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Ein Blick auf Instagram, und es ist klar: die Jogginghose ist im Kommen. Es sind gerade kurvige Frauen, die sich angelehnt an Kim Kardashians Ästhetik, in grau-melierten Baumwollhosen zwängen. Dabei sind auch die Hüften mehr als betont. Es gehört zum neuen Sex-Appeal jener Frauen, die sich über Instagram vermarkten. Cozy, cute, und noch dazu crazy sehen sie gar ein wenig mit der Hose aus.

Ganz besonders die Corona-Pandemie macht die Jogginghose salonfähig. Quarantäne, Home-Office und auch sonstiges Verweilen in den eigenen vier Wänden verführen dazu, den Hauslook auch für die Öffentlichkeit tragbar zu machen.

In Städten wie Offenbach, wo die Zahl der sogenannten Migranten sehr hoch ist und das Leben auch sonst sehr zusammengewachsen, gehört die Jogginghose zum ganz alltäglichen Jargon. Ob zum Einkauf mit einer Jacke über den Hausanzug, in gefälschtem Gucci-Komplettoutfit, oder knallbuntem Adidas-Anzug. Auf dem Asphalt war die Jogginghose, die dazugehörige Attitude schon immer herzlich willkommen und gesehen. Nicht verpöhnt, sondern zum Know-How wie der Alltag gemeistert werden kann.

Bild: Screenshot, 13.10.2020 18:39 Uhr

Die italienische Modemarke Max Mara ließ zur Mailänder Modewoche vergangenen Monat erneut Models mit Kopftuch über den Laufsteg gehen. Das Kopftuch in der Mode hatte in der Vergangangenheit schon etliche Debatten ausgelöst. Aber wie sieht es 2020 um den Stand der Dinge aus?

Tut man den Frauen einen Gefallen, wenn sie in Kopftuch in der Mode repräsentiert werden? Ja.

Weder die Gesellschaft noch die Mode ist heute exklusiv

Diversität wird neuerdings in dieser Gesellschaft groß geschrieben. Der Westen sieht sich durch Bürgerbewegungen und auch sonst Kritik auf sozialen Medien immer mehr gezwungen, seine eigene Einwanderungsgeschichte zu akzeptieren und nach einem liberalen Demokratieverständnis, auf dem Europa fußt, den Ansprüchen auf Gleichwertigkeit gerecht zu werden. Dass Models, die auch privat ein Kopftuch tragen, auf dem Laufsteg zu sehen sind, ist ein natürlicher Prozess innerhalb der Gesellschaft. Die Unternehmen kommen aber einfach nicht drum herum, inklusiv zu sein, statt später bezichtigt zu werden, exklusiv zu sein. Mode ohnehin heute ist nicht mehr exklusiv.

Kommerzieller Druck durch Kunden aus dem Nahen Osten

Ein anderer Grund für Repräsentation ist aber gleichzeitig auch der, der auf Unternehmen lastet: eine starke Kaufkraft gibt es auch im (Nahen) Osten. Nicht nur müssen in der Mode heute wie überall anders auch, Menschen verschiedenster Coleur im Westen repräsentiert sein, sondern auch der schlichte Wunsch der Kundinnen nach Identifikation erfüllt werden.

Modeunternehmen könnten daher ebenso gezwungen sein, Traditionen ihrer Kundinnen aufzunehmen, auch wenn es bisher gegen die eigene DNA entsprachen. Unabhängig davon, wirft die Berechtigung des Kopftuchs ebenso Fragen auf: Repräsentation hin oder her, tut man den Frauen einen Gefallen, wenn sie auf dem Laufsteg repräsentiert werden?

Nahezu jede Modemarke – von Dior über Chanel bis hin zu Max Mara – versteht sich heute unter dem Feminismus als Frauenrechtler*in.

Mode heute ist auch Politik für die Rechte der Frau

Ja. Denn Modehäuser haben heute nicht mehr nur die Aufgabe, kaufbares Design, schöne Kleider und große Schauen anzubieten. Sie sind auch nicht mehr dazu da, die westliche Frau adress einzukleiden (1947 ,”New Look”, Dior) oder mit einem Anzug “zu befreien” (1967, Tuxedo, Yves Saint Laurent). Die Mode hat eine politische Rolle eingenommen, spricht für die Frau und muss als Instanz, enger Vertrauter und Partner, Botschaften verschicken, wenn sie Kundinnen erreichen will. Modemarken heute sind politisch. Jede Modemarke – von Dior über Chanel bis hin zu Max Mara – versteht sich unter dem Feminismus als Frauenrechtler.

Mode ist nicht nur Ausdruck von Freiheit

Und ob eine Frau nun ein Kopftuch trägt, oder nicht, Frauen wollen unterstützt werden. Vielleicht hatte Pierre Bergé Recht, als er 2016 lauthals verkündete, Mode stehe für Freiheit, wohingegen das Kopftuch Versklavung und Darstellung von Unterdrückung sei. Etliche Frauen aber zeigen mit oder ohne Kopftuch, dass sie für ihre Rechte kämpfen, frei leben, und zumindest. wenn auch nur ein Stück, am Spiel der Mode teilhaben wollen.

Zudem ist Mode heute nicht mehr allein ein Ausdruck von Freiheit. Mode ist auch ein Ausdruck von Feminismus. Und dieser steht bedingungslos unter allen Umständen für die Frauen ein.

Das Kopftuch ist selbstverständlicher geworden.

Ob eine Frau nun mit oder ohne Kopftuch, unterdrückt wird, oder zu großen Teilen beschützt, unter patriarchalischen Bedingungen oder eigenen Vorstellungen nach islamischer Tradition lebt, so ist sie dennoch mehr Subjekt als Objekt. Und das Kopftuch als integraler Bestandteil der Kleidung selbstverständlicher denn je.

Selbst ist die Frau

Und dabei hat sich auch die Gesellschaft selbst mit ihrem Bild über die Frau mit Kopftuch weiter entwickelt. Das Kopftuch ist selbstverständlicher geworden. Es wird nicht mehr nur der Islam gesehen, sondern auch die Frau darin. Der Feminismus hat es geschafft, die Debatte von der Religion auf die Frau selbst zu verschieben.

Und so werden sie nicht mehr nur ausgeschlossen, sondern akzeptiert, und auf ihrem Weg begleitet. Auch mit der Mode.