Louis Vuitton SS 2015 – Ella Krugylanskaya ‚The Trench‘ 2013

Louis Vuitton SS 2015 – Ella Krugylanskaya ‚The Trench‘ 2013

Besonders folgendes Motiv ist mir aufgefallen, als ich mir die vor einigen Monaten die neue Kollektion von Louis Vuitton für Frühling/Sommer 2015 ansah: ein bedrucktes Minikleid zeigt klischeehafte Werkzeuge einer Frau: Lippenstift, Nagellack, Wimpernzange. Ein Schminkköfferchen ist auch zu sehen, selbstverständlich aus dem eigenen Hause im erkennbaren Monogramm. Es finden sich auch Salz-und Pfefferstreuer, Telefon und Autos. Zuletzt verwundert in Plastik verpacktes Essen To-Go.

Die Frage, ob Louis Vuitton sich dem klassischen Rollenmuster bedient oder die Frau neu entwirft, warf ich in einem anderen Beitrag bereits auf. Die Frage lässt sich auch mit jenem Muster bedruckten Rock, Hose und Kleid der letzten Kollektion ebenfalls nicht einfacher klären. Ein so modernes Unternehmen könnte im Zuge des neu auferlebten Feminismus‘ jene Schminkutensilien parodieren, ähnlich wie Moschino, oder diese zu einer Ästhetik einer weiterhin existierenden Form von Weiblichkeit machen.

Als ich in einem Zeitschriftenhändler das Cover eines Kunstmagazins sah, musste ich jedoch direkt an jene Kollektion denken: die New Yorker Künstlerin Ella Krugylanskaya, die in Riga geboren ist, beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit Frauen. Auf der Suche nach ihrem Verhältnis zu Feminismus traf ich auf ein Porträt der Elle zu, indem sie ihre Arbeit als „Tongue-in-Cheek Feminismus“ bezeichnet, also als nicht ganz ernst gemeinten. Das Werk „The Trench“ aus dem Jahr 2013 zeigt eine Frau, deren Körper eine Inszenierung des zweiten Gesichts darstellt: ob sie es ist, die verantwortlich ist, oder der Betrachter, ist ungewiss.

15_04Bild: Style.com, www.ellakru.com

„Queen of Minimal“ Hanne Darboven im Städel Museum

„Queen of Minimal“ Hanne Darboven im Städel Museum

Das Städel Museum lud Freitag zum „Queen of Minimal“ Abend, um die vier ausgestellten Werke der Künstlerin Hanne Darboven mit der französischen DJANE Chloé und der jungen deutschen Philharmonie zu feiern.

image-900x900Von der deutschen Künstlerin Hanne Darboven hatte ich zuvor noch nie etwas gehört. Besonders ihr ikonenhaftes Aussehen machte mich neugierig auf ihre Kunst. Bis vor ihrem Tod 2009 trug die Künstlerin ihr Haar nahezu kahl geschoren. Ihr Gesicht ernst und nachdenklich. Müde. Auf ihren letzten Bildern, die im Internet zu sehen sind, ist sie in maskulinen Anzügen zu sehen.

Da ich mit ihrer Kunst nicht im Mindesten vertraut war, interessierte mich vor allem der Vortrag Florentine Gallwas, die als Mitglied des Beistandes der gleichnamigen Stiftung aus Hamburg, in das Werk Darbovens einführte. Für Darboven sei die Abstraktion der Kunst Musik. In ihren Kunstwerken stellte sie Noten visuell dar. Vier davon sind im Metzler Foyer des Städels zu betrachten.

imageBevor sie die „totale Abstraktion“ entwarf, studierte die Künstlerin in Hamburg, in New York kam sie mit Minimal Kunst in Berührung. Entstanden ist „Kunst, die hörbar, aber nicht benutzbar“ sei trotz ihrer politischen Aussagen mit ihrer Kunst wie Gallwas betonte. Nach Unruhe, Krieg und Faschismus sei Darboven zufolge „Ruhe das höchste Anliegen, das du praktizieren kannst“.

Ihre Kunst ist in der Tat sehr abstrakt und schwer zugänglich wie ich finde und so war es mir nicht möglich, während des Abends diese zu erfassen. In ihren Werken sind Zahlenabläufe zu erkennen. Diese wurden jedoch auch in Musik umgewandelt. Entstanden sind 61 Opera.

Einen besseren Zugang hatte ich zu ihrer Arbeit als Komponistin. Zu hören waren Werke Darbovens neben denen der Komponisten Philip Glass, Henry Purcell oder Arvo Pärterst zwischen zwei Vorträgen, später im Neubau unter der Erde an verschiedenen Stationen aufgeführt von der jungen deutschen Philharmonie.

Der Professor Heiner Blum, Lehrender an der Hochschule für Gestaltung Offenburg und Mitgründer des Robert Johnsons, wurde geladen, um mit Dr. Martin Engler das Verhältnis zwischen klassischer und elektronischer Clubmusik herzustellen. Zu Beginn war Blum darum bemüht, ein großes Missverständnis der Musik geklärt. Minimal bedeute nicht selektiert und seelenlos, sondern sei auf das Nötigste reduziert die Seele bewahrend. Das ganze sei dann „funky“, die mathematisch reudzierte Musik. Wie im Robert Johnson etwa, wo die Musik durch die Audio-Anlage fühlbar sei und die Seeleentdeckt werden könne. Blum erwähnte neben Bach, dessen Einfluss auf die elektronische Musik nicht zu bestreiten sei, zwei weitere Namen. Da ich selbst mit jenem Genré nicht ganz so vertraut bin, haben diese mein Interesse geweckt. Leon Theremin habe durch das nach ihm benannte Musikinstrument Theremin im Grunde genommen den ersten Synthesizer erfunden. Luigi Russolu war es, der sich in seinem musikalischen Manifest „lárte dei rumori“ (Die Kunst der Geräusche) mit dem Sound der Großstadt, den Straßen und Maschinen auseinandersetzte.

Zugegeben erklärte ich Minimal Musik immer auf die selbige kritisierte Definition. Maschinengeräusche, seelenlos und technisiert. Ich versuche jedoch, diese Musik, die ich lediglich zum Tanzen höre, besser zu verstehen, eine tiefere Poesie zu entwickeln.

Besonders jene Anekdote hat mich bewegt: die schönste Musik, die er gehört habe, sei der Herzschlag seines ungeborenen Babys im Leibe seiner Frau. Die erste Musik, die jeder Mensch höre, sei ohnehin der Herzschlag der Mutter und 120bpm würden auch der Musik der französischen DJane Chloè entsprechen.

Das Gespräch mit Prof. Blum war leider zu kurz, und hätte spannender werden können, wenn der Moderator etwas mehr auf dieses spezielle Genre eingegangen wäre. Es war aber definitiv sehr lehrreich und eine sehr kreative Zusammensetzung. Wie Prof. Blum selbst beobachtete hat das Städel Museum drei verschiedene Welten zusammen gebracht, die so zuvor nicht gemeinsam dargestellt werden: Klassische Musik, Electro und den White Cube der Minimal Kunst.

Bevor die französische Electro DJane Chloé im Saal auflegte, bewegte die junge deutsche Philharmonie das Publikum, indem sie an Kompositionen der Künstlerin Hanne Darbovens und Musikern anknüpften. Chloé, die bereits in Pariser Museen auflegte, habe ich leider nicht mehr miterleben können. Doch insgesamt war es eine gelungene Veranstaltung, die gut besucht war. Das Publikum war etwas älter, aber dennoch durchmischt. Etwas mehr junge oder sagen wir besser lockere Menschen hätte ich mir erhofft. Grund dafür könnte sein, dass nicht genug Werbung bei verschiedenen Zielgruppen gemacht wurde, oder aber der Eintritt in Höhe von 10 bzw. 12 Euro. Herr Prof. Blum, der bereits selbst die Veranstaltungsreihe Robert Johnson theory durchführt, war ein toller Gast. Eine DJane einzuladen hat man sich vermutlich von den französischen Kollegen abgeschaut, wenn das Publikum sich demnächst noch etwas auflockert, sehe ich in Frankfurter Museen (auch mit dem Mak, und der Schirn) große Hoffnung, kreative Abende, von denen es viel zu wenige in Frankfurt gibt, in der Bankenstadt einzuführen.

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Besonders bewgt hat mich die junge deutsche Philharmonie, die im Souterrain zwischen Werken von Neo Rauch, Yves Klein und Jonathan Meese zu hören war. Eine einmalige Erfahrung, die ich so noch nie zuvor in irgendeinem Museum erlebt habe.

Was Punk in den 70-ern war, ist heute Hiphop- All Black Everything, Islam und Berghain

Was Punk in den 70-ern war, ist heute Hiphop- All Black Everything, Islam und Berghain

Für die FAS schreibt Mareike Nieberding über „Das Neue Schwarz-Islamistischer Dresscode“, das die Parallele zwischen dem aktuellen Trend der Designer-und Hiphop-Szene und der meist gefürchtesten Weltreligion schlägt. So interessant jene Beobachtung ist, so könnte die globale Wechselbeziehung beider Strömungen zwar Grund für die schwarze Uniform sein, doch sind weitere Faktoren für diese Ästhetik und ihren Ursprung verantwortlich.

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All Black Everything – die Bewegung und Popularität der Afro-Amerikaner

„Das neue Schwarz“, das der Autorin zufolge ganz richtig von Rappern wie A$AP Rocky getragen und von Designern wie Rick Owens entworfen wird, hängt nicht nur mit dem düsteren Kleidungsstil der frommen Moslems, Isis-Anhänger und Salafisten zusammen, sondern auch mit der afro-amerikanischen Bewegung und dem Empowerment jener Kultur. Mit der Wahl des Präsidenten Barack Obama als erster schwarzer Präsident kam für die afro-amerikanische Kultur Hoffnung auf. Doch erst kürzlich hat der Fall um Ferguson die Nation erneut gespalten: ein unbewaffneter schwarzer Junge wurde von einem weißen Polizisten erschossen, der Täter blieb ungestraft. Michael Brown ist einer von vielen, deren Schicksal aufgrund ihrer Hautfarbe tödlich endet. Noch immer herrscht Ungerechtigkeit gegenüber der schwarzen amerikanischen Bevölkerung. Ihre Revolution ist noch lange nicht beendet. Ferguson demonstrierte Tage lang gegen den Beschluss. Auch viele Rapper kritisierten das Gerichtsurteil öffentlich. Gerade Rapper wie Kanye West und Lupe Fiasco sind es, die den All-Black Everything Look mit ihrem politischen Einfluss initiiert haben. Aus ihren politischen Zeilen wurde ein Trend.

Auch Weiße kleiden sich von oben bis unten in Schwarz und nehmen damit eine Hautfarbe an, die seit jeher diskriminiert wird. Um die Diskriminierung von Schwarzen und verschiedenen Körpernomen ging es auch Rick Owens bei der Präsentation seiner Spring 2012 Kollektion.

Was der Punk in den 70-ern war, ist Hiphop heute. Denn Hiphop ist nach wie vor politisch, leistet Widerstand und bewegt Millionen Menschen weltweit. Continue reading „Was Punk in den 70-ern war, ist heute Hiphop- All Black Everything, Islam und Berghain“

Beyonce 7/11

Beyonce 7/11

Vor genau zehn Tagen wurde das Video zu Beyonces Song 7/11 veröffentlicht. Darin sieht man Queen B wie sie gerne genannt wird, im Bad, auf der Terrasse und vor dem Bett ihres Hotelzimmers tanzen.

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Die Supermarktkette 7/11 ist in den USA vermutlich das, was bei uns der Spät oder Netto ist, wenn er nach 20 bzw. 22 Uhr noch geöffnet hat. Beyonce zeigt sich in dem Video wie eines der Mädchen, die gerne mit Freunden tanzen, Spaß haben und zeigen, was sie drauf haben. Im Song beschreibt sie ihre Tanzschritte, die ihre Zuschauer zum Tanzen motivieren können und damit vielleicht auch zum Kauf des Albums. Denn schließlich ist ein Video nichts als die Werbung dafür, so kreativ manche auch sein mögen.

Sie macht deutlich wie gut sie Twerken kann. Aber auch den Blowout spricht sie an, also das geföhnte Haar, dass sie sich durch das Tanzen raus schwitzt, und das geglättete Haar wieder krausig macht. Sie beschreibt damit das Problem vieler Frauen, deren Haaren abends beim Feiern gehen nach kurzem Tanzen bereits ihre Form verlieren.

Wave ya hands side to side
Wave ya hands side to side
Wave ya hands, to side, to side
Wave ya hands side to side

Ooh wee be-be freaky deaky
Think me see she pink bikini

Rock that groovy dye dashiki
Nefertiti, edges kinky
Sweatin‘ out my blow out
Sweatin‘ out my press
This trick about to go off
Mad cause I’m so fresh
Fresher than you
I’m fresher than you 

Fresher than you, oh

Was sich hier plump anhört, ist Alltag vieler junger amerikanischer Mädchen. Beyonce gehört zu jenen Musikern, die gerne das Leben ihrer Zuhörer widerspiegeln. Ob Beyonce selbst gerne mit ihren Freundinnen zu Hause oder auf der Suite tanzt, sei dahin gestellt. Sie inszeniert in diesem Video ihre vermeintliche Privatsphäre und zeigt ihren Fans „ich bin eine von euch“, kaufe im Supermarkt ein, und tanze mit meinen Mädels im Zimmer auf Hiphop, während ich durch Europa toure.

Das Video erinnert besonders an eine Arbeit des belgischen Künstlerkollektivs Leo Gabin, das in der Ausstellung „Pivat“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt zu sehen war. Die Arbeit „girls room dance“ zeigt die Videos verschiedener Mädchen, die ihre Tanzkünste filmen und auf Youtube stellen. Beyonce reagiert in dieser Videoästhetik damit auch auf jenes Youtube-Phänomen. Es ist damit nicht neu erdacht, sondern nachgespielt.

In ihrer aktuellen Trendschiene ist sie mit dieser Ästhetik neu, so einfach die Arbeit zum Video auch aussehen mag, sie steht im Zeichen der Internetzeit, die jede Nische öffnet, und eine „Aktivität“ vieler jungen Frauen zeigt, die bisher im Verborgenen blieb. Gleichzeitig animieren bestehende Videos auf Youtube auch andere Mädchen und fordern sie heraus, zu zeigen. Besonders interessant ist, dass alle Kameras der Mädchen ähnlich platziert sind, und damit Videos aufeinander zu reagiereren scheinen. und zuletzt macht auch Queen B mit, und antwortet mit ihrem Video zu 7/11.

Lyrics: genius.com Bild: Snapshot 7/11, Beyonce