Dolce & Gabbana krönt Mamma Mia auf dem Laufsteg! Wie Mode nicht nur Stoff, sondern auch einen Sinn verkauft

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Dolce & Gabbana krönte vergangenen Sonntag mit der Kollektion für kommenden Winter die Mutter der Welt. Die mit Blüten verzierten Kleider trugen Liebeshymnen in verschiedensten Sprachen gerichtet an die Mutter. “I love you mama”, schrie das Eröffnungskleid voller Liebe in weißer Unschuld. Auch in italienischer oder französischer Sprache mit “J’aime Mama” wird Mutter die Liebe verkündet. Die Mutterrolle erhält dabei einen neuen Stellenwert in der Mode, die nicht ungern als Spiegel der Gesellschaft Jugendlichkeit zelebriert. Dabei ist die Liebe zur Mutter die vermutlich erste, die jeder Mensch erfahren kann. Dass ein Unternehmen wie Dolce & Gabbana gerade jetzt auf die brilliante Idee kommt, müsste kein Zufall sein: Im Zuge des modernen Feminismus ist die Wertschätzung der Mutterrolle ein wichtiges Zeichen. Der vielleicht schwierigste Job der Welt erhält Anerkennung. Bereits das dritte Model betretet mit kugelrundem Bauch den Laufsteg: Biancia Balti, Gesicht der letzten Kampagne, stolzierte überglücklich als werdene Mutter über den Laufsteg. Hinter sich lässt sie eine Kulisse zurück, die Kinder die Hand der Mutter haltend zeigt. Die Präsentation kann als “Empowerment” bezeichnet werden: so elegant die Damen sind, so stark, selbstbewusst und sicher wirken sie. Von weiblicher Fragilität ist nichts zu spüren. Mag der Stoff noch so floral, rosig oder filigran durchsichtig sein. Auf männliche Begleitung wurde verzichtet. Besonders interessant ist der Aufdruck des Marienbildnisses, das der Kollektion etwas Göttliches verleiht. Doch es ist nicht das erste Mal, dass die Mailänder Firma Dolce & Gabbana den Familiensinn gleich mitverkauft. Read more

Körperbewusste Femininität – Die Wiederentdeckung der Kultmarke Wolford

Neulich entdeckte ich im Frankfurter Kaufhof, in dem ich hin und wieder meinen Blick im schönen Erdgeschoss über gut ausgewählte Accessoires und Beauty-Produkte schweifen lasse, eine Marke, die längst aus meinem Fokus geraten war: Wolford. Bekannt waren mir vor allem die Strumpfhosen der hochwertigen Marke mit dem schlichten schwarz-weiß Logo.

Mein Blick jedoch blieb nicht an den Strumpfhosen hängen, die selbst Beyoncé auf der Bühne trägt, sondern an wunderschön klassisch stilvollen Rollkragenpullover – und kleider. Durch den elastischen Polysteranteil war mir beim Betrachten bereits klar, dass diese Teile sehr eng am Körper anliegen müssen. Sie erinnerten mich an den Stil von Kim Kardashian, die mit ihrer neuen Sexiness die Modewelt aufrüttelt. Nach kurzer Recherche fand ich heraus, dass die von Kim Kardashian kombinierten Teile wie sie auf Instagram zu sehen sind genau von dieser Marke sind: Wolford aus dem österreichischen Bregenz. 

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Kim Kardashian & die weibliche Körperbetonung

Nach dem Size Zero Trend, der lange Jahre auch das Schönheitsideal der Modewelt beherrschte, entwickelt sich zurzeit eine Gegenbewegung: nicht nur die Etablierung der Plus-Size Models steht auf der Agenda, allem voran geht es darum, den Frauenkörper in seiner Vielfältigkeit auch in der Medienwelt gespielt zu sehen. Denn haben weder alle Frauen dünne, lange Beine, noch sind sie alle zusätzlich kurvig wie es die Victoria Secret Models darstellen: jeder weibliche Körper ist individuell, und mittendrin steht Kim Kardashian mit einer Größe von 1,59 cm und einem üppigen Busen und Hintern. Ihre Beine sind kurz, ihre Taille schmal, der Bauch flach. Und dabei tritt sie mit der größten Selbstsicherheit in Paris auf ohne sich darüber Gedanken zu machen, als “billig” oder “zu sexy” wahrgenommen werden zu können. Mag man ihre Person ablehnen oder nicht, ihr Aufreten hat Präsenz. Marken wie Gucci oder Dolce & Gabbana haben es schwierig, ihre traditionell italienische Sexiness populär zu machen, gefragt ist sie derzeit sehr viel mehr von Häusern wie Balmain, die auf das Schönheitsieal der Kim Kardashian aus den USA reagieren.  Read more

Ausstellung “Body Talks – 100 Jahre BH” – Museum für Kommunikation Frankfurt

Bis zum 15. Februar ist die Ausstellung “Body Talks – 100 Jahre BH” im Museum für Kommunikation Frankfurt zu sehen.

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Die Ausstellung dreht sich nicht allein um den von der Amerikanerin Mary Phelpf Jacob vor 100 Jahren entworfenen Büstenhalter. Zu sehen sind auch Videos wie die der deutschen Marke Dr. Oetker wie sie das Hausfrauenimage nicht besser hätten glorifzieren können oder Titelbilder mit Supermodels we Kate Moss, die das heutige Schönheitsideal noch heute prägen. Mag die Ausstellungsfläche sehr klein ausfallen – wer sich für die Themen der Weiblichkeit interessiert, könnte und möchte sich darin verlieren – so ist auf kleinstem Raum unglaublich viel über ein Stück Stoff in der westlichen Welt der vergangenen 100 Jahre zu erfahren.  Es lassen sich nicht nur alte traditionelle BHs der Marke Triumpf in den Vitrinen bewundern, sondern besonders schön auch die Chronik zum BH anhand illustrer, modern designter Tafelbilder in Form von Kleiderbügel nachlesen.
Demonstriert die Ausstellung das Streben der Frauen nach Attrakvität mit dem Instrument des BHs auf der einen Seite, so sind ihre größten Kritikerinnen, nämlich die Frauen selbst, auf der anderen Seite zu beobachten. So gesellschaftsspiegelnd die Ausstellung auch sein mag, eine Alice Schwarzer- Attiude hat sie nicht: Kuratorin Julia Bastian hat mit ihrem Team eine hippe, schönenund zugleich zeitgeistige Ausstellung aufgearbeitet, dass für Frankfurt Ausstellungen dieser Art wünschenswert sind.  Und gerade auch für jene Frauen, die sich intensiv mit ihrem Körperbildnis auseinandersetzen, dabei aber auch den gesellschaftlich historisch und wirtschaftlichen Rahmen verstehen möchten, in dem sie sich bewegen. Denn die Ausstellung hat nichts Ermahnendes oder Frauenkritisches, sondern lässt sie die Besucherin mit einer großen Portion Humor die Ausstellung verlassen.
Neben Filmvorführungen mit Arte, gab es mit geladenen Professoren ein spannendes Rahmenprogramm.

Mag die Internetpräsenz nicht einmal annäherend den Stil, sowie den getroffenen Zeitgeist der Ausstellung widerspiegeln, so lohnt es sich, immer wieder vorbei zu schauen.

Samstag und Sonntag 11–19 Uhr, Eintritt: 3 Euro

Bild: Felina (1950), Museum für Kommunikation, Frankfurt

 

Designer und Model Jean-Cédric Sow im Stilporträt “Paris ist nicht so frei wie Berlin”

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Vor über einem Jahr traf ich im Rahmen der Berlin Fashion Week zur Show des Designers Patrick Mohr Model und Designer Jean-Cédric Sow. Sein Stil fiel mir auf, als er sich gerade aufgeregt charmant im Eingang der ehemaligen Eisenwarenhandlung Lademann unterhielt. Er hatte ein Hemd, das an das Muster afrikanischer Traditionsgewänder erinnert, mit roten Springersptiefeln kombiniert. Als ich ihn ansprach, reagierte er sehr freundlich und lässig, und erlaubte mir gleich für meinen Blog ein paar Bilder von ihm zu machen, und ihn anschließend Fragen zu seiner Person zu stellen. Jean-Cédric war gerade zur Vorbereitung da, denn er sollte am gleichen Abend noch zur Show Installation als Model Teile der neuen Kollektion Patrick Mohrs vorstellen.

Sein original französischer Akzent ließ mich trotz dem flüssigen Deutsch, das er sprach, neugierig nach seiner Heimat fragen. Ursprünglich kommt er aus Paris, bevor er jedoch für ein Modestudium an der Esmod nach Berlin zog, lebte er bereits vor zehn Jahren in Stuttgart mit seiner Familie. Seine Eltern seien irgendwann berufsbedingt weiter gezogen, erst nach Holland, später in eine andere Stadt. Er selbst habe sich entschieden, in Deutschland zu bleiben statt mit den Eltern mitzureisen oder nach Paris zurück zu kehren. Die Atmosphäre sei nicht so gut wie man denkt. “Paris ist nicht so frei wie Berlin. Natürlich sagt man “die Stadt der Mode”, aber außerhalb der Modekreise spürt man das Modische weniger.” Er habe einen extravaganteren Stil, und in Paris werde er dafür gemustert. Viel mehr als in Berlin oder in anderen Städten. Das stünde für ihn im Widerspruch zu dem Bild, das man von Paris als absolute Modestadt habe.

Auch was Diskriminierung als dunkelhäutiges Model betrifft, spüre er in Berlin nichts dergleichen. Er werde umgarnt von Fotographen. Ohne Modelagentur habe man den 24-jährigen, der bereits seit 5 Jahren modelt, ständig gebucht und angesprochen. Bei jeder Show sieht er selbst mindestens ein schwarzes Model, fügt jedoch hinzu, dass sie präsenter sein könnten.

cedric 2.Er empfindet nicht jede Art der positiven Diskriminierung als fraglich. Wenn Designer jedoch bewusst schwarze Models nutzen, um gut da zu stehen, kommt es Jean-Cédric einer Almose gleich. Dass das Thema der Show von Patrick Mohr die Diskriminierung thematisierte, und ausschließlich dunkle Models wie Papis Loveday oder Nikeata Thompson eingesetzt wurden, war ihm bis kurz vor der Show nicht bewusst. Es fühle sich besser an, wenn man gar nicht gebucht werde statt aus Mitleid. Manchmal passe man eben nicht rein, manchmal hingegen schon. Das Problem hätten auch hellhäutige Models.

Was Diskriminierung außerhalb der Modebranche in Berlin betrifft, findet er, müsse man sich anpassen. Es gäbe viele, die sich anpassen würden, gleichzeitig viele, die viel von außerhalb mitbringen. Das könne man an der Sprache, dem Ausdruck des Menschen erkennen.  Diskriminierung beginne meist, wenn man das Gefühl vermittelt, sich nicht anpassen zu wollen. Dann finde eine gewisse Abgrenzung statt.

Da er selbst Deutsch sehr schnell gelernt habe, und durch das viele Reisen gelernt habe, sich anzupassen, sei es ihm noch nie passiert, dass er wegen seiner Hautfarbe diskriminert wurde. In Frankreich hingegen sei die soziale Atmosphäre alles andere als gut. Das erzählte er mir bereits vor über einem Jahr. Ihn hat es mit der Stadt Berlin an einen Ort gezogen, dessen Mentalität seiner gleich kommt.

Allem voran kam er der Mode wegen. Denn Berlin ist für ihn eine Modestadt auch wenn sie sich noch nicht gefunden hat. Bei der Paris Fashion Week habe man direkt einen Stil im Kopf. Auch bei der Londoner oder New Yorker. So wichtig Berlin auch geworden ist, einen eigenen Stil hat sie noch nicht  “Sie probiert viel aus, und alles ist etwas wirr. Für einen Modestunden ist es toll, sich finden zu können durch all die verschiedenen Ideen und Einflüsse, die man bekommt. Mittlerweile arbeitet Jean Cédric bei der äußerst talentierten Marina Hoermanseder als Designer und PR-Berater. Sie gibt ihm die Möglichkeit, vieles seiner Kreatitivität in die Tat umzusetzen. Es sei fordernd, aber auch erfüllend für sie zu arbeiten, “weil sie eine unglaublich energetische, freundliche Person ist!” Sie verlangt viel, aber achte darauf, dass es dem Team jederzeit gut geht. Nach einem Jahr kann er mir erzählen, dass er sich schon ein Stück weit gefunden hat. Auch wenn es an der Esmod eine schwere Zeit gewesen sei, war es eine tolle Erfahrung, die sich gelohnt hat. Für seine Abschlusskollektion hat er einen Preis erhalten, die Show wurde bei Arte ausgestrahlt. Das zeige ihm, dass er auf dem richtigen Weg ist. “Kreativ ist man nie wirklich angekommen. Man darf nie stehen bleiben.”

Boris Bidjan Saberi besser in Berlin?

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Nicht nur die leitende Farbe der Herbst/Winter 2015 Kollektion des Designers Boris Bidjan Saberi erinnerte an das Material eines Metzgers, allem voran die Arbeitskleidung selbst. Man stelle sich den Körper nach der Operation Blut überströmt vor. Mit roten Sneakern, die bereits letztes Jahr stark im Trend lagen, Kittel und Handschuhen strahlte Saberis Kollektion eine intensive Aggression aus. Ein interessantes Accessoire stellten die aus Verbandsmaterial hergestellten Schoner dar, die die Waden bedeckten und zugleich betonten. Gerade mit dieser Kollektion war der deutsch-iranische Designer stilistisch weit entfernt von der des amerikanischen Designers Rick Owens, mit dem er gerne verglichen wird. Wie ehrerbietig ist jedoch überhaupt ein solcher Vergleich? Read more

Im Sinne der französischen Liberté – Paris Men’s Fall 2015

Ob mit Lemaire, Dior Hommes oder Louis Vuitton – die französischen Häuser zeigten vergangene Woche zur Mens Paris für kommenden Winter einen klassischen Mann wie sie ihn sich eleganter nicht hätten vorstellen können: es ist der Archetyp des französischen Mannes, durchaus weich in seiner Bewegung, einzig der Schuh . gibt ihm einen festen Stand. Zugleich knabenhaft dürfen sie auch sein: Bei Dior Hommes sind es ausgerechnet Blumen, die den unreifen Gesichtern als Punkanstecker der Rebellion verhelfen sollen.

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Auch Louis Vuitton erlaubt dem Mann Weiblichkeit: Mit Monogramm Täschen in der Hand sind mit Blumen bedruckte Jacken und Pullover zu sehen. Allem voran ist auch der LV Mann mit sportlich rot-beiger Kapuzenjacke noch in den Kinderschuhen. Und so richtig knabenhaft wird es nochmal bei Rick Owens, einem der entgegen blickenden Avantgarde-Designern fernab des französischen alteingesessenen Stils. Er scheute nicht davor zurück, die männlichen Genitalien seiner Models durch seine Entwürfe beim Gang über den Laufsteg hervor blitzen zu lassen. Der Designer selbst, der nicht zum ersten Mal provoziert, beschrieb es selbst als jungenhaft kindisches Verstoßen. “Boys with their dicks out is such a simple, primal, childish gesture.”

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Berlin versucht einen Lebensstil zu verkaufen, den er nicht lebt – MBFW Berlin AW 2015

Während sich Pegida vor der Islamisierung des Abendlandes fürchtet, diskutiert die Berliner Modewoche, was deutsche Mode ist. Vor der Frage nach deutscher Mode, steht die Frage nach dem, was deutsch ist, denn Deutschland leidet unter einer Identitätskise. Denn es taucht wieder die Frage nach dem auf, was das Adjektiv deutsch denn eigentlich beschreibt.

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“Ein Franzose kauft Louis Vuitton auch weil es französisch ist. Denn der Franzose ist patriotistisch “, meint Florian Siebeck von der FAZ. Und der Deutsche, würde er mit Stolz einen deutschen Designer tragen? Read more