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Es gibt Menschen, die haben ein Leben lang dafür gearbeitet, um in einer großen Firma bei einer großen Marke zu landen. “Langnese”, “Schwarzkopf”, oder “Siemens” heißen manche dieser Firmen. In einer Großstadt oder am liebsten aus dem Ausland für die deutsche Dependance. Ein Leben lang wird also gearbeitet, studiert, eine Ausbildung gemacht, vielleicht gar der ein oder andere Hintereingang genommen, um letztlich in einem Unternehmen zu landen, das den Namen einer in unserer Kultur etablierten Einrichtung trägt. Dort ist dann die eigene dümmliche Art ertragbar, wenn nicht unauffällig erfolgreich. Tagsüber gelangweilt vor dem Computer sitzen, per Mausklick Ex-Freund oder die Neue des Ex-Freundes stalken, telefonieren, ein paar Online-Einkäufe erledigen, und dann noch hin und wieder genervt Menschen wegschicken, sind das Sahnehäubchen der Karriere. Das weiß dann nur leider keiner, denn nach außen hin tragen diese Menschen die Atittüde und den Anschein aufrecht: “Super, läuft alles”, heißt es denn, wenn gefragt wird, wie es so auf der Arbeit läuft.” Abends dann schnell zum Dinner gehuscht, wird geglänzt. Es wird ja für diese eine Firma gearbeitet, was dann auch referrert werden muss. Da gehört dann die volle Aufmerksamkeit jenen, die eben bei dieser Firma arbeiten, während andere weitaus in unbekannteren Branchen und Gefilden ihr Geld verdienen. Aber dieses Angeben, das darf man. Schließlich hat man sein ganzes Leben investiert, wenn nicht verbraucht. Für sich selbst war da weniger Zeit. Persönlichkeitweiterentwickeln, oder Erfahrungen sammeln, oder gar einfach mal glücklich sein waren da oft nicht drin. Abstriche mussten gemacht werden, für – in einer Leistungsgesellschaft besonders wichtig – das Ansehen und den Status, den es über die Arbeit eben so gibt. Der Lohn ist vielleicht gar nicht mal so hoch, aber das muss ja keiner wissen. Meist erweisen sich dann noch die ein oder anderen Aufträge über unseriöse Wege als gewinnbringend. Die Selbstdarstellung geht weiter.

Die Realität holt einen dann aber ein. Das passiert spätestens dann, wenn Stellen abgebaut werden, die Rolle in der Firma von der nächsten jüngeren Dame ersetzt wird oder dem sehr viel ambitionierteren, jungen, gutaussehenden Absolventen von der Universität. Unzufriedenheit macht sich breit, auch weil stehts der Druck besteht, mithalten zu müssen, den Anforderungen dieser Firmen gerecht werden zu müssen, die meist selbst eine Politik betreiben, die nicht lebenswert, sondern zum Scheitern und Leiden verurteilt. Für den Namen aber will keiner aufgeben. Wie auch? Den ganzen alten Verwandten, Eltern oder Schulfreunden kann man ja dann auch nicht die Wahrheit erzählen. Die würden’s ja doch nicht verstehen.

Und was Neues wagen? Den Urlaub in Costa Rica brauche ich. Außerdem wollten Stefan und ich noch ein Ferienhaus zum Abschalten am See. Aber so weiterleben? 8 Stunden Arbeit zahlen sich nicht für die zwei Stunden, in denen erzählt wird, wie toll man es im Leben habe und alles erfolgreich über die Bühne bringen könne, nicht aus. Und dann gibt es doch Leute, die sich irgendwie trauen, das Leben zu leben, von dem sie sich niemals gewagt hätten zu träumen. Das kann dann die eigene Schwester sein, die Nichte oder der Sohn des besten Freundes, der eine Karriere als Straßenmusiker anstrebt. Den Mut hatte man dann nicht. “Aber die ist doch eh blöd”, heißt es dann trotzig wie ein kleines Kind, von denen, die sich ihre Identität hinter einem großen Namen aufgebaut haben, ohne wertgeschätzt zu werden für das, was sie können und sind. Nämlich viel mehr als ihre Arbeit. Und so werden aus Jobs Namen und aus Namen Menschen, die versagen. Noch mehr aber wertvolle Lebenszeit über Bord werfen.

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