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Kolumnistin Silke Burmester kritisiert auf SPON die Errichtung des Barbie-Dreamhouses und den damit einhergehenden Lebensstil. Barbie unterstütze das Bild einer traditionellen Frau, die bloß backen und sexy aussehen könne.

Die Kolumnistin nimmt dabei den Lebensstil einer Puppe viel zu ernst. Dabei ist dieses “Dreamhouse” wie der Name schon verrät lediglich eine überspitzte Darstellung des traditionellen Lebensstil, den wir im realen Leben der westlich liberalen Welt individuell auf uns zuschneiden. Der Hintergrund Burmester Autorenbildes ist witziger Weise in der Lieblingsfarbe der von Mattel erschaffenen Puppe gehalten. Rosa und Blau, sind das nicht die Farben, die uns seit unserer Geburt einem Geschlecht zuordnen und kategorisieren lassen? Kann es demnach sein, dass viele Frauen das traditionelle Geschlechtermodell gerne übernehmen, weil es nicht ganz dem scheint, wie es dargestellt wird?

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Barbie lebt nicht nur nach dem klassischen Modell, sie ist dem weit voraus. Sie hat nicht nur alle Berufe ausgeübt, von Hausfrau über Tierärztin bis Journalistin (insgesamt 108 Berufe, darunter auch männlich dominierte), sondern erzieht auch erfolgreich Kinder. Und dabei sieht sie blendend aus. Die Kritik scheint stets von jenen zu kommen, die nicht glauben mögen, dass es Frauen gibt, die studieren und arbeiten, Kinder erziehen, die Hausarbeit erledigen und dabei noch gepflegt aussehen. Es ist das altmodische Denkmuster der verbitterten Feministinnen, was längst überholt ist, aber eine ganz und gar hässliche Assoziation mit der Frauenbewegung hinterlassen hat. Denn nach all den Freiheiten ist nun die Weiblichkeit das Recht mancher Frauen, für was wohl gekämpft werden darf. Aber den Deutschen erscheint man als gepflegt, hübscher Mensch ja sowieso immer suspekt, wenn man dazu noch etwas kann. Oder etwas kann, und dann auch noch hübsch aussieht?

Aber warum wird bei all der Kritik nicht die “doppelte Vergesellschaftung” der Frauen angesprochen? Dass Frauen immer noch ganz gleich wie Barbie diejenigen sind, die Doppelbelastungen aushalten müssen? Sie sind sowohl noch immer für Hausarbeit, als auch Erwerbsarbeit tätig, wenn sie Familie wollen. Das mag wohl eher der wertvolle Kritikpunkt am konservativen Rollenbild sein.

Verstehen wir doch Barbies schlanke Silhouette nicht als Magerwahn, sondern als Versuch der Vermittlung von Gesundheit, die Sport und bewusste Ernährung voraussetzt. Verstehen wir doch die Farbe nicht als etwas schwaches, sondern als eine Farbe, die ihre ästhetisch mysteriöse Weiblichkeit, gar Stärke als Frau und Mutter zur Geltung bringt.

Eine “richtige Frau zu werden” vermittelt und jedenfalls auch keine Puppe, sondern unsere Eltern, Lehrer und Freundinnen. Dass sich 16 % aller Elfjährigen zu dick fühlt, mag wohl eher daran liegen, dass Eltern nicht verantwortungsbewusst ein Selbstbewusstsein vermitteln, sondern zulassen, das sie dem pubertären Traum “Modelsein” ein Leben lang hinterherjagen. Wer besteht denn darauf, dass man das Gewicht einer Puppe als nachzueifernde Norm wahrnimmt. Es ist die Aufgabe der Eltern, ein gesundes Selbstbewusstsein mitzugeben, Models dabei kritisch als das zu erklären, was sie sind: Professionell bewegliche Kleiderbügel, von denen manche aus beruflichen Gründen ihre Gesundheit aufs Spiel setzen und sich gar den diskriminierenden Regeln der Modeindustrie meist unterordnen müssen. Man muss ihnen erklären, dass nicht “schöne Mädchen mit Ausstrahlung auserwählt werden, sondern bewusste Profillosigkeit, um als Marionette der Modeindustrie eingesetzt werden zu können. Wie auch etliche Schauspielerinnen und Stars sich bewusst dafür entscheiden, ihren Körper so darzustellen, wie er in den Medien gesehen wird. Solange man Kindern die Fähigkeiten kritischen Denkens beibringt, um die Schönheitsideale, gar Geschlechterrollen zu hinterfragen, kann man ihnen auch ohne schlechtes Gewissen die Barbiepuppen zum Geburtstag schenken. Denn unsere Vorbilder können auch unsere Mütter, Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen sein.

Das heutige Deutschland sieht ohnehin anders aus. Läuft man durch die Innenstadt Frankfurts, so sieht man schnell, dass etliche Mädchen ihr traditionelles Schönheitsempfinden mit den modernen Freiheiten genießen. Denn wie vielen dieser Mädchen werden Werkzeuge des kritischen Denkens an deutschen Universitäten gereicht, wie viele von ihnen kümmern sich sorgevoll um ihre Kinder, um ihnen das Beste zu ermöglichen.

Wenn in Deutschland von Feminismus die Rede ist, werden gerne mal die Augen gerollt. Selbstverständlich haben wir heute all’ unsere Rechte den ersten und zweiten Frauenbewegungen des 20. Jahrhunderts zu verdanken. Heute steht die letzte Etappe an, die die wenigsten Intellektuellen noch interessiert. Denn wurde einst für Wohlstand gearbeitet, so stellt man ihn heute in Frage. In der Debatte dreht es sich nämlich lediglich um Löhne, oder eben eine Barbiepuppe, eine blonde, blauäugige Puppe, die ein Leben lebt, wovon tatsächlich nicht zu Unrecht viele träumen. Sie darf anziehen, was sie will, darf studieren, was sie will und trotz Kinder arbeiten gehen, und sieht dabei blendend fit und diszipliniert aus.

Aber was ist mit all jenen neuen Frauen in Deutschland, die von ihren Männern unterdrückt und geschlagen werden? Was viele “Pseudo-Frauenrechtlerinnen” in Frauenmagazinen wie jene Kolumnistin des Spiegels unterstützen ist die Kolonisierung  und der Universalismus in der Debatte, neben all’ der Anfeindungen gegen Frauen, die sich bewusst für Weiblichkeit entscheiden. Diese zentrierte Behandlung der Frauensituation westlicher Frauen verharmlost doch die Situation etlicher anderer Frauen in diesem Land. Denn es gibt nicht die eine Frau, schon gar nicht in einem Einwanderungsland wie Deutschland.

Liebe Frau Burmester, wenn Sie schon in Berlin sind, dann richten Sie Ihren Blick doch nicht auf eine Puppe, die Ihnen zum Verwechseln ähnlich sieht. Das ist, als würde man sich verbittert “Spieglein, Spieglein an der Wand” fragen. Werfen Sie doch mal einen Blick auf all die anderen Frauen in Deutschland, deren kulturelle und soziale Lebensumstände Sie daran hindert, die Freiheit dieses liberalen, demokratischen Landes zu genießen. Denn das sind die eigentlichen Opfer unserer Gesellschaft. Empören Sie sich doch einmal darüber, statt über eine Plastikpuppe namens Barbie.

  1. Wow! Großartiger Text. Ich ertappte mich mehrfach dabei, wie ich mir bewußt Passagen und Argumente merkte.

  2. Danke für den schönen Gegenkommentar. Femen hat sich ja auch schon angemeldet und eine Frau Bukert-Eulitz trommelt für “Gleichheit” bei Schönheitswettbewerben. Es müsse auch Schönheitswettbewerbe für weniger schöner Frauen geben.

    Das ist vermutlich das Problem vieler “emanzipierter” Frauen, sie haben bei der Balz einfach die schlechteren Karten. Nicht einmal, weil sie häßlich seien, sondern weil häßlich sein möchten.

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