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Seit meiner Geburt besuche ich Istanbul im Sommer. Wenn man in einer Millionenstadt wie dieser tagtäglich nicht nur unzähligen Fremden begegnet, sondern geliebten Menschen aus der Familie, fühlt man sich auch immer ein wenig wie zu Hause. Ich habe dennoch angefangen die Menschen in der Stadt für ihre eigene Kultur fern von Erzincan oder Darmstadt zu lieben, die Lebendigkeiten auf den Straßen, Geschichten und all’ die anderen Süßigkeiten, die ich als Kind bekam. Mit der Zeit haben sich die Menschen und die Orte, die ich kennenlernen durfte, verändert. Dabei gibt es 10 geliebte Dinge, ohne die ich Istanbul nicht verlassen kann, und mit euch teilen möchte, für den Fall, dass es euch auch einmal in diese Stadt verschlägt.
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1. Die Fahrt mit dem Dolmuş
Dolmuş bedeutet “Gefüllt”, und genau so funktioniert der Minibus: er fährt erst los, wenn der Bus voll ist. Im Dolmuş zu sitzen, ist echt ein günstiger Spaß. Man hört oft witzige Gesprächsfetzen, oder sieht älteren Frauen dabei zu, wie sie High Five auf der Fahrt schlagen. Nicht nur also, weil es günstig ist, kann man gut auf das Taxi verzichten. Auch wenn man kein türkisch kann; es ist im Gegensatz zur -Ubahn und dem öffentlichen Bus sehr familiär, man erlebt die verschiedenen Menschen auf der Fahrt. Es hat in einer so protzigen Stadt etwas sehr angenehm Bodenständiges, und gleichzeitig sehr Alltägliches: unzählige Menschen nutzen den Dolmuş, um zur Arbeit, zur Familie oder zum Einkaufen zu fahren. Wie auf dem Bild zu sehen ist, bin ich gerade mit einem Blumenstrauss für ein wunderschönes Verlobungspaar auf dem Weg nach Tarabiya, eine der schönsten Fahrten entlang dem Meer, nachdem man das Businessviertel Levent hinter sich lässt.

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2. Mitten im Meer
Es gibt in Istanbul nichts Schöneres, als den Anblick des Meeres, wenn man im Boot sitzt. Besonders die Fähre von Besiktaş nach Kadiköy ist toll, und entspannend zugleich. Besonders empfehlenswert sind private Bootstouren, die man meist sogar direkt am Meer buchen kann. Wenn man nicht in das Wasser springen möchte, wie es viele Fischer in Bebek tun, ist es die einzige Möglichkeit, eins mit dem Meer zu sein. Aber nicht nur dem Meer und der Brücke kommt man nahe, man erhält auch einen sonst unmöglichen Blick auf die Yalis, den Sommerresidenzen aus Holz, entlang dem Bosporus.
Bebek

3. Bebek
Ein anderer Ort zum Verlieben ist Bebek. Das Viertel Bebek trägt den Namen Baby. Das ehemalige Fischersdorf ist ein kleiner Luxusort am Meer. Die Cafés sind alle etwas schicker, genauso wie der Stil der zugezogenen Einwohner. Im Lucca lässt man sich gerne sehen, viel schöner sind aber all die Cafés drumherum, in denen man ebenfalls sich selbst und die Aussicht genießen kann. Ich finde das Meer dort sehr erfrischend, denn man ist ihm selten so nah am Ufer, wenn man spazieren geht. Und gleichzeitig hat die Luft etwas Verspieltes, und Lebendiges, es bekommt ja auch unglaublich viel Aufmerksamkeit, das Baby!

Cihangir
4. Cihangir
das Künstlerviertel Cihangir ist eines der aufregendsten Viertel. Am einfachsten läuft es sich ab dem Taksimplatz links in die Straße entlang der orthodoxen Kirche. Vorbei an den schönen Cafés und Antiquitätenladen kommt man an der Firuze Moschee und dem Caybahcesi (Teegarten) an. Die Hauptstraße sieht im Grunde aus wie jede andere türkische bewohnte Nachbarschaft, doch gerade dort befindet sich das Café Smyrna, das den griechischen Name der Küstenstadt Izmir trägt, und zum Anderen das Journey, bekannt für das Frühstück. Die Atmosphäre wird von den Künstlern überwiegend aus der Filmindustrie bestimmt: Serienschauspieler, Regisseure und all jene, die etwas davon sein möchten. Das Publikum im Smyrna ist überwiegend türkischsprachig, familiär und gemütlich. Man kommt ins Gespräch mit anderen, kann aber auch den Abend bei einem guten Glas Wein und Pommes sehr gut selbst in einer Gruppe oder alleine genießen. Das Journey hingegen ist schon ein wenig internationaler, und die Einrichtung wie ich finde, etwas deutsch: mit unzähligen Büchern und Pflanzen hat es eine angenehme Wohnzimmeratmosphäre. Man ist mehr für sich, und kann gleichzeitig ein wenig das Interieur genießen, das in dem schnellen Istanbul wie eine Oase sehr entspannt. In der gleichen Straße befindet sich außerdem das Leyla mit ebenfalls gutem Frühstück, und das Café Firuze mit knusprigem Toast und hausgemachter Limonade.

5. Kosmetik
Nicht nur der Frisör ist gut und stylt die Haare Hollywoodreif, auch alles andere rund um den Körper wird mit Pediküre, Maniküre oder einem Hammambesuch in der türkischen Metropole wunderbar verwöhnt. Und gerade auch Kosmetikartikel sind sehr gut und günstig zu finden: die türkischen Marken Flormar und Golden Rose haben alles, was das geizige Mac und Benefitherz begehrt. Ein Lippenstift und Rouge von Flormar, ein Lippenstift und Nagellack von Golden Rose sind es wert! Istanbul ist eine Stadt, die schöner macht.

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6. Paläste – Das Dolmabahce Sarayi ist nur eines der unzähligen wunderschönen Paläste Istanbuls aus dem Osmanischen Reich. Die Schlange scheint sich seit dem Andrang der arabischen Touristen um einiges verlängert zu haben. Auch mit einem Spaziergang drumherum sind die großen weißen Pforten zu bewundern, auf dem Schiff erhält man außerdem einen großartigen Blick auf den gesamten Anbau von außen. Weitere sehenswerte Paläste sind das Beylerbegi Palast auf der anatolischen Seite, sowie das mintgrüne Bürogebäude des Istanbul Modern, das jedoch nur von außen zu betrachten ist.

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7. Cafés
Was Cafés betrifft, ist man in Istanbul reichlich bedient: ob Balat, Beyoglu oder Bebek. Viele eigenständige kreative Cafébetreiber lassen sich im Ausland inspirieren und kommen zurück, um eine türkische Version zu entwerfen. Quellen für Kreativität hat das eigene Land mit seinen wunderschönen Landschaften, Trachten und Menschen aber auch selbst zu bieten. Empfehlenswert ist das House Café, es mag zwar eine Kette sein, aber gerade im stylischen Nisantasi mit grünem Hinterhof und sehenswürdigen Ortaköy mit Ausblick auf Moschee und Meer ist es sehr zu empfehlen.
Karaköy

Karaköy ist leider wirklich ein Viertel, das durch die Gentrifzierung seinen Charme verloren hat. Ursprünglich ein jüdisches Krimviertel, wurde es erst zu einer Werkstättensiedlung, später einem halbgentrifizierten Szeneviertel. Die Zeiten, in denen Karaköy mal Underground waren, sind leider auch vorbei. Denn ein Café reiht sich neben ein anderes. Diese Form der Aneinanderreihung von Restaurants oder Werkstätten ist ohnehin eine sehr türkische Art, die jene Nachbarschaftskultur aufrecht zu erhalten anstreben mag, aber keineswegs ökonomisch rentabel ist, noch der Einzigartigkeit eines Viertels gut tut. In Karaköy reiht sich aber zumindest ein schönes Designercafé neben das andere. Unterschätzen sollte man jedoch nicht die Preise. Nicht nur das Interieur ist europäischer als viele vermuten würden, sondern auch die Preise. Leckere türkische Desserts und Details gibt es dennoch! Neben Karabatak und Mums ist eines davon die Dandin Bakery. Die Betreiber selbst sind Designer, deren handgefertigte Objekte aus dem eigenen Atelier zu benutzen und bewundern sind. Aber allein durch die Kirchen und alten historischen Bauten, und das leckere Essen ist Karaköy dennoch einen Besuch wert!

Karakoy

8. Essen
Wenn wir schon bei Desserts sind, türkisches Essen ist ein Genuss. Kein Wunder, dass hier kaum einer wirklich dünn ist. Hier wird gegessen, und dazu gibt es all die Restaurants in der Stadt, versammelt aus allen Kulturen des Landes. Lahmacun und Baklava aus Antep sind zwar sehr populär, viel gesünder hingegen ist die sogenannte “Ege” Küche, da an der Ägäis sehr leicht mit viel Gemüse gekocht wird. Ob Bohnen aus Erzincan oder Kebap aus Adana, auch wenn es iranische und arabische Lokale gibt, die Türken lieben ihre eigene vielfältige Küche aus den unterschiedlichsten Regionen des Landes. Also kosten statt Gewohntes essen, gerade ich Italienfan muss mir das jedes Mal sagen! Und für alle Dönerfans: in Etiler gibt es einen gehobenen Kebapci, der auch genau so heißt.

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9.Pera
Dass in dieser Stadt in der Vergangenheit unzählige Menschen aus anderen Ländern lebten, spürt man besonders deutlich im ehemaligen Viertel Pera, dem heutigen Beyoglu. Pera bedeutet auf griechisch “Gegenüber” und war bereits zu Zeiten des osmanischen Reiches der westlichste Teil Istanbuls. Man passiert an dem ersten Memberclub Abdülhamids lange bevor es das Soho House gab, der wunderschönen Cicek Pasaji (Blumenpassage), in der heute abends nach der Meyhanekultur Raki getruken wird, oder der Aznavour Passage. Die Hazzopulo Passage führt zu einem Café, das man in der Menschen überströmten Istikklalstraße niemals von außen erahnen würde, umgeben von einer alten Kirche sitzen dort unzählige Menschen und trinken Tee. Mit einer Tour durch Istikklal des Historikers Saro Dadyan durfte ich endlich ein wenig begreifen, woher diese Atmosphäre stammt, wer in diesen Straßen lebte. Saro, der selbst armenische Wurzeln hat, ist versunken in der Geschichte und Arichitektur des Osmanischen Reiches und weiß eine Geschichte nach der anderen zu erzählen, wenn man vor einem historischen Gebäude steht. Zurzeit befindet sich Saro, der eine Doktorarbeit schreibt, leider nicht in Istanbul, sondern seiner Studien wegen in Mailand. Eine Tour mit einem Historiker sollte man sich aber dennoch nicht entgehen lassen. Denn so gelangt man in Gassen, die man sonst nie betreten hätte, Geschichten, die man nie gehört hätte. Es lebten im Osmanischen Reich viele Araber, Armenier, Juden, Griechen und andere Völker, und hinterließen unglaubliche Bauten, Geschichten, ihre gesamte eigene Kultur: Paläste wurden von armenischen Architekten Auftrag gegeben, italienische Banken gebaut, und Opernkünstler geladen. Heute werden sie mal restauriert, mal vernachlässigt, dann wiederum zu Streetart gemacht. Die Einflüsse sind nicht nur am Beton zu spüren, sondern vor allem auch an den Menschen, die heute in Istanbul leben.

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10. Die Menschen
Ähnlich wie heute in Frankreich zieht es auch Menschen aus der gesamten Türkei in die Metropole, aber zu Zeiten des Osmanischen Reiches war Istanbul bereits eine Weltstadt. Istanbul mag heute türkischer sein, aber die Einflüsse sind noch immer zu spüren, vor allem in der Kultur der Menschen. Nachdem Zuzug vieler Menschen aus Syrien wird sich Istanbul erneut verändern.
Scheut euch nicht davor zurück, euch gerade in dieser Stadt von den unterschiedlichsten Gesichtern faszinieren zu lassen!

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  1. Wunderschöne Bilder. da bekommt man reiselust :-)

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