Streetstyle Istanbul: Ceren & Elif

Streetstyle Istanbul: Ceren & Elif

Ceren treffe ich auf der Istiklalstraße. Sie ist im Gespräch mit einer Freundin, als ich sie anspreche. Fotografiert möchte sie eigentlich nicht werden, da sie mir gesteht, dass sie keinen guten Tag hat. Sie arbeitet in der Film- und Fernsehbranche. Geboren ist die 30-jährige in Izmir, lebt aber bereits seit vielen Jahren in Istanbul. Sie charakterisiert die Stadt als chaotisch, einengend und hektisch. Als ich ihr erkläre, dass viele Mädchen in Deutschland sich nach dem gleichen Stil wie sie einkleiden, ist sie sehr verwundert. Blogs lese sie nicht. Sie kleide sich nach Farben ein, nach dem Gefühl ihrer Seele.

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Wenige Minuten trifft ihre Schwester Elif auf uns zu. Elif ist 21 Jahre alt und studiert Journalismus. Wie ihre Schweser Ceren treibt sie sich gerne in Taksim und Beyoglu rum. Sie empfindet Istanbul als gemischt, kann aber in bestimmten Bezirken ihre Freiheit genießen.

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Der Stil der Autorin Meltem – Der hochgeschlitzte Maxi-Rock

Der Stil der Autorin Meltem – Der hochgeschlitzte Maxi-Rock

Um meinen eigenen Stil zu entwickeln, Garderobe taugliche Trends auszuprobieren, habe ich in meinen jungen Jahren, von 10 bis 18 Jahren, zugegebenermaßen nie auf deutsche Straßen gelunzt. Wenn am Ende des Monats noch genug Taschengeld übrig blieb, durfte es eine Vogue oder eine Elle sein, noch lieber aber blätterte ich in der Instyle, um mich nicht nur von den neuesten Kollektionen inspirieren zu lassen, sondern auch stilvolle, amerikanische Schauspielerinnen beim zeitgemäßen Einkleiden zu beobachten. Mag die Instyle auch viele Trendopfer präsentieren, so tauchen auch gerne authentisch gekleidete Prominente auf, die beim Trip zum Café to go locker, casual und ehrlich in Jogginghose erscheinen, oder sich bei einem mondänen Oscar-Auftritt in Szene setzen zu wissen.

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Während ich letztes Jahr noch auf Streetstyleblogs wie „TheSartorialist“ scrollte, so sehe ich mir heute lediglich Kollektionen meiner Lieblingsdesigner wie Dior, Valentino, Dolce & Gabbana an. Denn mit 22 Jahren darf ich sagen, dass ich mit einer grundfesten Persönlichkeit auch dementsprechend einen festen Stil habe, was nicht heißen mag, dass Trends, die für viele verfliegen, sich keinen langfristigen Platz in meiner Garderobe versichern können.

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So muss es jedenfalls letztes Jahr mit der gewagten Neu-Interpretation des Maxirocks geschehen sein. Ich erinnere mich, den hochgeschlitzten Trend an den Streetstyle-Stars, die sich gerne untereinander gleichen, im unendlichen Pixelstrom des globalen Internets fokussiert zu haben, als ich meine Mutter darum bat, mir diesen Rock zu nähen. Diesen Rock trug ich also bereits letztes Jahr zur Berlin Fashion Week bei der Ausstellung der FAZ von Helmut Fricke.

Wenige Monate ließ sich auch Angelina Jolie bei den Oscars in einem Kleid von Valentino verspotten. Ihre Posen für die Bilder, die um die Welt gingen, wurden von vielen als unelegantes Gehampel wahrgenommen. Als meine Schwester die Bilder von mir in Nisantasi machte, fiel es auch mir schwer, zu posen. Zum Tragen hingegen ist es in diesem Bezirk sehr angenehm, da in Nisantasi modische Freiheit noch am stärksten zu genießen ist.

Alexander Wang Schliitz

Ob der zweifach, symmetrische Schlitz, wie er bei Alexander Wang für kommenden Frühling gezeigt wurde, auf den Straßen kommentarlos tragbar ist, mag ich zu bezweifeln. Dass mit diesem Kleid von Alexander Wang eindeutig mit der Sexualität der Frau gespielt wird, sie in diesem Moment mit dem Tragen gar subjektiviert wird, ist ganz eindeutig. Angedeutet werden mit nackten Linien am Körper entlang, primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale der Frau. Was einem misslungenem Versuch einer griechischen Göttinnendarstellung gleicht, wirkt wie ein Krankenschwester-Synonym eines pronographischen Filmes.  Während der hochgeschlitzte Rock mutig, aber vornehmlich wirkt, so ist der doppelte Schlitz zunehmend provokant. Für eine Bühnenperformance oder jene an der Jardin des Tuileries mag dieser Look reizend optimal für den gewollten Schnappschuss sein. Wer fotografiert wird, dem seien schließlich die Blicke der Welt vergönnt. Wer hingegen, sowohl im echten als auch fiktionalen Leben nur bedingt Aufmerksamkeit, auf eine angenehme, aber ganz und gar nicht polarisierende Art genießt, dem empfehle ich den einmaligen Schlitz.

Video portrait: Adem Ayas, artist in Istanbul

Video portrait: Adem Ayas, artist in Istanbul

IMG_3441ölöäAdem ist eines der schönsten und großartigsten Menschen, die ich in diesem Leben bereits kennenlernen durfte. Ich habe vor seinen Lebenserfahrungen, seiner positiven Lebenshaltung, seinen weisen Worten einen immensen Respekt. Für mich ist er ein Lebenskünstler. Sitzen wir am Tisch, so weiß er es, jeden aufzuheitern, intelligente Witze zu erzählen, und ganz besonders an jedem Menschen Interesse zu zeigen. Er ist kein Künstler, der ständig von sich selbst spricht, selbstverliebt und ich-bezogen ist. Ganz im Gegenteil. Er ist ein Philosoph, der jede Frage an sein Gegenüber richtet. Dabei hat er eine so positive Ausstrahlung, sodass man sich nur in das Leben verlieben kann, wenn man ihn über das Leben sprechen hört. Denn Adem ist ein glücklicher Mensch.

Adem bu hayatta tanidigim en güzel ve en müthis insanlarindan biri. Saygim Ademin hayat yasantisina, positif enerjisi ve hikmetli sözleri icin sinirsizdir. Bence Adem bir hayat sanatcisi. Masada oturuken, herkesi neseli etmeyi biliyor, akilli espritler yapmasini biliyor ve herkese cok ilgi gösteriyor. Adem narsistik, „Hep-ben“ diyenlerden, kendilerine bayilandan sanatcilardan degil. Tam tersi. Adem bir filozof, her soruyu karsindakine sorar. Konusurken cok positif bir isigi var. Insan hayat ile sadece ask yasiyabilir, Adem hayatdan bahsetince. Cünkü Adem mutlu bir insan.

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Güle, güle Istanbul – Willkommen im deutschen Land der Individualität und Freiheit

Güle, güle Istanbul – Willkommen im deutschen Land der Individualität und Freiheit

Als ich in der Türkei war, habe ich mich zugegebenermaßen sehr auf meine Rückkehr nach Deutschland gefreut. Weil mir ganz einfach vieles zu oberflächlich schien und mir kritische Unterhaltungen fehlten. Weil die Käsepackungen in Deutschland mit integriertem Aufschluss wie auch der alltägliche Verkehr dich nicht um dein Leben fürchten lassen. Ich habe meine Heimat aus Angst idealisiert. Jetzt, wo ich wieder in Deutschland bin, habe ich selbst herausfinden können, was meine eigenen Prioritäten sind: aufrichtiges, natürliches Gruppengefühl und Herzlichkeit beispielsweise. Dies kann die deutsche Gesellschaft nicht bieten. Daher bleibt nichts anderes übrig, als an einem Kreis mit jenem Charakter selbst zu arbeiten und zu finden. Dass ich dabei aber in Istanbul auf kritische Gedankenexkurse nicht verzichten muss, habe ich in den letzten Tagen in Gesprächen mit unzähligen Menschen gelernt. Schauspieler, Maler, Tänzer, Juristen, und und und.

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Wenn man zwischen zwei Kulturen aufwächst, kann man sich nirgends zur Ruhe setzen. Man ist ständig auf der Suche, die Gedanken kreisen sich Tag und Nacht. Wo gehöre ich hin? Wo kann ich mich niederlassen und beginnen, mein Leben zu leben? Für manch andere ist das kaum vorstellbar. Es ist wahrlich so, als würde ich ständig auf einen Lebensstatus hinarbeiten, der sich nicht um materialistische, äußerliche Merkmale bemüht, sondern schlicht eine innere Ruhe erwünscht. Gerade in Deutschland ist die Integrationsdebatte eine große Hürde im Leben vieler Menschen mit Migrationshintergrund. Statt zu leben, sind wir damit beschäftigt über das richtige Leben zu sprechen, nachzudenken und uns anzupassen.

In Istanbul ist das für mich persönlich anders. In den Augen meines Gegenübers bin ich eine Türkin, die aber in Deutschland, einem angesehenen Land geboren ist und deutsche Bildung genossen hat. Ja, ich muss zugeben, als Deutschtürkin genieße ich in der Türkei einen besonderen Umgang. Europa ist ein Label, das mich in ihren Augen wertvoller und interessanter erscheinen lässt. Anders als in Deutschland wird meine Vertrautheit mit einer anderen Kultur geschätzt, während Deutschland hingegen türkische Migranten noch immer als 2.klassige Menschen betrachtet.

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Video portrait: TANGOZ artist Özhan Araz, Istanbul

Video portrait: TANGOZ artist Özhan Araz, Istanbul

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Özhan habe ich letztes Jahr im Februar in Istanbul kennengelernt. Unser gemeinsamer Freund Adem, den ich von meiner Schwester kenne, hat mich letzte Woche Donnerstag zum TANGOZ Abend mitgenommen. Adem, der seinem Freund beim Soundcheck geholfen hat, war den ganzen Abend anwesend, obwohl er kein Tango tanzt. Als ich ihn frage, was er hier noch macht, antwortet er mir: Wir sind Freunde.

Özhan ile gecen yil Subat ayinda tanisdim. Birlesik arkadasimiz Adem, ablamdan taniyorum, beni gecen hafta TANGOZ geceye götürdü. Adem arkadasine Soundcheck yapmaya yardim etmisdi. Tango dans etmiyor, bütün gece burada ne yaptigini bilmek istiyince, bana „biz arkadasiz“ cevapladi.

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Shine bright like a diamond in Nisantasi

Shine bright like a diamond in Nisantasi

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Nişantaşı’nda herkez parlamak istediği bir sır değil. Undone-Look (bakimsiz bir görünsü) elbette görünümlü olamaz. Bildigimiz gibi topluma girince asimile ederiz. Bende bireysel varlığımi yaşayamiyorum. Insan heryerde uyum uyum sağlar, bireycileri yelerinde bile.ü insan olarak tanınan ve algılanabilir istediğinde için. Bu nedenle İstanbulda diğer ilçelerde çevremi tercih ediyorum, ama alışverişe gelirse, Nisantasinin en iyi alisveris caddeleri vardir. Nişantaşında ben de biraz süslendim. Elbette kendimi degistirmem, ama chic olabilmemin zevkini cikariyorum. Almanyada gibi olmadigina rahmen, ve sadece sınırlı yaşama özgürlüğü olsa da, süslenmeyin burada tadını çıkarır.Ve zaten bu bölgede Istanbulun en güzel moda tasarimcilarin Özgür Masur, Begüm Salihoglu ve Özlem Kaya gibi showroomlari var.

Es ist kein Geheimnis, dass in Nisantasi jeder funkeln will. Im Gammellook kann man sich da natürlich nicht blicken lassen. Wir kennen das ja, zugegebenermaßen kann auch ich mein individuelles Dasein nicht vollständig ausleben. In kollektiven Gesellschaften wie in Nisantasi assimiliert man. Schließlich passt man sich überall an, auch an Orten, an denen sich Individualisten tummeln. Denn als Mensch möchte man schließlich anerkannt und wahrgenommen werden. Vorzugsweise treibe ich mich lieber daher in anderen Bezirken Istanbuls rum, aber Nisantasi hat eben die besten Einkaufsstraßen. Nisantasi mag ich damit nicht, aber um dem Dresscode zu genügen, habe auch ich mich rausgeputzt. Nein,natürlich nicht, so schnell verbiege ich mich dann doch nicht. Was meine MCM-Tasche sein soll – offensichtliche Fälschung oder unbekannte Möchtegern Designertasche – weiß zum Glück auch keiner, was sie sehr unschuldig macht. Den Rock, den ich nur für die Bilder angezogen habe, ist mir am Abend übrigens völlig gerissen, als ich die steile Straße im Galata-Viertel hoch lief. Zur Abwechslung habe ich einmal meine Haare geglättet – in diesem Viertel hat die Mehrheit gelocktes oder geglättetes Haar. Obwohl man in diesem Viertel nur eingeschränkte modische Freiheit ausleben darf, genieße ich hier aber dennoch, dass ich mich chic machen darf. Im individualisierten Künstlerviertel würde ich optisch nämlich auch nicht dazu passen. Viele der Passanten sind nicht nur zum Sehen & Gesehenwerden da, sondern wie viele Araber zum Einkaufen oder aber eben zum Arbeiten, denn auch türkische Designer wie Özgür Masur, Begüm Salihoglu und Özlem Kaya haben in diesem Stadtteil ihren Showroom. Da ich nicht sehr gerne einkaufen gehe und als Studentin auch leider nicht das nötige Kleingeld für die wunderbaren Designer habe, besorgte ich mir lediglich ein paar Sneaker für die Uni und eben diesen hübschen silbernen Pullover.

diamond2Im Café Kirinti höre ich eine Gruppe von Frauen über Schönheitsoperationen sprechen. Die zwei jungen Leute am Nebentisch unterhalten sich hingegen über das Türken und Kurdenproblem, über „weiße“ Türken und weitere kritische Themen wie Bildung und Statusprobeme in der Türkei. Als die beiden den Tisch verlassen, erkenne ich, dass das Mädchen eine gefälschte Louis Vuitton Tasche trägt. Als sie ihre breite Sonnenrbille runter nimmt, verstehe ich, warum sie das Thema um „weiße Türken“ so zu belasten schien, das Mädchen hat auffällig asiatische Gesichtszüge. Rassismus gibt es in der Türkei selbstverständlich auch. Durch den Vielvölkerstaatcharakter ist ein Türke in den Augen vieler „echter Türken“ eben nicht gleich ein Türke. Die Gesinnung spielt im oberflächlichen Straßenleben Nisantasi keine besondere Rolle, es geht lediglich um das Äußere. Monogramme sind dort ein Muss! Während im Stadtteil Bebek die stilvollen Wohlhabenden in minimalistischen logofreien Kleidern oder Joggingklamotten den Blick auf das Meer genießen, verkleiden sich die Menschen einzig in Monogrammen und definieren sich per se über das neu erstandene Geld, das sie bewusst mit Kleidung zur Schau stellen. Weil wir von Nisantasi so gelangweilt waren, sind wir trotz des schlechten Wetters mit dem Schiff nach Kadiköy gefahren, welches zwar nicht so fortschrittlich ist, dafür aber authentisch.

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