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Screenshot instagram.de/bellahadid 15.August 2018

Sie läuft für Bottega Veneta, isst Eis für Magnum, und wird geschminkt für Dior. In kürzester Zeit ist sie aufgestiegen in die Riege der Topmodels. Geholfen hat ihr dabei auch die magische Zahl: 19 Mio. Follower auf Instagram sind es, die ihr folgen. Klar, dass sich da die Mädchen, die sich auf Instagram tummeln, ein Leben wie das der Bella Hadid wünschen.

Grund dafür ist nicht nur ihre Followerzahl, die viele automatisch auf den „Folgen“-Button drücken lässt, sondern auch ihre Inszenierung des Körpers. Dass dieser nicht nur natürlichen Ursprungs ist, ist allgemein bekannt. Dass dieses Halbwissen allerdings auch gesellschaftlich annerkanntem voyeuristischen Ursprungs leider weniger. Aber genau dieser ist es, der sie so erfolgreich macht.

Sie wird verglichen mit sich, ihrem alten Ich und allem andern, was ihr dicht auf den Fersen ist. Ganz gleich wie es auch sonst in der Gesellschaft geschieht: Gespräche über das Aussehen anderer Frauen, Lästereien und Vergleiche stehen an Tagesordnung von vielen Frauen. Bella Hadid hat es schwieriger, denn sie hat noch dazu zu beweisen, dass sie gut aussieht. Dafür veröffentlicht sie gerne auch mal unbezahlt Bilder ihrer Augen, Nase, Brüste oder angedrückten Hüften, gephotoshopped für einen voluminöseren Effekt versteht sich. Denn auf Instagram zählt alles, was groß und plakativ ist! Gleich tun es ihr eine Emily Ratajkowski, Kylie oder Kendall Jenner. Dass sie damit Neid, Eifersucht, wenn nicht gar Scham und Körperhass in anderen schüren, ist ein ungemein bekannter anderer tief psychologisch verankerter Nebeneffekt der sozialen Darstellung auf den (un-)sozialen Netzwerken.

„ICH bin schön!“, schreien diese Bilder, „und DU bist es nicht“, adressieren sie an ihre Follower. Ob sie von alldem, was sie zu beweisen versuchen, überzeugt sind, sei dahingestellt. Nase, Augen, Lippen werden gezielt operiert, gepolstert, in perfekt reguliertem Licht abphotographiert, um es wenig später retuschiert online zu stellen.

Jene Ästhetik erinnert an BODY Scan, eine Video-Arbeit der britisch-griechischen Künstlerin Erica Scourti, welche zu sehen war in der Ausstellung „Hamster, Hipster, Handy“. Für ihre digitale Arbeit fotographierte sie dazu Teile ihres Körpers ab, um sie später über eine App hochzuladen. Diese sucht algorithmisch nach bildverwandten Motiven, um sie dann nebeneinander aufzureihen, was dazu führt, dass die Grenzen zwischen Medizin, Schönheit und Pornographie sich auflösen. Und so funktionieren auch die Schönheitsideale jener Zeit: sie bewegen sich zwischen Schönheitsoperationen für, normierte Schönheitsideale auf und zuletzt in pornographisch anmutendem Stil nach Instagram.

Bella Hadid verkörpert dabei jene Komponenten im Netz. Zu sehen besonders in ihren letzten Bilder, die auf ihrem Instagramprofil jüngst veröffentlicht wurden. Unter dem Titel BELLA sind für das britische LOVE Magazine Bilder entstanden, die sie abschleckend und mit Beeren zwischen den Zähnen zeigen. Im LOVE Adventskalender, für den die Zeitschrift in den letzten Jahren so bekannt wurde, war auch Bella Hadid als eine der angesagtesten Models zu sehen. In Dessous gekleidet, wirft sie dabei im Teaser ihren Blick über die Seite, schwängt die Haare nach hinten und erhebt sich aus einem Autoreifen. Das vollständige Video auf der Webseite wird mit Instagram umworben, jener Plattform, die all diese Schönheitsideale hervorruft, und gescrollt wird mittendrin: Bella Hadid.