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imageNo Berlin Fashion Week hieß es für mich dieses Mal eigentlich, da der Mens Show wegen bei mir Paris angesetzt war. Doch als ich las, dass Womenswear Newcomer Bobby Kolade zum ersten Mal im Rahmen der MBFW in der Halle am Berghain zeigen werde, wollte ich mir die Show nicht entgehen lassen. Grund genug, nach Berlin zu kommen. Nehmen manche für Rock-Konzerte oder den Haddsch lange Fahrten in Kauf, kam ich mit großer Erwartung nach Berlin, um mit genau jenem Enthusiasmus und Glauben die Mode eines hochgelobten Jungedesigners zu sehen, der sich für das Wahrzeichen einer Subkultur als Austragungsort entschieden hatte.
Von der hochgelobten Mode war ich noch nicht vollkommen begeistert. Doch heute werden über Offsite Shows nicht nur Materialien verkauft, sondern Lebensgefühle. Die Mode versteht es immer mehr, sich theatralisch zu inszenieren, den sozialen Medien zu dienen, allem voran aber auch, interdisziplinär verschiedene Sinne anzusprechen.
In einem Interview mit der Welt sprach der Designer zuvor noch von “verdammt coole(n) Orten, verdammt coole(n) Clubs – und saucoolen Menschen!” Doch die seien nicht auf dem Laufsteg zu sehen. Bei dieser Behauptung, und großen Ankündigung hoffte ich, all das “Coole” bei jener Show zu erleben.
Das Berghain ist eine weltbekannte, etablierte Institution, wenn es um Techno geht. Der Club gehört zu jenen Subkulturen Berlins, die es mit ihrem Kult vor allem in den letzten Monaten über die Grenzen hinaus geschafft haben. Im Berghain selbst habe er gefeiert, Freunde und seine Geschäftspartnerin kennengelernt, weshalb die Wahl darauf gefallen ist.

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Doch ein wirklicher sinnlicher Bezug oder Zusammenhang zwischen der Location und der gezeigten Mode bestand nicht. Der Dresscode des Berghains ist fetischisiert, dunkel nahezu nackt, die Stimmung stoned, sexdriven und leer, manchmal poetisch, manchmal psycho, und oft paranoid. Der Stil entsprach jenen Beschreibungen keineswegs. Auch das Publikum entsprach nicht annähernd jenem Gefühl, das man im Club beim Tanzen hat. Das lag nicht nur an der Mode, sondern auch an der Musik und dem Publikum. Letzteres war keineswegs durch und durch das „Internationale“, das immer wieder heraufbeschworen wird. Gespiegelt hat es sich viel mehr jedoch mit der äußerst talentierten Sängerin „Mama“. Mit ihrer souligen Stimme war sie eine wunderschöne Begleitung zum Gang der eleganten Models, von denen eine übrigens wunderschön zarte dünne, dunkle Waden hatte, doch keinen ordentlichen Schritt vor den anderen setzen konnte. Mama jedenfalls gehört mit ihren britischen Wurzeln zu jenen internationalen Künstlern in Berlin, die mit Titeln wie „Oscar Wilde“, „Tschüss Moritzplatz“ und „Freedom of Love“ sich nicht nur der Stadt verschrieben hat, sondern genaustens ein Lebensgefühl vieler gestrandeter Sinnsucher ausdrückt. Ihr Album „Liberty of Dreams“, dessen gleichnamigen Song sie performte, schrieb sie in einem kalten Berliner Winter, nachdem die Londonerin zuvor bei einem Besuch im Berghain den Ratschlag eines Fremden erhielt, in der deutschen Hauptstadt Musik zu machen wie sie dem Wonderland Magazine erzählte. Eine der vielen mystischen Geschichten jener Berliner Künstler.
Bobby Kolade selbst gehört mit seiner Geschichte auch zu jenen Berliner Künstlern. Dass er seine eigene Geschichte inszeniere, habe ich erst heute über den Spiegel gelesen. Dass ihn das wiederum nerve, auch. Doch gerade Migration, Globalisierung und Kulturen sind in der Mode von großer Bedeutung, denn die westliche Elite ist gerade daran interessiert. Geboren ist er im Sudan, nach Berlin kam er vor zehn Jahren. Er studierte an der Universität Weißensee Mode-Design, setzt sich mit der afrikanisch und deutschen Kultur auseinander, aus der er selbst stammt, aber inbesondere mit Materialien wie Baumrinde. So detailiert, dass er schon mal mit 39 Teilen für eine Jacke arbeiten kann.

Haben es deutsche Medien dennoch in sich, den Hintergrund zum Vordergrund zu machen (unwichtig ist er gerade bei Bobbys Geschichte vor allem aber ganz und gar nicht), so sind es die Resultate, die zählen, und die lassen sich sehen: die feminin geschnitte Hosenanzüge gehören mit ihrer hohen Qualität zu meinen Favoriten.

BOBBY KOLADE_AW1516_MBFWB_22Als Zugezogener sind für ihn typische Eindrücke gentrfizierter Bezirke wie Wedding interessant: türkische Frauen, Bauarbeiter, und “afrikanische Muster”. Ob er mit seinem Stil international ist, ist eine andere Frage. Denn der sogenannte “internationale Stil” oder die Internationalisierung eines Labels scheinen im Sprachgebrauch der Mode oft unverstanden zu sein, und werden dabei sehr inflationär benutzt.

Auch wenn zwischen Berghain und Wedding wohl keiner die 2200 Euro übrig für einen Faltenrock hat, so kann man ihm seine Kreaitivität keineswegs absprechen. Denke man insbesondere daran, dass er gerade mal 27 Jahre alt ist. Ich bin gespannt, in Zukunft mehr von Bobby Kolade zu sehen.

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