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Es soll Männer geben, die Frauen wie eine Barbiepuppe behandeln. Sie spielen mit ihr. Sie ziehen sie aus, sie ziehen sie an, sie sagen ihnen “Halt den Mund!” oder “Mach mir was zu essen”. Sie sagen “Schatz, lass uns etwas essen gehen”, oder etwa: “Lust auf eine Spritztour, in meinem brandneuen Coupé-Cabriolet.” 

Sie nicken, die Barbies, ziehen sich schnell etwas drüber, springen in den Wagen und warten in High Heels darauf, an den Tisch geführt zu werden. Sie lächeln und sehen dabei zauberhaft schön aus. Sie sind jederzeit startbereit, doch nur, wenn Ken danach ist und sie dazu auffordert.

Wenn ihnen, den Kens, etwas nicht passt, oder sie gar schlechte Laune schieben, werfen sie Barbie auch gerne einmal in die Ecke. Geht ja. Aber ja verfügbar müssen sie sein, und das zu jeder Zeit. Ihre Schwäche für Ken aber ist, dass er jederzeit nimmt. Kens Schwäche, dass er gerne nimmt. Und wenn, sie nicht gestorben sind, so leben sie heute in Ehe. Ende der Geschichte

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Berlin, warum möchte hier keiner Blumenmädchen sein?

Und doch, die romantische Vorstellung, als einsame, schöne Frau in einer Bar angesprochen zu werden, bleibt nicht nur ein Traum, sondern eine von Hollywood hinterlassene Utopie. Nordische natürliche Frauen wie sie vermehrt in der “Neuen Odessa Bar” oder “August II” in Mitte erscheinen, bleiben im Schatten der großen Blumensträuße, die neuerdings zur Dekoration von szenigen Designerbars dienen. Sie scheinen die einstigen schönen, klassischen Frauen zu ersetzen.

Rosen in weichen, poetischen Nuancen wie Rosé, leidenschaftlich in Rot sind in Bars wie diesen die einzige schöne Natur, die zu sehen ist. Verirrten sich einst Männer in Bars, um schöne Frauen in Bars zu sehen und ihre Schönheit einzuatmen, ist es heute der Duft der Blumen, der anziehend ist. Mit dem Abbau der Geschlechtergrenzen stirbt auch die Leidenschaft. Denn Posie und Leidenschaft scheint in Räumen wie diesen wie eine Erfindung, der der Mensch hinterjagt ohne einsehen zu wollen, dass sie nicht existiert. Keine tanzenden Körper, lächelnden Gesichter, warme Worte. Das Begeheren des anderen Geschlechts stirbt. Beschäftigt und gefesselt im Körper, wird das Geschlecht in Frage gestellt.

Es herrschen andere Ideale. Die Vorstellung von der schönen Frau und dem philosophischen Herrn, der vom Antlitz der Frau, der Verkörperung der architektonischen Harmonie verführt wird, in ihr das Gute und Freie zugleich sucht, scheinen nicht zu existieren. Die Frau ist emanzipiert, verzichtet auf blumige Farben im Gesicht, geschnörkelte Wimpern. Kantige, gerade Kleidung, die Distanz und Durchsetzungsvermögen vermittelt, zieren die Körper der Frauen in Locations wie diesen. Erhaben, den äußerlichen Merkmalen von der Gesellschaft gesetzt und zugeordnet, dem möchte sich keiner unterziehen. Der jugendlichen Frische möchte keiner beraubt werden. Die Frau möchte sich vom Druck, schön auszusehen entfernen und befreien, zum Denker möchte sie werden, als zum Objekt des denkenden Voyeurs. Welche Frau möchte schon verwelken, nachdem sie ihrer Schönheit beraubt wurde?

Die Sehnsucht nach Natur und der Klassik in modernen, urbanen Orten wie Berlin ist groß. Die Schönheit der Frau ist ein Monument der Klassik, sie wird man nicht aus der Welt schaffen können.