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Wer bekommt heute noch Bilder zu sehen, die ohne Retusche, Filter, und Dogmen veröffentlicht werden wollen? Während Frauen von den heutigen Schönheitsidealen die eigene Natürlichkeit abgeschlagen wird, schafft es ausgerechnet eine einzige Frau, Frauen in aller Fülle zu zeigen.

Dafür hat sich die 36-Jährige Fotographin Mihaela Noroc vor ungefähr 6 Jahren auf eine ehrgeizige Reise begeben. Den Beweis dafür, dass Schönheit überall exisitiert, hat sie einfangen, und als Mitbringsel ihrer Reise die Frauen dazu ermutigen wollen, sie selbst zu sein.

Ihr Langzeitprojekt, dem sie den Namen “The Atlas of Beauty” gegeben hat, zeigt die Schönheit der Frauen mit ihren Geschichten, denen sie auf dem gesamten Gobus begegnet ist. Es geht dabei nicht nur um die so viel thematisierte Kleidergröße, die Hautfarbe oder gar die Herkunft. Es geht um all’ das und so viel mehr. Nämlich die Kleiderwahl, die Berufung, die Identität, die allesamt der Frau gehört.

Dass sie dabei frei sind, sich selbst gehören und damit in aller Natürlichkeit strahlen, unterstreicht nur einmal mehr die indivudelle Schönheit jeder einzelnen, abgebildeten Frau. Und genau dieser Blick gehört der Fotographin Mihaela Noroc, die uns mit ihren Porträts daran teilhaben lässt. Die Frauen sind dabei nicht nur eine Erscheinung, sondern eine Realität wie wir sie in den Medien, oder gar der Kunst selten zu sehen bekommen, obwohl wir sie uns doch immer wieder wünschen. Die in Rumänien geborene Künstlerin erzählt mit der Linse gleichermaßen wie mit Worten die Geschichten, die diese Frauen in sich tragen.

Über die eine Frau erfahren wir, woher sie kommt, welcher Tätigkeit sie nachgeht, und welches Leben sie lebt. Über die andere, von welchem Schicksalsschlag sie getroffen wurde. Darunten sind so erheiternde, wie auch bewegende Geschichten. Was sie alle gemeinsam haben, ist die Furchtlosigkeit, mit der sie sich der Fotographin stellen.

In ihrem erstmals 2017 erschienen Band “The Atlas of Beauty” finden sich über 500 Porträts aus 55 Ländern. Der zweite Teil der Serie, die zurzeit mit der eigenen Tochter auf Reise entsteht, ist in Vorbereitung. Bis dahin lassen sich einige Bilder und Erzählungen mit Vorgeschmack auf die nächste Veröffentlichung auf ihrem Instagram-Kanal bewundern. Die gesamten Geschichten der hier gezeigten Frauen finden sich dort übrigens ebenso. Selbstverständlich erzählt von der Fotographin persönlich.

Vor über zwei Jahren habe ich mir die Haare abgeschnitten. Es war unter anderem deshalb, weil ich immer der extremen Ansicht war, dass schon immer einmal habe machen müssen. Die Haare abrasiert bis auf einen cm kurz. Als es dann tatsächlich soweit war – ich stand vor dem Spiegel mit eigener Schere – war es schon zu spät. Mein Haar lag tief unten im Waschbecken.

Schmerzhaft war es insofern nicht, als dass sie vor der Trennung nur leicht bis unters Ohr reichten, geschädigt waren und durch etliche Blondierungen eine unerträgliche Farbe und Struktur angenommen hatten. Am nächsten Tag musste dann also auch direkt ein Männerfriseur Hand anlegen. In einem Offenbacher Hairsalon ließ ich mir das Haar akkurat frisieren. Und das war dann auch der Beginn einer märchenhaften Reise mit einer neuen Frisur, die zeitweilen auch ihre Horrormomente hatte.

Das Schlechte zuerst: Freunde und Bekannte belustigten sich. Dabei hatte ich selbst schon in unterschiedlichen Phasen mit der Haarlänge zu kämpfen. Zeitweilen lernte ich, andere Menschen wiederum selbst nur nackt in ihrer Art zu sehen. Und dann gab es natürlich die Komplimente. Gerade Reaktionen Fremder waren ermutigend und heiter. “Wie heißt diese Frisur”, rief einer aus dem Auto, nachdem er an einer Seitenstraße angehalten hatte. Das Interesse am sogenannten Pixie war groß. Eine junge Frau fragte mich ungläubig in der Drogerie, wie so die Reaktionen seien. Sie habe es schon auch immer einmal machen wollen, vertraute sie mir an. Aber sie habe sich bisher einfach nicht getraut. Frauen wie sie und ich es bin, wurden für diesen simplen Wunsch degradiert.

Es muss noch heute vielen anderen Frauen mit kurzem Haar so gehen. Es wird gestarrt, als zu maskulin, radikal oder aggressiv abgestempelt. Manche denken bemitleidend, eine Krankheit wäre der Grund, oder ein “Britney-Spears-Moment” sei der Fall gewesen, und schätzen auch sonst die Person vor ihnen falsch ein. Mir selbst ging es sehr gut mit dem Haar.

Es ist eine Lebenserfahrung zum Einen, und zum Anderen lernt eine Frau – wie es vermutlich nur Männer mit ihrem kurzen Haar gezwungenermaßen können und dürfen – dass sie Charakter haben darf. Meine Schwester ermutigt mich immer kurz vor einem neuen Haarschnitt: “Ja, lass sie dir ruhig schneiden. Mit kürzeren Haaren hat man mehr Charakter. Man muss es kompensieren. Das fehlende Haar. Lange Haare sind zwar schön, wirken aber auch langweilig.” Continue reading ›