Augen-Makeup: Nicht ohne Eyeliner

Augen-Makeup: Nicht ohne Eyeliner

Was das Alltagsmakeup für die Augen betrifft, kann ich den Eyeliner seit einigen Jahren nicht mehr weglassen. Entweder meine Augen sind vollkommen ungeschminkt, oder getuscht mit Eyeliner betont. Allein die Wimperntusche reicht nicht mehr aus. Dabei trug vor einigen Jahren kaum einer den Eyeliner jeden Tag. Viele Mädchen schminken sich heute intensiver, damit könnte Wimperntusche allein zu leicht wirken. Da heute mehr Bilder denn je gemacht werden, nicht nur von Stars, haben sich auch die Schminkgewohnheiten vieler jungen Frauen verändert, die mit Instagram ebenfalls auf einer kleinen aber öffentlichen Bühne stehen. Denn auf einem Bild wird Make up aufgefressen, womit es automatisch leichter als in der Realität wirkt.

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Westliche Schönheitsideale: Kendall Jenner, ein Model seiner Zeit (2)

Westliche Schönheitsideale: Kendall Jenner, ein Model seiner Zeit (2)

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Kendall Jenner gehört in diesem Jahr zu den gefragtesten Models. Als Schwester von Reality Star Kim Kardashian hatte sie in der Familienserie „Keeping up with the Kardashians“ mehrere Auftritte. Mit über 16 Millionen Instagram-Followern hat sie eine der 10 größten Fanbases auf der Social Media Plattform. Mit ihrer Schwester Kylie gehört die 19-jährige neben Nobelpreisträgerin Malala Yousefzai zu den einflussreichsten Jugendlichen des Jahres 2014. Erst diese Woche wurde bekannt, dass sie das neue Gesicht von der Beautymarke Estee Lauder sein wird, mit Karl Lagerfeld arbeitet sie erneut wieder, nachdem sie für Chanel lief. Mit dem zweiten Beitrag nach der Analyse, die den Erfolg des Models Cara Delevigne zu erklären versucht, möchte ich 10 Gründe präsentieren, die den Hype einer Kendall ausmachen.

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1) Eine Welt schaut der Kardashian-Familie zu: Bekannt geworden ist Kendall Jenner mit der Reality Serie „Keeping up with the Kardashians“. Eine kalifornische Riesenfamilie lässt sich von Milllionen Menschen in den USA bei ihren tagtäglichen Entscheidungen beobachten. Gemeinsam führt die Familie zwar Mode und Kosmetik-Unternehmen, den meisten sind sie jedoch aus dem TV bekannt. Wirklich interessant ist am Format als Phänomen nicht nur, dass es  eine Reality-Serie ist, sondern von einer Familie handelt. Und gerade Familien sind es, die als Gesellschaft alles, was passiert, im Privaten halten. Doch durch die heutige Transparenz sowie die Nachfrage nach dieser Transparenz kann sich dieses Fernsehformat erst durchsetzen. Die Familie als einziger Rückzugsort wird zur Öffentlichkeit ökonomisiert und in einer „Reality-Soap“ inszeniert. Die Zuschauer sind also an den Beziehungen interessiert. Wie verhalten sich die Schwestern gegenüber der Mutter, den Ehemännern, den Halbschwestern, dem Stiefvater? Die Tochter Kim, die zum Poledance-Unterricht möchte (was ein neuer Sportrend ist) ist es peinlich, dass die eigene Mutter Kris mitkommen möchte. Normal sind sie dadurch, dass der Tochter die Mutter peinlich ist, ungewöhnlich jedoch mit ihrem Lebensstil, den sie öffentlichmachen.Interessant als Familienkonzept sind vor allem auch dfür die Zuschauer Gerüchte um das Verhältnis zwischen  den Schwestern, wenn es beispielsweise heißt, Kendall, hätte die Serie als Sprungbrett genutzt, Kim sei neidisch auf ihre Modelkarriere. Das Interesse an Familienbeziehungen ist es, was die Serie so erfolgreich macht: wo sonst sieht man Familien so offen über ihre eigenen vermeintlich echten Probleme sprechen? Hinzu kommt, dass die Familie in L.A. wohnt, und bereits vor dem Bekanntheitsgrad zu eine der wohlhabenden Bürger gehörte, die ein glamouröses Leben führen.kendall-jenner-love-magazine-cover-2014 Continue reading „Westliche Schönheitsideale: Kendall Jenner, ein Model seiner Zeit (2)“

Dank Instagram will ich Model werden!

Dank Instagram will ich Model werden!

Vergangene Wochen wurde der Artikel „Jung und schön. Und ganz schön unglücklich“ von dem ehamligen Model Lina Scheynius auf sozialen Netzwerken oft geteilt. In diesem Artikel erzählt sie von ihren negativen Erfahrungen als Model, einem Beruf, von dem heute noch viel mehr Frauen träumen als sie es zugeben würden.

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Warum aber ist der Modelberuf so erstrebenswert? Er ist neben dem Beruf der Schauspielerin der einzige Beruf, der eine Frau als Schönheit erklärt. Dieser Beruf bestätigt, dass du schön bist. Und dafür erhältst du Anerkennung. Und da Frauen im traditionellen Bild über ihren Körper definiert werden, ist der Modelberuf derjenige, der ihn zu schätzen weiß, indem er ihn entlohnt.

Noch heute sind unzählige Berufe drum herum aufgebaut,zunächst vielleicht die ganze Modeindustrie: jeder, der die Voraussetzungen nicht erfüllt, aber davon träumt, macht etwas mit Mode. Und selbst Frauen, die Politik oder Wirtschaft studieren, sehe ich auf Facebook „Modelbilder“ posten.

Der Modelberuf ist in meinen Augen keineswegs ein Beruf, der nicht wertvoll ist. Ich finde, dass er ein Teil eines kunstvollen Bildes sein kann, ich bewundere wie manche Models ihren Körper oder die Mode ins Szene setzen, und solange sie nicht ungesund sind, bewundere ich auch wie sie an ihrem Körper arbeiten. Die besten Models sind Sportler, Schauspieler, Persönlichkeiten, Revolutionäre und Vorbilder.

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Aber bleiben wir dabei, dass viele Frauen nicht Model werden, des Berufes wegen, sondern der Anerkennung, so fällt eben auf, dass viele Frauen sich noch immer über ihr Aussehen definieren.
In letzer Zeit schreibe ich auf diesem Blog öfter darüber, denn auch durch Instagram, was sehr weiblich und modaffin ist, fällt mir auf, wie viele darum bestrebt sind, als schön wahrgenommen zu werden. Ich denke, die neuen „Instagra-Girls“, die in der Mini kleinen App als Stars gelten, haben wieder den Traum danach bestärkt. Model Cara Delevingne, das mit Model Joan Smalls und Karlie Kloss das Cover der amerikanischen September-Ausgabe der Vogue ziert, hat Millionen Abonnenten. Auf dieser App kommt es auf Bilder an, und darauf, wie man aussieht. Sein Können unter Beweis zu stellen, ist auf Instagram etwas schwierig. Außerhalb dessen kommt es jedoch auch darauf an, was man kann. Viele Frauen verbringen unzählige Stunden auf Instagram, und um auf dieser Plattform Anerkennung zu erhalten, muss man eben schön aussehen. Dabei ist diese Plattform allem voran auch eine Marketing-Plattform. Man denke dabei nur an das neugeborene Model Kendall Jenner, das mit 15 Millionen Fans zu der Top Ten der meistgefolgten Personen auf Instagram gehört. Ob sie die Figur, das Gesicht und das Talent mitbringen mag oder nicht – es wäre zu naiv zu glauben, ihr Account spiele keine Rolle.

Aber auch außerhalb ist es bei den selbst alternativsten Mädchen immer noch von Bedeutung, schön auszusehen –  natürlichdeutlich weniger, denn sie haben den Raum, um sich zu entfalten. Vielleicht sollten wir uns von Instagram entfernen, und manchmal auch von dem traditionellen Bild der Frau als den schönen Körper und den Mann als das intelligente Wesen. Und Frauen tatsächlich wie es manche Feministinnen sagen, nicht nur Komplimente für das Aussehen machen, sondern auch für ihr Können. Aber wisst ihr, warum ich trotzdem ein Fan von der schönen Frau bin? Weil ich nicht nur Frauen mit schönen Gesichtsformen schön finden kann, sondern auch denen, die gute Charaktereigenschaften haben, oder tolle Fähigkeiten.

Bilder: Screenshot http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/44/model-lina-scheynius, Vogue.com

Die Ethnisierierung des Schönheitsideals einer Kim Kardashian

Die Ethnisierierung des Schönheitsideals einer Kim Kardashian

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“Was für ein Selbstbewusstsein”, kommentierte die Freundin meiner Schwester Kim Kardashian, als sie sich ihre Bilder auf Instagram ansahen. Ja, Kim Kardashian ist verdammt selbstbewusst. Neben den dünnen, langen Mädchen zeigt sie stehts ihr Dekolléte ausgiebig, und man könnte nicht gerade sagen, dass sie versucht ihren Hintern zu kaschieren. Sie macht nahezu jeden Trend mit: auch auf einen engen sportlichen Chanel-Zweiteiler, der von dem schmalen Model Cara Delevingne vorgeführt wurde, verzichtet sie nicht. Kurvige Frauen würden sich dies wohl kaum trauen. Denn allem voran muss sie viel Spott & Häme ertragen. Mit ihrer Figur könne sie dies nicht tragen. Und als sie nun auch noch ihren entblößten Hintern auf dem Cover eines New Yorker Magazins veröffentlichte, entstanden unzählige Memes, die sich über sie und ihren „Pferde“Hintern lustig machen. Natürlich möchte sie Ruhm, aber ich sehe ein Lächeln auf ihren Lippen: sie macht sich lustig, denn ihr Plan geht auf. Sie bekommt die Aufmerksamkeit, die sich wünscht. Solch ein Break, der unzählige Medien über sie berichtet, ist vielleicht sogar Instagram zu verdanken. All die scheußlichen Kommentare auch. Denn ihr opulenter Körper wird nicht seit gestern zunichte beleidgt. Man hätte die Bilder auch einfach ignorieren können, hat man aber nicht.

Ich weiß nicht so ganz, was ich von ihr und ihren Bildern selbst halten soll. In einem Beitrag sprach ich ihr den Ikonentitel ab, in einem anderen Artikel stellte ich ihre Rolle als Frau in den Medien in Frage. Sie objektiviert sich – das ist klar – und bedient sich per Instagram dem traditionellen Klischee der Frau, die nichts als ein Körper ist. Nicht mehr. Ihre Nacktbilder Bilder kann ich nicht mehr sehen, und ärgere mich auch über das Internet, das als Werbefläche für sinnlose Produkte genutzt wird. Dazu gehört auch ihr Körper und ihr Drang nach Aufmerksamkeit. Continue reading „Die Ethnisierierung des Schönheitsideals einer Kim Kardashian“

„Wie gemalt“ Orientalische Beautyblogger in Deutschland als Identifizierungsfläche

„Wie gemalt“ Orientalische Beautyblogger in Deutschland als Identifizierungsfläche

 

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Für die Novemberausgabe des Magazins der Frankfurter Allgemeinen Zeitung habe ich vier Beauty Bloggerinnen in Deutschland interviewt. Besonders habe ich mich über die Zusage von Hanadi Diab gefreut. Hanadi Diab ist vielen Frauen in meinem Umfeld schon lange ein Begriff, denn sie verschönert Frauen. Vor allem wegen mit der Augenbrauenpigmentierung konnte sie sich einen Namen machen. Besucht habe ich sie deshalb auch in ihrem Stuttgarter Salon, da eine Freundin sich schon vor vielen Monaten einen Termin bei ihr hat geben lassen. Ich selbst würde mir die Brauen nicht umändern lassen, da ich den Look zu unnatürlich finde. Aber meine eigenen Brauen sind mir ohnehin zu voll, lediglich die Form würde ich verändern wollen, aber da spricht in mir die Natürlichkeit dagegen. Denn Brauen formen nicht nur das Gesicht, sie sind auch von Natur aus bereits angepasst an die eigene Augenform. Wenn man also die Brauenform verändert, so erkennt man schnell, dass es nicht der ursprünglichen Form entspricht. Die meisten kommen jedoch nicht nur wegen der gewünschten Formänderung, sondern auch der Verdichtung. Das ist ein Grund, der definitiv dafür spricht. Viele verzupfen sich einfach, und da früher dünnere Brauen in waren, wächst vieles heute nicht mehr nach. 

Wofür ich Hanadi Diab aber bewundere, ist ihre Fähigkeit andere verschönern zu können. Auch wenn sie viel Make Up benutzt, es scheint mir immer, wenn ich die Nachher-Bilder sehe, als würden sich die Frauen denken „ich kann auch so aussehen wie die schönen Frauen“ und Hanadi gibt ihnen das Gefühl, dass sie es auch wirklich sind.

Was mich selbst besonders an dem Thema interessiert hat, ist die Tatsache, dass diese Instagramwelt an vielen vorbei geht. Nicht jeder kennt Beauty Bloggerinnen wie Hanadi Diab – und das obwohl sie die Bekannteste ist- nur bestimmte Leute kennen sie. Daher war ich nicht nur an der Art des Schminkens interessiert, sondern vor allem an dem Lebensstil der vorgestellten Mädchen. Denn das ist die Essenz von Mode und Make Up, hinter jedem Bild steckt ein Gedanke, eine Philosophie, ja eine Lebenshaltung, Moral und Ethik. Wie viel Haut ist zu viel, wie viel Schminke zu wenig? Und wie möchte ich mein Leben als Frau führen? Traditionell oder modern, oder beides?

Beautyblogger gibt es in Deutschland sehr viele, aber gerade die aus islamisch geprägten Kulturkreisen sind es, die mit Fragen nach Herkunft und Religion konfrontiert werden. Den deutschen Bloggern könnten Leser zwar Freizügigkeit vorwerfen, sie würden dabei aber niemals den Koran vorführen.

In ihren Fragen & Antworten Videos beantworten sie die Fragen ihrer Zuschauer. Sehr gerne dabei hätte ich noch Soraya Ali gehabt, die sehr bequem und frei über ihre kulturellen Einflüsse spricht. Doch leider habe ich sie zu spät entdeckt. Unter den vier vorgestellten Mädchen sind sehr bekannte dabei, in jedem Fall sind es weitaus mehr Mädchen, die mit ihrem kulturellen Einfluss ihren Beautykanal gestalten.

Die Wurzeln ihres Umgangs mit Schönheit stammt aus den Ländern aus denen ihre Eltern stammen, doch sie führen es hier in deutscher Sprache in deutschen Städten fort. Damit verändern sie Ideale der „deutschen Kultur“ in einem Einwanderungsland über soziale Medien und werden in naher Zukunft die Rolle der Frau, Schönheitsideale und den alten Feminismus deutlich ins Wanken bringen.

untitleduntitleduntitledhanadiBilder: Magazin der FAZ, www.faz.de veröffentlicht am 08.11.2014

„Du siehst sehr französisch aus“ – Paris Backstage

„Du siehst sehr französisch aus“ – Paris Backstage

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Nach fünf Jahren war es wieder mein erstes Mal in Paris, und damit die erste Paris Fashion Week, die ich miterleben durfte. Geblieben bin ich im Mije Hostel in einem Doppelzimmer mit meiner Mutter eine Nacht. Es ist ein sehr spartanisches Zimmer, in einem ehemaligen Aristokratenhaus, gegenüber eines Klosters. Man sieht also tatsächlich noch französische Mönche im modernen Paris. Religiöser als Berlin, wo ich noch ein Tag zuvor war, geht es in dieser verwandten Kultur allemal zu, es sei denn natürlich, man befindet sich im islamischen Berlin.

Das Hostel jedenfalls ist in einem der schönsten Bezirke: Marais. Ein Schwulenviertel, was man aber nicht so schnell erkennt, da sie sich die Szene dort anders als in Berlin sehr chic und konventionell einkleidet, als könnten oder wollten sie noch weniger einen Teil ihrer Identität zeigen. Nur wenige Minuten entfernt von der Haltestelle Saint Paul erreicht man mit der U-Bahn alle wichtigen Touristenorte vom Eiffelturm bis zum Sacre Coeur. Auch der Bahnhof Gare du Nord ist nur 10 Minuten entfernt. Mit einem 10 Euro Tagesticket kann man sich in den wichtigsten Bezirken bewegen. Da ich dort auch während meines ersten Trips war, das Viertel sicher, das Hostel sauber ist, habe ich mich erneut dafür entschieden. Da die Hostelkette aber drei Hostels in Marais hat, war das Doppelzimmer im Maubuisson sehr viel kleiner als das im Fauconnier, die Anbindung zur Haltestelle Saint Paul aber dafür sehr viel besser.

Am frühen Morgen besuchten wir zunächst die Tocher einer guten Freundin meiner Mutter. Sie besuchte die gleiche Schule wie ich, studierte Politikwissenschaften und lebt nun in einer wunderschönen Vorstadt von Paris, im Boulogne-Billancourt. Sie arbeitet in Paris an einer universitären Einrichtung, und kümmert sich um internationale Studenten und Auslandsaufenthalte. Ihre Mutter aus Deutschland, und Großmutter aus Griechenland waren ebenfalls anwesend. So unterhielten wir uns über die derzeitige politische Situation in  Deutschland, ihr neugeborenes Baby und die französische Kultur. Sie hatten uns ein wunderbares französisches Frühstück vorbereitet mit Croissants, Marmelade und Kaffee. Und wie das als zwischenkultureller Mensch so üblich sind, stolperten wir oft über lustige Vergleiche. Zum Beispiel als wir über die Essenskultur im eigenen Lande und orientalischen Welt sprachen. Uns fiel eben auf, dass wir nach der deutschen Kultur auch immer öfter nach Personenzahl kochten und deckten, statt üppig und nahezu verschwenderisch wie in unserer griechich-türkischen Kultur. Über diese Vergleiche kommt man nicht umhin.

Und der wunderschöne Nachkömmling wächst gleich mehrsprachig auf: deutsch, englisch, französisch, griechisch und womöglich etwas arabisch wird die Kleine durch die Familie des Vaters erlernen. Wie wunderschön mit einer Sprache in so vielen Welten mit so vielen Menschen in Kontakt treten und sich austauschen zu können! Französischer ist die Mutter auch bereits geworden. Als ich ihr dies sagte, freute sie sich darüber. Schließlich ist es immer ein Kompliment, als Französin wahrgenommen zu werden. Obwohl deutsche Frauen nicht weit entfernt leben, sind sie bei Weitem nicht so sinnlich wie französische Frauen. Jedenfalls glaube ich, dass eine Kultur, die man inhaliert und auslebt, sich auf das eigene Äußere übertragen kann. Allein mit der Sprache, die man spricht. Aber da viele Deutsche auch französische Vorfahren haben, man denke an die Hugenotten, und generell viele in Deutschland ein enges Verhältnis zur Kultur, wird man oft auch vom Gegenteil überzeugt.imageDa meine erste Show nur wenige Stunden später begann, ging es in nur einer halben Stunde zurück zum Hostel, wo ich mich vorbereitete. Ich entschied mich für den rosefarbenen Rock, den mir meine Mutter noch am frühen Morgen in wenigen Stunden vor der Fahrt nähte, da sie nicht gut schlafen konnte. Ich denke, sie wollte wie immer ihr Versprechen halten, obwohl ich ihr wegen des Zeitmangels davon abgeraten hatte. Bewundert hatte ich jedenfalls Raf Simons Kollektion für Christian Dior schon lange, dieser neuen opulenten Weiblichkeit aus der Vergangenheit, die er jede Saison aufs Neue neu zu übersetzen weiß. Auch wenn dieses Konzept des Mode-Designs ein gängiges ist, finde ich doch, dass Raf Simons durch diese minimalistische Herangehensweise mit einem traditionellen Bild der schönen Frau mich überzeugen kann. Auch wenn moderne Einflüsse wie Bomberjacken die Ästhetik verderben können, die Röcke sind ein Traum.

Für die Schuhe entschied ich mich, weil ich auf dem Absatz einen festeren Stand habe als in den feineren High Heels, die ich eigentlich tragen wollte. Wenn man arbeitet, muss man gut aussehen, aber darf durch Unbequemlichkeit auch nicht am Arben gehindert werden. Als Journalistin muss man einfach auch schnell laufen, und manchmal sich mit der eigenen Persönlichkeit und dem Ego zurücknehmen. War mir bei meiner ersten Show dann aber auch teilweise egal, vor Allem, wenn man ständig sehr gut gekleidete Menschen auf Streetstyle Bildern sieht, will man nicht underdressed daher kommen.

Da wir kein Taxi gefunden haben, und ich die Show von Iris van Herpen nicht verpassen wollte, liefen wir zum Musee de Pompadou in nur 10 Minuten. Sich passend kleiden, ist eben doch öfter auch einfach Arbeit.  IMG_8845

Als wir ankamen, traf ich auch gleich Alfons Kaiser, der auch einen tollen Text über Iris van Herpen verfasst hat, und die Fotografin Yavidan Castillo, die ich über Alfons in Berlin kennenlernte, in Istanbul auf der Istikklal zufällig wieder traf, und mich für einen Kaffee nach der Show in Paris verabredete. Ihre Mutter kommt aus der Türkei, ihr Vater aus Mexiko. Sie spricht türkisch und hat dabei einen unglaublich süßen spanischen Akzent, den ich so noch nie zuvor gehört habe. Etwas Französisches mischt sich dem auch noch bei, und sie spricht unglaublich schnell, und dabei ist sie ein sehr herzlicher Mensch, der mit der Liebe zur Mode auf jeder tollen Veranstaltung in Paris während der Woche unterwegs ist und tolle Eindrücke auf ihrem Blog festhält. Alfons kenne ich übrigens auch aus Berlin, dort lernte ich ihn und den Fotographen Helmut Fricke damals mit meiner Schwester bei der Show von Lala Berlin kennen. Auch er ist ein sehr herzlicher Mensch, der sehr gut verschiedene Kulturen und Menschen entschlüsseln kann, und Zusammenhänge in der internationalen Mode sehr schnell genaustens erkennt.

An Paris gefällt mir die Qualität, die Kultiviertheit und Zivilisiertheit – zwei Begriffe, die man im Türkischen und unserer Familie gerne nutzt. (Nachtrag 01.02.15 zuvor stand hier „Menschenqualität“, meine Mutter verbesserte mich, indem sie sagte „Menschen sind keine Stoffen.“ Und selbst qualitativ hochwertige Kleidung könne nicht jeder tragen, weshalb man Menschen niemals nach der Kleidung urteilen dürfe.) Wenn Menschen Manieren haben, gut ausgebildet sind, und sauber, also rein sind. Paris ist dieses Europa von dem alle träumen, die Amerikaner genauso sehr wie die Türken. Eine Stadt in einem Land auf einem Kontinent, das bereits Revolutionen hinter sich hat, sich befreit hat, gekämpft hat, Menschen würdevoll behandelt, würdevoller als in der Türkei. Ein Land mit Kultur, und Werten. Keine Frage – die Franzosen sind traditioneller, vieles läuft schief, aber sie sind kultiviert.

Ich frage mich immer, ob diese Art des Denkens überhaupt legitim ist. „Die Franzosen, die Deutschen“. Viele tun das gerne, gerade auch in der Mode. Dort versammeln sich nämlich Menschen aus aller Welt, und jeder bewahrt gerne seine Kultur, und in dieser Welt ist es so, als sei man kultiviert, wenn man weiß wie man über andere Kulturen zu sprechen hat. Weil Verreisen eben auch einfach kostet, und Kulturen kennenlernen (angeblich) auch. Wenn man also sagen kann wie die „Deutschen“ sind, oder die Franzosen, oder die Amerikaner. Ich sehe schon Parallelen, störe mich aber manchmal auch an dieser Art zu denken. Es ist in jedem Fall aber eine Fähigkeit, und eine Kompetenz, was Kulturen betrifft. Denn so individuell jeder Mensch auch sein mag, es gibt Menschen, die es lieben, an ihrer Kultur der Identität wegen festzuhalten, und sobald man die Grenzen verlässt und auf das verlassene Land blickt, während man in ein anderes Land schreitet, erkennt man eben doch die Unterschiede.

Vor der Show hatten sich schon viele Fotographen versammelt, um Streetstyles abzufotographieren. Einige spielten mit wie es auch sehr schön auf Modepilot vorgeführt wurde. Es waren nicht die Massen wie im Park der Tuileries, die ich sonst nur von Bildern kenne. Als aber Model Saskia de Brauw kam, wurden es plötzlich etwa 20 Fotographen. Statt sie zu fotographieren, wollte ich sie lieber einige Sekunden beobachten. Sie hatte eine sehr angenehme, ruhige Ausstrahlung und wirkte dabei sehr sophisticated. Sie ist eine der Models, die nicht für eine rückständige objektivierte Schönheit stehen und dabei den Modelberuf trivialisieren, sondern für Kraft und Stärke, die man eben auf Bildern abgedruckt zur Bewunderung sehen möchte und muss. Ähnglich wie Daria Werbovy oder Anja Rubik. Es ist nicht das gängige Schönheitsideal von dem immer die Rede ist, die aber sehr wohl von Kritikern der Modeindustrie und Männer ausgeblendet wird. Saskia de Brauw ist gerade durch ihre Androgynie und dem Beweis der Schönheit dieser Gesinnung und Körperlichkeit so interessant. Nicht zuletzt modelte sie für die Herrenkollektion des Hauses Yves Saint Laurent als Frau. Eben auch solche kleinen Revolutionen ist die Mode im Stande in Bewegung zu setzen.

Im Publikum befand sich neben Saskia de Brauw auch eine Schauspielerin der Serie Game of Thrones. Das hörte ich jedenfalls eine deutsche Zuschauerin aufgeregt erzählen. Geseated war ich im deutschen Journalistenblock. Die deutschen zur rechten und linken konnte ich noch an ihrem Herkunftsland erkennen, bevor ich sie reden hörte. Man erkennt sich einfach behaupte ich mal, an der Kleidung, Gestik und Mimik. Auch ich bin kein Fan von Pauschalisierungen, aber während ich die Wochen zuvor in Berlin verpasste, machte ich wieder die Erfahrung, dass Menschen eben gerne an ihrer Kultur festhalten, und sich auch nach ihr verhalten wie ich bereits erzählte. Die teetrinkende Freundin meines WG-MItbewohners aus London sagte mir, sie möge es, sich nach dem britischen Klischee mit dem Tee zu verhalten, ein bekannter DJ aus Ibiza erklärte mir nach seiner Show, er könne „amerikanisch spielen“, dabei sprach er von der Kultur, nicht der Musik.

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Am Abend waren wir am Eiffelturm. In der Nacht ist er sehr viel schöner. Am frühen Morgen sind wir zum Stoffmarkt am Saint Pierre in Montmartre. Meine Mutter fühlte sich wie im Paradies und wollte überhaupt nicht weg. Gerade Montmartre glich dabei sehr Istanbul, oder eben Istanbul gleicht Montmartre. Es ist ein sehr schönes Viertel, doch leider voller Touristen. Ich muss dabei immer an das Montmartre der 20-er denken, wovon ich oft las. Manchmal müssen wir uns eben mit den architektonischen Resten zufrieden geben, und dieser einzigartigen Atmosphäre des Vergangenen.

Die Show am selbigen Tag von Louis Vuitton durfte ich leider nicht miterleben. Sie fand in der neuen Fondation in Boulougne-Billancourt statt, wo ich noch am Tag zuvor war. Auch die Show von Chanel musste ich später am Monitor erst bewundern. Gerade auch mit Interesse am Feminismus hätte ich diese Show nur allzu gerne live erlebt. Mir ist aber in den vergangenen Wochen aufgefallen, dass ich früher einmal kritischer war, was die Modewelt betrifft. Mir hat mein kritisches Bewusstsein lange Zeit nicht gut getan, weshalb ich es reduziert habe, weil man Dinge und damit sich selbst auch zunichte kritisieren kann, bis man selbst nicht mehr existiert. Als Konsument ist die Kritik bis zu einem bestimmten Grad nur effzient, bzw. die Kritik aus einer bestimmten Perspektive. Um wie die meisten Menschen jedoch diese Kritikfähigkeit mit der Zeit nicht vollends zu verlieren, sondern sie zu optimieren, effizienter zu denken, und vor allem differenzierter. Kritik ist notwendig, um Dinge zu verbessern, aber manche Dinge dürfen auch einfach mal hochgejubelt werden und müssen nicht neben negativen Dingen stehen. Wie zum Beispiel, dass Karl Lagerfeld einfach eine wirklich interessante Person steht, so kommerziell er auch einfach sein mag.

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Die Show von Allude jedenfalls war toll! Backstage ging alles sehr schnell, genauso wie nach der Show. Dort traf ich auch die Chefin des Magazins bei dem ich mein Praktikum in Berlin wenige Tage zuvor absolvierte. Die deutsche Presse war bei der deutschen Marke stark vertreten. Christiane Arp sah wunderschön aus, zog aber nach wenigen Minuten ihre Sonnenbrille hervor, um sich weniger beobachtet zu fühlen, oder vielleicht selbst besser beobachten zu können, beobachtete meine Mutter, die sie auch sehr schön fand. Christiane Arps Arbeit gefällt mir mit den immer allzu gleichen Models auf den Covern (Claudia Schiffer, Toni Garrn, Nadja Auermann – wie oft denn nocht) und den gleichen Aufschriften (schön, cool, chic – gibt es keine anderen Wörter) zwar weniger, ihre wunderschöne Ausstrahlung und Stärke sind jedoch nicht zu übersehen. Sie ist zwar engagiert, indem sie junge deutsche Designer unterstützt, aber ich würde etwas mehr Kreativität erwarten, und etwas mehr Mut, damit auch die deutsche Vogue neben der amerikanischen und französischen sich mal ordentlich feiern lassen kann. Deutschland kann was, weiß aber selbst gar nicht genau, was. Wie wäre es mit Kritik? Natürlich zwischen den verschiedenen Idealen von Schönheit, die in Deutschland exisiteren.

imageEine sympathische freie Journalistin aus Deutschland lernte ich außerdem kennen, die selbst aussah wie die französische Version von Brigitte Bardot. Als ich ihr sagte, ich hielt sie für eine Französin, nahm auch sie dies als Kompliment wahr. Und eine wunderschöne Fotographin fotografierte ich auch gleich. Sie stach mit der Mähne einfach zu sehr aus der Menge. Der Fotograph Helmut Fricke der FAZ, der mich später noch mit meiner Mutter fotographierte, kam leider zu spät und ärgerte sich über den schlechten Platz. Im Medienbereich saßen doch tatsächlich irgendwelche Menschen mit Digicam und Handy. Ja, auch in Paris gibt es Menschen, die mit Mode kaum etwas zu tun haben. Es scheinen jedoch weniger davon zu existieren, vor Allem Modeblogger, als in Berlin. Und das Publikum ist deutlich älter, und selbstbewusster.

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Eine mir bereits bekannte unfreundliche deutsche Journalistin musste ich leider auch erleben, die sich einfach unhöflicherweise auf einen Platz zwischen mich und eine Dame setzen wollte, den es nicht gab. Später wurde mir dann auch noch der Platz gestohlen, obwohl ich meine Tasche dahin plazierte, und der Herr hinter mir fragte meine Mutter ungläubig aus, was sie mit mir hier mache. Während ich mit Inga Griese sprach, fragte er noch neugierig, aus welchem Land wir denn kämen. Ja, Türken gibt es in Paris kaum, schon gar nicht welche aus Deutschland. Davon sind die meisten in ihrem Struggle noch weit entfernt, aber auch das wird sich ändern, und kann sich nur ändern, wenn man auch einfach mal von der eigenen Kultur loslässt, um andere kennenzulernen. Sie zu verlieren heißt es ja nicht.

IMG_8980Auch wenn Deutschland nicht so schön wie Paris ist, Frankfurt ist mit dem ICE nur 4 Stunden entfernt, und in Deutschland läufts halt einfach. Früher, als es keine Blogs gab, sondern nur Zeitschriften und Bilder der Stilvorbilder wie Brigitte Bardot ernährten wir uns auch bereits von der Ferne von der Ästhetik dieses Landes. Meine Mutter jedenfalls meinte dann im Zug, sie wisse jetzt, wem ich ähnel. Ja, der französische Stil ist definitiv insprierend. Die Vintage-Schuhe sind trotzdem aus dem Dörfchen einer sehr coolen über 60 Jahre alten Vintageladenbesitzerin, aus dem ich komme. Ich trage eine Vintage-Jeans der amerikanischen Marke Levis aus den 90ern aus dem Oxfamshop in Frankfurt, eine von meiner Mutter genähte Corsage aus Spitze (was ich auch bereits in Istanbul anhatte, aber in Paris deutlich angenehmer tragen konnte, obwohl auch in Paris kaum wer Dekollete trägt),  und einen Blazer von meiner Schwester aus Istanbul. Den Style hatte ich wenige Tage Berlin schon ausprobiert an einem Abend, an dem ich früher heim kam als gedacht. So schlau und „positive-thinking“ wie ich bin, hab ich mir gedacht, schlechter Abend, aber dafür wieder ein verdammt gutes Outfit kreiert für einen besseren.

image5-3000x2250Meine Mutter hat sich selbst auch was sehr Süßes genäht. Sie war nicht so dunkel und schwarz wie alle anderen angezogen. Ich denke auch oft darüber nach, ob ich mich nicht auch aalglatt einkleiden sollte, makellos unauffällig schön, aber ich meide es dann doch immer, weil ich das nicht bin. Lieber habe ich meinen eigenen Stil, so unvollkommen, so ungerade, so unharmonisch es manchmal auch aussieht, als das zu tragen, was „die anderen“ tragen, um bloß nicht negativ aufzufallen. Lieber ist man der Mensch, der man ist, als irgendwer zu sein, nur nicht man selbst.  Auch das muss gelernt sein.

Bilder: me, mami and Helmut Fricke