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spring 2015 gucciDie italienischen Designer der Mailänder Modewoche ließen ganz offensichtlich den Hippie der 70er Jahre widererleben. Vanessa Friedman beschreibt Guccis Kollektion als das Liebeskind von Jimi Hendrix und Ali MacGraw nach einem Rendevouz in Kyoto. War der Rockstar auch auf dem Woodstock Festival politisch aktiv, fragt man sich, gegen was er heute protestieren würde. Frida Giannini jedenfalls scheint das politische Amerika zu feiern. Mögen die Frauen in geschlossener Bluse konventioneller daherkommen, so bricht die Jeans dieses Bild gleichzeitig. Der vom Wilden Westen stammende Look könnte als Demonstration der Stärke Amerikas interpretiert werden. Versucht Amerika stets als  „Weltpolizei“ mit weltweiten Eingriffen in Russland sowie Irak sich darum zu bemühen, als friedenschaffender Staat in gutem Licht zu stehen. Der Rest der Kollektion verhält sich zwischen bedruckten hochgeschlossenen 60s Kleidern, military grünen und aggressiven roten Looks in diesem Sinne. Weniger auf einem Woodstock-Festival stellt man sich diese Frauen nach Frieden fordernd voll, konventioneller in Gesprächen in Cafés über die Politik. Der Wille nach Frieden wird so oder so niemals aussterben, das zeigt selbst die Mode. barbie

Weniger gesellschaftliches Interesse hat Jeremy Scotts Moschino Barbie. So flach seine Mode, so genial! Nach McDonalds, Sponge Bob, und Coca Cola verarbeitet Scott nun ein weiteres erfolgreich internationales Produkt jener amerikanischen „Kultur-Industrie“.  Viele fragen sich, was aus dem italienischen Hause wurde. Es wurde amerikanisiert, wenn dies heißt, dass es an Klassik verloren hat, an Wirtschaft gewonnen hat. Es ist einfacher geworden, die Schnitte sind unkompliziert, die Farben kreischig einfallslos. Aber der Witz ist: es funktioniert. Denn Jeremy Scott spielt mit diesem Witz. Als schlauer Designer hat er diese Machtstellung. Er erhebt etwas zum Kult. Ein derzeitiger Kult ist der Streetstyle. Er glorifiziert nicht all jene, die jenseits des Modellaufens auf dem Laufsteg die Straße zur Bühne machten, er karikatiert gleichzeitig den unglaublichen Willen nach Aufmerksamkeit über das Äußere. Zwischen vielen anspruchsvollen Modepersönlichkeiten scheinen sich unzählige einfallslos laut gekleidete Damen zu befinden. Mit sogenannten Statement-Pieces wie Handyhülle oder Logopullover, erkennbar saisonale Produkte der Kollektion einer Marke, werden sie fotographiert. Eben solche Teile entwirft Jeremy Scott. Indem Streetstyle auch als die menschliche Editorial Variante großen Einfluss hat, ist seine Mode eine sich mit dem Marketing deckende Strategie. Es demonstriert in diesem Prinzip auch die Dümmlichkeit der Mode durch das einfache Nachkaufen und Anpassen, was bei jener einstig freien Streetstyle-Kultur geschieht. Und von einer letzten Seite ist Jeremy Scotts Mode interessant: ich bin der festen Überzeugung, dass eben solche Kollektionen, die eine platinblonde, pinke Barbie kommentarlos feiern, sich letztlich negativ zumindest prägend auf jüngere unbewusste Generationen auswirken können. Konsumiert wird sie trotz insgeheimer Konsumkritik trotzdem kritiklos. Kann man machen, jedoch nur, wenn man diese Strukturen versteht.

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Das letzte Frauenbild, an dem ich hängenblieb, ist das des italienischen Duos Dolce & Gabbana. Ihre rosigen Zeiten sind im Volk längst vorbei. Die Körperlichkeit, die sie präsentieren, steht längst nicht mehr im Interesse vieler Frauen. Es ist zu sinnlich in einer sinnlosen Zeit. Christian Dior hat mit mehr Souveränität im traditionellen Frauenbild mehr Erfolg. Auch fehlt die Intellektualität, sowie das Interesse an Kunst wie es Louis Vuitton zeigt. Das klassisch schön sinnliche wie es die dolce Jungs nach wie vor zelebrieren, ist zu einem Relikt geworden. Doch in letzter Zeit schicken die Designer die Mädchen zum Finale in einer Horde zur Präsentation. Sie demonstrieren ihre eigene Stärke, aber allem voran auch die Stärke der Frau in Gesellschaft anderer Frauen. Was an Stierkämpfe erinnern soll, überträgt sich auf das Verhältnis zwischen den Frauen: jede Frau ist sich bewusst, definiert sie sich über ihr Geschlecht, ist jedes andere Mitglied des Geschlechts ihre Konkurrenz, gleichzeitig der Mann Ziel des Angriffs. Die Frau ist hier nicht nur die Unschuldige, sondern auch aktiv machtergreifend im Geschlechterverhältnis. Ist ihr Geschlecht aber ihre Stärke, ist sie auch ihre Schwäche. Dolce & Gabbana ist ein Unternehmen, dass die Frau als Mutter und Schönheit feiert. Mit ihrer Weiblichkeit erfährt sie sowohl in der Familie als Mutter, Tochter oder Großmutter hohe Anerkennung, als auch schöne Ehefrau und Geliebte. Das ist wunderschön, aber auch tragisch! In einem Seminar zu Männlichkeiten diskutierten wir über die Darstellung einer Werbung aus dem Jahr 2007. Diese zeigt wie sich ein älterer Herr über eine Frau beugt, sie fesselt und dabei von mehreren umstehenden Männern beobachtet wird. Sieht die Szenerie eindeutig nach einer Gruppenvergewaltigung aus, so bestand ich im ersten Moment auf das Gegenteil. Wie könnte ein Unternehmen, das Verantwortung zu tragen hat, da eben jene Bilder auf diese Art den Betrachter positiv prägen können, eine solche Darstellung zur Werbung ihrer Produkte nutzen? Doch genau dies geschah und darauf bestand meine Professorin. Wird die Frau in so einem Kontext in der Extreme in einer Gesellschaft sexualisiert, so passiert genau dies: sie wird mit Gewalt an das andere Geschlecht herangezogen. Ob Machtdarstellungen  oder der Wunsche nach Liebe, es geschieht über den Frauenkörper. Mag das Unternehmen die Werbung nach Verbot wenig später zurückgezogen haben, so zeigt dies die Mentalität einer Kultur um Dolce & Gabbana herum, weshalb das Frauenbild, so schön es auch sein mag, niemals unreflektiert stehen mag. Aber das gilt womöglich für alle Bilder, die zur Mailänder Modewoche wie auch weltweit gezeigt werden.

Bilder: Style.com

Auf diesem Blog wird Weiblichkeit selbstverständlich gefeiert, aber die Kritik an ihr gehört genauso sehr hier her. Deshalb möchte ich in diesem Beitrag Gedanken zu einer Schwierigkeit im Leben vieler Frauen teilen, die mich seit Längerem beschäftigt: Der Weiblichkeit nicht genügen zu können, nicht weiblich genug zu sein.

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Gerade für heterosexuelle Frauen ist Weiblichkeit manchmal ein Ideal, das sie zu erreichen versuchen, um den Erwartungen des Mannes wie ihrer Selbst gerecht zu werden. In unserer Gesellschaft gibt es selverständlich verschiedene Ausprägungen des Weiblichkeitsideals. Aber um den Körper kommen wir nicht umhin. Wie wir unseren Körper darstellen hängt natürlich nicht nur von unserem Geschlecht ab, sondern auch von unserem Alter, unserer Kultur, unserer Religion, unserer Klasse.

In unserer Gesellschaft höre ich Frauen über sich selbst und andere Frauen immer wieder sagen „das sieht nicht weiblich aus“; das sieht „männlich aus“. Sie benutzen diese Zuschreibungen negativ, wenn nicht als Beleidigung. Dabei meinen sie die Gesichtszüge einer Frau gleichermaßen wie die Körpersilhouette. „Ja, aber sie ist einfach viel zu groß, wie ein Mann.“ oder ganz konrekt: „sie sieht total männlich aus“, oder „Sie hat überhaupt keine Oberweite, sie ist voll flach“ oder „Schau mal, sie hat voll das breite Kreuz“ oder „sie ist sehr stämmig“ oder „sie ist voll dünn, wie ein Kind, voll unweiblich.“

Aber was sieht nach Weiblichkeit aus? Ein Gesicht, indem schwarze dichte, lange Wimpern naiv klimpern, eine Nase profillos stupsig verläuft, ein sich lasziv aufgebauschte volle Lippen eines offenenen Mundes bewegen. Die Taille schmal, der Busen üppig, die Beine lang.

Wieviele Frauen entsprechen dem? Aber ist die Frage nicht viel mehr: Wieso gilt nur das als weiblich, sondern nichts anderes? Auch schmale Lippen, dünneres Haar, ein kleiner Busen können wunderschöna aussehen. Ungetuschte kurze Wimpern, flache Wangen, eine gerade Silhouette sind keine Formen, die eine Frau unschön machen müssen. Und warum können wir nicht beginnen, Weiblichkeit mit mehr zu konnotieren? Warum können wir unter Weiblichkeit nicht Stärke, und Intelligenz verstehen?

Aber auch um bei dem Körper zu bleiben, der traditionell Weiblichkeit definiert: Das eigentliche „Problem“ ist die Tatsache, dass Weiblichkeit als Ideal heißt, schön zu sein. Eine Frau, die als weiblich anerkannt wird, gilt als schön und attraktiv. Deshalb störe ich mich an diesen Normen, mit der man Schönheit und Weiblichkeit festzuschreiben versucht. Viele Frauen leiden an ihrem Körper und glauben, dem Ideal der Weiblichkeit nicht gerecht werden zu können. Dabei ist Schönheit wie auch Weiblichkeit nichts Festgelgtes. Schönheit ist nichts, das man messen kann. Entweder man ist es, oder nicht. Aber ist man es nicht, heißt es nicht, dass man es nie sein kann. Und dabei spreche ich nicht von Schönheitsoperationen mit denen man sich schön zurecht formen kann. Nein, man muss es aus dem Inneren strahlen lassen, und das kommt nicht von ungefähr: Selbstbewusstsein, Körperbewusstsein, und Intelligenz und Sinnlichkeit.

Aber bei Weiblichkeit ist das Problem auch, dass wir Charaktereigenschaften dem zuordnen und diese formen eben auch das Aussehen.

Aber Diskriminierung gegen gewollte Weiblichkeit selbst gibt es auch genug:“ das sieht viel zu feminin aus“, heißt es dann meist. Wenn Frauen auf ihren Körper achten, werden sie meist abgwertet, genauso, wenn Frauen Kind und Familie wollen und gerne Hausfrau sind. Auch das wird abgwertet, wobei über das Klischee der gebährenden, unemanzepierten Frau herzgezogen wird. Auch das ist nicht so ganz richtig.

Es ist wichtig, ob „weiblich“ oder nicht, körperbewusst zu sein, seinen Körper zu lieben so wie er ist, ihn zu akzeptieren und sich selbst wert zu schätzen unabhängig von irgendwelchen festgesetzten Normen und Regeln. Genauso wichtig ist es, Weiblichkeit auch von der Körperlichkeit unabhängig zu machen, indem man Weiblichkeit mit mehr als nur dem Körper konnotiert, was nicht heißt, dass man sie missachten muss. Weiblichkeit ist nichts Anderes als ein Teil eines Menschengeschlechts.

Bild und Video: Kurzfilm „Supervenus“ gezeigt zum 17. Brüssel Shortfilm Festival, Das Making-Of gibt es hier: https://www.youtube.com/watch?v=5lnPSPXWKzw

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Ich tanze meine Verletzlichkeit der Welt entlang, Schritt für Schritt, Herzschlag für Herzschlag. Meinen Körper längst vergessen, doch war er doch so kostbar, das Kostbarste, das ich je besaß, um ich zu sein? Ich konnte und wollte nicht auf den eigenen Körper verzichten, ihn spüren in seiner unvollkommenen Vollkommenheit, die Wege der Sinne zu befreien, um den Sinn zu finden. Ich hatte ihn liegen gelassen, die Sinnlichkeit verachtet. Dabei trug dieses Etwas aus Fleisch und Blut, so rein wie er sich bewegen konnte, in allen Adern, … nein, nein, nein, nein. Die Liebe, die einzig mögliche Liebe. Der Körper.

Was, wenn ich dich gehen ließ, wie das Band, das ich um mich schwang, wenn ich die Ängste gehen ließ in Wort und Tat. Das Band in meiner Hand, es half mir, all die Ängste fliegen zu lassen. Es war nicht so, dass ich nicht das Denken verlernte, verlernen wollte, wenn ich das Band fliegen ließ. Es war viel mehr so, dass ich meine Gedanken im Einklang meines Körpers führen ließ. Mein Körper musste definiert werden, um mein Ich zu definieren. Um Gefühle zu zeigen, deren Offenbarungen mir nicht gelangen, aus Scham und Angst, ließ ich meinen Körper sprechen. Ihn dabei zu bekleiden, befreiend und fügend zugleich, war mir die größte Freude.

Verschönerte das Kleid meinen Körper, so verschönerte mein Körper meinen Geist wie mein Geist meinen Körper verschönerte, wie mein Körper das Kleid verschönerte. Der Rhythmus ist es, spürst du ihn? Den Rhtythmus des Lebens, der dich auf Trab hält, all die Freuden, all die Trauer, die dich af Trab halten, die dich tanzen lassen, gleiten und schwingen. Den Rhtythmus des Lebens, die so wunderschöne Bewegung in ihr.

DSC_9912-2DSC_9913DSC_9914DSC_9915DSC_9932Outfit & Make Up

Kleid: Vintage Carpe Diem Frankfurt maßgeschneidert für 20 Euro, Band: RSG Vintage, Schläppchen: Bleyer

Wimperntusche: Loreal 5x Voluminous, Eyeliner: Catrice Ink Eyeliner, Augenbrauen: Rose Kosmetik Studio in der Porzellanhofstraße 4, 4.OG. in Frankfurt (Die gewünschte Augenbrauenform muss Rosie, der Inhaberin und Zupferin, genaustens erklärt werden), Lidschatten: Mac silver Glitter, Lippenstift und Nagellack: P2, Parfum: Salvatore Ferragamo Signorina

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