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natürlichkeit

Im Menschen muss gleichermaßen der Wille sein, etwas zu erschaffen wie zu zerstören. Was uns von anderen Menschen unterscheidet, ist ein Gradmesser unseres Verhalten. Wir zerstören mit der Rechtfertigung, uns selbst am Leben zu erhalten. Manche Menschen sind entschlossener, ob sie natürlich sein möchten oder sich selbst machen wollen, andere wiederum ein wenig hin und hergerissen. Ich bin der Meinung, dass die Abwechslung das Leben spannender, aufregender und vielseitiger macht.

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Wenige Trends schaffen es vom Laufsteg auf die Straße. Die wenigen, die sich durchsetzen, erfüllen immer die Kriterien einer breiten Masse. Wenn sich Trends wie eine Röhrenjeans über Jahre hinweg halten, sprechen wir von Mode, keiner elitären Mode, sondern einer Mode, die von einer breiten Gesellschaft, in der man sich bewegt, gefordert wird. Anhand solcher Modeerscheinungen können wir bekanntlich Dinge über unsere Gesellschaft aussagen, und im Vergleich über andere Gesellschaften. Denn oft spielen sie mit Rollen der Sexualität, Religion und des allgemeinen Lebensstils der Menschen. Kleidung ist die Verkörperung der Identität des Menschen, was sie zur Mode macht, ist die Zeit, in der sie sich bewegt. Einer dieser Trends, der zurzeit die Massen erobert, ist das bauchfreie Oberteil.

Was noch vor wenigen Jahren als untragbar galt, und mit Geschmacklosigkeit in Verbindung gesetzt wurde, ist der neue Trend, der mit der Zeit zeigen wird, ob er in den nächsten Jahren sich als Mode etabliert.

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„Wie wird man in 15 Schritten hip?“ Die französische Elle antwortete in einem gleichnamigen Artikel mit folgender ersten Antwort: Lass dich von Facehunter ablichten. So zählt der Streetstyle-Blog „Facehunter“ zu den meistbesuchtesten der Welt, zur #7 in der Top50 „Who’s Cool Now List“ des Observers und US Vogues „Power Bloggers“ 2010.

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Yvan Rodic jetted unter dem Pseudonym „Facheunter“ um die Welt und hat es sich zum Ziel gemacht, als Streetstylephotoraph für seinen Blog Menschen zu fotografieren, die er als besonders empfindet. Geboren in der Schweiz, studierte der 32-Jährige im selbigen Land Kommunikation, arbeitete für Werbeageagenturen wie Saatchi & Saatchi, gab seinen Job als Werbetexter jedoch auf, und kann heute vom Bloggen leben. Für seinen eigenen Blog findet er das Bild vom Menschen ohne die individuelle Geschichte interessanter, denn das Bild ohne Wort sei radikaler. Für die Kolumne „the Observer“, für die 2010 der letzte Beitrag in Istanbul entschied, erfährt man jedoch mit Statement der Frauen, dass aufgrund der Männerblicke auf aufreizende Kleidung verzichtet wird. Über 300 Bilder zeigt das Buch „Facehunter“ von Yvan Rodic. Zurzeit tourt Yvan nach der Veröffentlichtung seines ersten Buches um die Welt und präsentiert sein neues Buch „A year in the Life of Facehunter“, das Eindrücke aus über 30 favorisierten Modestädten vorstellt. Ich durfte mit dem kritischen und reflektierten Sonderling des internationalen Modebusiness über den Stil der Kulturen, der Individualität der Deutschen und der Darstellung stylischer Menschen sprechen. Und zuletzt enthüllt der sympathische und gesprächige Rodic, warum Anna dello Russo wie ein Clown aussehen muss.

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Wie und wann hast du mit dem Fotografieren begonnen?

 

Ich habe Bilder gemacht, als ich ein Kind war. Wie jedes andere Kind auch, habe ich auf der Straße von blöden Dingen Bilder geschossen oder mit einer Filmkamera Videos gedreht und gedacht, das sei Kunst. Aber für eine lange Zeit habe ich aufgehört, da ich keine Digitalkamera hatte. 2005 habe ich endlich zu Weihnachten als Geschenk eine kleine Kompaktkamera bekommen. In Paris, wo ich lebte, bin ich zu vielen Openings gegangen. Ich begann damit, Bilder von Fremden zu machen, am meisten Portraits. Als ich all diese Portraits auf meinem Laptop hatte, dachte ich, daraus etwas machen zu können, indem ich es teile. Da Paris eines der attraktivsten Städte ist, sind die Menschen aus aller Welt sehr neugierig. Also habe ich mir gedacht, warum nicht teilen? Irgendwen könnte das interessieren, aber ich hatte keine Ahnung. Es war keine Geschäftsidee, oder ein Projekt oder ein Versuch mit neuen Medien. Es war sehr naiv und ehrlich, denn damals hatten Blogger keinen Erfolg mit dem, was sie machten. Es gab nur wenige Blogger und keiner interessierte sich für das, was sie machten, sie verdienten kein Geld damit, es gab überhaupt keine Vorteile, keine Einladungen zu irgendwelchen Shows, auch keine Zusammenarbeit mit Marken. Es war nahezu unmöglich 2006 sich das Bloggen als einen ernsten Job vorzustellen. Man teilt einfach etwas und eventuell sehen es ein paar Menschen. Es war weit davon entfernt, was gerade jetzt mit der bloggenden Welt geschieht.

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Marc Kruse jennifer wiebking

Frankfurt ist für Jennifer Wiebking eine Stadt, die einen in Ruhe lässt. Ausgesucht hat sich die Modejournalistin ihren Wohnort allerdings nicht aus persönlichen Gründen, sondern aufgrund ihres Berufs. Sie arbeitet im Ressort „Leben“ der FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG, wo sie an der Seite von Alfons Kaiser auch beim Magazin mitwirkt. 

Aufgewachsen in Hannover, entdeckte die Modejournalistin ihre Leidenschaft zur Soziologie der Mode bereits in der Schule. Im Lehrer-Schüler-Verhältnis begann sie die Auswirkungen der Kleidung soziologisch auszutesten. Im Ausland hingegen warf sie den Blick auf die Defilees der internationalen Designer. Während eines Englandaufenthalts in der elften Klasse war sie so fasziniert vom selbstverständlichem Umgang mit Mode dort, dass sie wenige Jahre später an die University for the Creative Arts in London ging, um Modejournalismus zu studieren. 

Im Anschluss arbeite sie frei und als Praktikantin für HARPER‘S BAZAAR, THE TIMES und VOGUE in London, für Elle.com und W in New York und Women’s Wear Daily in Berlin und schließlich ging sie nach Hessen, um für die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG zu arbeiten. Die eifrige Modejournalistin hat schon viel gesehen und getragen, aber am wohlsten fühlt sie sich in der Kleidung ihrer Mutter. Auch ihre Wohnung im Frankfurter Nordend ist eher bescheiden eingerichtet. Für Jennifer ist weniger das Materielle wichtig und viel mehr die Soziologie, die hinter dem steckt, was uns umgibt. In Frankfurt sprachen wir über den Diskurs von Mode und Kunst, den Stellenwert der Mode in Deutschland und zuletzt die populäre Retrowelle. 

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Wie ist Dein Interesse für Mode entstanden? 

Unbewusst hatte ich schon immer ein Interesse an Mode, vorrangig an der Art, wie wir uns kleiden. Ich erinnere mich daran, wie ich ganz genau beobachtet habe, was andere Leute anhatten und ich mich selbst auch entsprechend eingekleidet habe. In der 9.Klasse hatte ich einen Physiklehrer, der immer ganz anders als all meine anderen Lehrer angezogen war, nämlich sehr konservativ. Da ich in Physik grottenschlecht war, habe ich es so gemacht, dass ich mich Dienstags und Donnerstags, zu Physik, immer ebenso konservativ anzog und in der ersten Reihe Platz nahm. Wenigstens redete ich mir ein, dass so meine 3 zustande kam. Mode funktioniert ja zu einem hohen Maße über Identifikation.Mich hat es interessiert, das auszutesten. Damals habe ich noch nicht auf den Laufsteg geguckt. Aber ich habe dann irgendwann angefangen, Magazine wie die Vogue zu lesen. Als ich in der 11.Klasse nach England gegangen bin, habe ich erst gesehen, wie Mode in den Tageszeitungen funktioniert und jeden Tag besprochen wird. Da hat es mich fast in den Fingern gejuckt. Da wollte ich mitsprechen, dazugehören und kommentieren. Schon damals haben mich lange Stücke über die Mode interessiert.Ich habe auch bei Modeproduktionen assistiert, aber es war eher immer das Schreiben.

Was interessiert Dich besonders an der Mode? 

Mich interessiert vorrangig die Soziologie dahinter. Ich glaube, dass es für viele Leser interessanter ist, zu erfahren, was zum Beispiel das Tragen von bunten Mützen auf der Straße aussagt als dass eine Mütze aus einer bestimmten Schurwolle besteht. Materialien sind der Ausgangspunkt. Mit schlechten Materialien kann etwas kaum schön aussehen. Gute Materialien sind sehr wichtig, aber das ist nicht das, womit ich mich vorrangig auseinandersetzen würde. Auch den wirtschaftlichen Aspekt finde ich sehr interessant. Die Marktsituation, welche Unternehmen wie stehen verrät dann ja auch wieder etwas über die Gesellschaft.

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Wie denkst Du, funktioniert Modekritik in Deutschland? 

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