Feuer. lachen Ich versuche in diesem Sinne mit Bildern, Stichworten, Beispielen, Materialien, Farben -Farben sind sehr wichtig für mich und Swatch – sie in eine Dimension zu bringen. Aber sie leben in der vollkommenen Freiheit, die Geschichte mit ihren eigenen Augen zu lesen. Und ich denke, das ist die interessante Balance.

Ich bin kein Designer, aber ich kreiere Bilder in meinem Kopf. Wenn es eine Geschichte über den Jungle gibt, oder eine Bäckerei, habe ich Bilder in meinem Kopf. Die Challenge ist es, ein Team von Designern zu finden, die fähig sind, meine Vision auszuführen, aber auch ihre eigene. So finden wir die Balance. Wir haben den Luxus. Die erste Runde von Kreativität sind vollkommen 360 Grad Freiheit. Danach beginnen wir mit dem Edit. Das ist manchmal nicht so einfach, denn starke Designer haben starke Persönlichkeiten. Einen Kompromiss zu akzeptieren, muss gelernt sein. Das verlangt viel Diplomatie. lachen Erfahrung bringt Ruhe, denn der Beweis kann manchmal dafür sprechen, dass man Recht hat.

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Als Creative Director scheinen Sie auch zu sein, wer Sie sind. Viele nehmen an, dass die Arbeit eines Creative Directors mehr Business abverlangt. 

Ich denke, da gibt es einen Unterschied. Wenn du eine Marke führst oder du eine Marke hast, die deinen Namen trägt. Wenn du eine Marke hast – was ich nie hatte und haben werde und was okay ist -  die deinen Namen trägt, ist es fast natürlich, dass es die Aufbläung deines Egos und deiner Persönlichkeit wird. Wenn du an die großen Namen denkst, an die ganz großen Namen, gehen viele in der Mode auch in andere Richtungen. Denn bis zu einem gewissen Punkt ist die Mode ist nicht genug. Die großen Namen machen alle auch Schmuck, oder Accessoires. Die pure Mode, die eigentlich nur Kleidung ist, macht keiner mehr. Wenn du für eine Marke arbeitest, ist es etwas komplizierter. Du musst die Werte der Marke absorbieren. Als eine kreative Person kannst du auch etwas zu diesen Werten beitragen. Ich denke, das ist etwas, dass Menschen manchmal nicht sehen oder nicht darüber nachdenken. Das ist jedoch eine fantastische Möglichkeit. Du erhältst ein Geschhenk, das ich Swatch nenne, du kannst aber das Geschenk verändern, wenn du es an jemand anderes weiter gibst. Als kreative Person solltest du diese Verantwortung fühlen. Es ist nur eine Welt, die diese Leidenschaft ausdrückt. Wenn du sie nicht mit Leidenschaft annimmst, kannst du nicht erfolgreich sein. Bei einem Unternehmen musst du Kompromisse machen, aber wenn du den Moment erreichst, an dem du dir denkst “okay, das repräsentiert mich” ist es der goldene Moment. Keiner muss wissen, dass ich es bin, der dahinter steht.

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Die Teilnehmer dieses Wettbewerbs lernen das.

Ich denke schon. Viele von ihnen haben das bereits erfahren. Sie haben ihre eigene Linie, oder haben bereits für große Firmen gearbeitet. Manche von ihnen sind vollkommen unschuldig. Die Schönheit des Wettbewerb ist edie Unschuld. Deshalb liebe ich e, mit Swatch zusammen zu arbeiten und diese Kategorie Artwork zu krieren. Denn es geht zurück zur Freiheit. Ich möchte niemanden in einen Käfig stecken, denn dieser Käfig ist sehr klein: Du musst für Swatch entwerfen. Als aller erstes – so arbeiten wir auch bei Swatch – Gib mir das Bild! Was sind die Gefühle, ist es Glück oder nicht, ist es kompliziert oder einfach, ist es romantisch oder sportlich, was auch immer. Und dann brauchst du dir keine Sorgen machen, wir werden einen Weg finden. Ich denke, das ist es, was dieses Mal so gut funktionierte. Sie sind vollkommen offen, und wir hatten die Möglichkeit, sie alle einzeln zu treffen. Ihre Geschichten sind sehr tief. Das ist fantastisch.

Manche der Teilnehmen sind jung. Was macht die Kreativität junger Menschen aus?

Das ist eine gute Frage! Ich denke wir, um es mal für meine Generation zu sagen, erwarten eine Kreativität von der Jugend, die glücklich ist. In der mittleren Zeit haben wir sehr viele Erfahrungen, und ich denke Jugend ist Enthusiasmus nicht in einer blöden Art. Diese Menschen treiben dich dazu, zurück zu denken. Wow, als ich 20 war, war ich glücklich. Ich war nicht immer glücklich,. Du findest Facetten in der Art, wie sie denken. Das hauptsächiche Ziel für mich ist es, das Element zu finden, was die einen von den anderen unterscheidet. Und ich denke, das ist Kultur. Ich glaube sehr an die Wichtigkeit davon, woher du kommst. Ob du aus Italien oder Deutschland kommst, einer großen oder kleinen Stadt. Es unterscheidet dich darin, wie du mit anderen Menschen interagierst. Es ist anders, wie sicher du bist. Es ist wichtig wie du mit deiner Familie lebst. Und all diese Dinge äußern sich letztlich in der Kreativitt. Und das ist es, was ich interessant finde. Die Oberfläche zu kratzen, und diese Elemente zu finden.  Natürlich stelle ich mir vor, wie diese Menschen in unser Team passen könnten. Wir wollen auch die Lücke füllen. Also denken wir uns, vielleicht brauchen wir jemand stylischeren, glamoröseren, manchmal jemanden, der technisch ist oder bereits schon weiß, was er will.

Die größte Rolle für die Jugend ist es, den Horizont derer zu öffnen, die Macht haben. Und es wird gefährlich, wenn wir ihnen nicht zuhören.

Es ist interessant, dass Sie von einer glücklichen Jugend sprechen. Manchmal nehme ich die Jugend in Deutschland als depressiv wahr.

Da ich in einem Land wie Italien lebe, weiß ich, was eine depressive Jugend ist. Denn unglücklicherweise ist das Land in einer solchen Situation. Wenn du das Glück hast, in einer Firma zu arbeiten, die diese Angelenheit ansprechen kann und mit positiver Energie auf Vordermann bringen kann, auch wenn es nur für ein Event ist… Wir wissen alle, die Macht der Marken ist heute limitiert. Es ist nicht mehr wie in den 80ern. Aber man kann inspirieren. Ich habe ein gutes Beispiel: Der Gewinner von letztes ITS Artwork von Swatch arbeitet bei uns seit sechs Monaten und wurde übernommen. Er kam mit einem Talent, aber einer dunklen Seite. Es war nicht mein Ziel, ihn zu verändern. Aber die Umgebung hat ihn verändert. Die Idee, in einer dynamischen Welt zu sein, in der Dinge ernst genommen werden, weil es um Erfolg geht, haben wir auch immer eine lustige Seite.  Und ich denke, das ist die Verantwortung, die wir als Gesellschaft haben sollten. Das Leben ist eine ernste Sache. Aber wenn du eine lächelnde Seite hast, ist es so viel einfacher.

Also glauben Sie an die Jugend?

Absolut. An die Jugend nicht zu glauben, ist Selbstmord. Wie könnte man nicht an die Jugend glauben? Es ist so, als würde man nicht lieben.

Aber es gibt Menschen, die nicht an die Liebe glauben.

Ich glaube, es ist ganz im Gegenteilt. Menschen, die nicht an die Liebe glauben, halten Ausschau danach. Ich habe immer diese Unterhaltung mit einem Freund “Ich glaube nicht an die große Liebesstory – ich bin allein und habe kleine Flirts”. Vielleicht ist das wahr, aber auch das ist deine Form der Liebe (er meinte die Flirts). Aber Liebe und Jugend sind die ultimativen Bestreben der Menschheit. Warum möchte heute keiner Falten haben? Wenn du jung aussiehst, denkst du, du kannst alles tun. Ich persönlich bin sehr gegen die plastische Chirurgie wie man sieht, da ich sehr natürlich bin. Aber ich verstehe diesen Punkt. Man möchte immer noch Liebe.

An den Falten sieht man letztlich, dass es eines Tages zum Ende kommt.

Als ich ein Kind war, und jemand 100 Jahre alt wurde, dachte man, der Typ sei ein Magier. Heutzutage sterben Menschen im Alter von 105, 107. Natürlich ist das ein Problem in der Gesellschaft. Je älter die Menschen werden, je weniger Raum haben die Jungen. Der Raum ist limitiert. Am Ende gehen wir zum Mars. Aber es lehrt eine große Lektion: Du hast mehr Zeit, um glücklich zu sein. Du hast mehr Zeit, um erfolgreich zu sein. Was ich nicht mag, ist es, wenn es künstlich wird.

Wenn du Jung in deinen Gefühlen und Leidenschaften bleibst, kannst du für immer weitermachen. Aber ich möchte nicht für immer weitermachen. lachen Aber du kannst für immer weitermachen.

Was muss passieren, damit sich die italienische Jugend verändert?

Was passieren muss ist, dass das alte Establishement verstehen muss, dass sie austreten müssen. Für mich ist es sehr traurig. Denn ich denke, das Potential ist da. Die Menschen sind da. Die jungen Menschen sind da. Aber keiner ermutigt sie. Einen Vogel zum Fliegen zu bringen fehlt. Mit zwei Händen bringen sie sie dazu, sich selbst zu essen statt sich selbst zu füttern. aAs ist ein soziales Problem. Deshalb verlieren wir die Talente.

Sie müssen sic mit ihrer Existenz herumschlagen. Es bleibt nicht die Freiheit…

Aber ich muss sagen, mache Menschen habe nicht, entschuldige das Wort, die Eier, das Risiko aufzunehmen. Wir sind Italiener, es ist sehr nett bei der Mama zu wohnen bis man 30 ist. lachen

Aber Italien hat das Auge für die Schönheit. Zuletzt möchte ich von Ihnen noch wissen, woher das kommt!

Wie ich bereits sagte, glaube ich, dass die Wurzeln sehr wichtig sind. Italiens Fundament ist die Ästhetik der Renaissance. Das ist die goldene Zeit. Auch wenn Italien damals kein Land war, mehr oder weniger war es eine Kultur. Die Vision der wie man sie heutzutage Sponsoren nennen würde, der Mäzenen war von Bedeutung. Es gab illuminierte Menschen, die eine Vision von Schönheit und Kunst hatten, die die Welt retten kann. Ich denke, wenn du in Italien geboren bist, sogar ein normales Leben hast ohne von einer sophisticated, kultivierten Familie zu kommen, penetriert es deine Haut. So endest du mit einer Ästhetik, die anders ist. Es ist der glückliche Moment Italiens, dass dieses Land noch immer einen Einfluss auf uns hat. Und ich bin sehr stolz darauf. Ich muss sagen, dass ich einen großen Sinn dafür habe. Es ist sehr interessant. Mir ist das zwei Mal passiert in meinem Leben – für Swatch natürlich und für andere Marken – dass ich es mit einer Marke aus dem Norden zu tun hatte, die sehr technisch und pur ist, die perfekt arbeiten, die Funktion ist toll, aber die Emotion fehlt. Swatch ist österreischich, die Dimension des Unternehmens ist präsizise und sauber. Aber wenn du dazu nicht den mediterranen Geist, um poltisch korrekt zu sein, mit Farben, Formen, Balance bringst, dann stirbt es. Und wir sind gute Geschichtenerzähler! lachen

Vielen herzlichen Dank für das tolle Gespräch!

Bilder: Gianmaria Gava, ITS itsweb.org, http://2.bp.blogspot.com, Swatch Press

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ITS – International Talent Support Festival 2014 in Trieste

Vergangene Woche unterbrach ich die Fashion Week in Berlin, um zum ITS Festival nach Trieste zu reisen, wozu mich SWATCH einlud. Das ITS Festival ist ganz nach dem Namen International Talent Support ein Festival, das in vier Kategorien mit zahlreichen Preisen, Dotierungen und neuen Berufsmöglichkeiten Nachwuchsdesigner auf ihrem Weg unterstützt. Gegründet wurde das Festival vor 13 Jahren von Barbara Franchin, einer Talententdeckerin, die bereits Designer wie Raf Simons und Viktor&Rolf als Jury-Mitglieder für ITS gewinnen konnte. Und unter den Gewinnern war bereits unter Anderem der britische Designer Mark Fast, der Strickmode erfolgreich auf der London Fashion Week zeigt. Die großen Sponsoren sind die Marken Swatch, Diesel, Swarovski, YKK und Samsung, die alle ihre eigene Kategorie und Jury haben. Unter dem Thema „lucid dream“ war die einzige Einschränkung und zugleich Herausforderung, mit der DNA der Marke zu arbeiten. Nominiert wurden in jeder Kategorie 10 Teilnehmer aus den verschiedensten Nationen. Freitag Abend fand die Ausstellung statt, in der alle Arbeiten in den Kategorien, Accessories, Kunst und Schmuck zu sehen waren, von denen am nächsten Tag die besten ausgezeichnet werden sollten. Die Arbeiten der Kategorie Mode wurden mit einer Präsentation vor der Preisverleihung angekündigt. virginia

In der hochkarätigen Jury von SWATCH saßen Carlo Giordanetti, Creative Director des Labels, der Kunsthistoriker Juri Steiner, das Berliner Künstlerpaar Eva & Adele, der italienische Künstler Gianluigi Colin, der Creative Director Sebastian Fischenich, ehemalige Direktorin der spanischen Vogue Maria Eugenia Alberti und zuletzt der Sänger Mika Penniman und seine Schwester Yasmine. Allein wegen der ersten drei Jury-Mitgleider wollte ich mir dieses Event nicht entgehen lassen. Die Interviews, die ich mit ihnen führen durfte, werde ich in den nächsten Tagen veröffentlichen können. Wegen des letzten Teils der Jury kamen übrigens unzählige Mädchen, um stundenlang vor unserem Hotel gelegen am Meer im Zentrum Triests zu warten. Solch einen Andrang habe ich in Deutschland noch nie erlebt. Wie ich später erfuhr, ist Mika in Italien so beliebt und bekannt, weil er in der Jury der italienischen Verison von X-Factor saß.

Der Preis in der Kategorie “Artwork” ging an Virginia Burlina. Ein Kriterium der Juroren Eva & Adele war Radikalität und Schönheit. Gewonnen hat sie letztlich Carlo Giordanetti zufolge, vor Allem auch durch die Feminität des Bildes und Eleganz, die nur von einer Frau verkörpert werden könne. Auch mit der Emotionalität und Poetrie habe Viriginia Burulina die Essenz der Marke Swatch am stärksten gedeckt. SWATCH, eine Schweizer Uhrenfirma, die sich als “größte Kunstgallerie” mit dem Geiste eines 6 jährigen Kindes beschreibt, fand sich verkörpert auch durch die Visionen der weiteren 9 Teilnehmer aus 6 Nationen in einem neuen Kontext. Beachtet sollte neben der DNA von Swatch, auch die Größe von 150x150cm und das Einbinden dreidimensionaler Elemente. Den Materialien, Farben und Formen waren keine Grenzen gesetzt. Mir hat besonders die Arbeit von Ryota Murakami und seiner Mutter Chiaki gefallen. Gemeinsam haben Sohn und Mutter eine gestrickte Welt aus dem Kinderzimmer eingereicht. Fabelhafte Kuscheltiere glitzernd getragen auf Wolken zwischen Regenbogen waren farbträchtig kreativ und phantasiereich. Die Arbeit der Teilnehmerin Youmeng Liu stellte ein Koboldartiges Wesen dar, das in einem transparenten Bauch bewegliche Insekten in sich barg. Ihre Vision war faszinierend gruselig und kindlich zugleich. Virginia Burlina jedenfalls wird ihre Vorstellungen zu der Marke SWATCH in einem Praktikum in das Design der Uhren einfließen lassen, und mit einem 10.000 Euro dotierten Preis sich ihren eigenen kreativen Weg ebnen. swatchKobold

In der Kategorie Fashion, dessen Jury unter Anderem von Diesel Creative Director Nicola Formichetti und beherbergt wurde, gewann die Britin Katherine Roberts-Wood mit ihrer Kollektion “Synch” gleich zwei Preise: Fashion Collection of the Year und den Vogue Talents Award. Obwohl ihre Entwürfe weniger innovativ waren, passen sie ganz in die Ästhetik der italienischen Vogue durch ihre raffinierte Schönheit, der unverkennbar aufwendigen Handarbeit. Wie alle anderen Teinehmer entwarf auch sie ein Teil in ihrem Stil ganz nach Profil Diesels in Jeans-Optik. In der Kategorie Fashion beeindruckte mich besonders Jae Woo Lee aus Südkorea, die jedoch leider leer ausging. Ihre Kollektion “Dis.connect” zeigte zweiseitige, gerippte Wolle, wobei Stoffreste lose an den fundamentalen Kleidungsstücken hingen, fliegten, magnetisch klebten.

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leelee2xxDen Award für Fashion Special Prize erhielt Anita Hirlekar mit gestrickten, unendlich einander verwobener sichtbar maschiger Wolle.

Die Männer – Kollektion “Bunnies with the sea” von Anna Bornhold, die ganz nach ihren deutschen Wurzeln die nordische Ästhetik auf hippe Art wiedergegeben hat, gefiel mir persönlich leider gar nicht. Entwürfe dieser Art waren bereits häufig zu sehen. Sie jedoch erhielt den Modateca Award. Den Diesel Award erhielt verdient Zoe Water. Ihre Jacken erinnerten an Rucksäcke. Ihre Entwürfe kamen dem Stil Diesels selbstverständlich am nächsten und werden hoffentlich bald in ähnlicher Form zu kaufen sein.

annaanitaDen Vogue Talent Award in der Kategorie Jewellry hat Maiko Takedo gewonnen. Ihr Traum besteht aus der Vorstellung, Wolken zu tragen. Ästhetisch hat sie sich inspireren lassen von Robert Wilson`s Produktion von Philip Glass Oper “Einstein am Meer” aus dem Jahre 1976, die die Japanerin 2012 in London sah.   maikoMirja Pitkaarts Entwürfe haben mir ebenfalls sehr gut gefallen, wofür sie auch in der Kategorie Accessoire einen Preis gewonnen hat. Hier zu sehen ein Teil ihrer Kollektion: ein Notizbuch mit dreidimensionalem Cover aus Leder hochwertig hergestellt. mirja pitkaartAm gleichen Tag vor der Preisverleihung durften wir noch im Archiv von ITS Entwürfe vergangener Gewinner bestaunen. Dort erzählte mir einer der Triest Helferinnen, eine Filmstudentin aus Kroatien, dass der Illy Cafè aus der Stadt Triest komme und man an der slowenischen Grenze, wo der Kaffee produziert werde, den Kaffee bereits riechen könne. Den himmlischen Duft habe ich nicht mehr erleben können, aber das Archiv hatte fast ebenso eine berauschende Wirkung. Zwei kleine Zimmer im obersten Stockwerk eines alten Gebäudes waren gefüllt mit den Arbeiten der Gewinner aus den letzten 13 Jahren. Tausende Einreichungen hatte man ebenfalls in grauen Pappkartons aufbewahrt, die während des Festivals jederzeit geöffnet werden durften. Das Archiv selbst öffnet nur einmal im Jahr während der Veranstaltung, daher ein paar Eindrücke aus der Schatzkammer:

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Wie erwartet waren unter den Gästen sehr gut angezogene Frauen und Männer. Kreativität und Opulenz waren die Charakteristiken, die zu sehen waren. Der Berliner Individualismus und die jugendlichen Subkulturen, aus denen ich direkt eingeflogen war, vermisste ich dennoch. Denn die Feminität wurde von vielen Gästen auch auf die Spitze getrieben, von vielen Gästen aber auch wunderbar verkörpert. Von den männlichen (italienischen) Gäste habe ich leider keine Bilder machen können, doch deren Stilbewusstsein ist ohnehin reichlich auf den Streetstyle Bildern der Pitti Umo zu bewundern.

style itsIMG_2453style triesteVon dem Wettbewerb hatte ich zuvor nichts gehört, es hat jedoch meine Erwartungen übertroffen. Viele Arbeiten waren sehr künsterlisch und beinhalteten einen Gedanken, und das trotz der Tatsache, dass eine Zusammenarbeit mit Marken stattfand, in der eben die Arbeiten auch der Ästhetik der Marken gerecht werden mussten. Das Thema “lucid dream” ließ dabei den größtmöglichen Raum für Ideen offen, und hat dabei eben selbst auch die Kreativen allein mit der Auswahl der Thematik zum Nachdenken angeregt. Unterstützt werden sie mit zahlreichen Awards allemal. So viele Awards waren es vor Allem in der Kategorie Fashion, dass man keine Übersicht mehr hatte. Zudem wurden manche Arbeiten in mehreren Kategorien nominiert und gekrönt. Eine gute Möglichkeit für die Talente ist ITS auch deshalb, weil sie eben auch entdeckt werden können, von Investoren oder beispielsweise Gallerien. Mit 99 Medienvertreten aus 13 Ländern bestand das Publikum aus hochwertiger internationaler Fachpresse, unter Anderem mit der italienischen Vogue als Berichterstatter und zugleich Unterstützer. Dadurch, dass sich Kunsthistoriker, Künstler und Modedesigner unter den Juroren befanden, hatte der Wettbewerb auch einen intellektuellen Anspruch an die materiellen Arbeiten. Die Qualität des Festivals kam durch die Aufmachung des Designs und Layouts der Festivalbilder sowie die Internetpräsenz nicht sehr gut zum Vorschein, was wohl auch mein einziger Kritikpunkt wäre.

Was mir besonders an dem Festival gefiel, war die Entspanntheit des kreativen Publikums. Ich mochteauch die Gelassenheit der Stadt Trieste, die der Gastgeberin und mitwirkenden Juroren und Partnern. Die Arbeit der Kreativen wurden zelebriert und gefeiert. Neben den drei Juroren von SWATCH, lernte ich außerdem die Redakteurin Juliana Buchroithner von Material Girl, Anja Tranninger von Flair aus Österreich, sowie Andrea Lucia Brun von der Schweizer Zeitschrift Bolero und letztlich auch Samantha Oberholzer und Nina Thelenberg von SWATCH kennen. trieste1.Bild:  Giuliano Koren für ITS

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“Wien ist keine supergehypte Modestadt” – Jungdesignerin Roshi Porkar in Berlin

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Ihre erste Kollektion für Frühjahr Sommer 2015 durfte Roshi Porkar, Gewinnerin des Chloe Preises des diesjährigen Hyères Fashion Festivals, vergangenen Donnerstag auf der Mercedes Benz Fashion Week Berlin zeigen. Die gerade erst 25-jährige Absolventin der Wiener Universität für angewandte Kunst wurde im Rahmen des Nachwuchsförderungsprogramms von Mercedes Benz und Elle gewählt. Ausgestellt wurde eines ihrer Entwürfe zudem gemeinsam mit denen von Steven Tai und Satu Maraanen im Bikini Berlin unter der Leitung Haider Ackermanns. Letzterer kam zur Vernissage, um die ebenfalls ausgestellten Kampagnenbilder vorzustellen, für die er als Stylist arbeitete. Dort traf Roshi ihn auch zum ersten Mal. Aufmerksam und zugleich verlegen hört sie einem der großen Avantgardisten der Modewelt zu, den sie als sehr netten Menschen beschreibt. Nervös war sie vor Allem, weshalb man ihr erst zur letzten Minute vor der Show verriet, dass er gemeinsam mit Tilda Swinton im Publikum saß, um sich die Show anzusehen wie sie mir im anschließenden Gespräch erzählte.

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Die Entwürfe ihrer ersten Kollektion betrachtet sie selbst viel mehr als Kunstobjekte als dass sie die Teile getragen an einer Frau betrachten könnte. Sie sehe sie nur an der Frau auf dem Laufsteg. Von der Kunst selbst ließ sich die Künstlerin für ihre erste Kollektion inspirieren. Auf der Documenta in Kassel letztes Jahr stieß sie bei einer Ausstellung auf die 4000 Jahre alten Statuen baktrischer Prinzessinnen.

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Die junge Wienerin wirkt in sich gekehrt mit großen Augen und weicher Stimme dabei selbst fast schon wie eine iranische (Disney-) Prinzessin. Ihre iranischen Wurzeln jedenfalls sind nicht weit entfernt von denen der Baktrischen Prinzessinnen: das ehemalige Baktrien ist das heutige Afghanistan. Sie stimmt zu, dass Prinzessinnen heute im Zuge des Feminismus negativ konnotiert sind, auch deshalb tue sie sich damit schwer. Die Prinzessin sei aber nur Ausgangspunkt der Kollektion. Sie baue nicht durchgehend darauf auf und sei viel mehr ein Experiment mit dem Körper, eine Auseinandersetzung mit weiblichen Proportionen. “Mode ist nur dazu da, dass man sich anzieht, sehr oberflächlich. Alles andere muss man selbst beweisen. Jede kultivierte Frau weiß das auch.” Sie hat nichts dagegen einzuwenden, wenn Frauen sich wie Prinzessinnen fühlen möchten, jedoch nur, solange es nicht zu negativ betont werde.  Schließlich sei die Kollektion, die eine Weiterführung der in Hyères gezeigten ist, an die Chloe-Frau angelehnt. Und die beschreibt sie als starke, freie, softe Frau genauso wie ihre Models, die sie selbst gecastet hat. Dass sie stark waren sah man vor Allem an dem festen, zielstrebigen Gang der Models. Die Chloe-Frau jedenfalls trage Elemente, die sie auch selbst interessant fände. Sie habe die DNA der Marke jünger und cooler machen wollen. Genau dafür erhielt sie den mit 15.000 Euro dotierten Chloe Preis des Hyeres Festivals, das als Avantgarde gefeiert wird. Wie in einem Artikel auf der Zeit beobachtet wird, habe sich das Festival aber mit der Wahl der Kenzo Creative Directors in eine kommerzielle Richtung entwickelt. Einen Konflikt, wie er viele Künstler und Designer beschäftigt, sieht Roshi Porkar jedoch zwischen Avantgarde und Kommerz für sich selbst nicht. “Ich entwickle mich langsam in eine Richtung, in der es mir wichtiger wird, dass es von vielen getragen werden kann. Nicht von jedem, aber ich bin nicht jemand, der nur experimentieren will und Avantgarde sein möchte.” An der Uni sei sie experimenteller gewesen so wie jeder es an der Uni ist, meint Roshi. Dabei habe sie aber auch Sachen gemacht, auf die sie überhaupt nicht stolz ist. Doch das gehöre dazu. Ihr Studium an der Universität der Angewandten, wo sie unter Bernhard Wilhelm lernte, beschreibt sie als einen Ort, der sie gefördert habe, selbst zu lernen. Die Universität sei offen und habe ihr anders als an anderen Unis ohne Stress, Zeit zum Entwickeln gegeben. “An der Angewandten hat man eine sehr große Freiheit, vor allem sehr viel Zeit, Platz und Raum, seinen Weg zu finden.” Über die Zukunft macht sie sich noch nicht so viele Gedanken, weder über eine mögliche Arbeit als Creative Director für eine Firma, noch über das Einkleiden von Persönlichkeiten, genauso wenig über die Arbeit anderer Designer. Andere Designer habe sie in Berlin bedauerlicherweise auch nicht sehen können, doch die Stadt wirke sehr energetisch auf sie, weshalb sie sich auch gut vertreten fühle. Sie merke, wie hoch die Nachfrage sei, vor Allem bei Jungdesignern und das findet sie gut. Einmal im Jahr besuche sie Berlin, und sei dabei oft in Neukölln, wobei sie sich dabei nicht sicher sei, denn die Stadt empfindet sie als riesig, deutlich größer als Wien. Die Modeszene in in Wien hingegen sei relativ klein. Zwar gäbe es sehr viele talentierte, junge Designer, die dort arbeiten, aber es sei alles noch ein bisschen kleiner und langsamer. “Wien ist keine supergehypte Modestadt.”

Supergehypt hingegen is zurzeit Pharrell und Eminem, die ja doch mittlerweile zu Ikonen aufsteigen könnten, wenn sie es nicht sogar schon sind. Die Rapper begleiteten im Remix eines Freundes zur klassischen Melodie ihre Kollektion. Die Musik spiegele ihre Kollektion wieder: Klassisch, aber durchbrochen. Sportlich, feminine Elemente wollte sie dabei in ihrer Kollektion haben. Da entwarf sie ganz nach den aktuellen großen Kollektionen, wo Sportlichkeit eine immer größere Rolle spielt. Ihre Kollektion ist nicht geleitet von einem künstlerischen Gedanken, sondern viel mehr von den äußerlichen Codes der DNA wie auch aktuellen Trends in ihrer eigenen Sprache, und vor Allem Technik des neudefinierten Raumes des weiblichen Körpers. Aber über ihre eigene Kollektion möchte sie gar nicht so viel sprechen, denn die müsse so gut wie möglich werden, dass sie für sich selbst sprechen kann. Und das kann sie.

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Fashion Week Berlin SS 2015: favorisierte Designer

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Die Mercedes Benz Fashion Week, die kommenden Dienstag im Erika Heß Stadion in Wedding beginnt, wird eine entspannte Modewoche, davon bin ich überzeugt. Umso mehr freue ich mich, auf Designer konzentrieren zu können, die ich schon seit Längerem aus persönlichem Interesse verfolge. Deutsche Modemacher haben es nicht einfach in ihrem Beruf, gerade weil das Vorurteil über ihre Kultur besteht, für Mode weder Interesse noch Kompetenz zu haben. Dennoch bahnen sie sich ihren Weg, so schwer dieser auch sein mag. Keinen der Berliner Designer sehe ich auf dem höchst möglichen Niveau, doch manche von ihnen sind auf dem besten Weg dahin. Andere wiederum lassen sich feiern, obwohl sie nicht einmal so genau wissen, wo es lang geht. In den nächsten Tagen werde ich insbesondere auf die folgenden Designer ein Auge werfen:

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Dawid Tomaszewski Metamorphosis nannte sich die Kollektion für SS 2013, die mich fesselte. Die transparente Seide schmückte dabei die Frau, und erhob sie gleichzeitig. Er definiert die Frau nicht per se durch ihr Aussehen. “Die Dawid Tomaszewski Frau ist eine starke und durchsetzungsfähige Person und versteht es, diese Eigenschaften in ihrer Kleidung reflektieren zu lassen.” Seine bisherigen Winterkollektionen waren sind definitv sehr unspektakulär, während seine Entwürfe für den Sommer ganz im Kontrast stehen und mich bisher überzeugten. Lesen fortsetzen

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Männerkleidung SS 2015: Die Konstruktion der Männlichkeit unter dem Einfluss des Ballsports

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Sport ist ein Raum, in dem Männlichkeit vorgeführt wird. Dies zeigt sich auch in der Mode, womit gleichzeitig sportliche Kleidung Männlichkeit definiert. In den Männerkollektionen für den Frühling und Sommer 2015 machte sich insbesondere der Einfluss des Basketballs sichtbar. Neben dem britischen Designer Nasir Mazhar zeigten die Labels Philip Lim, Balenciaga und selbst sogar Bottega Veneta Schnitte der Kleiderordnung des Ballsports. Die kreative Leitung der letzten drei benannten Labels haben ihren Sitz in den USA. Auch das Hause Givenchy, dessen Creative Director ein enges Verhältnis mit dem amerikanischen Rapper Kanye West pflegt und die Spielart als favorisierten Sport bennent, führte ihre letzte Kollektion durch eine klassische Modifizierung fort. Erst im Januar in ihrer letzten Saison erfuhr der bedeutendste Ballsport Amerikas ihren modischen Höhepunkt der letzten Jahre durch die Präsentation Givenchys an einem nachkonstruierten Basketballplatz, dessen Motive auch die Kleidung zierte. Wieso ist der Einfluss des Basketballs in der amerikanischen Männermode so sehr von Bedeutung? Die amerikanische Kultur ist sowohl musikalisch als auch modisch durch die Vorführung der Clips (inszenierte Kleidung in Kurzfilmen) von der afro-amerikanischen Kultur sehr geprägt. Dem Hiphop wird mit dem gängigen Statement “als CNN der Schwarzen” eine maßgebliche Rolle zugeschrieben, genauso sehr wie dem Basketball als Raum der Vorführung schwarzer männlicher Identität über den Einfluss der NBA verstanden.

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In meiner Recherche nach dem Zusammenhang zwischen Männlichkeit und Basketball bin ich auf eine interessante soziologische Beobachtung gestoßen, die ich an dieser Stelle vorstellen möchte. Professorin Eva Boesenberg zufolge dient der “Sport zur Fetischisierung des schwarzen männlichen Körpers als reiner Körper.” In ihrem Aufsatz “Black Rules” demonstriert sie anhand drei afro-amerikanischer NBA Stars die von Millionen konsumierte und imitierte Männlichkeit. Anhand Basketballspieler Shaquille O’Neal zeichnet sie neben seiner kindlich naiven Darstellung die Bedeutung der Stärke, der Rolle des “Größten” und Gefährlichsten, die in seiner Spielart zum Ausdruck kommt. Michael Jordan halte nach Bell Hooks ein “sportliches Ethos” bei, das auf “Machtausübung, Sexismus und Homophobie basiere”. Mit Dennis Rodman, der sich gerne exzentrisch in geschlechterübergreifender Kleidung präsentiert, geht die Autorin auch auf Homosexualität ein. Trotz der offenen Kommentare des Spielers, gebe dieser zu verstehen, heterosexuell zu sein. Seine weiblich konnotierten Kleider deutet sie nicht als Infragestellung der Geschlecherkategorien von Weiblichkeit und Männlichkeit, sondern viel mehr als Provokation an die Bürgerlichkeit, denn sein Image als harter Kerl sei unbestreitbar. In ihrem Fazit, bemängelt sie, dass die Umgangsform im Basketball traditionelle Geschlechterrollen über das “hypermaskuline Image” verstärken. Sie schlussfolgert jedoch, dass durch verschiedene Männlichkeitsbilder der Stereotyp des “sexbesessen, intellektuell minderbemittelt und tendenziell gewalttätig” dargestellten jungen afro-amerikanischen Mannes abgebaut werden könnte.

Die auf den Straßen getragenen Shorts (auch in Deutschland), die in verkürzter Art getragen werden wie sie selbst zurzeit im Schaufenster bei H&M zu sehen sind, haben ihren Ursprung jedenfalls im Ballsport. Während jene Shorts, die das Knie bedecken, aus dem Basketball kommen, sind es Short oberhalb der Knie, die von Spielern im Fußball getragen werden.

dolce gabbana

Besonders interessant ist dabei die letzte Kollektion der italienischen Designer Dolce & Gabbana. Ist das Leitmotiv der Stier, so ziert das Muster auch einen sportlichen Look bestehend aus Tanktop und knielangen Shorts. Der Stier signalisiert in Verbindung des Sports die in den Wettbewerb ziehende Männlichkeit, die dabei sogar aggressiv vor geht wie sie in Stierkämpfen vorgestellt werden kann.

antonio marras

Basketball ist in Europa weniger beliebt, was nicht heißt, dass auf diesem Kontinent durch einen anderen Ballsport Männlichkeit nicht konstruiert wird. Insbesondere auch in Deutschland ist es der Fußball, der zurzeit durch die Weltmeisterschaft noch stärker an Bedeutung gewonnen hat und Millionen Menschen in Deutschland zum Feiern und Diskutieren vor die Monitore zieht. Gespiegelt wird die Bedeutung des Ballsports in der Kollektion des italienischen Designers Antonio Marras. Geht es im Fußball zunehmend auch um Politik und Patriotismus, so wird allem voran auch die Männlichkeit konzipiert. So sehr Stimmen der Medien auch von Gender Studies sich leiten lassen, so ist das Konzept der determinierten Geschlechterdichotomie auch in Deutschland tradiert.

Der Text, den wir im Seminar “Männlichkeiten – Grundlagen der Männlichkeitsforschung” der Dozentin Prof. Helma Lutz gelesen haben, passt an dieser Stelle sehr gut. Michael Meuser befasst sich in „It’s a Men’s World. Ernste Spiele männlicher Vergemeinschaftung“ mit der Ernsthaftigkeit des Spieles, die sich in der Verbindung zwischen Fußball und der gesellschaftlichen Ordnung ausdrückt, wobei das Geschlecht für Meuser eine wichtige Rolle spielt. Mit einem Zitat von Getrud Pfister macht Meuser in der Einleitung deutlich, dass es hierbei die Männlichkeit ist, die im Fußball der westlichen Kultur produziert und inszeniert wird. Dabei werden beim „Männersport“ auch männliche Werte und Neigungen geäußert. Mit Bourdieu macht Meuser deutlich, dass es sich bei Männlichkeit um eine „kompetive und homosoziale Praxis“ handelt, die Männer in einen Wettbewerb dringt und Frauen dabei ausschließen lässt. In dieser Praxis wird auf heterosozialer Dimension eine Hierarchie der Männlichkeit erstellt.

Im Kapitel „Fußball und hegemoniale Männlichkeit“ wird der Zusammenhang zwischen Fußball und des von Connell eingeführten Konzeptes erleuchtet. Die „Hegemoniale Männlichkeit“ äußert sich im Verhalten gegenüber anderen Männern und gegenüber Frauen. Dabei ist auch die Rede von „marginalisierter Männlichkeit“, die eine andere Männlichkeit verbindet wie beispielsweise die Gruppe der schwulen Männer. In ihrer Struktur wird sich in sogenannten bunten Ligen der Tradition der  Geschlechterbeziehungen und Identität widersetzt. Meuser geht in diesem Aufsatz auch über das moderne Phänomen der „Metrosexualität“ ein, die mit David Beckham Ausdruck fand, womit er den Fußball nach Holger Brandes als „Zeitgeist von Männlichkeit“ erklärt. Die Darstellung mit Frau und Familie ist ein wesentliches Merkmal, das die Männlichkeit betont und beweist. Mittlerweile ist der Begriff Spornosexual nach der These Mark Simpsons im Diskurs, der dem Mann viel mehr Disziplin, Erotik und Selbstdarstellung abverlangt. Die Männer werden auf ihren Körper reduziert. Dass das Aussehen auch bei den Fußballern noch immer sehr von Bedeutung ist, macht sich auch in der Weltmeisterschaft bemerkbar: auf einem Feld bewegen sich elf Männer je Mannschaft athletisch hin und her, diskutiert wird dabei nicht nur ihre Fähigkeit, sondern auch ihre ästhetische Performance.

Im letzten Teil dieses Kapitels macht er deutlich, dass die hegemoniale Männlichkeit funktioniert, indem der Untergeordnete einverstanden ist, jene Position einzunehmen, womit er an der „patriarchalischen Dividende“ teilnimmt und damit der männlichen Vergemeinschaftung gehört. Im Kapitel „Die ernsten Spiele der Fans“ werden auch die Machtverhältnisse unter den Spielern deutlich. Dabei geht es den Fans um den Status als Mann, diesen zu verteidigen und dabei den Gegner zu entmännlichen. Gewalt ist im Fußball damit auch ein legitimer Ort physischer Gewalt. Sie stehen dabei aber auch in einer Wechselbeziehung, womit Meuser meint, dass durch Körperverletzung des Gegenübers auch die Loyalität der eigenen Gruppe gewahrt wird.

Wie bereits angedeutet, muss man diesem Text, der die Konstruktion von Männlichkeit untersucht, hinzufügen, dass beim Fußball eben auch viele andere Faktoren dazu führen, dass dieser Ballsport so beliebt ist. Neben den neuen Patriotismusversuchen Deutschlands, ist es auch die Möglichkeit, sich in “netter Gesellschaft” mit anderen Menschen, Kollegen und Freunden zu treffen, die diesen Ballsport so anziehend für tausende Menschen macht. Nichtsdestotrotz kann durch die Tabuisierung der Homosexualität gesagt werden, dass dieses Feld ein bestimmtes Bild von Männlichkeit idealisiert und konzipiert. Dies habe ich in Bezug zum Basketball mit der Prof. Eva Boesenbergs Charakterisierung ausgewählter Spieler demonstriert, im Fußball hingegen mit Michael Meusers Text über die Interaktion und den Habitus der Teilhabenden am Spiel.

Noch macht sich der Fußball in Entwürfen deutscher Designer kaum bemerkbar, was letztlich damit zusammenhängen könnte, dass es der Berliner Modewoche an verschiedenen Konstruktionen von Männlichkeit mit kulturellen Ursprung  fehlt oder schlicht gesagt: an Ideen. Denn die letzten sportlichen Trends wurden aus den USA in den letzten Saisons ausreichend kopiert. Gleichzeitig spricht es aber dafür, dass sich die deutsche Mode noch immer auf eine sehr geistliche Ebene mit dem Material auseinandersetzt. Möge Sport wie hier vorgeführt viele negative Aspekte mit sich bringen, so ist dieser gerade für junge Menschen wegen der Gesundheit, sozialen Vernetzung und der Identität von großer Bedeutung. Schließlich lernen die Teilnehmer auch anhand der Regeln Fairness und Gerechtigkeit im Spiel, aber auch ihren eigenen Körper zu akzeptieren und glorifzieren. 

http://www.basketball.de/magazin/archiv_magONLINE/maenner.html

Bilder: Givenchy Mens FW 2014 Paris, Quelle: www.derriuspierre.com, Philip Lim Quelle: Style.com, Alexander Wang & Balenciaga SS 2015 Quelle: Style.com, Bottega Veneta SS 2015 Quelle: style.com, Antonio Marras SS 2015, Style.com 

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Ein Zara Mädchen – Sein oder Nichtsein?

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Ein Zarmädchen – Sein oder Nichtsein?

Zara, Frankfurt. Gestern fand der erste Samstag des alljährlichen Zara Sommerschlussverkaufes statt und wie jedes Jahr finden sich alle Damen in einem Gedränge zwischen rot markierter Kleider der letzten Kollektion wieder im Streit um die besten Schnäppchen. Per E-Mail für den Online Verkauf für Donnerstag  00:00 Uhr angekündigt, sehe ich Mädchen auf Instagram sich über den Beginn informieren.

Konnte man sich vor einigen Monaten das eine oder andere Teil zum Originalpreis nicht leisten, findet man sein Lieblingsstück im reduzierten Bereich, wenn man denn Glück hat.

Aber auch jenseits des Schlussverkaufs frage ich mich jedes Mal, wenn ich einen Zaraladen in Frankfurt oder Istanbul betrete: soll ich es mir nun kaufen oder nicht? 5 Gründe, die mich immer wieder vom Kauf abhalten.

Weiblichkeit

Mögen die Kampagnenbilder androgyne bis konservative nordische Frauen porträtieren, so ist Zara in Deutschland definitiv ein Kostüm der Weiblichkeit. Die Kleider Zaras betonen die Femininität und lassen Frauen aus aller Welt „weiblich schön“ aussehen. In Zaras finden sich von Frauen mit Kopftüchern bis Frauen mit kurzen roten Haaren die unterschiedlichsten Typen mit unterschiedlichster Herkunft, Nationalität und Religion. Was die Frauen hier verbindet ist das Frau-Sein und damit definieren sie sich auch im traditionellen Sinne. Sie achten auf ihren Körper und sind meist geschminkt. Selbst die hellen Typen findet man hier jenseits des Klischees der deutschen Natürlichkeit mit langen Haaren und wallenden Röcken. Es sind meist jene an die Geschlechterrollen angepassten Frauen ohne Mut zur Kreativität, wobei ich mich immer wieder Frage: Möchte ich so ein Mensch sein, der auf den ersten Blick als Frau zu erkennen ist? Die meisten Frauen sind von oben bis unten perfekt gestylt mit langen Haaren, getuschten Wimpern und den dazu ordentlich erwählten Kleidern. Präsentiere ich mich hier auf diesem Blog nicht ähnlich? Ja, aber die Realität lässt mir selten Zeit dafür, zumal ich gerne auch den traditionellen Erwartungen mit ungeschminktem Gesicht und gammligen Klamotten trotze.

Wenn ich also Teile für Outfits rauspicke, frage ich mich auf dem Weg zur Kasse jedes Mal: möchte ich so aussehen wie all die anderen Frauen auch, die sich größtenteils mir ihrer Weiblichkeit definieren und dabei einen Wettbewerb antreten gegen Frauen um Männer? Ich frage mich, ob ich dieses Image mitmachen soll. In Zarakleidern sieht provoaktiv ausgedrückt, jede Frau gleich aus. Vor Allem die orientalischen Frauen in Frankfurter unter sich, die so unglaublich gerne dort einkaufen wie auch viele der nordischen Frauen, zum. in Frankfurt.

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“Paparazzi! Fotografen, Stars und Künstler” in der Schirn Kunsthalle Frankfurt

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Die Fotographie “Antonia+yellow cab” William Kleins aus dem Jahr 1962 zeigt eine mondäne Frau vor dem Taxi posierend auf den Straßen New Yorks, zu sehen seit gestern in der Schirn Kunsthalle Frankfurt in der Ausstellung “Paparazzi! Fotographen, Stars und Künstler”. Resultiert die Ästhetik jener konzeptualisierten Modefotographie aus früheren meist ungewollten Paparazzibildern, so ist es heute Gang und Gäbe, dass sich Gäste der großen Modestädte von New York bis Mailand selbst auf den Straßen in Szene setzen, ja gar davon abhängig sind, fotographiert zu werden. Wer als Mode-Journalistin hinter der Kamera stand, steht heute im Rampenlicht, denkt man dabei nur an Miroslava Duma oder Anna Dello Russo. Sie lieben die Inszenierung wofür sie von Suzy Menkes bereits Kritik einbüßen mussten. Doch genießen sie die Blicke, die Aufmerksamkeit für ihre Präsenz und ihre Kleiderauswahl wie sie sonst nur den Models vorbehalten war. Für etablierte Stars wie Kanye West verhält es sich ähnlich, wenn sie die Modewoche besuchen. Doch es geht darüber hinaus. Die Mode reicht der Masse solcher großen Stars nicht, sie sind an ihrem Leben interessiert. Stellvertretend sind es meist Männer, die waffenähnlich Kameras mit sich tragen. getarnt Voyeur spielen, um das richtige Bild zu schießen, werden sie von dauerhaften Verfolgungen nicht müde. Sie verfolgen Stars auf Schritt und Tritt, und dabei kommt es nicht selten zu gewaltigen Auseinandersetzungen zwischen Jäger und Gejagtem. Genau diesen Interessenkonflikt wie auch Intention und Profil jener Beteiligten stellt die Ausstellung vor. Lesen fortsetzen

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