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Seit Anfang August gibt es die neue EP von Iggy Azalea zu hören. „Survive the Summer“ heißt das gute Stück. Für den darauf erschienen Song „Kream“ holte sie sich gleich Tyga mit aufs Boot. Ziemlich klar, dass es da um „ass“ & „money“ geht. Die „sozialen“ Komponenten also, die das derzeitige Leben braucht, um zu überleben. Ziemlich witzig. Und ziemlich wahr, wenn man bedenkt, dass Männer zurzeit Geld wie Heu in die Kamera schmeißen und Frauen ihren Hintern wie Sand am Meer.

Wer kennt nicht die Bilder der Mädchen, die ihren Hinterteil der Kamera entgegen strecken, um nur dabei so attraktiv und vorteilhaft wie möglich zu erscheinen?! Da sind also zwei Pohälften zu sehen wie sie es zentraler nicht sein könnten, und damit, wenn auch nicht unbedeckt, sichtbarer denn je. Hat man Glück, ist von der Seite ein geschwungenes Nasenprofil zu erkennen. Der Blick arrogant, der Hintern einladend. „Schau‘ mir auf den Hintern, Kleines, und er könnte schon bald dir gehören“, ruft es aus.

In der Tierwelt geht es ähnlich zu. Das weibliche Geschlecht des Pavians – ja genau, das ist der Affe mit dem quietschroten Po – zeigt den Hintern genau dann, wenn es dem männlichen Geschlecht imponieren möchte, signalisieren, dass es bereit für eine Paarung ist, oder sich unterzuordnen. Und männliche Paviane übrigens verhalten sich wie einst die Männer des osmanischen Reiches: sie suchen sich Frauen zu einem Harem zusammen, um sie zu pflegen, zu schützen und sich mit ihnen zu paaren.

Erneut eine Parallele zur sexuellen Kommunikation. Denn während Mädchen so ihre Rückenansicht vorführen, um damit sowohl Konkurrenz als auch Männer zu bespielen, sind es Männer, die so gleich mehrere Frauen unter die Lupe nehmen, um sie mit Likes zu beschenken, auf sich aufmerksam zu machen und selbstverständlich – wenn auch nicht so weit, dass sie mit ihnen schlafen wollen- ihr Ego zu pushen.

Iggy und Tyga verhalten sich gleichwertig, könnte man jetzt meinen. Sie twerked einblicklich umgeben von Scheinen, und er lässt es sich von Ärschen umringt gut gehen.
Fazit: Sie hat Arsch, er hat Geld und steht auf nichts anderes als genau das. Nämlich, während es über Iggy heißt, sie hätte Implantate drin, ist man sich bei Tygas Ex Kylie schon ziemlich sicher. Die machen da doch selbst mit, könnte man also meinen. Ja, definitiv, das tun sie. Aber sie machen damit auch verdammt viel Geld. So läuft das eben, das Showbiz. Und die Realität? Wie sieht unsere deutsche Realität zum Beispiel aus? Unsere deutsche Realität ist damit beschäftigt, all‘ dies nachzuahmen.

Vor einigen Wochen sah ich zwei junge Mädchen am Goethe-Denkmal in Frankfurt ihren Hintern für die Linse des Smartphones posieren. Das sah verstörend aus. Denn als Betrachter stellt man sich die Frage, was für ein Selbst- und Körperbildnis junge Frauen und Mädchen haben müssen, um sich für ein BIld wie dieses zu reduzieren. Ihr Profil wird – ob online oder offline- aus ihrem Hintern bestehen. Das muss man sich einmal vorstellen. Da sagt ein gerade mal 16-jähriges Mädchen zu ihrer Freundin, „ja, nee, mach so, dass man von der Seite sieht, den Arsch, groß und so pfirsisch (hier ein Adj.) halt.“ Nachträglich wird da auch gerne mal gephotoshopped was das Zeug hält, um es instagram-ready zu machen.

Bei der Sache um den netten Hintern geht es aber letzten Endes nicht nur um billigen Sex, die Anerkennung oder eine Unterdrückung von Frauen, die ein schlechtes Selbstbildnis und Selbstwertgefühl haben, sondern auch um Macht und Status. Denn ein großer Hintern wie er von so vielen auf sozialen Plattformen dargestellt wird, ist für viele jene Eintrittskarte in die Welten junger, migrantisch jagender Männer. Und neben all‘ dem Geld, was vor den Augen der Konkurrenz in die Kamera gehalten wird, den dicken Lambos und Diablos nur ein weiteres Statusobjekt, mit dem sich die Männer zu schmücken, beweisen und profilieren versuchen.

Der weibliche Part Iggys, die sich dem Ganzen trotz eines recht kritischen Interviews vor einigen Jahren dem nicht entzieht, preist aber nicht nur Ärsche an, sondern auch Geld. Und Dank der ganzen populär über Insta gewordenen „Influencer“ und Modemarken sind Statussymbole aktueller denn je. Dazu gehört eben auch die richtige Uhr, am besten Rolex, das richtige Auto und eben ein praller Hintern der Frau. So, der Hiphop trägt dafür aber natürlich dieses Mal nicht die ganze Schuld daran wie böse Zungen oft behaupten, nein, sondern sind es die Communities, die zwar von Rappern beeinflusst werden, das Ganze aber selbst vorleben.

Im ursprünglichen Song „C.R.E.A.M.“ (cash rules everything around me) von Wu-Tang-Clan, das für diesen übrigens gesampelt wurde, geht es auch um Geld, aber eher um jenes, das es braucht, um überleben zu können. Wir aber leben im Überfluss. Zu viel Geld ist das Ziel, und ja, eindeutig zu viel Arsch.

Den Song „Kream“ von Iggy gibt es übrigens hier und den von Wu-Tang hier.