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Wenn die Mode den Gedanken um die Sinnlosigkeit vertreibt, das größte Glück

Aus über sechs Monaten, wenn nicht aus jedem gelebten Jahr schöpft der Designer, um am Ende für ein Tausendstel dieser Zeit die Bühne zu betreten, und den verdienten Lob zu empfangen. Sein Leben, seine Arbeit formt am Ende eine Sekunde aus dem Leben des Betrachters. Der Sinn, den er in seinem Leben mit der Mode sieht, ist für eine Sekunde der Sinn deines Lebens. Eine Idee, die aus seinen Gedanken Form und Farbe annimmt, findet sich am Ende hier auf einem Medium wie diesem Blog.

Ob ich sitzen darf, stehen muss oder am Ende die Bilder auf dem Monitor betrachte, manche Stücke erfüllen jeden Menschen mit Leidenschaft für Mode mit Glück.

Schauspielerinnen, Models, Sänger. Sie alle haben sich Gedanken über die richtige Wahl ihres Looks gemacht. Bis die Show beginnt, reißen sich Photographen um das perfekte Bild. Zurechtgemacht nehmen sie in der ersten Reihe Platz, werden bewundert und verpönt. Es ist das Spiel dieser Welt, wenn Widersprüche aufeinander treffen. Wird der Laufsteg befreit, wartet das Publikum gespannt auf das erste Model, das die Show beginnt.

Meine Augen werden geführt von dem Stoff, der auf dem Körper des Models fliegt. Jeder ästhetische Gedanke eines Designers flaniert von unzähligen Augen betrachtet. Es ist eine Lebenswelt, die er krönt, prophezeit, oder gar selbst lebt. Selbst wenn er ihn bloß verkauft, einen Lebensstil ohne Leben. Sie reisen, lassen sich von Kulturen, Lebensformen und Denkweisen leiten. Mode ist Leben, Form angenommen in dem Stil jedes Schaffenden, abgeleitet kopiert von denen, die den Mut haben, das Leben zu leben, das sie sind. Nachahmenswertes Leben. Applaus, Applaus! Im Kanon setzt es erst im Zuschauerpublikum ein, später hinter der Bühne um den Designer. Es ist ein großer Moment des Glücks. Für den Designer, das Model, den Journalisten, den Einkäufer, die Oma, den Schauspieler. Selbst für den neugierigen Touristen, der eine Karte ergattern konnte. Continue reading ›

IMG_9725Marie Nasemann muss das wertvollste sein, was Germany´s Next Topmodel je hervorgebracht hat. Während einige ihrer ehemaligen Kolleginnen ihre Privatsphäre statt ihr Können im Fernsehen verkaufen, läuft Marie Nasemann zur Fashion Week. Doch nicht zu häufig! Sie ist eines der Gesichter, die auf dem Laufsteg die Blicke weg von den Kleidern der Designer auf sich selbst zieht. Mit ihren großen blauen Augen und dem vollem Mund hat sie eine sehr freundliche und weiche Ausstrahlung. Ihre Stil ist elegant, und feminin. Ihre Erscheinung weckt Nostalgisches. In einem schwarzen Overall, golden akzentuierten Accessoires bringt die Münchnerin minimalistischen Glamour nach Berlin wie er dort sonst so sehr vermisst wird. Singen kann sie auch, zwischenzeitlich studierte sie Kulturwissenschaften. Das wunderschöne Model hat Persönlichkeit, sie sollte mehr auf deutschen Covern zu sehen sein. marieIMG_9723

„Sie sind bestimmt zur Fashion Week da oder?“, werde ich gefragt, als ich einen Vintage Laden in Berlin-Mitte betrete. „Ja, das bin ich“, antworte ich der Dame. „Zur Modewoche sieht man immer so gut gekleidete Menschen.“ Ich nehme das Kompliment dankend aber nüchtern an. Den rosa Mantel, den mir meine Mutter an nur einem Tag nähte, trage ich selbstverständlich mit Stolz und großem Glück. Er war meine schönste Begleitung während der Berliner Modewoche mit Gedanken an meine Mutter. Das Tulpenmodell aus Kaschmirwolle stammt zudem aus der letzten wunderschönsten Kollektion Raf Simons für Jil Sander. Ich träume noch immer von ihr, wenn ich an weibliche Schönheit denke.

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Aber ich bin erneut verwundert über die Unlust in der deutschen Modestadt, klassisch schön aussehen zu wollen. Das Wetter lässt nicht viel zu könnte man meinen. Doch in Frankfurt ist meine Euphorie des Schönmachens und zugleich mein in deutschen Augen größtes Manko, die Eitelkeit und Sehnsucht nach Schönheit, bloß ein durchschnittlischer Habitus. Vermutlich bei all‘ der orientalischen Schönheiten, zu denen ich auch „deutsche“ Mädchen zähle, ein ganz klassisches Ideal in Tradition der alten Griechen. Schließlich gibt es das derzeitige Teil bei Zara im Sale, das in Frankfurt so stark besucht ist wie kaum eine andere Kette. Diese ist hingegen im kommerziell jungen Berlin, nämlich in Mitte, neben American Apparel und &other stories nicht einmal vertreten. Das Schicke findet sich in einem Bezirk, indem sich mehr Touristen finden als Einheimische: in Charlottenburg.

Die stilvoll gekleideten jungen Männer und Frauen finden sich in Mitte, aber der Hauch des außergewöhnlichen, freiheitsliebenden, und ausgestoßenen Charakters mischt sich selbst in dieser kommerziellen Gegend unter. Einzig in Kreuzberg und Neukölln ist noch der „arme“ Secondhand-Look zu beobachten. Dass es den noch gibt, spricht für die Stadt. Denn für ein armes Aufreten hat die Bankenstadt Frankfurt leider alles andere als Verständnis. Nur München toppt sie, wenn es um einen Dresscode geht, der teure, saubere Kleidung verlangt. Die Münchner Frauen der Maximilianstraße gehören wohl zu den wenigen zur Berliner Modewoche, die auf ihre weiblichen Reize setzen. Aber ist der Sex & the City Stil nicht auch viel zu gewollt glamorös, unkreativ und künstlich? Er passt zu der pompösen Innenstadt Münchens, doch der Glam Berlins muss bereits vor 100 Jahren verstorben sein. Der Rest dieser Stadt pocht auf Individualität ohne zu merken, dass ein selbstbestimmtes Leben, selbstausgesuchte Restaurants, Kleidung und Galerien lediglich Wohlstand und Weltgewandtheit simulieren. Ob schön aussehen heute in Deutschland nicht individueller ist?

IMG_9729Um meine eigene Kreaitivität herauszufordern, kaufe ich selbst auch gerne mit kleinem Budget bei Secondhandshops wie Oxfam ein. Dort fand ich die Tasche, ein Modell aus den 50-ern nach der mich bereits Frauen jedes Alters beneidenswert gefragt haben. Um einen Einheitslook vergangener Zeiten zu vermeiden, aber Individualität zu wahren, ist die Kombination aus alt und neu vollkommen. Dazu trage ich passende Handschuhe von Roeckl. Die schwarzen Galahandschuhe von Roeckl reichen bis zum Ellenbogen. Für Winterjacken mit kurzen Ärmel sind die Handschuhe aus Nappa und gefüttertem Woll-Kaschmir gegen die Kälte und für die Eleganz ein großartiges Accessoire. Der Schal ist von meiner Freundin geliehen. Wie meine Schwester trage ich ihn gerne wie er an den wunderschönen pakistanischen Mädchen zu beobachten ist.  Sie tragen das schwarze Kopftuch in stilvollster Variante, indem sie es leicht über ihr Haar legen, wobei der Ansatz immer sichtbar ist. Das dunkle schwarze, es wirkt sehr mystisch. Zudem erinnert es an die Mode der 50-er Jahre. Eine Zeit, die nach dem Krieg die kommerzielle oberflächliche Mode so sehr benötigte wie noch nie. Eine Zeit, in der Filmdiven Schönheitskönniginnen waren, und zuletzt auch eine Zeit, in der (Haus-)Frauen für ihre Weiblichkeit verehrt werden mussten.IMG_9779Die Berliner Modewoche ist vorbei. Es dauert also auch bis sich wieder die Gelegenheit bietet, Galahandschuhe und hohe Overkneestiefel hervor zu kramen, bevor sich Staub auf Accessoires legt, die doch anstrengend zu tragen sind, aber eben dazu verhelfen, als schöne weibliche Kreatur wahrgenommen zu werden, und sich selbst so zu fühlen. Bis dahin muss man im Alltag selbst lernen, sich so zu akzeptieren wie man ist, an sich selbst seine Arbeit zu schätzen und den eigenen Charakter. Aber mit der wenigen Zeit sich dennoch selbst nicht zu vernachlässigen. Denn was die Mode in ganz Deutschland anbelangt,  wünsche ich mir von Frauen wie auch mir selbst: mehr Mut, klassich schön aussehen zu wollen.

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In den Semesterferien verbrachte ich drei Tage über das Wochenende  in Zürich. Zürich ist sowohl in kultureller als auch wirtschaftlicher Hinsicht die wichtigste Stadt der Schweiz. Sie erinnert an Hamburg, und dennoch ist sie einzigartig. So spießig eine Stadt auf den ersten Blick wirken mag, so gegensätzlich ist die kleine Bewegung in ihr. Die Lebensqualität der Großverdiener gibt den Ton der Innenstadt an, doch genauso intensiv ist der verrückte Hauch des Dada präsent. Das erste, das ich in der Innenstadt bemerkte, war der Weg zur Zeitschrift “20 Minuten”; die in der ganzen Schweiz verteilt ist, um die Bürger über Mode zu informieren. Das Land hat anscheinend so viel Kapital, dass sie eine Lifestyle Zeitschrift herausbringt, die gar nicht mal so schlecht ist. In letzer Zeit habe sich aber die Werbung vermehrt wie mir meine Cousine aus Freiburg erklärte. Was die Mode betrifft, geben einige, wenn auch wenige Passanten dem deutschen Touristen das Gefühl, dass es sich um eine Weltstadt handelt. Ob der Hipster mit Bart oder all-in-black Triller – der Look ist definitiv gekonnter als in Berlin. Was die Mädchen betrifft, ist auch in Zürich der H&M-Look selbsverständlich sehr präsent, doch was die weiblicheren Mädchen anbgelangt: Extensions und lange Fingernägel wie ich sie in Deutschland nicht gesehn habe. Der Rest der Schweizer Bevölkerung in der Zürcher Innstadt ist gehoben konservativ gekleidet, doch die meist bunten Accessoires haben etwas hippiehaftes eben dadaisches. Und in der Bahnhofsstraße, der teuersten Einkaufsstraße Europas, kleidet man sich zwischen der wichtigsten Banken fein ohne so protzerisch zu sein wie man es von der Goethestraße kennt. Continue reading ›

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Es gibt Menschen, die sind sehr gerissen, voller Selbstzweifel und Komplexe. Aber aus diesen Unausgeglichenheiten erschaffen sie Kunst. In aller Unruhe ist es am Besten Potential zu erkennen. Für diese Bild-Ästhetik habe ich mich vom phänomenalen Fotographen Hedi Slimane inspirieren lassen. Sein schwarz weißer Blick auf die Welt vereint die Kontraste der Welt: Schön, hässlich. Gut, böse. Erleuchtung, Abgrund. So zähle man unendlich lange auf mit jedem Objekt und Subjekt, von dem wir wissen, dass es existiert. Doch wie auch immer man es auslegen möchte, in erster Linie ist es die traurige Perspektive des Hundes. Enttäuscht traurig voller Melancholie mit dem Versuch im Weltschmerz den Freuden des Lebens die Farbe zu entreißen, um es zu verzeitlosen. Hedi Slimane muss einer von ihnen sein. Einer der Extremen, was ihn zum Künstler macht. Ob bekannt oder unbekannt, Menschen wie er sind überall um uns. Der Creative Director von Saint Laurent Paris ist jener mit dem Mut, der mit entschlossen haben muss, dass der Vorname des bereits verstorbenen Namensträger in der heutigen Zeit weg fallen muss. Ein trauriger Beschluss gegen Yves. Im Namen hätte der großartige Modeschöpfer ewig weiter atmen dürfen. Für all die Frauen wie für den Rest seiner Fans, für die er mit seiner Mode das Leben revolutionierte, muss dies enttäuschend gewesen sein. Stattdessen hat man den Todesort hinzugefügt. Hedi Slimane hingegen ist jener, der in Paris geboren ist, wo auch die Mode gezeigt wird. Zufall? Oder doch Kalkül eines eitlen Menschen. Bewegt von wildem Ehrgeiz.

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Was Autorin Rabea Weihser in ihrer Glosse auf Zeit Online vermutet, ist lange in der Hipsterszene, ein Begriff der doch selbst schon sowas von 2013 ist, ein offenes Geheimnis: Sich in der Intellektuellen, Kreativen Kunstszene als Depressiver darstellen ist schon lange in!

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Auf einem kurzen fast bauchfreien T-Shirt aus Jersey ist das Wort „Depression“ in großer und kleiner Schriftgrößte zu lesen. Kombiniert hat man für den Onlineshop von Urban Outfitter dazu eine schwarze Skinny Jeans. Die Hand des Models ist demonstrativ in die Hüfte gesetzt. Dass das amerikanische Label hier die „Great depression“ von 1929 andeutet, sei dahin gestellt sein. Mag das Shirt auch von 59,99 Dollar auf 9,99 Dollar reduziert sein – wer bei Urban Outfitters einkauft, ist nicht von der letzten Weltwirtschaftskrise betroffen. Das Statementshirt gibt viel mehr Einblick in das Leben veler Jugendlicher.

Allem Anschein hat es nicht lange gedauert, bis sich Designer von Urban Outfitters getraut haben, auf den Stoff den zeitgeist einer Gemeinschaft drucken zu lassen, um es später nach Kritiken wieder aus der Kollektion zu verbannen.
Nun ist auf den Textilien zu sehen, was viele beschäftigt. Tatsächlich sind viele junge Menschen deprimiert über ihre eigene Perspektivlosigkeit bei dem Übermaß an Alternativen, das Unglück in das man in eine konsumgesteuerte Welt gestürzt wird, und die eigene Rückwendung der Eltern in der ersten Welt. Aber das sind nur einige wenige potentielle Gründe für die Depression der jungen Menschen dieser speziellen Welt.

Was die Autorin schreibt, ist das konventionelle Leben einfach in dieser Szene nicht in. Mit dem Leben klar kommen, das Leben meistern ist zu konventionell, – der Weltschmerz von „Intellektuellen“ wird vor Allem auch in Deutschland romantisiert. Wer glücklich ist, ist zudem nicht interessant. Und leider besteht das Vorurteil mit vielen Künstlern, dass nur der kreativ sei, der leidet. Es ist vorgewiesen, dass etliche Künstler an Depressionen litten. Manche glauben, dies sei eine Inspirationsquelle.

„Stressed, depressed but well dressed“ – ein Spruch, der über Tumblr den Lebensstil beschreibt 

Die Depression wird auch über die skandinavische“all-black-everything“ Mode von 2011 über Facebookprofile mit Universumtitelbildern und Ausschnitten trauriger Bildern auf Tumblr ästhetisiert. In einem Land, indem Melancholie und Weltschmerz die Kunst dominieren, wundert dies doch keinen oder? Die kapitalistische Mode macht von der Krankheit ihrer eigenen Bevölkerung Gebrauch:  bei all‘ der tausenden Gründe für eine Depression ist die Mode (ohne Aufschrift) das, was das Befinden kaschiert, mit ihr versöhnen lässt, oder sich gar in ihr stilisiert.

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Der Nacken einer Verliebten befreit, um den aphrodisierenden Duft aus einem filigranen Flakon zu versprühen. Ein goldener Deckel aus Spitze erinnert an das Goldstück der eleganten Garderobe. Das Dekolléte umspielt ein Gewand so verschlossen vornehm wie durchsichtig verführerisch. Bevor das Haus verlassen wird, darf das Parfum nicht vergessen werden. Der Geliebte, er will nicht nur sehen, er will riechen. Im Moment, indem er spürt sich zu verlieben, sehnt er sich am meisten danach. Der Duft Innamorata von Blumarine beschreibt den schönsten Moment der Liebe. “Ich fand meine Inspiration in der ersten Stufe der Liebe: sich verlieben…. Wenn man bemerkt, dass keine andere den Platz der Liebenden einnehmen kann. Denn niemand gleicht ihr und ihrem Duft…” So beschrieb die Designerin Anna Molinara die hauseigene Note.  Continue reading ›