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Die neueste Serie, die Streamingdienst Netflix zu bieten hat, ist die zurzeit gehypte Geschichte um eine Amerikanerin gespielt von Lily Collins, die ihr Zukunftsglück in Paris versucht und dabei vortrefflich die Perspektive jener Amerikanerinnen in Paris zeigt, die sich in die Mode und Stadt verliebt haben.

Sex & The City, Gossip Girl, Emily in Paris – letztere Serie der Mädchen und Mode hört sich an wie die Superlative, und die dürfte es auch sein. Die Serie, die das Leben einer jungen Frau im Ausland widerspiegelt, kritisiert nicht nur die amerikanische Mädchenperspektive auf die französische Hauptstadt, sondern auch gleich den Pariser Snobismus.

Irrwitzige Dialoge, Kulturkritik und eine Modeluxus-Welt, die auf den Kopf gestellt wird. Von Influencern über europäische Freizügigkeit bis hin zu all’ jenen Klischees und Träumen ist in “Emily in Paris” vor allem eines zu sehen: Sex, Amour, und Freundschaft. Wer schon nicht mit dem Bingen begonnen hat; “Emily in Paris” ist zurzeit das Beste, was zwischen Corona und Sehnsucht nach Paris gesehen werden kann. Santé!

Bildquelle: https://www.instagram.com/emilyinparis/

Meine Friseurin ist Rassistin. Sie kann sehr gut Haare schneiden, sie hat auch kein Problem mit “Türkinnen” und “Türken”. Zwei ihrer Freunde sind sogar Schwestern, die einen türkischen Namen haben, und auch sonst türkisch aussehen, und einen Kosmetiksalon betreiben wie sie erzählt.

Andere, gegensätzliche Kulturen, Nationalitäten und Ethnien scheinen ihr nicht fremd zu sein. Was sich zunächst harmlos anhört, ist es aber nicht.

Denn während sich die Blondine mit den blauen Augen scheinbar den Frauen Nahe fühlt, die ihre Berufung und Leidenschaft teilen, befindet sich hinter den Erzählungen, die sie ihrer ebenfalls aus der Türkei stammenden Kundin darstellt, eine ganz andere, schwerwiegendere Form von Rassismus. Eine Form, die ich niemals mitbekommen könnte: nämlich, die Art, die tagtäglich Menschen dunkler Hautfarbe gegenüber ausgeübt wird.

Dass sie schwarze Menschen meidet, ihr Vater diese gar als N**** und Verbrannte beschimpft, steht ihr selbstverständlich nicht auf der Stirn geschrieben. Bekundet hat sie mir ihre Sicht auf die Dinge ebenfalls nicht. Woher ich das also weiß? Von ihrer ehemaligen Freundin und Kollegin.

An einem Tischgespräch beim Essen habe die mit ihr befreundete junge Frau mitbekommen, wie sich die Eltern Menschen dunkler Haut gegenüber abwertend und verächtlich geäußert hätten. Verleumdungen, scheinbar harmlose Witze bis hin zu deutlichen Abgrenzungen und Entwürdigungen hat sie über sich ergehen lassen müssen. Gewährt hat sich die junge Frau mit südländischen Wurzeln. Im Namen der Menschlichkeit wie sie sagte. Geführt hat das nicht nur zum Freundschaftsabbruch, sondern gar dazu, dass die junge Frau wegen Rassismus ihren Job im selbigen Friseursalon aufgab.

Der Rassismus, den sie über die Eltern und schweigende Tochter mitbekam, brachte sie in eine Notsituation. Die Konsequenzen waren es ihr für ihre eigenen Prinzipien wert. Die Geschichte erfuhr ich, nachdem mir die Neue die Haare geschnitten hatte. Dass es sich dabei um eine junge Frau handelte, die das rassistische Gedankengut ihrer Eltern teilte, davon erfuhr ich, als ich die besagte Friseurin, die mir zuvor die Haare geschnitten hatte, traf.

Gehe ich weiterhin als Kundin zu einer Friseurin, die allem Anschein nach freundlich zu mir ist, und mir die Haare schön macht? Nein. Denn ist nicht genau das das Geheimnis der Rassisten und Rassistinnen? Dass sie sich nicht offen dazu bekennen? Manche Hintergründe wertvoller erachten als andere? Und zuletzt auch jedem anderen nicht transparent machen, was sie wirklich hinter dem Rücken Menschen unterschiedlicher Coleur denken?