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Vor vielen, vielen Jahren erklärte mir einmal eine Mitschülerin: “Warum gehst du nicht zurück, wenn du es hier so scheisse findest?”, nachdem ich einmal mehr vor dem Unterricht im Geplauder mit türkischem Hintergrund Deutschland kritisiert hatte.

Ich bin kein Orhan Pamuk, der aus Liebe zum Land (die Türkei) kritisiert wie er sagt, aber wenig Verständnis und Solidarität für die schlechter gestellte Schicht übrig hat. Als einer, der aus der bürgerlichen Mitte kommt, seine osmanische Herkunft lobt und gleichzeitig Komplexe hat, weil er säkular und elitär, aber scheinbar seines Empfindens nach nicht gut genug für europäische Standards ist.

Kritik ist aber überall gefragt, auch in Zeiten, in denen soziale Medien überhand genommen haben. Auch im Hinblick auf das Attentat von Hanau. Das dürfte aber nicht Grund dafür sein, ein ganzes Menschenvolk, das immer noch unter vorgehaltenem Mund als ‘alman’ bezeichnet wird, die Schuld dafür zu geben, oder tatverdächtig zu machen. 10 Gründe, warum Deutschland noch immer lebenswert ist.

1. Der Döner, der schöner macht, ist in Deutschland entstanden, und hat nach Currywurst, Spaghetti und Gyros einmal mehr auch die deutsche Küche bereichert. Und auch sonst hat Deutschland ähnlich wie Großbritannien nahezu jede Küche zu bieten: von Afrikanisch über Vietnamesisch bis hin zu Libanesisch ist alles da.

2. Das Gesundheitssystem. Kaum in einem anderen Land gibt es so viel Angebot an Gesundheit, Kur und auch anderer Genesungswege wie auch sportlicher Betätigungsmöglichkeiten. Nicht aus eigener Tasche, sondern staatlich für jeden Menschen gegeben sind diese Angebote im Staat.

3. Sozialismus herrscht. Kommunismus und auch andere Herrschaftsformen haben ausgedient. Der sozialistische Geist, so kritisch er während des Nationalsozialismus auch betrachtet werden kann – mir fehlen dazu jegliche Fakten – ist noch immer präsent, und wenn selbst die SPD noch immer nicht führen mag, so ist doch in jeder Partei ein Stück des sozialen Gedanken da.

4. Deutschrap ist hier geboren. Nicht nur Rap gibt es – nein, explizit Deutschrap. Denn während amerikanischer Rap vom Gospel mitinspiriert ist, so ist der deutsche Rap von der deutschen Dichtung geprägt und geführt. Sie ist dabei ein Stück weit unabhängig, und daher auch zu einer eigenen Musikrichtung geworden, die Trends selbst setzt. Deutlich vom amerikanischen Rap bewegt, aber dennoch eigenständig unterwegs.

5. Nicht nur Essen ist in Deutschland aus jedem Land nahezu vorfindbar, sondern auch Menschen der verschiedensten Orte. Oft können Gastronomien unterschiedlicher Länder erlebt werden, aber die Menschen der verschiedenen Küchen kann und möchte keiner missen und ersetzen. Es gibt Kulturvereine, Kirchen, “Tage der Kulturen”, in denen jeder seine Kultur in Deutschland auslebt und häufigst auch jeden willkommen heißt. Das ist natürlich der Nachkriegsgeschichte zu verdanken, aber die Präsenz unzähliger Ethnien, Kulturen und Nationen, wie sie in Deutschland vorzufinden ist: einmalig.

6. Deutschland hat nicht nur Berlin als Großstadt zu bieten, sondern als polyzentrales Städtesystem gleich noch Hamburg, Köln, München, Frankfurt und Düsseldorf auf Lager. Das macht Deutschland ziemlich, ziemlich nice, denn jede Stadt kann es mit der anderen aufnehmen. Und jede ist dabei auch für sich anders schön, elegant und reichlich anziehend.

7. Neben Meinungsfreiheit herrscht auch sonst einfach nur das Wort Freiheit. Freiheit ist nicht nur ein Wert, sondern auch ein erreichbarer Lebensstil, der tief und fest in der deutschen Kultur verankert ist. Unzählige Künstler wie Beethoven, Goethe und Kant haben Meilensteine gelegt und prägen noch heute den Geist der deutschen Gesellschaft und Kultur.

8. Die deutsche Kultur ist nirgends gleich. Bayern ist so anders als Brandenburg. Es gibt immer etwas in Deutschland zu entdecken. Für jeden, mit allem. Amerikaner lebten hier, die ehamlige DDR hat eine besondere Geschichte, die Deutschland noch heute festhält, und auch sonst gibt es an jeder Ecke eine eigene, für sich interessante Geschichte für sich zu finden. Von Dresden über Erfurt bis hin zu Leipzig und Berlin; böhmisch un, preußisch wie auch polnisches Leben ist überall auffindbar. Nicht nur französische Einflüsse hat Deutschland zudem, sondern auch eben durch die angrenzenden Länder skandinavische, holländisch-belgische und auch sonst nicht-deutsche wie die der schweizer und österreichischen Nachbarn.

9. Deutsche Omis und Opis, die jedes Kind nehmen wie es ist und so dabei sogar häufigst Kindern Liebe schenken, die nicht ihre eigenen Enkelkinder sind, sind die Süßesten. Als ich im Kindergarten war, habe ich mir immer eine (deutsche) Oma gewünscht wie ich sie erlebt und kennengelernt habe. Auf allen Veranstaltungen waren sie für ihre Enkel anwesend. Denn Unterstützen, das können die deutschen Omis & Opis, das ist ihre Stärke.

10. Menschlichkeit. Auch wenn es in Deutschland noch immer zu Teilen Rassismus und Diskriminierung wie auch Herabwürdigungen gibt: die meisten Menschen sind großzügig, tolerant und verständnisvoll. Unzählige Menschen arbeiten in sozialen Einrichtungen, engagieren sich und helfen – von Mensch zu Mensch. Neulich habe ich einen jungen Mann einer Flaschensammlerin 20 Euro in die Hand drücken sehen. Die Aufnahme der vielen Menschen aus Kriegsgebieten wäre ohne ehrenamtliche Hilfe nicht möglich gewesen, und auch sonst gibt es Frauenhäuser, die Frauen aufnehmen, wenn sie nach Gewalterfahrungen, Missbrauch und Freiheitsraub Notunterkünfte aufsuchen müssen. Für jeden ist Platz da.

Wenn auch jeder unterschiedliche Erfahrungen und Erlebnisse hinter sich hat, und Deutschland gar ein hartes Pflaster sein kann, so ist es doch ein Land, das sich mit Gutmütigkeit und Wohlwollen auszeichnet. Trotz vieler Einschränkungen, die tagtäglich stattfinden, ist es auch ein Land mit Möglichkeiten und Veränderungen, die immerzu eintreffen. Deutschland stagniert selten, es verändert sich meist fortlaufend. Und mag auch Solidarität nicht immer ganz so großgeschrieben werden wie in Frankreich, so ist doch hier eines wichtig: Zusammenhalt. Nicht im großen Stil, sondern im kleinen. Vom Bürger zu Bürger, die sich zu helfen verstehen.

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