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Ob mit Lemaire, Dior Hommes oder Louis Vuitton – die französischen Häuser zeigten vergangene Woche zur Mens Paris für kommenden Winter einen klassischen Mann wie sie ihn sich eleganter nicht hätten vorstellen können: es ist der Archetyp des französischen Mannes, durchaus weich in seiner Bewegung, einzig der Schuh . gibt ihm einen festen Stand. Zugleich knabenhaft dürfen sie auch sein: Bei Dior Hommes sind es ausgerechnet Blumen, die den unreifen Gesichtern als Punkanstecker der Rebellion verhelfen sollen.

WALTER VON BEIRENDONCK FW15 Paris 01/22/15

Auch Louis Vuitton erlaubt dem Mann Weiblichkeit: Mit Monogramm Täschen in der Hand sind mit Blumen bedruckte Jacken und Pullover zu sehen. Allem voran ist auch der LV Mann mit sportlich rot-beiger Kapuzenjacke noch in den Kinderschuhen. Und so richtig knabenhaft wird es nochmal bei Rick Owens, einem der entgegen blickenden Avantgarde-Designern fernab des französischen alteingesessenen Stils. Er scheute nicht davor zurück, die männlichen Genitalien seiner Models durch seine Entwürfe beim Gang über den Laufsteg hervor blitzen zu lassen. Der Designer selbst, der nicht zum ersten Mal provoziert, beschrieb es selbst als jungenhaft kindisches Verstoßen. „Boys with their dicks out is such a simple, primal, childish gesture.“

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Während sich Pegida vor der Islamisierung des Abendlandes fürchtet, diskutiert die Berliner Modewoche, was deutsche Mode ist. Vor der Frage nach deutscher Mode, steht die Frage nach dem, was deutsch ist, denn Deutschland leidet unter einer Identitätskise. Denn es taucht wieder die Frage nach dem auf, was das Adjektiv deutsch denn eigentlich beschreibt.

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„Ein Franzose kauft Louis Vuitton auch weil es französisch ist. Denn der Franzose ist patriotistisch „, meint Florian Siebeck von der FAZ. Und der Deutsche, würde er mit Stolz einen deutschen Designer tragen? Continue reading ›

imageNo Berlin Fashion Week hieß es für mich dieses Mal eigentlich, da der Mens Show wegen bei mir Paris angesetzt war. Doch als ich las, dass Womenswear Newcomer Bobby Kolade zum ersten Mal im Rahmen der MBFW in der Halle am Berghain zeigen werde, wollte ich mir die Show nicht entgehen lassen. Grund genug, nach Berlin zu kommen. Nehmen manche für Rock-Konzerte oder den Haddsch lange Fahrten in Kauf, kam ich mit großer Erwartung nach Berlin, um mit genau jenem Enthusiasmus und Glauben die Mode eines hochgelobten Jungedesigners zu sehen, der sich für das Wahrzeichen einer Subkultur als Austragungsort entschieden hatte.
Von der hochgelobten Mode war ich noch nicht vollkommen begeistert. Doch heute werden über Offsite Shows nicht nur Materialien verkauft, sondern Lebensgefühle. Die Mode versteht es immer mehr, sich theatralisch zu inszenieren, den sozialen Medien zu dienen, allem voran aber auch, interdisziplinär verschiedene Sinne anzusprechen.
In einem Interview mit der Welt sprach der Designer zuvor noch von „verdammt coole(n) Orten, verdammt coole(n) Clubs – und saucoolen Menschen!“ Doch die seien nicht auf dem Laufsteg zu sehen. Bei dieser Behauptung, und großen Ankündigung hoffte ich, all das „Coole“ bei jener Show zu erleben.
Das Berghain ist eine weltbekannte, etablierte Institution, wenn es um Techno geht. Der Club gehört zu jenen Subkulturen Berlins, die es mit ihrem Kult vor allem in den letzten Monaten über die Grenzen hinaus geschafft haben. Im Berghain selbst habe er gefeiert, Freunde und seine Geschäftspartnerin kennengelernt, weshalb die Wahl darauf gefallen ist.

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Popstar Justin Bieber ist das jüngste Model der amerikanischen Marke Calvin Klein. Vor den Fotographen Mert Alas und Mac Piggott ließ Klein den 20-jährigen oberkörperfrei in den ikonenhaften Boxern ablichten. Wie ein Fußballer präsentiert er in einer anderen Szene stolz seinen photogeshoppten Körper, indem er sein Shirt hoch hält und den eigenen Sixpack vergöttert. Topmodel Lara Stone soll in einer anderen Szene das Begehren Millionen weiblicher Stars aufzeigen: für das Bild, das sie dabei zeigt, wie sie Biebers Oberkörper umschlingt, erhielt sie Morddrohungen. Justin Bieber ist mit 21 Millionen Fans auf Instagram der größte männliche Popstar der westlichen Welt. Doch er ist alles andere als cool, weder mit seiner Musik, noch seiner Person. Ein amerikanischer Fotograph in meiner Liste zitierte auf Facebook folgenden Satz eines Artikels über Justin Bieber und die Calvin Klein Werbekampagne: „Every time you look at a photo of Justin Bieber without his shirt on, remember that this is the same guy who urinated in a mop bucket (while yelling, “F**k Bill Clinton!“), got slapped with a DUI for illegally drag racing, spit on his fans, and sang about killing “n***ers” and joining the KKK. Are you still entertained?“ Ella Alexander der britischen Glamour, die jene Bilder ebenfalls unästhetisch findet, kontert gegen ihre Kollegin, dass Calvin Klein bekannt sei für „uneffortless cool“, Justin jedoch sieht alles andere als unbemüht aus. Coolness kann man sich eben nicht kaufen, auch nicht von Calvin Klein. Ich selbst finde die Bilder tatsächlich so unästhetisch, dass ich darauf verzichte, sie auf diesem Blog zu zeigen.

Die kommerzielle Instagram-Ästhetik

Auch sonst scheint Calvin Klein auf Social Media Stars als Werbeträger zurück zu greifen, die unzählige Follower auf Instagram haben, einer Plattform, die unkommentiert Bilder rotieren und konsumieren lässt: Models wie Kendall Jenner, Gigi Hadid, Miranda Kerr. Sie alle zeigen sich in der Kampagne „mycalvins“ in der ikonenhaften Unterwäsche. Wieviel sie für einen solchen Post erhalten, ist ungewiss. Auch Modeblogger wie Hanneli Mustaparta, Chiara Ferragni und The Man Repeller sind beauftragt, das Label hip zu machen. Allein diese Kombination zeigt, dass das Unternehmen kein Profil hat, lediglich darauf aus ist. So modisch sie auch sind, keine der genannten Blogger ist eine (Mode-)Ikone.

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Kate Moss Heroin Chic

Aber wie cool war Calvin Klein überhaupt vor 20 Jahren? Ein ähnliches Motiv zeigte bereits Kate Moss in der Hauptrolle, Mark Wahlberg in der Nebenrolle. Bevor es die (kommerzielle) Instagram Ästhetik gab, nannte man es noch Heroin Chic, ein Lebensstil, der Drogen verherrlicht. Continue reading ›

Creative Director Olivier Rousteing versiegelt auf Instagram Models in der Kleidung des des französischen Hauses Balmain gerne mit dem Stichwort #army. Es ist jedoch nicht nur die omnipräsente Farbe Khaki der Fall Kollektion, sondern die gesamte Attitude.

Als französischer, schwarzer Designer ist Rousteing nicht nur um kulturelle Vielfalt bemüht, sondern auch um die starke Darstellung der Frau. In der Spring Summer Kampagne 2015 werden Frauen nicht beim Lesen, Schreiben, Malen oder Kochen gezeigt, die abgebildeten Models zeigen jedoch Aktivitäten, die man sonst nur von jungen Männern kennt. 19880_BLN_SS15_Lores-04o-RGBDass gerade Models wie Adriana Lima, oder Rosie Huntington Whiteley, die für ihr hartes Sportprogramm bekannt sind, beim Burgeressen posieren, ist weniger interessant, als die Tatsache, dass kaum Frauen derartig beim einfachen Verzehr abgebildet werden. So cool Burgeressen auch in einer bestimmten creativen Kultur ein sein mag, die Frauen tragen Kleider, die vom Künstler Piet Mondrian beeinflusst sind. Trotz der elitären Kunst, die sie tragen, sind sie sich nicht zu schade, auf das sogenannte Street Food zu verzichten statt an einem Essen an gedecktem Tisch mit Messer und Gabel teilzunehmen. Darauf deutet gerade Gestik und Mimik der Models hin. Die Szene erinnert nahezu an den Habitus der Mafiosi. Isabeli Fontana sitzt mit gespreizten Beinen da, Rosie drückt auf die Ketchuptube, während Adriana in die Ferne blickt, als erwarte sie jemanden. Ihre Kleidung, das Outfit der „Army“ wirkt dabei wie ein extravaganter Nadelstreifenanzug. Continue reading ›