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Creative Director Olivier Rousteing versiegelt auf Instagram Models in der Kleidung des des französischen Hauses Balmain gerne mit dem Stichwort #army. Es ist jedoch nicht nur die omnipräsente Farbe Khaki der Fall Kollektion, sondern die gesamte Attitude.

Als französischer, schwarzer Designer ist Rousteing nicht nur um kulturelle Vielfalt bemüht, sondern auch um die starke Darstellung der Frau. In der Spring Summer Kampagne 2015 werden Frauen nicht beim Lesen, Schreiben, Malen oder Kochen gezeigt, die abgebildeten Models zeigen jedoch Aktivitäten, die man sonst nur von jungen Männern kennt. 19880_BLN_SS15_Lores-04o-RGBDass gerade Models wie Adriana Lima, oder Rosie Huntington Whiteley, die für ihr hartes Sportprogramm bekannt sind, beim Burgeressen posieren, ist weniger interessant, als die Tatsache, dass kaum Frauen derartig beim einfachen Verzehr abgebildet werden. So cool Burgeressen auch in einer bestimmten creativen Kultur ein sein mag, die Frauen tragen Kleider, die vom Künstler Piet Mondrian beeinflusst sind. Trotz der elitären Kunst, die sie tragen, sind sie sich nicht zu schade, auf das sogenannte Street Food zu verzichten statt an einem Essen an gedecktem Tisch mit Messer und Gabel teilzunehmen. Darauf deutet gerade Gestik und Mimik der Models hin. Die Szene erinnert nahezu an den Habitus der Mafiosi. Isabeli Fontana sitzt mit gespreizten Beinen da, Rosie drückt auf die Ketchuptube, während Adriana in die Ferne blickt, als erwarte sie jemanden. Ihre Kleidung, das Outfit der “Army” wirkt dabei wie ein extravaganter Nadelstreifenanzug.

19880_BLN_SS15_Lores-01o--RGB19880_BLN_SS15_Lores-02Q-RGBBesonders interessant ist die nächste Szene. Sie zeigt wie die Frauen sich schlagen. Dass nicht nur Männer handgreiflich werden können ist bekannt, doch Frauen, die Gewalt anwenden, werden selten derart dargestellt. Noch interessanter ist die dritte Szene, die die Frauen beim Videospielen zeigt. Sitzen Männer meist nur leicht bekleidet mit Unterhemd, gar oben ohne da, oder in lockerer Sportbekleidung, so ist die Kleidung der Frauen, so erotisch sie zunächst wirken mag, als Analogie zu verstehen: Der Körper in Schweiß gebadet, das Haar fettig, die Brust wie auch der Körper nur ansatzweise bedeckt.

19880_BLN_SS15_Lores-03o-RGBDer Blick der Hilflosigkeit dominiert das letzte Bild der Serie. Die Frauen berühren jedoch auch einander, und scheinen innnerhalb der Gruppe Zuneigung zu zeigen. Nicht auf eine zarte Art, sondern eine harte, indem sie sich an die Brust, den Kopf oder Arm fassen.

Balmain zeigt mit dieser Kampagne eine triviale Alltgskultur einer Gruppe von Frauen, die in ihrer Darstelung zunächst Szenen zeigt, die sonst eher vom anderen Geschlecht bewohnt sind. Wenn die Reaktionen auf die Kampagne auch gering ausfallen mögen, so ist es ein kleiner Tabubuch, der mit dem Fotographen Mario Sorrenti verriklicht wurde. Es ist die Ästhetik der herben Weiblichkeit, die als ironischer Kommentar verstanden werden kann, aber auch sich empowern kann. Die Frauengang spielt, isst, schlägt und liebt sich genauso wie es Männer tun. Welchem Geschlecht sie angehören, erkennt man dennoch.

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