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Nicht das neue „It-Piece“ der Herbstsaison wie es Illustrierte oder Blogs gerne diktieren, sondern zu sehen ist eine um den Hals umschlungene Munition. Wenn es darum geht, etwas als neueste Mode oder besser als den neuesten Trend zu deklarieren, sollte der Mensch vorsichtig sein. Denn wie die neue Kampagne der „Reporter ohne Grenzen“ verdeutlicht, kann fehlende Information zu einer großen Täuschung führen, und vor allem zu Ignoranz.  „Ohne Information hältst Du das vielleicht für die neueste Mode. Alle Menschen haben das Recht auf Information.“

Der Chelsea Boot ist das neue auserwählte Schuhwerk einer großen Gruppe von Menschen auf den Straßen vieler deutschen Städte. Warum der Trend vom letzten Jahr Modepotenzial als Fortschritt des Geschlechterstatus hat und als emanzipierter Schuh der Frau zu verstehen ist, der die Gleichstellung im Westen visualisiert .

Ein überknöchelhoher Stiefel, meist aus Leder, sowohl in der Innen- als auch Außenseite mit einem Gummibandeinsatz versehen, wird im Herbst zu Übergangszeiten auf den Straßen Deutschlands gesichtet, denn er ist nicht nur robust, sondern wirkt edel, städtisch und in entsprechender Kombination rebellisch zugleich.  Was in den 1830-ern noch von J.S. Hall, ein Schumacher der Königin Victoria, für den Herrn des viktorianischen Zeitalters entworfen wurde, ziert heute den Fuß des Geschlechts, für welches gar nicht bestimmt war.

Heute sind diese Konventionen innerhalb dieser liberalen Gruppe nicht nur längst aufgehoben, schon längst trifft sich Geschmack und Gesinnung beider Geschlechter. Der androgyne Look ist der Stil einer Denkweise innerhalb einer solchen Gesellschaft, in der eine Frau, die ähnlich wie der Mann selbstständig, gar autoritär werden darf, dem Mann auch entsprechend gleichgestellt ist. Durch die zurückhaltende, fast neutrale Formgebung des Schuhs wird der androgyne Look unterstrichen und ob Frauen oder Männer, jeder, der den Schuh trägt, scheint sich darüber einig zu sein, wie er wirken möchte. Jedenfalls darf sie heute innerhalb dieser Gruppe im Jahr 2012 ebenfalls arbeiten, Mutter sein oder Sex, Drugs & Rock’n’Roll schreien.

In den 60-er Jahren wurde der noble Schuh zum Outfit-Bestandteil der Mods, eine Bewegung britischer Jugendlicher der Arbeiterklasse und unteren Mittelschicht, die den Schuh mit maßgeschneiderter Kleidung und teuren Labels kombinierte, um die Herkunft undurchschaubar zu machen.

Seinen modischen Comeback startete der Chelsea Boot in den 1960-ern mit der Hilfe von einer der damals angesagten Rockgruppen: „The Beatles.“ Den Cuban Absatz leihte man sich für den Beatle Boot vom sogenannten Flamenco Boot abgeleitet, womit dieser als der High-Heel für Männer schlechthin galt. Entworfen wurde er 1965 von Annello & Davide. Andy Warhol trug ihn übrigens auch. Heute trägt man ihn gerne mit einer rebellischen Attitüde zur Jeans oder kombiniert ihn klassisch fein als neutralen Ersatz für Modelle wie den Reiter- oder Cowboystiefel. Frauen gleichermaßen wie Männer.

Für Frauen gibt es ihn von Liebeskind, oder Michael Kors. Doch nicht nur unter musikalischem Einfluss steht der Schuh. United Nude bietet einen architektonischen Absatz und Christopher Kane bietet den elastischen Teil für den Mann in einem stechenden Rot für den kommenden Frühling.

Ob ein Mensch Mann oder Frau ist und sein möchte ist am Schuh jedenfalls nicht mehr zu erkennen. Aber schon eher am Kopf: nämlich an der Denkweise.

Bilder: style.com, museumoflondon.org.uk, http://www.thecampuscompanion.com