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Boris Bidjan Saberi besser in Berlin?

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Nicht nur die leitende Farbe der Herbst/Winter 2015 Kollektion des Designers Boris Bidjan Saberi erinnerte an das Material eines Metzgers, allem voran die Arbeitskleidung selbst. Man stelle sich den Körper nach der Operation Blut überströmt vor. Mit roten Sneakern, die bereits letztes Jahr stark im Trend lagen, Kittel und Handschuhen strahlte Saberis Kollektion eine intensive Aggression aus. Ein interessantes Accessoire stellten die aus Verbandsmaterial hergestellten Schoner dar, die die Waden bedeckten und zugleich betonten. Gerade mit dieser Kollektion war der deutsch-iranische Designer stilistisch weit entfernt von der des amerikanischen Designers Rick Owens, mit dem er gerne verglichen wird. Wie ehrerbietig ist jedoch überhaupt ein solcher Vergleich? Ein Vergleich ist nur ein nüchternes Lob. Schließlich möchte jeder einzigartig für sich stehen und sich behaupten können. Saberis Kleidung unterscheidet sich insofern von Owens, als dass Schnitt und schwarze Farbe angelehnt an die iranisch-arabische Kleidungskultur sein könnten. Jenes schleierhafte Layering stammt zuletzt auch aus Völkern wie den Beduinen. Saberis Vater meine ich bei einer Installation im vergangenen Jahr im Berliner Store Darklands gesehen zu haben. Den mit einer traditionellen Tagiya bedeckten Kopf ließ er zu den elektronischen Tönen nicken. Ob dies sein iranischer Vater sein möge oder nicht – unter den allen in schwarz gekleideten Besuchern stich er am stärksten durch seinen abweichenden Stil heraus. Bei einem so interessierten Publikum wäre die Frage jedoch nicht abwegig, ob Saberi nicht in Berlin besser aufgehoben wäre. Auch versammelten sich vor dem Palais de Tokyo in schwarz gekleidete junge Männer: ein gut gekleideter junger Franzose, der es bereits bei Issey Miyake versuchte, durfte sich letztlich bei Boris in die erste Reihe setzen. Andere wiederum schienen mit Streetstyle-Bildern zufrieden zu geben: mit Mundschutz betrat eine Gruppe von jungen Männern die Streetstyle-Fotographenarea vor dem Palast nach der Show und ließ sich im Trill-Stil nach Vorbild Asap Rocky fotographieren. Doch so „cool“ die Show bei manchen jungen Leuten anzukamen schien, das Palais de Tokyo ist als Location für einen Designer wie diesen unmodern. Paris hat selbstverständlich seinen Namen, aber wieso nur der Schatten eines weltweit gefeierten Designers sein in einer etablierten Stadt sein, wenn man die Nummer 1 im eigenen jungen und aufstrebenden Land sein kann, und somit auch den nächsten Schritt zum internationalen Durchbruch erlangen kann? Denn davon scheint Saberi trotz Paris leider noch weit entfernt zu sein.

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