Menu
menu
cedric

Vor über einem Jahr traf ich im Rahmen der Berlin Fashion Week zur Show des Designers Patrick Mohr Model und Designer Jean-Cédric Sow. Sein Stil fiel mir auf, als er sich gerade aufgeregt charmant im Eingang der ehemaligen Eisenwarenhandlung Lademann unterhielt. Er hatte ein Hemd, das an das Muster afrikanischer Traditionsgewänder erinnert, mit roten Springersptiefeln kombiniert. Als ich ihn ansprach, reagierte er sehr freundlich und lässig, und erlaubte mir gleich für meinen Blog ein paar Bilder von ihm zu machen, und ihn anschließend Fragen zu seiner Person zu stellen. Jean-Cédric war gerade zur Vorbereitung da, denn er sollte am gleichen Abend noch zur Show Installation als Model Teile der neuen Kollektion Patrick Mohrs vorstellen.

Sein original französischer Akzent ließ mich trotz dem flüssigen Deutsch, das er sprach, neugierig nach seiner Heimat fragen. Ursprünglich kommt er aus Paris, bevor er jedoch für ein Modestudium an der Esmod nach Berlin zog, lebte er bereits vor zehn Jahren in Stuttgart mit seiner Familie. Seine Eltern seien irgendwann berufsbedingt weiter gezogen, erst nach Holland, später in eine andere Stadt. Er selbst habe sich entschieden, in Deutschland zu bleiben statt mit den Eltern mitzureisen oder nach Paris zurück zu kehren. Die Atmosphäre sei nicht so gut wie man denkt. “Paris ist nicht so frei wie Berlin. Natürlich sagt man “die Stadt der Mode”, aber außerhalb der Modekreise spürt man das Modische weniger.” Er habe einen extravaganteren Stil, und in Paris werde er dafür gemustert. Viel mehr als in Berlin oder in anderen Städten. Das stünde für ihn im Widerspruch zu dem Bild, das man von Paris als absolute Modestadt habe.

Auch was Diskriminierung als dunkelhäutiges Model betrifft, spüre er in Berlin nichts dergleichen. Er werde umgarnt von Fotographen. Ohne Modelagentur habe man den 24-jährigen, der bereits seit 5 Jahren modelt, ständig gebucht und angesprochen. Bei jeder Show sieht er selbst mindestens ein schwarzes Model, fügt jedoch hinzu, dass sie präsenter sein könnten.

cedric 2.Er empfindet nicht jede Art der positiven Diskriminierung als fraglich. Wenn Designer jedoch bewusst schwarze Models nutzen, um gut da zu stehen, kommt es Jean-Cédric einer Almose gleich. Dass das Thema der Show von Patrick Mohr die Diskriminierung thematisierte, und ausschließlich dunkle Models wie Papis Loveday oder Nikeata Thompson eingesetzt wurden, war ihm bis kurz vor der Show nicht bewusst. Es fühle sich besser an, wenn man gar nicht gebucht werde statt aus Mitleid. Manchmal passe man eben nicht rein, manchmal hingegen schon. Das Problem hätten auch hellhäutige Models.

Was Diskriminierung außerhalb der Modebranche in Berlin betrifft, findet er, müsse man sich anpassen. Es gäbe viele, die sich anpassen würden, gleichzeitig viele, die viel von außerhalb mitbringen. Das könne man an der Sprache, dem Ausdruck des Menschen erkennen.  Diskriminierung beginne meist, wenn man das Gefühl vermittelt, sich nicht anpassen zu wollen. Dann finde eine gewisse Abgrenzung statt.

Da er selbst Deutsch sehr schnell gelernt habe, und durch das viele Reisen gelernt habe, sich anzupassen, sei es ihm noch nie passiert, dass er wegen seiner Hautfarbe diskriminert wurde. In Frankreich hingegen sei die soziale Atmosphäre alles andere als gut. Das erzählte er mir bereits vor über einem Jahr. Ihn hat es mit der Stadt Berlin an einen Ort gezogen, dessen Mentalität seiner gleich kommt.

Allem voran kam er der Mode wegen. Denn Berlin ist für ihn eine Modestadt auch wenn sie sich noch nicht gefunden hat. Bei der Paris Fashion Week habe man direkt einen Stil im Kopf. Auch bei der Londoner oder New Yorker. So wichtig Berlin auch geworden ist, einen eigenen Stil hat sie noch nicht  “Sie probiert viel aus, und alles ist etwas wirr. Für einen Modestunden ist es toll, sich finden zu können durch all die verschiedenen Ideen und Einflüsse, die man bekommt. Mittlerweile arbeitet Jean Cédric bei der äußerst talentierten Marina Hoermanseder als Designer und PR-Berater. Sie gibt ihm die Möglichkeit, vieles seiner Kreatitivität in die Tat umzusetzen. Es sei fordernd, aber auch erfüllend für sie zu arbeiten, “weil sie eine unglaublich energetische, freundliche Person ist!” Sie verlangt viel, aber achte darauf, dass es dem Team jederzeit gut geht. Nach einem Jahr kann er mir erzählen, dass er sich schon ein Stück weit gefunden hat. Auch wenn es an der Esmod eine schwere Zeit gewesen sei, war es eine tolle Erfahrung, die sich gelohnt hat. Für seine Abschlusskollektion hat er einen Preis erhalten, die Show wurde bei Arte ausgestrahlt. Das zeige ihm, dass er auf dem richtigen Weg ist. “Kreativ ist man nie wirklich angekommen. Man darf nie stehen bleiben.”

IMG_3003

Nicht nur die leitende Farbe der Herbst/Winter 2015 Kollektion des Designers Boris Bidjan Saberi erinnerte an das Material eines Metzgers, allem voran die Arbeitskleidung selbst. Man stelle sich den Körper nach der Operation Blut überströmt vor. Mit roten Sneakern, die bereits letztes Jahr stark im Trend lagen, Kittel und Handschuhen strahlte Saberis Kollektion eine intensive Aggression aus. Ein interessantes Accessoire stellten die aus Verbandsmaterial hergestellten Schoner dar, die die Waden bedeckten und zugleich betonten. Gerade mit dieser Kollektion war der deutsch-iranische Designer stilistisch weit entfernt von der des amerikanischen Designers Rick Owens, mit dem er gerne verglichen wird. Wie ehrerbietig ist jedoch überhaupt ein solcher Vergleich? Continue reading ›

IMG_2940IMG_2958IMG_2948 Continue reading ›

Ob mit Lemaire, Dior Hommes oder Louis Vuitton – die französischen Häuser zeigten vergangene Woche zur Mens Paris für kommenden Winter einen klassischen Mann wie sie ihn sich eleganter nicht hätten vorstellen können: es ist der Archetyp des französischen Mannes, durchaus weich in seiner Bewegung, einzig der Schuh . gibt ihm einen festen Stand. Zugleich knabenhaft dürfen sie auch sein: Bei Dior Hommes sind es ausgerechnet Blumen, die den unreifen Gesichtern als Punkanstecker der Rebellion verhelfen sollen.

WALTER VON BEIRENDONCK FW15 Paris 01/22/15

Auch Louis Vuitton erlaubt dem Mann Weiblichkeit: Mit Monogramm Täschen in der Hand sind mit Blumen bedruckte Jacken und Pullover zu sehen. Allem voran ist auch der LV Mann mit sportlich rot-beiger Kapuzenjacke noch in den Kinderschuhen. Und so richtig knabenhaft wird es nochmal bei Rick Owens, einem der entgegen blickenden Avantgarde-Designern fernab des französischen alteingesessenen Stils. Er scheute nicht davor zurück, die männlichen Genitalien seiner Models durch seine Entwürfe beim Gang über den Laufsteg hervor blitzen zu lassen. Der Designer selbst, der nicht zum ersten Mal provoziert, beschrieb es selbst als jungenhaft kindisches Verstoßen. “Boys with their dicks out is such a simple, primal, childish gesture.”

Continue reading ›

Während sich Pegida vor der Islamisierung des Abendlandes fürchtet, diskutiert die Berliner Modewoche, was deutsche Mode ist. Vor der Frage nach deutscher Mode, steht die Frage nach dem, was deutsch ist, denn Deutschland leidet unter einer Identitätskise. Denn es taucht wieder die Frage nach dem auf, was das Adjektiv deutsch denn eigentlich beschreibt.

IVANMAN_AW15_Berlin17IVANMAN_AW15_Berlin04IVANMAN_AW15_Berlin16

“Ein Franzose kauft Louis Vuitton auch weil es französisch ist. Denn der Franzose ist patriotistisch “, meint Florian Siebeck von der FAZ. Und der Deutsche, würde er mit Stolz einen deutschen Designer tragen? Continue reading ›

imageNo Berlin Fashion Week hieß es für mich dieses Mal eigentlich, da der Mens Show wegen bei mir Paris angesetzt war. Doch als ich las, dass Womenswear Newcomer Bobby Kolade zum ersten Mal im Rahmen der MBFW in der Halle am Berghain zeigen werde, wollte ich mir die Show nicht entgehen lassen. Grund genug, nach Berlin zu kommen. Nehmen manche für Rock-Konzerte oder den Haddsch lange Fahrten in Kauf, kam ich mit großer Erwartung nach Berlin, um mit genau jenem Enthusiasmus und Glauben die Mode eines hochgelobten Jungedesigners zu sehen, der sich für das Wahrzeichen einer Subkultur als Austragungsort entschieden hatte.
Von der hochgelobten Mode war ich noch nicht vollkommen begeistert. Doch heute werden über Offsite Shows nicht nur Materialien verkauft, sondern Lebensgefühle. Die Mode versteht es immer mehr, sich theatralisch zu inszenieren, den sozialen Medien zu dienen, allem voran aber auch, interdisziplinär verschiedene Sinne anzusprechen.
In einem Interview mit der Welt sprach der Designer zuvor noch von “verdammt coole(n) Orten, verdammt coole(n) Clubs – und saucoolen Menschen!” Doch die seien nicht auf dem Laufsteg zu sehen. Bei dieser Behauptung, und großen Ankündigung hoffte ich, all das “Coole” bei jener Show zu erleben.
Das Berghain ist eine weltbekannte, etablierte Institution, wenn es um Techno geht. Der Club gehört zu jenen Subkulturen Berlins, die es mit ihrem Kult vor allem in den letzten Monaten über die Grenzen hinaus geschafft haben. Im Berghain selbst habe er gefeiert, Freunde und seine Geschäftspartnerin kennengelernt, weshalb die Wahl darauf gefallen ist.

image Continue reading ›

Popstar Justin Bieber ist das jüngste Model der amerikanischen Marke Calvin Klein. Vor den Fotographen Mert Alas und Mac Piggott ließ Klein den 20-jährigen oberkörperfrei in den ikonenhaften Boxern ablichten. Wie ein Fußballer präsentiert er in einer anderen Szene stolz seinen photogeshoppten Körper, indem er sein Shirt hoch hält und den eigenen Sixpack vergöttert. Topmodel Lara Stone soll in einer anderen Szene das Begehren Millionen weiblicher Stars aufzeigen: für das Bild, das sie dabei zeigt, wie sie Biebers Oberkörper umschlingt, erhielt sie Morddrohungen. Justin Bieber ist mit 21 Millionen Fans auf Instagram der größte männliche Popstar der westlichen Welt. Doch er ist alles andere als cool, weder mit seiner Musik, noch seiner Person. Ein amerikanischer Fotograph in meiner Liste zitierte auf Facebook folgenden Satz eines Artikels über Justin Bieber und die Calvin Klein Werbekampagne: “Every time you look at a photo of Justin Bieber without his shirt on, remember that this is the same guy who urinated in a mop bucket (while yelling, “F**k Bill Clinton!”), got slapped with a DUI for illegally drag racing, spit on his fans, and sang about killing “n***ers” and joining the KKK. Are you still entertained?” Ella Alexander der britischen Glamour, die jene Bilder ebenfalls unästhetisch findet, kontert gegen ihre Kollegin, dass Calvin Klein bekannt sei für “uneffortless cool”, Justin jedoch sieht alles andere als unbemüht aus. Coolness kann man sich eben nicht kaufen, auch nicht von Calvin Klein. Ich selbst finde die Bilder tatsächlich so unästhetisch, dass ich darauf verzichte, sie auf diesem Blog zu zeigen.

Die kommerzielle Instagram-Ästhetik

Auch sonst scheint Calvin Klein auf Social Media Stars als Werbeträger zurück zu greifen, die unzählige Follower auf Instagram haben, einer Plattform, die unkommentiert Bilder rotieren und konsumieren lässt: Models wie Kendall Jenner, Gigi Hadid, Miranda Kerr. Sie alle zeigen sich in der Kampagne “mycalvins” in der ikonenhaften Unterwäsche. Wieviel sie für einen solchen Post erhalten, ist ungewiss. Auch Modeblogger wie Hanneli Mustaparta, Chiara Ferragni und The Man Repeller sind beauftragt, das Label hip zu machen. Allein diese Kombination zeigt, dass das Unternehmen kein Profil hat, lediglich darauf aus ist. So modisch sie auch sind, keine der genannten Blogger ist eine (Mode-)Ikone.

Kate_Moss-CK1993a-1000x1000

Kate Moss Heroin Chic

Aber wie cool war Calvin Klein überhaupt vor 20 Jahren? Ein ähnliches Motiv zeigte bereits Kate Moss in der Hauptrolle, Mark Wahlberg in der Nebenrolle. Bevor es die (kommerzielle) Instagram Ästhetik gab, nannte man es noch Heroin Chic, ein Lebensstil, der Drogen verherrlicht. Continue reading ›

Creative Director Olivier Rousteing versiegelt auf Instagram Models in der Kleidung des des französischen Hauses Balmain gerne mit dem Stichwort #army. Es ist jedoch nicht nur die omnipräsente Farbe Khaki der Fall Kollektion, sondern die gesamte Attitude.

Als französischer, schwarzer Designer ist Rousteing nicht nur um kulturelle Vielfalt bemüht, sondern auch um die starke Darstellung der Frau. In der Spring Summer Kampagne 2015 werden Frauen nicht beim Lesen, Schreiben, Malen oder Kochen gezeigt, die abgebildeten Models zeigen jedoch Aktivitäten, die man sonst nur von jungen Männern kennt. 19880_BLN_SS15_Lores-04o-RGBDass gerade Models wie Adriana Lima, oder Rosie Huntington Whiteley, die für ihr hartes Sportprogramm bekannt sind, beim Burgeressen posieren, ist weniger interessant, als die Tatsache, dass kaum Frauen derartig beim einfachen Verzehr abgebildet werden. So cool Burgeressen auch in einer bestimmten creativen Kultur ein sein mag, die Frauen tragen Kleider, die vom Künstler Piet Mondrian beeinflusst sind. Trotz der elitären Kunst, die sie tragen, sind sie sich nicht zu schade, auf das sogenannte Street Food zu verzichten statt an einem Essen an gedecktem Tisch mit Messer und Gabel teilzunehmen. Darauf deutet gerade Gestik und Mimik der Models hin. Die Szene erinnert nahezu an den Habitus der Mafiosi. Isabeli Fontana sitzt mit gespreizten Beinen da, Rosie drückt auf die Ketchuptube, während Adriana in die Ferne blickt, als erwarte sie jemanden. Ihre Kleidung, das Outfit der “Army” wirkt dabei wie ein extravaganter Nadelstreifenanzug. Continue reading ›

Besonders folgendes Motiv ist mir aufgefallen, als ich mir die vor einigen Monaten die neue Kollektion von Louis Vuitton für Frühling/Sommer 2015 ansah: ein bedrucktes Minikleid zeigt klischeehafte Werkzeuge einer Frau: Lippenstift, Nagellack, Wimpernzange. Ein Schminkköfferchen ist auch zu sehen, selbstverständlich aus dem eigenen Hause im erkennbaren Monogramm. Es finden sich auch Salz-und Pfefferstreuer, Telefon und Autos. Zuletzt verwundert in Plastik verpacktes Essen To-Go.

Die Frage, ob Louis Vuitton sich dem klassischen Rollenmuster bedient oder die Frau neu entwirft, warf ich in einem anderen Beitrag bereits auf. Die Frage lässt sich auch mit jenem Muster bedruckten Rock, Hose und Kleid der letzten Kollektion ebenfalls nicht einfacher klären. Ein so modernes Unternehmen könnte im Zuge des neu auferlebten Feminismus’ jene Schminkutensilien parodieren, ähnlich wie Moschino, oder diese zu einer Ästhetik einer weiterhin existierenden Form von Weiblichkeit machen.

Als ich in einem Zeitschriftenhändler das Cover eines Kunstmagazins sah, musste ich jedoch direkt an jene Kollektion denken: die New Yorker Künstlerin Ella Krugylanskaya, die in Riga geboren ist, beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit Frauen. Auf der Suche nach ihrem Verhältnis zu Feminismus traf ich auf ein Porträt der Elle zu, indem sie ihre Arbeit als “Tongue-in-Cheek Feminismus” bezeichnet, also als nicht ganz ernst gemeinten. Das Werk “The Trench” aus dem Jahr 2013 zeigt eine Frau, deren Körper eine Inszenierung des zweiten Gesichts darstellt: ob sie es ist, die verantwortlich ist, oder der Betrachter, ist ungewiss.

15_04Bild: Style.com, www.ellakru.com

Das Städel Museum lud Freitag zum “Queen of Minimal” Abend, um die vier ausgestellten Werke der Künstlerin Hanne Darboven mit der französischen DJANE Chloé und der jungen deutschen Philharmonie zu feiern.

image-900x900Von der deutschen Künstlerin Hanne Darboven hatte ich zuvor noch nie etwas gehört. Besonders ihr ikonenhaftes Aussehen machte mich neugierig auf ihre Kunst. Bis vor ihrem Tod 2009 trug die Künstlerin ihr Haar nahezu kahl geschoren. Ihr Gesicht ernst und nachdenklich. Müde. Auf ihren letzten Bildern, die im Internet zu sehen sind, ist sie in maskulinen Anzügen zu sehen.

Da ich mit ihrer Kunst nicht im Mindesten vertraut war, interessierte mich vor allem der Vortrag Florentine Gallwas, die als Mitglied des Beistandes der gleichnamigen Stiftung aus Hamburg, in das Werk Darbovens einführte. Für Darboven sei die Abstraktion der Kunst Musik. In ihren Kunstwerken stellte sie Noten visuell dar. Vier davon sind im Metzler Foyer des Städels zu betrachten.

imageBevor sie die “totale Abstraktion” entwarf, studierte die Künstlerin in Hamburg, in New York kam sie mit Minimal Kunst in Berührung. Entstanden ist “Kunst, die hörbar, aber nicht benutzbar” sei trotz ihrer politischen Aussagen mit ihrer Kunst wie Gallwas betonte. Nach Unruhe, Krieg und Faschismus sei Darboven zufolge “Ruhe das höchste Anliegen, das du praktizieren kannst”.

Ihre Kunst ist in der Tat sehr abstrakt und schwer zugänglich wie ich finde und so war es mir nicht möglich, während des Abends diese zu erfassen. In ihren Werken sind Zahlenabläufe zu erkennen. Diese wurden jedoch auch in Musik umgewandelt. Entstanden sind 61 Opera.

Einen besseren Zugang hatte ich zu ihrer Arbeit als Komponistin. Zu hören waren Werke Darbovens neben denen der Komponisten Philip Glass, Henry Purcell oder Arvo Pärterst zwischen zwei Vorträgen, später im Neubau unter der Erde an verschiedenen Stationen aufgeführt von der jungen deutschen Philharmonie.

Der Professor Heiner Blum, Lehrender an der Hochschule für Gestaltung Offenburg und Mitgründer des Robert Johnsons, wurde geladen, um mit Dr. Martin Engler das Verhältnis zwischen klassischer und elektronischer Clubmusik herzustellen. Zu Beginn war Blum darum bemüht, ein großes Missverständnis der Musik geklärt. Minimal bedeute nicht selektiert und seelenlos, sondern sei auf das Nötigste reduziert die Seele bewahrend. Das ganze sei dann “funky”, die mathematisch reudzierte Musik. Wie im Robert Johnson etwa, wo die Musik durch die Audio-Anlage fühlbar sei und die Seeleentdeckt werden könne. Blum erwähnte neben Bach, dessen Einfluss auf die elektronische Musik nicht zu bestreiten sei, zwei weitere Namen. Da ich selbst mit jenem Genré nicht ganz so vertraut bin, haben diese mein Interesse geweckt. Leon Theremin habe durch das nach ihm benannte Musikinstrument Theremin im Grunde genommen den ersten Synthesizer erfunden. Luigi Russolu war es, der sich in seinem musikalischen Manifest “lárte dei rumori” (Die Kunst der Geräusche) mit dem Sound der Großstadt, den Straßen und Maschinen auseinandersetzte.

Zugegeben erklärte ich Minimal Musik immer auf die selbige kritisierte Definition. Maschinengeräusche, seelenlos und technisiert. Ich versuche jedoch, diese Musik, die ich lediglich zum Tanzen höre, besser zu verstehen, eine tiefere Poesie zu entwickeln.

Besonders jene Anekdote hat mich bewegt: die schönste Musik, die er gehört habe, sei der Herzschlag seines ungeborenen Babys im Leibe seiner Frau. Die erste Musik, die jeder Mensch höre, sei ohnehin der Herzschlag der Mutter und 120bpm würden auch der Musik der französischen DJane Chloè entsprechen.

Das Gespräch mit Prof. Blum war leider zu kurz, und hätte spannender werden können, wenn der Moderator etwas mehr auf dieses spezielle Genre eingegangen wäre. Es war aber definitiv sehr lehrreich und eine sehr kreative Zusammensetzung. Wie Prof. Blum selbst beobachtete hat das Städel Museum drei verschiedene Welten zusammen gebracht, die so zuvor nicht gemeinsam dargestellt werden: Klassische Musik, Electro und den White Cube der Minimal Kunst.

Bevor die französische Electro DJane Chloé im Saal auflegte, bewegte die junge deutsche Philharmonie das Publikum, indem sie an Kompositionen der Künstlerin Hanne Darbovens und Musikern anknüpften. Chloé, die bereits in Pariser Museen auflegte, habe ich leider nicht mehr miterleben können. Doch insgesamt war es eine gelungene Veranstaltung, die gut besucht war. Das Publikum war etwas älter, aber dennoch durchmischt. Etwas mehr junge oder sagen wir besser lockere Menschen hätte ich mir erhofft. Grund dafür könnte sein, dass nicht genug Werbung bei verschiedenen Zielgruppen gemacht wurde, oder aber der Eintritt in Höhe von 10 bzw. 12 Euro. Herr Prof. Blum, der bereits selbst die Veranstaltungsreihe Robert Johnson theory durchführt, war ein toller Gast. Eine DJane einzuladen hat man sich vermutlich von den französischen Kollegen abgeschaut, wenn das Publikum sich demnächst noch etwas auflockert, sehe ich in Frankfurter Museen (auch mit dem Mak, und der Schirn) große Hoffnung, kreative Abende, von denen es viel zu wenige in Frankfurt gibt, in der Bankenstadt einzuführen.

http://instagram.com/p/wUkB9CxQED/?modal=true

Besonders bewgt hat mich die junge deutsche Philharmonie, die im Souterrain zwischen Werken von Neo Rauch, Yves Klein und Jonathan Meese zu hören war. Eine einmalige Erfahrung, die ich so noch nie zuvor in irgendeinem Museum erlebt habe.

Für die FAS schreibt Mareike Nieberding über “Das Neue Schwarz-Islamistischer Dresscode”, das die Parallele zwischen dem aktuellen Trend der Designer-und Hiphop-Szene und der meist gefürchtesten Weltreligion schlägt. So interessant jene Beobachtung ist, so könnte die globale Wechselbeziehung beider Strömungen zwar Grund für die schwarze Uniform sein, doch sind weitere Faktoren für diese Ästhetik und ihren Ursprung verantwortlich.

asap-rocky-interview-magazine-8

All Black Everything – die Bewegung und Popularität der Afro-Amerikaner

“Das neue Schwarz”, das der Autorin zufolge ganz richtig von Rappern wie A$AP Rocky getragen und von Designern wie Rick Owens entworfen wird, hängt nicht nur mit dem düsteren Kleidungsstil der frommen Moslems, Isis-Anhänger und Salafisten zusammen, sondern auch mit der afro-amerikanischen Bewegung und dem Empowerment jener Kultur. Mit der Wahl des Präsidenten Barack Obama als erster schwarzer Präsident kam für die afro-amerikanische Kultur Hoffnung auf. Doch erst kürzlich hat der Fall um Ferguson die Nation erneut gespalten: ein unbewaffneter schwarzer Junge wurde von einem weißen Polizisten erschossen, der Täter blieb ungestraft. Michael Brown ist einer von vielen, deren Schicksal aufgrund ihrer Hautfarbe tödlich endet. Noch immer herrscht Ungerechtigkeit gegenüber der schwarzen amerikanischen Bevölkerung. Ihre Revolution ist noch lange nicht beendet. Ferguson demonstrierte Tage lang gegen den Beschluss. Auch viele Rapper kritisierten das Gerichtsurteil öffentlich. Gerade Rapper wie Kanye West und Lupe Fiasco sind es, die den All-Black Everything Look mit ihrem politischen Einfluss initiiert haben. Aus ihren politischen Zeilen wurde ein Trend.

Auch Weiße kleiden sich von oben bis unten in Schwarz und nehmen damit eine Hautfarbe an, die seit jeher diskriminiert wird. Um die Diskriminierung von Schwarzen und verschiedenen Körpernomen ging es auch Rick Owens bei der Präsentation seiner Spring 2012 Kollektion.

Was der Punk in den 70-ern war, ist Hiphop heute. Denn Hiphop ist nach wie vor politisch, leistet Widerstand und bewegt Millionen Menschen weltweit. Continue reading ›

Vor genau zehn Tagen wurde das Video zu Beyonces Song 7/11 veröffentlicht. Darin sieht man Queen B wie sie gerne genannt wird, im Bad, auf der Terrasse und vor dem Bett ihres Hotelzimmers tanzen.

7 117/11

Die Supermarktkette 7/11 ist in den USA vermutlich das, was bei uns der Spät oder Netto ist, wenn er nach 20 bzw. 22 Uhr noch geöffnet hat. Beyonce zeigt sich in dem Video wie eines der Mädchen, die gerne mit Freunden tanzen, Spaß haben und zeigen, was sie drauf haben. Im Song beschreibt sie ihre Tanzschritte, die ihre Zuschauer zum Tanzen motivieren können und damit vielleicht auch zum Kauf des Albums. Denn schließlich ist ein Video nichts als die Werbung dafür, so kreativ manche auch sein mögen.

Sie macht deutlich wie gut sie Twerken kann. Aber auch den Blowout spricht sie an, also das geföhnte Haar, dass sie sich durch das Tanzen raus schwitzt, und das geglättete Haar wieder krausig macht. Sie beschreibt damit das Problem vieler Frauen, deren Haaren abends beim Feiern gehen nach kurzem Tanzen bereits ihre Form verlieren.

Wave ya hands side to side
Wave ya hands side to side
Wave ya hands, to side, to side
Wave ya hands side to side

Ooh wee be-be freaky deaky
Think me see she pink bikini

Rock that groovy dye dashiki
Nefertiti, edges kinky
Sweatin’ out my blow out
Sweatin’ out my press
This trick about to go off
Mad cause I’m so fresh
Fresher than you
I’m fresher than you 

Fresher than you, oh

Was sich hier plump anhört, ist Alltag vieler junger amerikanischer Mädchen. Beyonce gehört zu jenen Musikern, die gerne das Leben ihrer Zuhörer widerspiegeln. Ob Beyonce selbst gerne mit ihren Freundinnen zu Hause oder auf der Suite tanzt, sei dahin gestellt. Sie inszeniert in diesem Video ihre vermeintliche Privatsphäre und zeigt ihren Fans “ich bin eine von euch”, kaufe im Supermarkt ein, und tanze mit meinen Mädels im Zimmer auf Hiphop, während ich durch Europa toure.

Das Video erinnert besonders an eine Arbeit des belgischen Künstlerkollektivs Leo Gabin, das in der Ausstellung “Pivat” in der Schirn Kunsthalle Frankfurt zu sehen war. Die Arbeit “girls room dance” zeigt die Videos verschiedener Mädchen, die ihre Tanzkünste filmen und auf Youtube stellen. Beyonce reagiert in dieser Videoästhetik damit auch auf jenes Youtube-Phänomen. Es ist damit nicht neu erdacht, sondern nachgespielt.

In ihrer aktuellen Trendschiene ist sie mit dieser Ästhetik neu, so einfach die Arbeit zum Video auch aussehen mag, sie steht im Zeichen der Internetzeit, die jede Nische öffnet, und eine “Aktivität” vieler jungen Frauen zeigt, die bisher im Verborgenen blieb. Gleichzeitig animieren bestehende Videos auf Youtube auch andere Mädchen und fordern sie heraus, zu zeigen. Besonders interessant ist, dass alle Kameras der Mädchen ähnlich platziert sind, und damit Videos aufeinander zu reagiereren scheinen. und zuletzt macht auch Queen B mit, und antwortet mit ihrem Video zu 7/11.

Lyrics: genius.com Bild: Snapshot 7/11, Beyonce

kendall insta

Kendall Jenner gehört in diesem Jahr zu den gefragtesten Models. Als Schwester von Reality Star Kim Kardashian hatte sie in der Familienserie “Keeping up with the Kardashians” mehrere Auftritte. Mit über 16 Millionen Instagram-Followern hat sie eine der 10 größten Fanbases auf der Social Media Plattform. Mit ihrer Schwester Kylie gehört die 19-jährige neben Nobelpreisträgerin Malala Yousefzai zu den einflussreichsten Jugendlichen des Jahres 2014. Erst diese Woche wurde bekannt, dass sie das neue Gesicht von der Beautymarke Estee Lauder sein wird, mit Karl Lagerfeld arbeitet sie erneut wieder, nachdem sie für Chanel lief. Mit dem zweiten Beitrag nach der Analyse, die den Erfolg des Models Cara Delevigne zu erklären versucht, möchte ich 10 Gründe präsentieren, die den Hype einer Kendall ausmachen.

keeping-up-with-the-kardashians

1) Eine Welt schaut der Kardashian-Familie zu: Bekannt geworden ist Kendall Jenner mit der Reality Serie “Keeping up with the Kardashians”. Eine kalifornische Riesenfamilie lässt sich von Milllionen Menschen in den USA bei ihren tagtäglichen Entscheidungen beobachten. Gemeinsam führt die Familie zwar Mode und Kosmetik-Unternehmen, den meisten sind sie jedoch aus dem TV bekannt. Wirklich interessant ist am Format als Phänomen nicht nur, dass es  eine Reality-Serie ist, sondern von einer Familie handelt. Und gerade Familien sind es, die als Gesellschaft alles, was passiert, im Privaten halten. Doch durch die heutige Transparenz sowie die Nachfrage nach dieser Transparenz kann sich dieses Fernsehformat erst durchsetzen. Die Familie als einziger Rückzugsort wird zur Öffentlichkeit ökonomisiert und in einer “Reality-Soap” inszeniert. Die Zuschauer sind also an den Beziehungen interessiert. Wie verhalten sich die Schwestern gegenüber der Mutter, den Ehemännern, den Halbschwestern, dem Stiefvater? Die Tochter Kim, die zum Poledance-Unterricht möchte (was ein neuer Sportrend ist) ist es peinlich, dass die eigene Mutter Kris mitkommen möchte. Normal sind sie dadurch, dass der Tochter die Mutter peinlich ist, ungewöhnlich jedoch mit ihrem Lebensstil, den sie öffentlichmachen.Interessant als Familienkonzept sind vor allem auch dfür die Zuschauer Gerüchte um das Verhältnis zwischen  den Schwestern, wenn es beispielsweise heißt, Kendall, hätte die Serie als Sprungbrett genutzt, Kim sei neidisch auf ihre Modelkarriere. Das Interesse an Familienbeziehungen ist es, was die Serie so erfolgreich macht: wo sonst sieht man Familien so offen über ihre eigenen vermeintlich echten Probleme sprechen? Hinzu kommt, dass die Familie in L.A. wohnt, und bereits vor dem Bekanntheitsgrad zu eine der wohlhabenden Bürger gehörte, die ein glamouröses Leben führen.kendall-jenner-love-magazine-cover-2014 Continue reading ›

Vergangene Wochen wurde der Artikel “Jung und schön. Und ganz schön unglücklich” von dem ehamligen Model Lina Scheynius auf sozialen Netzwerken oft geteilt. In diesem Artikel erzählt sie von ihren negativen Erfahrungen als Model, einem Beruf, von dem heute noch viel mehr Frauen träumen als sie es zugeben würden.

zeitmagazin

Warum aber ist der Modelberuf so erstrebenswert? Er ist neben dem Beruf der Schauspielerin der einzige Beruf, der eine Frau als Schönheit erklärt. Dieser Beruf bestätigt, dass du schön bist. Und dafür erhältst du Anerkennung. Und da Frauen im traditionellen Bild über ihren Körper definiert werden, ist der Modelberuf derjenige, der ihn zu schätzen weiß, indem er ihn entlohnt.

Noch heute sind unzählige Berufe drum herum aufgebaut,zunächst vielleicht die ganze Modeindustrie: jeder, der die Voraussetzungen nicht erfüllt, aber davon träumt, macht etwas mit Mode. Und selbst Frauen, die Politik oder Wirtschaft studieren, sehe ich auf Facebook “Modelbilder” posten.

Der Modelberuf ist in meinen Augen keineswegs ein Beruf, der nicht wertvoll ist. Ich finde, dass er ein Teil eines kunstvollen Bildes sein kann, ich bewundere wie manche Models ihren Körper oder die Mode ins Szene setzen, und solange sie nicht ungesund sind, bewundere ich auch wie sie an ihrem Körper arbeiten. Die besten Models sind Sportler, Schauspieler, Persönlichkeiten, Revolutionäre und Vorbilder.

article-2727966-209EA29B00000578-63_634x864

Aber bleiben wir dabei, dass viele Frauen nicht Model werden, des Berufes wegen, sondern der Anerkennung, so fällt eben auf, dass viele Frauen sich noch immer über ihr Aussehen definieren.
In letzer Zeit schreibe ich auf diesem Blog öfter darüber, denn auch durch Instagram, was sehr weiblich und modaffin ist, fällt mir auf, wie viele darum bestrebt sind, als schön wahrgenommen zu werden. Ich denke, die neuen “Instagra-Girls”, die in der Mini kleinen App als Stars gelten, haben wieder den Traum danach bestärkt. Model Cara Delevingne, das mit Model Joan Smalls und Karlie Kloss das Cover der amerikanischen September-Ausgabe der Vogue ziert, hat Millionen Abonnenten. Auf dieser App kommt es auf Bilder an, und darauf, wie man aussieht. Sein Können unter Beweis zu stellen, ist auf Instagram etwas schwierig. Außerhalb dessen kommt es jedoch auch darauf an, was man kann. Viele Frauen verbringen unzählige Stunden auf Instagram, und um auf dieser Plattform Anerkennung zu erhalten, muss man eben schön aussehen. Dabei ist diese Plattform allem voran auch eine Marketing-Plattform. Man denke dabei nur an das neugeborene Model Kendall Jenner, das mit 15 Millionen Fans zu der Top Ten der meistgefolgten Personen auf Instagram gehört. Ob sie die Figur, das Gesicht und das Talent mitbringen mag oder nicht – es wäre zu naiv zu glauben, ihr Account spiele keine Rolle.

Aber auch außerhalb ist es bei den selbst alternativsten Mädchen immer noch von Bedeutung, schön auszusehen –  natürlichdeutlich weniger, denn sie haben den Raum, um sich zu entfalten. Vielleicht sollten wir uns von Instagram entfernen, und manchmal auch von dem traditionellen Bild der Frau als den schönen Körper und den Mann als das intelligente Wesen. Und Frauen tatsächlich wie es manche Feministinnen sagen, nicht nur Komplimente für das Aussehen machen, sondern auch für ihr Können. Aber wisst ihr, warum ich trotzdem ein Fan von der schönen Frau bin? Weil ich nicht nur Frauen mit schönen Gesichtsformen schön finden kann, sondern auch denen, die gute Charaktereigenschaften haben, oder tolle Fähigkeiten.

Bilder: Screenshot http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/44/model-lina-scheynius, Vogue.com

 

IMG_2498

Für die Novemberausgabe des Magazins der Frankfurter Allgemeinen Zeitung habe ich vier Beauty Bloggerinnen in Deutschland interviewt. Besonders habe ich mich über die Zusage von Hanadi Diab gefreut. Hanadi Diab ist vielen Frauen in meinem Umfeld schon lange ein Begriff, denn sie verschönert Frauen. Vor allem wegen mit der Augenbrauenpigmentierung konnte sie sich einen Namen machen. Besucht habe ich sie deshalb auch in ihrem Stuttgarter Salon, da eine Freundin sich schon vor vielen Monaten einen Termin bei ihr hat geben lassen. Ich selbst würde mir die Brauen nicht umändern lassen, da ich den Look zu unnatürlich finde. Aber meine eigenen Brauen sind mir ohnehin zu voll, lediglich die Form würde ich verändern wollen, aber da spricht in mir die Natürlichkeit dagegen. Denn Brauen formen nicht nur das Gesicht, sie sind auch von Natur aus bereits angepasst an die eigene Augenform. Wenn man also die Brauenform verändert, so erkennt man schnell, dass es nicht der ursprünglichen Form entspricht. Die meisten kommen jedoch nicht nur wegen der gewünschten Formänderung, sondern auch der Verdichtung. Das ist ein Grund, der definitiv dafür spricht. Viele verzupfen sich einfach, und da früher dünnere Brauen in waren, wächst vieles heute nicht mehr nach. 

Wofür ich Hanadi Diab aber bewundere, ist ihre Fähigkeit andere verschönern zu können. Auch wenn sie viel Make Up benutzt, es scheint mir immer, wenn ich die Nachher-Bilder sehe, als würden sich die Frauen denken “ich kann auch so aussehen wie die schönen Frauen” und Hanadi gibt ihnen das Gefühl, dass sie es auch wirklich sind.

Was mich selbst besonders an dem Thema interessiert hat, ist die Tatsache, dass diese Instagramwelt an vielen vorbei geht. Nicht jeder kennt Beauty Bloggerinnen wie Hanadi Diab – und das obwohl sie die Bekannteste ist- nur bestimmte Leute kennen sie. Daher war ich nicht nur an der Art des Schminkens interessiert, sondern vor allem an dem Lebensstil der vorgestellten Mädchen. Denn das ist die Essenz von Mode und Make Up, hinter jedem Bild steckt ein Gedanke, eine Philosophie, ja eine Lebenshaltung, Moral und Ethik. Wie viel Haut ist zu viel, wie viel Schminke zu wenig? Und wie möchte ich mein Leben als Frau führen? Traditionell oder modern, oder beides?

Beautyblogger gibt es in Deutschland sehr viele, aber gerade die aus islamisch geprägten Kulturkreisen sind es, die mit Fragen nach Herkunft und Religion konfrontiert werden. Den deutschen Bloggern könnten Leser zwar Freizügigkeit vorwerfen, sie würden dabei aber niemals den Koran vorführen.

In ihren Fragen & Antworten Videos beantworten sie die Fragen ihrer Zuschauer. Sehr gerne dabei hätte ich noch Soraya Ali gehabt, die sehr bequem und frei über ihre kulturellen Einflüsse spricht. Doch leider habe ich sie zu spät entdeckt. Unter den vier vorgestellten Mädchen sind sehr bekannte dabei, in jedem Fall sind es weitaus mehr Mädchen, die mit ihrem kulturellen Einfluss ihren Beautykanal gestalten.

Die Wurzeln ihres Umgangs mit Schönheit stammt aus den Ländern aus denen ihre Eltern stammen, doch sie führen es hier in deutscher Sprache in deutschen Städten fort. Damit verändern sie Ideale der “deutschen Kultur” in einem Einwanderungsland über soziale Medien und werden in naher Zukunft die Rolle der Frau, Schönheitsideale und den alten Feminismus deutlich ins Wanken bringen.

untitleduntitleduntitledhanadiBilder: Magazin der FAZ, www.faz.de veröffentlicht am 08.11.2014

paris

Nach fünf Jahren war es wieder mein erstes Mal in Paris, und damit die erste Paris Fashion Week, die ich miterleben durfte. Geblieben bin ich im Mije Hostel in einem Doppelzimmer mit meiner Mutter eine Nacht. Es ist ein sehr spartanisches Zimmer, in einem ehemaligen Aristokratenhaus, gegenüber eines Klosters. Man sieht also tatsächlich noch französische Mönche im modernen Paris. Religiöser als Berlin, wo ich noch ein Tag zuvor war, geht es in dieser verwandten Kultur allemal zu, es sei denn natürlich, man befindet sich im islamischen Berlin.

Das Hostel jedenfalls ist in einem der schönsten Bezirke: Marais. Ein Schwulenviertel, was man aber nicht so schnell erkennt, da sie sich die Szene dort anders als in Berlin sehr chic und konventionell einkleidet, als könnten oder wollten sie noch weniger einen Teil ihrer Identität zeigen. Nur wenige Minuten entfernt von der Haltestelle Saint Paul erreicht man mit der U-Bahn alle wichtigen Touristenorte vom Eiffelturm bis zum Sacre Coeur. Auch der Bahnhof Gare du Nord ist nur 10 Minuten entfernt. Mit einem 10 Euro Tagesticket kann man sich in den wichtigsten Bezirken bewegen. Da ich dort auch während meines ersten Trips war, das Viertel sicher, das Hostel sauber ist, habe ich mich erneut dafür entschieden. Da die Hostelkette aber drei Hostels in Marais hat, war das Doppelzimmer im Maubuisson sehr viel kleiner als das im Fauconnier, die Anbindung zur Haltestelle Saint Paul aber dafür sehr viel besser.

Am frühen Morgen besuchten wir zunächst die Tocher einer guten Freundin meiner Mutter. Sie besuchte die gleiche Schule wie ich, studierte Politikwissenschaften und lebt nun in einer wunderschönen Vorstadt von Paris, im Boulogne-Billancourt. Sie arbeitet in Paris an einer universitären Einrichtung, und kümmert sich um internationale Studenten und Auslandsaufenthalte. Ihre Mutter aus Deutschland, und Großmutter aus Griechenland waren ebenfalls anwesend. So unterhielten wir uns über die derzeitige politische Situation in  Deutschland, ihr neugeborenes Baby und die französische Kultur. Sie hatten uns ein wunderbares französisches Frühstück vorbereitet mit Croissants, Marmelade und Kaffee. Und wie das als zwischenkultureller Mensch so üblich sind, stolperten wir oft über lustige Vergleiche. Zum Beispiel als wir über die Essenskultur im eigenen Lande und orientalischen Welt sprachen. Uns fiel eben auf, dass wir nach der deutschen Kultur auch immer öfter nach Personenzahl kochten und deckten, statt üppig und nahezu verschwenderisch wie in unserer griechich-türkischen Kultur. Über diese Vergleiche kommt man nicht umhin.

Und der wunderschöne Nachkömmling wächst gleich mehrsprachig auf: deutsch, englisch, französisch, griechisch und womöglich etwas arabisch wird die Kleine durch die Familie des Vaters erlernen. Wie wunderschön mit einer Sprache in so vielen Welten mit so vielen Menschen in Kontakt treten und sich austauschen zu können! Französischer ist die Mutter auch bereits geworden. Als ich ihr dies sagte, freute sie sich darüber. Schließlich ist es immer ein Kompliment, als Französin wahrgenommen zu werden. Obwohl deutsche Frauen nicht weit entfernt leben, sind sie bei Weitem nicht so sinnlich wie französische Frauen. Jedenfalls glaube ich, dass eine Kultur, die man inhaliert und auslebt, sich auf das eigene Äußere übertragen kann. Allein mit der Sprache, die man spricht. Aber da viele Deutsche auch französische Vorfahren haben, man denke an die Hugenotten, und generell viele in Deutschland ein enges Verhältnis zur Kultur, wird man oft auch vom Gegenteil überzeugt.imageDa meine erste Show nur wenige Stunden später begann, ging es in nur einer halben Stunde zurück zum Hostel, wo ich mich vorbereitete. Ich entschied mich für den rosefarbenen Rock, den mir meine Mutter noch am frühen Morgen in wenigen Stunden vor der Fahrt nähte, da sie nicht gut schlafen konnte. Ich denke, sie wollte wie immer ihr Versprechen halten, obwohl ich ihr wegen des Zeitmangels davon abgeraten hatte. Bewundert hatte ich jedenfalls Raf Simons Kollektion für Christian Dior schon lange, dieser neuen opulenten Weiblichkeit aus der Vergangenheit, die er jede Saison aufs Neue neu zu übersetzen weiß. Auch wenn dieses Konzept des Mode-Designs ein gängiges ist, finde ich doch, dass Raf Simons durch diese minimalistische Herangehensweise mit einem traditionellen Bild der schönen Frau mich überzeugen kann. Auch wenn moderne Einflüsse wie Bomberjacken die Ästhetik verderben können, die Röcke sind ein Traum.

Für die Schuhe entschied ich mich, weil ich auf dem Absatz einen festeren Stand habe als in den feineren High Heels, die ich eigentlich tragen wollte. Wenn man arbeitet, muss man gut aussehen, aber darf durch Unbequemlichkeit auch nicht am Arben gehindert werden. Als Journalistin muss man einfach auch schnell laufen, und manchmal sich mit der eigenen Persönlichkeit und dem Ego zurücknehmen. War mir bei meiner ersten Show dann aber auch teilweise egal, vor Allem, wenn man ständig sehr gut gekleidete Menschen auf Streetstyle Bildern sieht, will man nicht underdressed daher kommen.

Da wir kein Taxi gefunden haben, und ich die Show von Iris van Herpen nicht verpassen wollte, liefen wir zum Musee de Pompadou in nur 10 Minuten. Sich passend kleiden, ist eben doch öfter auch einfach Arbeit.  IMG_8845

Als wir ankamen, traf ich auch gleich Alfons Kaiser, der auch einen tollen Text über Iris van Herpen verfasst hat, und die Fotografin Yavidan Castillo, die ich über Alfons in Berlin kennenlernte, in Istanbul auf der Istikklal zufällig wieder traf, und mich für einen Kaffee nach der Show in Paris verabredete. Ihre Mutter kommt aus der Türkei, ihr Vater aus Mexiko. Sie spricht türkisch und hat dabei einen unglaublich süßen spanischen Akzent, den ich so noch nie zuvor gehört habe. Etwas Französisches mischt sich dem auch noch bei, und sie spricht unglaublich schnell, und dabei ist sie ein sehr herzlicher Mensch, der mit der Liebe zur Mode auf jeder tollen Veranstaltung in Paris während der Woche unterwegs ist und tolle Eindrücke auf ihrem Blog festhält. Alfons kenne ich übrigens auch aus Berlin, dort lernte ich ihn und den Fotographen Helmut Fricke damals mit meiner Schwester bei der Show von Lala Berlin kennen. Auch er ist ein sehr herzlicher Mensch, der sehr gut verschiedene Kulturen und Menschen entschlüsseln kann, und Zusammenhänge in der internationalen Mode sehr schnell genaustens erkennt.

An Paris gefällt mir die Qualität, die Kultiviertheit und Zivilisiertheit – zwei Begriffe, die man im Türkischen und unserer Familie gerne nutzt. (Nachtrag 01.02.15 zuvor stand hier “Menschenqualität”, meine Mutter verbesserte mich, indem sie sagte “Menschen sind keine Stoffen.” Und selbst qualitativ hochwertige Kleidung könne nicht jeder tragen, weshalb man Menschen niemals nach der Kleidung urteilen dürfe.) Wenn Menschen Manieren haben, gut ausgebildet sind, und sauber, also rein sind. Paris ist dieses Europa von dem alle träumen, die Amerikaner genauso sehr wie die Türken. Eine Stadt in einem Land auf einem Kontinent, das bereits Revolutionen hinter sich hat, sich befreit hat, gekämpft hat, Menschen würdevoll behandelt, würdevoller als in der Türkei. Ein Land mit Kultur, und Werten. Keine Frage – die Franzosen sind traditioneller, vieles läuft schief, aber sie sind kultiviert.

Ich frage mich immer, ob diese Art des Denkens überhaupt legitim ist. “Die Franzosen, die Deutschen”. Viele tun das gerne, gerade auch in der Mode. Dort versammeln sich nämlich Menschen aus aller Welt, und jeder bewahrt gerne seine Kultur, und in dieser Welt ist es so, als sei man kultiviert, wenn man weiß wie man über andere Kulturen zu sprechen hat. Weil Verreisen eben auch einfach kostet, und Kulturen kennenlernen (angeblich) auch. Wenn man also sagen kann wie die “Deutschen” sind, oder die Franzosen, oder die Amerikaner. Ich sehe schon Parallelen, störe mich aber manchmal auch an dieser Art zu denken. Es ist in jedem Fall aber eine Fähigkeit, und eine Kompetenz, was Kulturen betrifft. Denn so individuell jeder Mensch auch sein mag, es gibt Menschen, die es lieben, an ihrer Kultur der Identität wegen festzuhalten, und sobald man die Grenzen verlässt und auf das verlassene Land blickt, während man in ein anderes Land schreitet, erkennt man eben doch die Unterschiede.

Vor der Show hatten sich schon viele Fotographen versammelt, um Streetstyles abzufotographieren. Einige spielten mit wie es auch sehr schön auf Modepilot vorgeführt wurde. Es waren nicht die Massen wie im Park der Tuileries, die ich sonst nur von Bildern kenne. Als aber Model Saskia de Brauw kam, wurden es plötzlich etwa 20 Fotographen. Statt sie zu fotographieren, wollte ich sie lieber einige Sekunden beobachten. Sie hatte eine sehr angenehme, ruhige Ausstrahlung und wirkte dabei sehr sophisticated. Sie ist eine der Models, die nicht für eine rückständige objektivierte Schönheit stehen und dabei den Modelberuf trivialisieren, sondern für Kraft und Stärke, die man eben auf Bildern abgedruckt zur Bewunderung sehen möchte und muss. Ähnglich wie Daria Werbovy oder Anja Rubik. Es ist nicht das gängige Schönheitsideal von dem immer die Rede ist, die aber sehr wohl von Kritikern der Modeindustrie und Männer ausgeblendet wird. Saskia de Brauw ist gerade durch ihre Androgynie und dem Beweis der Schönheit dieser Gesinnung und Körperlichkeit so interessant. Nicht zuletzt modelte sie für die Herrenkollektion des Hauses Yves Saint Laurent als Frau. Eben auch solche kleinen Revolutionen ist die Mode im Stande in Bewegung zu setzen.

Im Publikum befand sich neben Saskia de Brauw auch eine Schauspielerin der Serie Game of Thrones. Das hörte ich jedenfalls eine deutsche Zuschauerin aufgeregt erzählen. Geseated war ich im deutschen Journalistenblock. Die deutschen zur rechten und linken konnte ich noch an ihrem Herkunftsland erkennen, bevor ich sie reden hörte. Man erkennt sich einfach behaupte ich mal, an der Kleidung, Gestik und Mimik. Auch ich bin kein Fan von Pauschalisierungen, aber während ich die Wochen zuvor in Berlin verpasste, machte ich wieder die Erfahrung, dass Menschen eben gerne an ihrer Kultur festhalten, und sich auch nach ihr verhalten wie ich bereits erzählte. Die teetrinkende Freundin meines WG-MItbewohners aus London sagte mir, sie möge es, sich nach dem britischen Klischee mit dem Tee zu verhalten, ein bekannter DJ aus Ibiza erklärte mir nach seiner Show, er könne “amerikanisch spielen”, dabei sprach er von der Kultur, nicht der Musik.

sacre coeur

Am Abend waren wir am Eiffelturm. In der Nacht ist er sehr viel schöner. Am frühen Morgen sind wir zum Stoffmarkt am Saint Pierre in Montmartre. Meine Mutter fühlte sich wie im Paradies und wollte überhaupt nicht weg. Gerade Montmartre glich dabei sehr Istanbul, oder eben Istanbul gleicht Montmartre. Es ist ein sehr schönes Viertel, doch leider voller Touristen. Ich muss dabei immer an das Montmartre der 20-er denken, wovon ich oft las. Manchmal müssen wir uns eben mit den architektonischen Resten zufrieden geben, und dieser einzigartigen Atmosphäre des Vergangenen.

Die Show am selbigen Tag von Louis Vuitton durfte ich leider nicht miterleben. Sie fand in der neuen Fondation in Boulougne-Billancourt statt, wo ich noch am Tag zuvor war. Auch die Show von Chanel musste ich später am Monitor erst bewundern. Gerade auch mit Interesse am Feminismus hätte ich diese Show nur allzu gerne live erlebt. Mir ist aber in den vergangenen Wochen aufgefallen, dass ich früher einmal kritischer war, was die Modewelt betrifft. Mir hat mein kritisches Bewusstsein lange Zeit nicht gut getan, weshalb ich es reduziert habe, weil man Dinge und damit sich selbst auch zunichte kritisieren kann, bis man selbst nicht mehr existiert. Als Konsument ist die Kritik bis zu einem bestimmten Grad nur effzient, bzw. die Kritik aus einer bestimmten Perspektive. Um wie die meisten Menschen jedoch diese Kritikfähigkeit mit der Zeit nicht vollends zu verlieren, sondern sie zu optimieren, effizienter zu denken, und vor allem differenzierter. Kritik ist notwendig, um Dinge zu verbessern, aber manche Dinge dürfen auch einfach mal hochgejubelt werden und müssen nicht neben negativen Dingen stehen. Wie zum Beispiel, dass Karl Lagerfeld einfach eine wirklich interessante Person steht, so kommerziell er auch einfach sein mag.

image

Die Show von Allude jedenfalls war toll! Backstage ging alles sehr schnell, genauso wie nach der Show. Dort traf ich auch die Chefin des Magazins bei dem ich mein Praktikum in Berlin wenige Tage zuvor absolvierte. Die deutsche Presse war bei der deutschen Marke stark vertreten. Christiane Arp sah wunderschön aus, zog aber nach wenigen Minuten ihre Sonnenbrille hervor, um sich weniger beobachtet zu fühlen, oder vielleicht selbst besser beobachten zu können, beobachtete meine Mutter, die sie auch sehr schön fand. Christiane Arps Arbeit gefällt mir mit den immer allzu gleichen Models auf den Covern (Claudia Schiffer, Toni Garrn, Nadja Auermann – wie oft denn nocht) und den gleichen Aufschriften (schön, cool, chic – gibt es keine anderen Wörter) zwar weniger, ihre wunderschöne Ausstrahlung und Stärke sind jedoch nicht zu übersehen. Sie ist zwar engagiert, indem sie junge deutsche Designer unterstützt, aber ich würde etwas mehr Kreativität erwarten, und etwas mehr Mut, damit auch die deutsche Vogue neben der amerikanischen und französischen sich mal ordentlich feiern lassen kann. Deutschland kann was, weiß aber selbst gar nicht genau, was. Wie wäre es mit Kritik? Natürlich zwischen den verschiedenen Idealen von Schönheit, die in Deutschland exisiteren.

imageEine sympathische freie Journalistin aus Deutschland lernte ich außerdem kennen, die selbst aussah wie die französische Version von Brigitte Bardot. Als ich ihr sagte, ich hielt sie für eine Französin, nahm auch sie dies als Kompliment wahr. Und eine wunderschöne Fotographin fotografierte ich auch gleich. Sie stach mit der Mähne einfach zu sehr aus der Menge. Der Fotograph Helmut Fricke der FAZ, der mich später noch mit meiner Mutter fotographierte, kam leider zu spät und ärgerte sich über den schlechten Platz. Im Medienbereich saßen doch tatsächlich irgendwelche Menschen mit Digicam und Handy. Ja, auch in Paris gibt es Menschen, die mit Mode kaum etwas zu tun haben. Es scheinen jedoch weniger davon zu existieren, vor Allem Modeblogger, als in Berlin. Und das Publikum ist deutlich älter, und selbstbewusster.

image3-3000x2250

Eine mir bereits bekannte unfreundliche deutsche Journalistin musste ich leider auch erleben, die sich einfach unhöflicherweise auf einen Platz zwischen mich und eine Dame setzen wollte, den es nicht gab. Später wurde mir dann auch noch der Platz gestohlen, obwohl ich meine Tasche dahin plazierte, und der Herr hinter mir fragte meine Mutter ungläubig aus, was sie mit mir hier mache. Während ich mit Inga Griese sprach, fragte er noch neugierig, aus welchem Land wir denn kämen. Ja, Türken gibt es in Paris kaum, schon gar nicht welche aus Deutschland. Davon sind die meisten in ihrem Struggle noch weit entfernt, aber auch das wird sich ändern, und kann sich nur ändern, wenn man auch einfach mal von der eigenen Kultur loslässt, um andere kennenzulernen. Sie zu verlieren heißt es ja nicht.

IMG_8980Auch wenn Deutschland nicht so schön wie Paris ist, Frankfurt ist mit dem ICE nur 4 Stunden entfernt, und in Deutschland läufts halt einfach. Früher, als es keine Blogs gab, sondern nur Zeitschriften und Bilder der Stilvorbilder wie Brigitte Bardot ernährten wir uns auch bereits von der Ferne von der Ästhetik dieses Landes. Meine Mutter jedenfalls meinte dann im Zug, sie wisse jetzt, wem ich ähnel. Ja, der französische Stil ist definitiv insprierend. Die Vintage-Schuhe sind trotzdem aus dem Dörfchen einer sehr coolen über 60 Jahre alten Vintageladenbesitzerin, aus dem ich komme. Ich trage eine Vintage-Jeans der amerikanischen Marke Levis aus den 90ern aus dem Oxfamshop in Frankfurt, eine von meiner Mutter genähte Corsage aus Spitze (was ich auch bereits in Istanbul anhatte, aber in Paris deutlich angenehmer tragen konnte, obwohl auch in Paris kaum wer Dekollete trägt),  und einen Blazer von meiner Schwester aus Istanbul. Den Style hatte ich wenige Tage Berlin schon ausprobiert an einem Abend, an dem ich früher heim kam als gedacht. So schlau und “positive-thinking” wie ich bin, hab ich mir gedacht, schlechter Abend, aber dafür wieder ein verdammt gutes Outfit kreiert für einen besseren.

image5-3000x2250Meine Mutter hat sich selbst auch was sehr Süßes genäht. Sie war nicht so dunkel und schwarz wie alle anderen angezogen. Ich denke auch oft darüber nach, ob ich mich nicht auch aalglatt einkleiden sollte, makellos unauffällig schön, aber ich meide es dann doch immer, weil ich das nicht bin. Lieber habe ich meinen eigenen Stil, so unvollkommen, so ungerade, so unharmonisch es manchmal auch aussieht, als das zu tragen, was “die anderen” tragen, um bloß nicht negativ aufzufallen. Lieber ist man der Mensch, der man ist, als irgendwer zu sein, nur nicht man selbst.  Auch das muss gelernt sein.

Bilder: me, mami and Helmut Fricke

“Ich kann die Welt nicht verändern, aber etwas angenehmer machen”, lautete das Leitmotiv der Kreativ Direktorin Andrea Karg für die SS 15 Kollektion ihres Labels Allude, die sie am 1.Oktober im Pariser Palais de Tokyo zeigte. Weniger radikal als der deutsche Kollege Lagerfeld, der ein Tag zuvor im Namen des Feminismus seine Models protestieren ließ, war die Münchnerin damit. Dabei könnte man bei einem ähnlich traditionellen Unternehmen mehr Haltung wagen. Aber vielleicht kann man Andrea Karg mit ihrer Arbeit als gelernte Juristin, Mutter und Gründerin eines erfolgreichen Labels bereits selbst als Beispiel par excellence der feministischen Emanzipation sehen. Ohnehin sei der Wechsel von Jura zur Mode kein Sinneswandel gewesen, wie sie mir backstage vor der Show verriet. “Letztendlich ist es überhaupt kein Widerspruch. Sie müssen ja eine klare Linie verfolgen.” Die klare Linie muss für Andrea Karg der 20-jährige Erfolg ihres selbst gegründeten Labels Allude sein. Zeigte sie bereits Kaschmir in verschiedensten Entwürfen, womit sie vor 20 Jahren eine Nische entdeckte, kommt die Verwurzelung der Mode in der französischen Kultur ihrer Marke, die sie als internationale begreift, gelegen. Ihre Mode kommt in Frankreich ohnehin so gut an, dass der französische Markt der zweit stärkste ist.  Möchte man wissen, was das Geheimnis dahinter ist, so erfolgreich mit deutschen Wurzeln in der Pariser Woche zu überleben, muss Andrea Karg nicht lange überlegen. “Qualität zählt!” In Paris sei es ein ausgesprochen hohes Level, und da beweise sie sich gut. “Das ist es”, sagt sie bestimmt selbstbewusst mit einem charmanten Lachen. Von dieser Herangehensweise, dieser Wertschätzung an längst verlorener Qualität können sich sicherlich die Kollegen in Deutschland eine Scheibe abschneiden.

Hingeführt hat sie nach Paris letztlich ein hochwertiges Material. Ihre Faszination an Kaschmir ist selbst faszinierend. Das Material sei unheimlich inspirierend. Getreu dem Motto “Geht nicht, gibt’s nicht” fange sie immer an, die Experimenntierkunst auszudehnen und genau das mache ihr Spaß. Dass ihr die Arbeit Spaß macht, sieht man ihrem frischen schönen Antlitz an.

War ihre letzte Kollektion nahezu sakral, so erinnerten ihre Entwürfe der Frühling Sommer Kollektion 2015 an die Schönheit der Jahreszeiten. Dunkle marineblaue Teile, die an Monokinis am Meer erinnern, paarten sich zu schneeweißen Minikleidern, verschlossen oder sexy mit Cutouts. Auch an dieser Kollektion ging die Ästhetik der Sportlichkeit nicht unbemerkt vorbei. Highlights waren leuchtende Zweiteiler besetzt mit leuchtenden pastellfarbenen Steinchen. So groß die Herausforderung ist, sich auf ein Material zu fokussieren, Andrea Kargs Stärke besteht darin, klassische Teile, vor Allem aus Kaschmir, zeitlos und tragbar zu entwerfen, weniger Trends zu setzen. Wer sich in ihren Entwürfen widerfindet, findet sich selbst wieder. Denn schlichte Pullover aus hochwertigem Material mögen zwar für die einen konservativ wirken, doch kozentrieren sie sich auf eine reife Frau, die ihre Ziele verfolgt. Die Geborgenheit des Ziegenfells gibt ein sich selbst wertschätzendes Gefühl. Das teuerste Material ist bei Andrea Karg damit in besten Händen.

ALLUDE SS15 01ALLUDE SS15 11ALLUDE SS15 45ALLUDE SS15 48ALLUDE SS15 55Die Models waren vielfältig wie ein weiterer Gedanke der Kollektion: Offenheit. Offenheit für verschiedene Lebensweisen, ohne vorgegebene Regeln. Zu Dünn waren nur die Models dennoch, deren Rippen man unnatürlicherweise wie gewohnt sehen konnte.

Andrea Karg arbeite an einer Arbeit, in der sich Mode und Jura verbinde. Da wäre vielleicht Gerechtigkeit in der Modewelt ein Thema. Eine Arbeit, deren Ergebnisse vor Allem der Feminismus begrüßen würde. Bis dahin zelebriere ich auf diesem Blog die starke, sexy Weiblichkeit der SS Kollektion von Allude!

ALLUDE SS15 58Bilder: Shoji Fuji

Zur Präsentation der SS 15 Kollektion lud Designerin Iris van Herpen vergangenen Dienstag auf die Dächer des Musee Centre Pompidou. Bekannt für ihren Hang zur Technik und räumlichen Dehnung des menschlichen Körpers, besuchte die niederländische Designerin zur Inspiration ihrer Entwürfe der “Magnetic “Motion” die Large Hadron Collider (Großer Hadronen-Speicherring) am CERN (Europäische Organisation für Kernforschung). Auch ihrer Sonderstellung als eine der wenigen Künstlerinnen der Pariser Modewoche wurde sie gerecht: zur Realisierung ihrer skulpturalen Modeentwürfe arbeitete sie mit dem kanadischen Architekten Philip Beesley und dem dänischen Künstler Jolan van der Wiel.

IMG_8864Das Radikale an ihrer Mode ist nicht nur die Erhebung zur Kunst sowie der Verschmelzung technischen Fortschritts, sondern die prägende Natur am weiblichen Körper. Nicht etwa, weil van Herpen wie viele der anderen Designer gängig klassisch traditionelle Motive wie das der Blumen nutzt wie es so oft in den vergangenen Wochen wenn nicht Jahren gezeigt wurde. Mit der Technik bringt sie den Menschen wieder zurück, zu dem, was er ist: zur Natur. Sowohl die Oberfläche der Tiere als auch physikalischer Gebilde der Natur zieren den Körper der Frauen. Iris van Herpen ist dafür bereit, den Körper weiter zu denken. Das Relief wird aus einem eindimensionalen zeitigen Gedanken zu einem futuristischen 3D Gewand. Interessant ist dabei, dass der ironischerweise so dürre Körper der Models durch die insektenartige Oberfläche sexuell aufgeladen, fast fetischisiert wird. Und trotz des künstlerischen Anspruchs verzichtet die Designerin nicht auf den Sex-Appeal in ihrer Kollektion. Denn Kunst und Mode schien lange den Sexiness-Charakter auszuschließen. Iris van Herpen hingegen zeigt ein tiefes Dekolléte, kurze Kleider, Cut-Outs. Zwischen transparenten Kleidern finden sich auch ausgeweitete oversize Schultern in Schwarz, sogar eine Jacke im Bomberstil. Natürlich keine einfache Bomberjacke, sondern eine dunkelblaue, stachelig und glänzend wie die mysteriösen, fast angsteinflößenden Insekten dieser Welt.

In Wasser gekleidet, ihr Gang so bemüht  leicht, ließ das Kleid zum Finale durchblicken. Als führe sie über das rote Meer, ihre Lieder so wässrig wie das Nichts um ihren Körper. Inge Gognard bemalte die Lieder mit einer transparenten Substanz von M.A.C. as Haar blieb offen verspielt, streng im Mittelscheitel wie der Beautylook bereits auch bei anderen Designern gezeigt wurde. Zu den ohnehin animalischen Kleidern trugen die Models igelartige High Heels ohne standfesten Absatz wie sie an den Meister Alexander McQueen erinnerten. Ihre Models liefen gut, waren vielfältig schön. Nachtdunkle Haut jedoch vermisste ich, da gerade ein durchsichtiges wässrig weißes Kleid intesiv gewirkt hätte.

IMG_8854IMG_8860IMG_8876IMG_8882IMG_8891IMG_8897Iris van Herpen zeigte erneut eine starke Kollektion, die von Kritikerin wie Suzy Menkes, Model Saskia de Brauw, und Schauspielerin Gwendoline Christie bewundert wurde.  Iris van Herpen schafft es, durch Betonungen auf den Körper der Frau ihre Stärke hervor zu heben. Mit ihrem besonderen Interesse an Wissenschaft, Natur und ihrer besonderen ästhethischen Note kreiert sie Kunstwerke für die Zukunft.

“History is her story”, “Ladies First”, “He for She” forderten Topmodels wie Cara Delevingne, Baptiste Giabiconi und Toni Garrn zum Finale von Chanels SS Kollektion 2015 vergangenen Dienstag. Als Sohn einer Feministin widmete Karl Lagerfeld seine Show den Frauen, und dem einst vergessenen doch längst wieder aufkommendem Feminismus.

CHA_0792Feminismus, ein Trend gejagt von einem modischen Zeitdiagnostiker

Erst vor knapp zwei Wochen sprach Schauspielerin Emma Watson im Rahmen der feministischen Kampagne “He for She” bei den Vereinten Nationen. In ihrer Rede setzte sie sich für Selbstbestimmung über den Körper, Bildung und das nötige Engagement der Männer für Frauen ein.

Eben jener Ruf “He for She” zierte auch eines der Plakate, das von dem männlichen Model und Lagerfeldmuse Baptiste Giabiconi in der Präsentation der Damenkollektion SS15 getragen wurde. Es ist nicht das erste Mal, dass Karl Lagerfeld den Laufsteg zum Protest nutzt, oder zumindest den Zeitgeist genial kommentiert und in der Mode zum Ausdruck bringt. Erst seine letzte Show war ein großer Erfolg. Stand die Supermarktkulisse der sportlichen Kollektion durch die Fetischisierung des Essens und Sports, den Aufstieg der Supermärkte in der westlichen Welt und dramatischen (Marketing/Instagram-)Präsentation im Zeichen der Zeit, so machte Lagerfeld  erneut den Laufsteg zur Bühne seiner Zeitdiagnostik. Karl Lagerfeld ist einer der Modemacher, deren Stärke nicht in der Mode selbst liegen, sondern in der erfolgreichen Jagd nach Trends. Als belesener, intellektueller Mensch ist er stets darum bemüht, politische Statements zu geben, die von Tageszeitungen festgehaltene Geschichte in der Mode aufzuarbeiten. Auch zur gleichgeschlechtlichen Liebe, die in Frankreich stark umstritten war, äußerte er sich über den Laufsteg. Präsentationen dieser Art scheinen jedoch auch dem Marketing der Kollektionen gelegen zu kommen. Schließlich schafft es Chanel, sich dadurch immer wieder auch dort Gehör zu verschaffen, wo die Mode insbesondere in Deutschland kaum Beachtung findet: in der Politik.

CHA_0144

Können Models feministische Vorbilder sein?

Haben Proteste dieser Art also überhaupt eine Wirkung? Wer sind diese Frauen, die sich für den Feminismus als Model im Rahmen der Show einsetzen? “Je ne suis pas en solde” (Ich bin nicht käuflich) ruft eines der Taschen der neuen Kollektion. Das Model hat diesen typischen leeren Ausdruck der Sorte Frau, die schön, aber nicht stark ist. Gerade der Modelberuf ist oft Zielscheibe der Kritik. Frauen verkaufen ihren Körper, reduzieren sich auf ihr Geschlecht, werden zum Objekt der Männer – Vorwürfe eines festgesetzten Feminismus. Der Modelberuf schließt ein feministisches, starkes Frauenbild nicht aus. Doch er ist nicht zu Unrecht umstritten. Gerade in Frankreich sind Models – ob natürlich oder nicht- ausgesprochen dünn. Die Bilder der Kollektionen erreichen Frauen aller Welt. Der Modelberuf ist längst wieder die Bestätigung von Schönheit: wer modelt, ist schön. Das müssen zumindest gerade die jüngeren Mädchen denken, die auch in Deutschland Castingshows wie “Germanys next Topmodel” verfolgen und davon träumen, Model zu sein. Der Umgang mit dem Körper, der einhergende Magerwahn sowie der Boom der Schönheitschirurgir durch normierende Gesichtszüge sind sehr wohl Probleme, die von der Modeindustrie begünstigt werden. Aber da die Mode durch ihre Bilder und Regeln Mode einzige Pädagoge ist, ist die Kritik an ihr als einzige Quelle allen Übels zu einfach. Trotzdem ist der dargestellte Protest kontrovers. Denn gerade die Wahl eines 15-jährigen Models wie der Schweizerin Stella Lucia ist fraglich. Auch wenn sie nicht obszön auftritt, die Anforderungen in der Industrie könnten für eine 15-jährige noch belastender sein als ohnehin für Models. Betrachtet man jedoch ihre kritische Haltung, ihren Beruf als Beruf, weniger als Krönung zur Schönheit sowie Objektisierung zu betrachten, so kann ihre Arbeit neben der Schule auch als Fleiß anerkannt werden.  Das lässige Model Edie Campbell wirkt derweil mit ihrer Tasche “Ladies First” cooler und stärker, mag der Spruch auch aus einem traditionelleren Gentlemen-Habitus stammen. So passt er nicht zum Image des Models, doch die Wahl Campbells durch ihr markantes Äußeres steht dafür, dass die Modeindustrie offen für verschiedene Schönheitsideale ist. Dass Schönheit aber auch Teil des Marketings sein könnte, würde wohl Kendall Jenner zeigen können. Stammt sie aus einer Reality Soap-Familie, wirkt sie trotz der schönen langen Beine in der Riege der großen Models sehr deplatziert. Mit über 16 Millionen Instagram-Follower ist die Wahl weniger feministisch als kalkuliert kapitalistisch. Wirklich vorbildhaft könnte das Model Toni Garrn sein. Sie setzt sich als Botschafterin der Kampagne “Because I am a girl” für Bildungsprojekte in Burkina Faso ein. Kollegin Gisele Bündchen trat sogar stets gesund auf, und ist sie doch mit ihrer Ausstrahlung, ihrer Professionalität und kultureller deutsch-brasilianischen Identität sogar für viele ein berechtigtes Vorbild.

CHA_0595

Wie effektiv ist solch ein Protest letztlich?

Ob junge Mädchen die Nebentätigkeiten und den Charakter der für Schönheit gefeierten Models wie Toni Garrn, Charlotte Free oder Cara Delevingne wahrnehmen, ist ungewiss. Zumal der Widerspruch letztlich doch dadurch entsteht, dass es Models sind, die eher bekannt für ihren Körper sind als andere feministische Errungenschaften. Doch müssen gleichzeitig diese Models eben auch nicht als Pädagogen betrachtet werden, sondern als einfache, gesichtslose Modelle für echte Frauen. Und die kämpfen stellvertretend mit Plakaten für ihre Rechte!

Inhaltlich betrachtet verhält sich der Feminismus westlich bis universal. Ob er all die vergewaltigten Frauen erreicht, die bildungsfernen und diskriminierten Frauen dieser Welt? Die Frage nach dem richtigen Feminismus oder dem wichtigeren ist eine schwierige. Doch so elitär Chanel ist, so elitär wird der Feminismus bleiben, den Lagerfeld vertritt. Ein schöner sowie genialer Abgang in der Pariser Modewoche ist er trotzdem.

karlBilder: Style.com

spring 2015 gucciDie italienischen Designer der Mailänder Modewoche ließen ganz offensichtlich den Hippie der 70er Jahre widererleben. Vanessa Friedman beschreibt Guccis Kollektion als das Liebeskind von Jimi Hendrix und Ali MacGraw nach einem Rendevouz in Kyoto. War der Rockstar auch auf dem Woodstock Festival politisch aktiv, fragt man sich, gegen was er heute protestieren würde. Frida Giannini jedenfalls scheint das politische Amerika zu feiern. Mögen die Frauen in geschlossener Bluse konventioneller daherkommen, so bricht die Jeans dieses Bild gleichzeitig. Der vom Wilden Westen stammende Look könnte als Demonstration der Stärke Amerikas interpretiert werden. Versucht Amerika stets als  “Weltpolizei” mit weltweiten Eingriffen in Russland sowie Irak sich darum zu bemühen, als friedenschaffender Staat in gutem Licht zu stehen. Der Rest der Kollektion verhält sich zwischen bedruckten hochgeschlossenen 60s Kleidern, military grünen und aggressiven roten Looks in diesem Sinne. Weniger auf einem Woodstock-Festival stellt man sich diese Frauen nach Frieden fordernd voll, konventioneller in Gesprächen in Cafés über die Politik. Der Wille nach Frieden wird so oder so niemals aussterben, das zeigt selbst die Mode. barbie

Weniger gesellschaftliches Interesse hat Jeremy Scotts Moschino Barbie. So flach seine Mode, so genial! Nach McDonalds, Sponge Bob, und Coca Cola verarbeitet Scott nun ein weiteres erfolgreich internationales Produkt jener amerikanischen “Kultur-Industrie”.  Viele fragen sich, was aus dem italienischen Hause wurde. Es wurde amerikanisiert, wenn dies heißt, dass es an Klassik verloren hat, an Wirtschaft gewonnen hat. Es ist einfacher geworden, die Schnitte sind unkompliziert, die Farben kreischig einfallslos. Aber der Witz ist: es funktioniert. Denn Jeremy Scott spielt mit diesem Witz. Als schlauer Designer hat er diese Machtstellung. Er erhebt etwas zum Kult. Ein derzeitiger Kult ist der Streetstyle. Er glorifiziert nicht all jene, die jenseits des Modellaufens auf dem Laufsteg die Straße zur Bühne machten, er karikatiert gleichzeitig den unglaublichen Willen nach Aufmerksamkeit über das Äußere. Zwischen vielen anspruchsvollen Modepersönlichkeiten scheinen sich unzählige einfallslos laut gekleidete Damen zu befinden. Mit sogenannten Statement-Pieces wie Handyhülle oder Logopullover, erkennbar saisonale Produkte der Kollektion einer Marke, werden sie fotographiert. Eben solche Teile entwirft Jeremy Scott. Indem Streetstyle auch als die menschliche Editorial Variante großen Einfluss hat, ist seine Mode eine sich mit dem Marketing deckende Strategie. Es demonstriert in diesem Prinzip auch die Dümmlichkeit der Mode durch das einfache Nachkaufen und Anpassen, was bei jener einstig freien Streetstyle-Kultur geschieht. Und von einer letzten Seite ist Jeremy Scotts Mode interessant: ich bin der festen Überzeugung, dass eben solche Kollektionen, die eine platinblonde, pinke Barbie kommentarlos feiern, sich letztlich negativ zumindest prägend auf jüngere unbewusste Generationen auswirken können. Konsumiert wird sie trotz insgeheimer Konsumkritik trotzdem kritiklos. Kann man machen, jedoch nur, wenn man diese Strukturen versteht.

DOL_0948

Das letzte Frauenbild, an dem ich hängenblieb, ist das des italienischen Duos Dolce & Gabbana. Ihre rosigen Zeiten sind im Volk längst vorbei. Die Körperlichkeit, die sie präsentieren, steht längst nicht mehr im Interesse vieler Frauen. Es ist zu sinnlich in einer sinnlosen Zeit. Christian Dior hat mit mehr Souveränität im traditionellen Frauenbild mehr Erfolg. Auch fehlt die Intellektualität, sowie das Interesse an Kunst wie es Louis Vuitton zeigt. Das klassisch schön sinnliche wie es die dolce Jungs nach wie vor zelebrieren, ist zu einem Relikt geworden. Doch in letzter Zeit schicken die Designer die Mädchen zum Finale in einer Horde zur Präsentation. Sie demonstrieren ihre eigene Stärke, aber allem voran auch die Stärke der Frau in Gesellschaft anderer Frauen. Was an Stierkämpfe erinnern soll, überträgt sich auf das Verhältnis zwischen den Frauen: jede Frau ist sich bewusst, definiert sie sich über ihr Geschlecht, ist jedes andere Mitglied des Geschlechts ihre Konkurrenz, gleichzeitig der Mann Ziel des Angriffs. Die Frau ist hier nicht nur die Unschuldige, sondern auch aktiv machtergreifend im Geschlechterverhältnis. Ist ihr Geschlecht aber ihre Stärke, ist sie auch ihre Schwäche. Dolce & Gabbana ist ein Unternehmen, dass die Frau als Mutter und Schönheit feiert. Mit ihrer Weiblichkeit erfährt sie sowohl in der Familie als Mutter, Tochter oder Großmutter hohe Anerkennung, als auch schöne Ehefrau und Geliebte. Das ist wunderschön, aber auch tragisch! In einem Seminar zu Männlichkeiten diskutierten wir über die Darstellung einer Werbung aus dem Jahr 2007. Diese zeigt wie sich ein älterer Herr über eine Frau beugt, sie fesselt und dabei von mehreren umstehenden Männern beobachtet wird. Sieht die Szenerie eindeutig nach einer Gruppenvergewaltigung aus, so bestand ich im ersten Moment auf das Gegenteil. Wie könnte ein Unternehmen, das Verantwortung zu tragen hat, da eben jene Bilder auf diese Art den Betrachter positiv prägen können, eine solche Darstellung zur Werbung ihrer Produkte nutzen? Doch genau dies geschah und darauf bestand meine Professorin. Wird die Frau in so einem Kontext in der Extreme in einer Gesellschaft sexualisiert, so passiert genau dies: sie wird mit Gewalt an das andere Geschlecht herangezogen. Ob Machtdarstellungen  oder der Wunsche nach Liebe, es geschieht über den Frauenkörper. Mag das Unternehmen die Werbung nach Verbot wenig später zurückgezogen haben, so zeigt dies die Mentalität einer Kultur um Dolce & Gabbana herum, weshalb das Frauenbild, so schön es auch sein mag, niemals unreflektiert stehen mag. Aber das gilt womöglich für alle Bilder, die zur Mailänder Modewoche wie auch weltweit gezeigt werden.

Bilder: Style.com

Auf diesem Blog wird Weiblichkeit selbstverständlich gefeiert, aber die Kritik an ihr gehört genauso sehr hier her. Deshalb möchte ich in diesem Beitrag Gedanken zu einer Schwierigkeit im Leben vieler Frauen teilen, die mich seit Längerem beschäftigt: Der Weiblichkeit nicht genügen zu können, nicht weiblich genug zu sein.

Unbenannt

Gerade für heterosexuelle Frauen ist Weiblichkeit manchmal ein Ideal, das sie zu erreichen versuchen, um den Erwartungen des Mannes wie ihrer Selbst gerecht zu werden. In unserer Gesellschaft gibt es selverständlich verschiedene Ausprägungen des Weiblichkeitsideals. Aber um den Körper kommen wir nicht umhin. Wie wir unseren Körper darstellen hängt natürlich nicht nur von unserem Geschlecht ab, sondern auch von unserem Alter, unserer Kultur, unserer Religion, unserer Klasse.

In unserer Gesellschaft höre ich Frauen über sich selbst und andere Frauen immer wieder sagen “das sieht nicht weiblich aus”; das sieht “männlich aus”. Sie benutzen diese Zuschreibungen negativ, wenn nicht als Beleidigung. Dabei meinen sie die Gesichtszüge einer Frau gleichermaßen wie die Körpersilhouette. “Ja, aber sie ist einfach viel zu groß, wie ein Mann.” oder ganz konrekt: “sie sieht total männlich aus”, oder “Sie hat überhaupt keine Oberweite, sie ist voll flach” oder “Schau mal, sie hat voll das breite Kreuz” oder “sie ist sehr stämmig” oder “sie ist voll dünn, wie ein Kind, voll unweiblich.”

Aber was sieht nach Weiblichkeit aus? Ein Gesicht, indem schwarze dichte, lange Wimpern naiv klimpern, eine Nase profillos stupsig verläuft, ein sich lasziv aufgebauschte volle Lippen eines offenenen Mundes bewegen. Die Taille schmal, der Busen üppig, die Beine lang.

Wieviele Frauen entsprechen dem? Aber ist die Frage nicht viel mehr: Wieso gilt nur das als weiblich, sondern nichts anderes? Auch schmale Lippen, dünneres Haar, ein kleiner Busen können wunderschöna aussehen. Ungetuschte kurze Wimpern, flache Wangen, eine gerade Silhouette sind keine Formen, die eine Frau unschön machen müssen. Und warum können wir nicht beginnen, Weiblichkeit mit mehr zu konnotieren? Warum können wir unter Weiblichkeit nicht Stärke, und Intelligenz verstehen?

Aber auch um bei dem Körper zu bleiben, der traditionell Weiblichkeit definiert: Das eigentliche “Problem” ist die Tatsache, dass Weiblichkeit als Ideal heißt, schön zu sein. Eine Frau, die als weiblich anerkannt wird, gilt als schön und attraktiv. Deshalb störe ich mich an diesen Normen, mit der man Schönheit und Weiblichkeit festzuschreiben versucht. Viele Frauen leiden an ihrem Körper und glauben, dem Ideal der Weiblichkeit nicht gerecht werden zu können. Dabei ist Schönheit wie auch Weiblichkeit nichts Festgelgtes. Schönheit ist nichts, das man messen kann. Entweder man ist es, oder nicht. Aber ist man es nicht, heißt es nicht, dass man es nie sein kann. Und dabei spreche ich nicht von Schönheitsoperationen mit denen man sich schön zurecht formen kann. Nein, man muss es aus dem Inneren strahlen lassen, und das kommt nicht von ungefähr: Selbstbewusstsein, Körperbewusstsein, und Intelligenz und Sinnlichkeit.

Aber bei Weiblichkeit ist das Problem auch, dass wir Charaktereigenschaften dem zuordnen und diese formen eben auch das Aussehen.

Aber Diskriminierung gegen gewollte Weiblichkeit selbst gibt es auch genug:” das sieht viel zu feminin aus”, heißt es dann meist. Wenn Frauen auf ihren Körper achten, werden sie meist abgwertet, genauso, wenn Frauen Kind und Familie wollen und gerne Hausfrau sind. Auch das wird abgwertet, wobei über das Klischee der gebährenden, unemanzepierten Frau herzgezogen wird. Auch das ist nicht so ganz richtig.

Es ist wichtig, ob “weiblich” oder nicht, körperbewusst zu sein, seinen Körper zu lieben so wie er ist, ihn zu akzeptieren und sich selbst wert zu schätzen unabhängig von irgendwelchen festgesetzten Normen und Regeln. Genauso wichtig ist es, Weiblichkeit auch von der Körperlichkeit unabhängig zu machen, indem man Weiblichkeit mit mehr als nur dem Körper konnotiert, was nicht heißt, dass man sie missachten muss. Weiblichkeit ist nichts Anderes als ein Teil eines Menschengeschlechts.

Bild und Video: Kurzfilm “Supervenus” gezeigt zum 17. Brüssel Shortfilm Festival, Das Making-Of gibt es hier: https://www.youtube.com/watch?v=5lnPSPXWKzw

11

Ich tanze meine Verletzlichkeit der Welt entlang, Schritt für Schritt, Herzschlag für Herzschlag. Meinen Körper längst vergessen, doch war er doch so kostbar, das Kostbarste, das ich je besaß, um ich zu sein? Ich konnte und wollte nicht auf den eigenen Körper verzichten, ihn spüren in seiner unvollkommenen Vollkommenheit, die Wege der Sinne zu befreien, um den Sinn zu finden. Ich hatte ihn liegen gelassen, die Sinnlichkeit verachtet. Dabei trug dieses Etwas aus Fleisch und Blut, so rein wie er sich bewegen konnte, in allen Adern, … nein, nein, nein, nein. Die Liebe, die einzig mögliche Liebe. Der Körper.

Was, wenn ich dich gehen ließ, wie das Band, das ich um mich schwang, wenn ich die Ängste gehen ließ in Wort und Tat. Das Band in meiner Hand, es half mir, all die Ängste fliegen zu lassen. Es war nicht so, dass ich nicht das Denken verlernte, verlernen wollte, wenn ich das Band fliegen ließ. Es war viel mehr so, dass ich meine Gedanken im Einklang meines Körpers führen ließ. Mein Körper musste definiert werden, um mein Ich zu definieren. Um Gefühle zu zeigen, deren Offenbarungen mir nicht gelangen, aus Scham und Angst, ließ ich meinen Körper sprechen. Ihn dabei zu bekleiden, befreiend und fügend zugleich, war mir die größte Freude.

Verschönerte das Kleid meinen Körper, so verschönerte mein Körper meinen Geist wie mein Geist meinen Körper verschönerte, wie mein Körper das Kleid verschönerte. Der Rhythmus ist es, spürst du ihn? Den Rhtythmus des Lebens, der dich auf Trab hält, all die Freuden, all die Trauer, die dich af Trab halten, die dich tanzen lassen, gleiten und schwingen. Den Rhtythmus des Lebens, die so wunderschöne Bewegung in ihr.

DSC_9912-2DSC_9913DSC_9914DSC_9915DSC_9932Outfit & Make Up

Kleid: Vintage Carpe Diem Frankfurt maßgeschneidert für 20 Euro, Band: RSG Vintage, Schläppchen: Bleyer

Wimperntusche: Loreal 5x Voluminous, Eyeliner: Catrice Ink Eyeliner, Augenbrauen: Rose Kosmetik Studio in der Porzellanhofstraße 4, 4.OG. in Frankfurt (Die gewünschte Augenbrauenform muss Rosie, der Inhaberin und Zupferin, genaustens erklärt werden), Lidschatten: Mac silver Glitter, Lippenstift und Nagellack: P2, Parfum: Salvatore Ferragamo Signorina

rsg 3IMG_3338rsg2
leibovitz--940x479Kommerziellen Mode-Designern wird vorgeworfen, unauthentisch zu sein und dabei profitorientiertes Design hervorzubringen, was die Masse anzieht. Im Zuge der Globalität ist heute jedoch das kulturelle Erbe wichtiger denn je, und vor allem aber die Originaitltät der Kunst. Wie sich eben solche kommerziellen Mode-Designer durch kreative und zugleich kulturelle Kunst in einem anderen Licht zu präsentieren versuchen, lässt sich deutlich an Hugo Boss und Louis Vuitton erkennen. Denn was beide Designer verbindet, ist ihr Image als Statussymbole. In einer sich immer verstärkter zur Kunst und Kultur wendenden Mode, scheinen beide Unternehmen sich davon distanzieren zu wollen.Edie-Campbell-Scott-Eastwood-Boss-FW14-01

Für die Herbst/Winter 2015 Kampagnenbilder wählte Hugo Boss nicht nur das derzeit gefragte vom gängigen Schönheitsideal abweichende Model Edie Campbell, sondern auch das Fotographenduo Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin, als Künstler längst zur Marke geworden. Hugo Boss scheint bewusst mit eben solchen Persönlichkeiten zu arbeiten, die dem eigenen Konzern etwas von der Starrheit und Uniformalität entziehen und diese eben umwandeln in einen künstlerisch-kreativen Kontext. Lamweerde & Matadin sind bekannt für ihre tiefen körperumspielenden Schwarz-Weiß Bilder von Persönlichkeiten.

Mit Jason Wu möchte das deutsche Unternehmen zudem an der gefragten Internationalität teilnehmen.Ihren Abzug von Berlin, die erneute Einsiedlung in New York erklärt sich eben damit, dass in Deutschland (noch) die Mode nicht die Bedeutung hat, die nötig ist, um international zu überleben gleichzeitig aber auch im Ausland durch das erstige Scheitern der Berlin Fashion Week Deutschland bzw. Berlin sich neben die Moderigen hat einordnen lassen können. Auch mit Berlin, gefeiert für ihre Internationalität, Multikulturalität und Kreatitvität, scheint Hugo Boss versucht zu haben, sich im eigenen Herkunftsland einnisten zu wollen. Heute zeigt die Marke aus Baden Württenberg in einer Stadt, die junge international erfolgreiche Designer wie Alexander Wang hervorgebracht. Dort scheint Kreativität im Kontext eines Einwanderungslandes deutlich besser zu funktionieren.

https://www.youtube.com/watch?v=Q0nkt-NFy40

Auch Louis Vuitton hat sich mit ihrem Monogramm über die Jahre als Statussymbol einen Namen in der Masse gemacht. Mit dem neuen Creative Director Nicolas Ghesquiere scheint man die Marke weniger protzig, dafür in viel bescheidenerem Stil präsentieren zu wollen, der aber weiterhin die Masse anzusprechen hat. Zur neuen Zusammenarbeit hat sich das Haus für einen Imagewechsel den deutschen Fotographen Juergen Teller geholt. Arbeitete Teller zuvor noch für Marc Jacobs, den vorigen Creative Director, so hat sich das Haus zusammengeschlossen mit einem Künstler, der für die nackte Wahrheit, den Realismus bekannt ist. Besonders interessant sind dabei die Bilder, die aus den Series 1 entstanden sind. Wie im Video zu sehen, ist das Model Freja Beha Erichsen im Stil der 70-er vor einem Auto zu sehen. Lederhose und Blazer lassen sie war militantisch aussehen, das Motiv der Frau in der Nähe des Autos distanziert und erinnert zugleich an die sexistische Metaphorik der Frau als Accessoire. Cool sieht sie schon aus, aber mit Täschen in der Hand und Bubikragen hat sie auch etwas sehr mädchenhaft naiv Feminines. Und wird wieder zu dem, was man sich unter einer Louis Vuitton-Kundin vorstellt. Sehr viel interessanter ist die vom Hause benannte Vision der zeitgenössischen Mode des Nicolas Ghesquières: Charlotte Gainsburg ist zu sehen in einem Atelier, fotographiert von Anie Leibovitz. Es ist nicht ganz klar: Ist sie Muse oder Künstlerin? Posiert sie erst als Muse vor der Leinwand, so ist das Täschen auf dem anderen Bild auf dem Stuhl der Künstlerin abgestellt. Damit wird die Frau als Künstlerin präsentiert und verhält sich sehr modern.

Beide Unternehmen jedoch verabschieden sich nicht von ihrem einstigen Publikum. Hugo Boss führt weiterhin schicke, konservative Businesskleidung, Louis Vuitton ist nach wie vor modisch, aber nicht allzu gewagt. Ihre Käuferschaft hat sich dabei nur verändert, das müssen sie selbst auch. Und dafür benötigen die Unternehmen die gekauften Ideen der Künstler.

 

Der Creative Director von Swatch ist ein stilsicherer Herr mit einem breiten Lächeln beim Erzählen, so charismatisch, dass man ihm unglaublich gerne zuhört. Zu seiner ausdrucksstarken Brille und den feinen Anzügen kombiniert er gleich zwei Uhren der Marke seines Arbeitgebers. Das Kind in ihm ist überzeugt.

Umso mehr habe ich mich über die Möglichkeit gefreut, Carlo Giordanetti Fragen zu seiner Arbeit, Kreativität und insbesondere der italienischen Jugend im Rahmen des ITS Contest in Trieste stellen zu dürfen.

carlo giordanetti

Wie kann man sich Ihre Arbeit als Creative Director von SWATCH vorstellen?

Der Job, den ich habe, ist keiner, den man lernt. Es ist manchmal ein Teil davon, glücklich im Leben zu sein. Du hast etwas in dir und du findest die perfekte Möglichkeit, auszudrücken, wer du wirklich bist. Ich bin sehr glücklich und dankbar. Die Idee ist im Grunde genommen, dass ich mit meinen wachen Sinnen lebe rund um die Uhr. Denn die meiste Zeit weißt du nicht, wann und woher du die Idee bekommst. Und plötzlich bahnt sich eine Menge Information und der Moment, den ich gerne den “sich verlieben”-Moment nenne, indem Dinge zusammen kommen, muss schnell gefasst werden. Sonst ist er verloren. Wenn du nicht schnell bist, ist er weg.

Es ist kein geschriebener Job. Es ist das, was in deinem Kopf passiert. Aber natürlich, als ein  sehr struktiertes Unternehmen haben wir einen sehr intensiven Prozess im Kreieren von Produkten, indem wir Produkte zwei Mal im Jahr präsentieren. Die Fähigkeit, Dinge zusammen zu setzen, um das an das Team weiter zu geben, muss man mibtringen.

Ich arbeite in einer sehr visuellen Art. Was ich mache: ich erzähle dem Designteam eine Geschichte wie ein Großvater an einem Feuer. lachen Ich versuche in diesem Sinne mit Bildern, Stichworten, Beispielen, Materialien, Farben -Farben sind sehr wichtig für mich und Swatch – sie in eine Dimension zu bringen. Aber sie leben in der vollkommenen Freiheit, die Geschichte mit ihren eigenen Augen zu lesen. Und ich denke, das ist die interessante Balance.

Ich bin kein Designer, aber ich kreiere Bilder in meinem Kopf. Wenn es eine Geschichte über den Jungle gibt, oder eine Bäckerei, habe ich Bilder in meinem Kopf. Die Challenge ist es, ein Team von Designern zu finden, die fähig sind, meine Vision auszuführen, aber auch ihre eigene. So finden wir die Balance. Wir haben den Luxus. Die erste Runde von Kreativität sind vollkommen 360 Grad Freiheit. Danach beginnen wir mit dem Edit. Das ist manchmal nicht so einfach, denn starke Designer haben starke Persönlichkeiten. Einen Kompromiss zu akzeptieren, muss gelernt sein. Das verlangt viel Diplomatie. lachen Erfahrung bringt Ruhe, denn der Beweis kann manchmal dafür sprechen, dass man Recht hat.

Swatch Sara Hochuli Dreamcake

Als Creative Director scheinen Sie auch zu sein, wer Sie sind. Viele nehmen an, dass die Arbeit eines Creative Directors mehr Business abverlangt. 

Ich denke, da gibt es einen Unterschied. Wenn du eine Marke führst oder du eine Marke hast, die deinen Namen trägt. Wenn du eine Marke hast – was ich nie hatte und haben werde und was okay ist –  die deinen Namen trägt, ist es fast natürlich, dass es die Aufbläung deines Egos und deiner Persönlichkeit wird. Wenn du an die großen Namen denkst, an die ganz großen Namen, gehen viele in der Mode auch in andere Richtungen. Denn bis zu einem gewissen Punkt ist die Mode ist nicht genug. Die großen Namen machen alle auch Schmuck, oder Accessoires. Die pure Mode, die eigentlich nur Kleidung ist, macht keiner mehr. Wenn du für eine Marke arbeitest, ist es etwas komplizierter. Du musst die Werte der Marke absorbieren. Als eine kreative Person kannst du auch etwas zu diesen Werten beitragen. Ich denke, das ist etwas, dass Menschen manchmal nicht sehen oder nicht darüber nachdenken. Das ist jedoch eine fantastische Möglichkeit. Du erhältst ein Geschhenk, das ich Swatch nenne, du kannst aber das Geschenk verändern, wenn du es an jemand anderes weiter gibst. Als kreative Person solltest du diese Verantwortung fühlen. Es ist nur eine Welt, die diese Leidenschaft ausdrückt. Wenn du sie nicht mit Leidenschaft annimmst, kannst du nicht erfolgreich sein. Bei einem Unternehmen musst du Kompromisse machen, aber wenn du den Moment erreichst, an dem du dir denkst “okay, das repräsentiert mich” ist es der goldene Moment. Keiner muss wissen, dass ich es bin, der dahinter steht.

sd01_14_its_artwork_12_Press

Die Teilnehmer dieses Wettbewerbs lernen das.

Ich denke schon. Viele von ihnen haben das bereits erfahren. Sie haben ihre eigene Linie, oder haben bereits für große Firmen gearbeitet. Manche von ihnen sind vollkommen unschuldig. Die Schönheit des Wettbewerb ist edie Unschuld. Deshalb liebe ich e, mit Swatch zusammen zu arbeiten und diese Kategorie Artwork zu krieren. Denn es geht zurück zur Freiheit. Ich möchte niemanden in einen Käfig stecken, denn dieser Käfig ist sehr klein: Du musst für Swatch entwerfen. Als aller erstes – so arbeiten wir auch bei Swatch – Gib mir das Bild! Was sind die Gefühle, ist es Glück oder nicht, ist es kompliziert oder einfach, ist es romantisch oder sportlich, was auch immer. Und dann brauchst du dir keine Sorgen machen, wir werden einen Weg finden. Ich denke, das ist es, was dieses Mal so gut funktionierte. Sie sind vollkommen offen, und wir hatten die Möglichkeit, sie alle einzeln zu treffen. Ihre Geschichten sind sehr tief. Das ist fantastisch.

Manche der Teilnehmen sind jung. Was macht die Kreativität junger Menschen aus?

Das ist eine gute Frage! Ich denke wir, um es mal für meine Generation zu sagen, erwarten eine Kreativität von der Jugend, die glücklich ist. In der mittleren Zeit haben wir sehr viele Erfahrungen, und ich denke Jugend ist Enthusiasmus nicht in einer blöden Art. Diese Menschen treiben dich dazu, zurück zu denken. Wow, als ich 20 war, war ich glücklich. Ich war nicht immer glücklich,. Du findest Facetten in der Art, wie sie denken. Das hauptsächiche Ziel für mich ist es, das Element zu finden, was die einen von den anderen unterscheidet. Und ich denke, das ist Kultur. Ich glaube sehr an die Wichtigkeit davon, woher du kommst. Ob du aus Italien oder Deutschland kommst, einer großen oder kleinen Stadt. Es unterscheidet dich darin, wie du mit anderen Menschen interagierst. Es ist anders, wie sicher du bist. Es ist wichtig wie du mit deiner Familie lebst. Und all diese Dinge äußern sich letztlich in der Kreativitt. Und das ist es, was ich interessant finde. Die Oberfläche zu kratzen, und diese Elemente zu finden.  Natürlich stelle ich mir vor, wie diese Menschen in unser Team passen könnten. Wir wollen auch die Lücke füllen. Also denken wir uns, vielleicht brauchen wir jemand stylischeren, glamoröseren, manchmal jemanden, der technisch ist oder bereits schon weiß, was er will.

Die größte Rolle für die Jugend ist es, den Horizont derer zu öffnen, die Macht haben. Und es wird gefährlich, wenn wir ihnen nicht zuhören.

Es ist interessant, dass Sie von einer glücklichen Jugend sprechen. Manchmal nehme ich die Jugend in Deutschland als depressiv wahr.

Da ich in einem Land wie Italien lebe, weiß ich, was eine depressive Jugend ist. Denn unglücklicherweise ist das Land in einer solchen Situation. Wenn du das Glück hast, in einer Firma zu arbeiten, die diese Angelenheit ansprechen kann und mit positiver Energie auf Vordermann bringen kann, auch wenn es nur für ein Event ist… Wir wissen alle, die Macht der Marken ist heute limitiert. Es ist nicht mehr wie in den 80ern. Aber man kann inspirieren. Ich habe ein gutes Beispiel: Der Gewinner von letztes ITS Artwork von Swatch arbeitet bei uns seit sechs Monaten und wurde übernommen. Er kam mit einem Talent, aber einer dunklen Seite. Es war nicht mein Ziel, ihn zu verändern. Aber die Umgebung hat ihn verändert. Die Idee, in einer dynamischen Welt zu sein, in der Dinge ernst genommen werden, weil es um Erfolg geht, haben wir auch immer eine lustige Seite.  Und ich denke, das ist die Verantwortung, die wir als Gesellschaft haben sollten. Das Leben ist eine ernste Sache. Aber wenn du eine lächelnde Seite hast, ist es so viel einfacher.

Also glauben Sie an die Jugend?

Absolut. An die Jugend nicht zu glauben, ist Selbstmord. Wie könnte man nicht an die Jugend glauben? Es ist so, als würde man nicht lieben.

Aber es gibt Menschen, die nicht an die Liebe glauben.

Ich glaube, es ist ganz im Gegenteilt. Menschen, die nicht an die Liebe glauben, halten Ausschau danach. Ich habe immer diese Unterhaltung mit einem Freund “Ich glaube nicht an die große Liebesstory – ich bin allein und habe kleine Flirts”. Vielleicht ist das wahr, aber auch das ist deine Form der Liebe (er meinte die Flirts). Aber Liebe und Jugend sind die ultimativen Bestreben der Menschheit. Warum möchte heute keiner Falten haben? Wenn du jung aussiehst, denkst du, du kannst alles tun. Ich persönlich bin sehr gegen die plastische Chirurgie wie man sieht, da ich sehr natürlich bin. Aber ich verstehe diesen Punkt. Man möchte immer noch Liebe.

An den Falten sieht man letztlich, dass es eines Tages zum Ende kommt.

Als ich ein Kind war, und jemand 100 Jahre alt wurde, dachte man, der Typ sei ein Magier. Heutzutage sterben Menschen im Alter von 105, 107. Natürlich ist das ein Problem in der Gesellschaft. Je älter die Menschen werden, je weniger Raum haben die Jungen. Der Raum ist limitiert. Am Ende gehen wir zum Mars. Aber es lehrt eine große Lektion: Du hast mehr Zeit, um glücklich zu sein. Du hast mehr Zeit, um erfolgreich zu sein. Was ich nicht mag, ist es, wenn es künstlich wird.

Wenn du Jung in deinen Gefühlen und Leidenschaften bleibst, kannst du für immer weitermachen. Aber ich möchte nicht für immer weitermachen. lachen Aber du kannst für immer weitermachen.

Was muss passieren, damit sich die italienische Jugend verändert?

Was passieren muss ist, dass das alte Establishement verstehen muss, dass sie austreten müssen. Für mich ist es sehr traurig. Denn ich denke, das Potential ist da. Die Menschen sind da. Die jungen Menschen sind da. Aber keiner ermutigt sie. Einen Vogel zum Fliegen zu bringen fehlt. Mit zwei Händen bringen sie sie dazu, sich selbst zu essen statt sich selbst zu füttern. aAs ist ein soziales Problem. Deshalb verlieren wir die Talente.

Sie müssen sic mit ihrer Existenz herumschlagen. Es bleibt nicht die Freiheit…

Aber ich muss sagen, mache Menschen habe nicht, entschuldige das Wort, die Eier, das Risiko aufzunehmen. Wir sind Italiener, es ist sehr nett bei der Mama zu wohnen bis man 30 ist. lachen

Aber Italien hat das Auge für die Schönheit. Zuletzt möchte ich von Ihnen noch wissen, woher das kommt!

Wie ich bereits sagte, glaube ich, dass die Wurzeln sehr wichtig sind. Italiens Fundament ist die Ästhetik der Renaissance. Das ist die goldene Zeit. Auch wenn Italien damals kein Land war, mehr oder weniger war es eine Kultur. Die Vision der wie man sie heutzutage Sponsoren nennen würde, der Mäzenen war von Bedeutung. Es gab illuminierte Menschen, die eine Vision von Schönheit und Kunst hatten, die die Welt retten kann. Ich denke, wenn du in Italien geboren bist, sogar ein normales Leben hast ohne von einer sophisticated, kultivierten Familie zu kommen, penetriert es deine Haut. So endest du mit einer Ästhetik, die anders ist. Es ist der glückliche Moment Italiens, dass dieses Land noch immer einen Einfluss auf uns hat. Und ich bin sehr stolz darauf. Ich muss sagen, dass ich einen großen Sinn dafür habe. Es ist sehr interessant. Mir ist das zwei Mal passiert in meinem Leben – für Swatch natürlich und für andere Marken – dass ich es mit einer Marke aus dem Norden zu tun hatte, die sehr technisch und pur ist, die perfekt arbeiten, die Funktion ist toll, aber die Emotion fehlt. Swatch ist österreischich, die Dimension des Unternehmens ist präsizise und sauber. Aber wenn du dazu nicht den mediterranen Geist, um poltisch korrekt zu sein, mit Farben, Formen, Balance bringst, dann stirbt es. Und wir sind gute Geschichtenerzähler! lachen

Vielen herzlichen Dank für das tolle Gespräch!

Bilder: Gianmaria Gava, ITS itsweb.org, http://2.bp.blogspot.com, Swatch Press

Vergangene Woche unterbrach ich die Fashion Week in Berlin, um zum ITS Festival nach Trieste zu reisen, wozu mich SWATCH einlud. Das ITS Festival ist ganz nach dem Namen International Talent Support ein Festival, das in vier Kategorien mit zahlreichen Preisen, Dotierungen und neuen Berufsmöglichkeiten Nachwuchsdesigner auf ihrem Weg unterstützt. Gegründet wurde das Festival vor 13 Jahren von Barbara Franchin, einer Talententdeckerin, die bereits Designer wie Raf Simons und Viktor&Rolf als Jury-Mitglieder für ITS gewinnen konnte. Und unter den Gewinnern war bereits unter Anderem der britische Designer Mark Fast, der Strickmode erfolgreich auf der London Fashion Week zeigt. Die großen Sponsoren sind die Marken Swatch, Diesel, Swarovski, YKK und Samsung, die alle ihre eigene Kategorie und Jury haben. Unter dem Thema „lucid dream“ war die einzige Einschränkung und zugleich Herausforderung, mit der DNA der Marke zu arbeiten. Nominiert wurden in jeder Kategorie 10 Teilnehmer aus den verschiedensten Nationen. Freitag Abend fand die Ausstellung statt, in der alle Arbeiten in den Kategorien, Accessories, Kunst und Schmuck zu sehen waren, von denen am nächsten Tag die besten ausgezeichnet werden sollten. Die Arbeiten der Kategorie Mode wurden mit einer Präsentation vor der Preisverleihung angekündigt. virginia

In der hochkarätigen Jury von SWATCH saßen Carlo Giordanetti, Creative Director des Labels, der Kunsthistoriker Juri Steiner, das Berliner Künstlerpaar Eva & Adele, der italienische Künstler Gianluigi Colin, der Creative Director Sebastian Fischenich, ehemalige Direktorin der spanischen Vogue Maria Eugenia Alberti und zuletzt der Sänger Mika Penniman und seine Schwester Yasmine. Allein wegen der ersten drei Jury-Mitgleider wollte ich mir dieses Event nicht entgehen lassen. Die Interviews, die ich mit ihnen führen durfte, werde ich in den nächsten Tagen veröffentlichen können. Wegen des letzten Teils der Jury kamen übrigens unzählige Mädchen, um stundenlang vor unserem Hotel gelegen am Meer im Zentrum Triests zu warten. Solch einen Andrang habe ich in Deutschland noch nie erlebt. Wie ich später erfuhr, ist Mika in Italien so beliebt und bekannt, weil er in der Jury der italienischen Verison von X-Factor saß.

Der Preis in der Kategorie “Artwork” ging an Virginia Burlina. Ein Kriterium der Juroren Eva & Adele war Radikalität und Schönheit. Gewonnen hat sie letztlich Carlo Giordanetti zufolge, vor Allem auch durch die Feminität des Bildes und Eleganz, die nur von einer Frau verkörpert werden könne. Auch mit der Emotionalität und Poetrie habe Viriginia Burulina die Essenz der Marke Swatch am stärksten gedeckt. SWATCH, eine Schweizer Uhrenfirma, die sich als “größte Kunstgallerie” mit dem Geiste eines 6 jährigen Kindes beschreibt, fand sich verkörpert auch durch die Visionen der weiteren 9 Teilnehmer aus 6 Nationen in einem neuen Kontext. Beachtet sollte neben der DNA von Swatch, auch die Größe von 150x150cm und das Einbinden dreidimensionaler Elemente. Den Materialien, Farben und Formen waren keine Grenzen gesetzt. Mir hat besonders die Arbeit von Ryota Murakami und seiner Mutter Chiaki gefallen. Gemeinsam haben Sohn und Mutter eine gestrickte Welt aus dem Kinderzimmer eingereicht. Fabelhafte Kuscheltiere glitzernd getragen auf Wolken zwischen Regenbogen waren farbträchtig kreativ und phantasiereich. Die Arbeit der Teilnehmerin Youmeng Liu stellte ein Koboldartiges Wesen dar, das in einem transparenten Bauch bewegliche Insekten in sich barg. Ihre Vision war faszinierend gruselig und kindlich zugleich. Virginia Burlina jedenfalls wird ihre Vorstellungen zu der Marke SWATCH in einem Praktikum in das Design der Uhren einfließen lassen, und mit einem 10.000 Euro dotierten Preis sich ihren eigenen kreativen Weg ebnen. swatchKobold

In der Kategorie Fashion, dessen Jury unter Anderem von Diesel Creative Director Nicola Formichetti und beherbergt wurde, gewann die Britin Katherine Roberts-Wood mit ihrer Kollektion “Synch” gleich zwei Preise: Fashion Collection of the Year und den Vogue Talents Award. Obwohl ihre Entwürfe weniger innovativ waren, passen sie ganz in die Ästhetik der italienischen Vogue durch ihre raffinierte Schönheit, der unverkennbar aufwendigen Handarbeit. Wie alle anderen Teinehmer entwarf auch sie ein Teil in ihrem Stil ganz nach Profil Diesels in Jeans-Optik. In der Kategorie Fashion beeindruckte mich besonders Jae Woo Lee aus Südkorea, die jedoch leider leer ausging. Ihre Kollektion “Dis.connect” zeigte zweiseitige, gerippte Wolle, wobei Stoffreste lose an den fundamentalen Kleidungsstücken hingen, fliegten, magnetisch klebten.

woodwood2wood3wood4wood diesel

leelee2xxDen Award für Fashion Special Prize erhielt Anita Hirlekar mit gestrickten, unendlich einander verwobener sichtbar maschiger Wolle.

Die Männer – Kollektion “Bunnies with the sea” von Anna Bornhold, die ganz nach ihren deutschen Wurzeln die nordische Ästhetik auf hippe Art wiedergegeben hat, gefiel mir persönlich leider gar nicht. Entwürfe dieser Art waren bereits häufig zu sehen. Sie jedoch erhielt den Modateca Award. Den Diesel Award erhielt verdient Zoe Water. Ihre Jacken erinnerten an Rucksäcke. Ihre Entwürfe kamen dem Stil Diesels selbstverständlich am nächsten und werden hoffentlich bald in ähnlicher Form zu kaufen sein.

annaanitaDen Vogue Talent Award in der Kategorie Jewellry hat Maiko Takedo gewonnen. Ihr Traum besteht aus der Vorstellung, Wolken zu tragen. Ästhetisch hat sie sich inspireren lassen von Robert Wilson`s Produktion von Philip Glass Oper “Einstein am Meer” aus dem Jahre 1976, die die Japanerin 2012 in London sah.   maikoMirja Pitkaarts Entwürfe haben mir ebenfalls sehr gut gefallen, wofür sie auch in der Kategorie Accessoire einen Preis gewonnen hat. Hier zu sehen ein Teil ihrer Kollektion: ein Notizbuch mit dreidimensionalem Cover aus Leder hochwertig hergestellt. mirja pitkaartAm gleichen Tag vor der Preisverleihung durften wir noch im Archiv von ITS Entwürfe vergangener Gewinner bestaunen. Dort erzählte mir einer der Triest Helferinnen, eine Filmstudentin aus Kroatien, dass der Illy Cafè aus der Stadt Triest komme und man an der slowenischen Grenze, wo der Kaffee produziert werde, den Kaffee bereits riechen könne. Den himmlischen Duft habe ich nicht mehr erleben können, aber das Archiv hatte fast ebenso eine berauschende Wirkung. Zwei kleine Zimmer im obersten Stockwerk eines alten Gebäudes waren gefüllt mit den Arbeiten der Gewinner aus den letzten 13 Jahren. Tausende Einreichungen hatte man ebenfalls in grauen Pappkartons aufbewahrt, die während des Festivals jederzeit geöffnet werden durften. Das Archiv selbst öffnet nur einmal im Jahr während der Veranstaltung, daher ein paar Eindrücke aus der Schatzkammer:

t1tt3t4t5fundus tfundus2

Wie erwartet waren unter den Gästen sehr gut angezogene Frauen und Männer. Kreativität und Opulenz waren die Charakteristiken, die zu sehen waren. Der Berliner Individualismus und die jugendlichen Subkulturen, aus denen ich direkt eingeflogen war, vermisste ich dennoch. Denn die Feminität wurde von vielen Gästen auch auf die Spitze getrieben, von vielen Gästen aber auch wunderbar verkörpert. Von den männlichen (italienischen) Gäste habe ich leider keine Bilder machen können, doch deren Stilbewusstsein ist ohnehin reichlich auf den Streetstyle Bildern der Pitti Umo zu bewundern.

style itsIMG_2453style triesteVon dem Wettbewerb hatte ich zuvor nichts gehört, es hat jedoch meine Erwartungen übertroffen. Viele Arbeiten waren sehr künsterlisch und beinhalteten einen Gedanken, und das trotz der Tatsache, dass eine Zusammenarbeit mit Marken stattfand, in der eben die Arbeiten auch der Ästhetik der Marken gerecht werden mussten. Das Thema “lucid dream” ließ dabei den größtmöglichen Raum für Ideen offen, und hat dabei eben selbst auch die Kreativen allein mit der Auswahl der Thematik zum Nachdenken angeregt. Unterstützt werden sie mit zahlreichen Awards allemal. So viele Awards waren es vor Allem in der Kategorie Fashion, dass man keine Übersicht mehr hatte. Zudem wurden manche Arbeiten in mehreren Kategorien nominiert und gekrönt. Eine gute Möglichkeit für die Talente ist ITS auch deshalb, weil sie eben auch entdeckt werden können, von Investoren oder beispielsweise Gallerien. Mit 99 Medienvertreten aus 13 Ländern bestand das Publikum aus hochwertiger internationaler Fachpresse, unter Anderem mit der italienischen Vogue als Berichterstatter und zugleich Unterstützer. Dadurch, dass sich Kunsthistoriker, Künstler und Modedesigner unter den Juroren befanden, hatte der Wettbewerb auch einen intellektuellen Anspruch an die materiellen Arbeiten. Die Qualität des Festivals kam durch die Aufmachung des Designs und Layouts der Festivalbilder sowie die Internetpräsenz nicht sehr gut zum Vorschein, was wohl auch mein einziger Kritikpunkt wäre.

Was mir besonders an dem Festival gefiel, war die Entspanntheit des kreativen Publikums. Ich mochteauch die Gelassenheit der Stadt Trieste, die der Gastgeberin und mitwirkenden Juroren und Partnern. Die Arbeit der Kreativen wurden zelebriert und gefeiert. Neben den drei Juroren von SWATCH, lernte ich außerdem die Redakteurin Juliana Buchroithner von Material Girl, Anja Tranninger von Flair aus Österreich, sowie Andrea Lucia Brun von der Schweizer Zeitschrift Bolero und letztlich auch Samantha Oberholzer und Nina Thelenberg von SWATCH kennen. trieste1.Bild:  Giuliano Koren für ITS

roshi porkar portrait

Ihre erste Kollektion für Frühjahr Sommer 2015 durfte Roshi Porkar, Gewinnerin des Chloe Preises des diesjährigen Hyères Fashion Festivals, vergangenen Donnerstag auf der Mercedes Benz Fashion Week Berlin zeigen. Die gerade erst 25-jährige Absolventin der Wiener Universität für angewandte Kunst wurde im Rahmen des Nachwuchsförderungsprogramms von Mercedes Benz und Elle gewählt. Ausgestellt wurde eines ihrer Entwürfe zudem gemeinsam mit denen von Steven Tai und Satu Maraanen im Bikini Berlin unter der Leitung Haider Ackermanns. Letzterer kam zur Vernissage, um die ebenfalls ausgestellten Kampagnenbilder vorzustellen, für die er als Stylist arbeitete. Dort traf Roshi ihn auch zum ersten Mal. Aufmerksam und zugleich verlegen hört sie einem der großen Avantgardisten der Modewelt zu, den sie als sehr netten Menschen beschreibt. Nervös war sie vor Allem, weshalb man ihr erst zur letzten Minute vor der Show verriet, dass er gemeinsam mit Tilda Swinton im Publikum saß, um sich die Show anzusehen wie sie mir im anschließenden Gespräch erzählte.

ackermann porkar

Die Entwürfe ihrer ersten Kollektion betrachtet sie selbst viel mehr als Kunstobjekte als dass sie die Teile getragen an einer Frau betrachten könnte. Sie sehe sie nur an der Frau auf dem Laufsteg. Von der Kunst selbst ließ sich die Künstlerin für ihre erste Kollektion inspirieren. Auf der Documenta in Kassel letztes Jahr stieß sie bei einer Ausstellung auf die 4000 Jahre alten Statuen baktrischer Prinzessinnen.

roshi 1roshi 3

Die junge Wienerin wirkt in sich gekehrt mit großen Augen und weicher Stimme dabei selbst fast schon wie eine iranische (Disney-) Prinzessin. Ihre iranischen Wurzeln jedenfalls sind nicht weit entfernt von denen der Baktrischen Prinzessinnen: das ehemalige Baktrien ist das heutige Afghanistan. Sie stimmt zu, dass Prinzessinnen heute im Zuge des Feminismus negativ konnotiert sind, auch deshalb tue sie sich damit schwer. Die Prinzessin sei aber nur Ausgangspunkt der Kollektion. Sie baue nicht durchgehend darauf auf und sei viel mehr ein Experiment mit dem Körper, eine Auseinandersetzung mit weiblichen Proportionen. “Mode ist nur dazu da, dass man sich anzieht, sehr oberflächlich. Alles andere muss man selbst beweisen. Jede kultivierte Frau weiß das auch.” Sie hat nichts dagegen einzuwenden, wenn Frauen sich wie Prinzessinnen fühlen möchten, jedoch nur, solange es nicht zu negativ betont werde.  Schließlich sei die Kollektion, die eine Weiterführung der in Hyères gezeigten ist, an die Chloe-Frau angelehnt. Und die beschreibt sie als starke, freie, softe Frau genauso wie ihre Models, die sie selbst gecastet hat. Dass sie stark waren sah man vor Allem an dem festen, zielstrebigen Gang der Models. Die Chloe-Frau jedenfalls trage Elemente, die sie auch selbst interessant fände. Sie habe die DNA der Marke jünger und cooler machen wollen. Genau dafür erhielt sie den mit 15.000 Euro dotierten Chloe Preis des Hyeres Festivals, das als Avantgarde gefeiert wird. Wie in einem Artikel auf der Zeit beobachtet wird, habe sich das Festival aber mit der Wahl der Kenzo Creative Directors in eine kommerzielle Richtung entwickelt. Einen Konflikt, wie er viele Künstler und Designer beschäftigt, sieht Roshi Porkar jedoch zwischen Avantgarde und Kommerz für sich selbst nicht. “Ich entwickle mich langsam in eine Richtung, in der es mir wichtiger wird, dass es von vielen getragen werden kann. Nicht von jedem, aber ich bin nicht jemand, der nur experimentieren will und Avantgarde sein möchte.” An der Uni sei sie experimenteller gewesen so wie jeder es an der Uni ist, meint Roshi. Dabei habe sie aber auch Sachen gemacht, auf die sie überhaupt nicht stolz ist. Doch das gehöre dazu. Ihr Studium an der Universität der Angewandten, wo sie unter Bernhard Wilhelm lernte, beschreibt sie als einen Ort, der sie gefördert habe, selbst zu lernen. Die Universität sei offen und habe ihr anders als an anderen Unis ohne Stress, Zeit zum Entwickeln gegeben. “An der Angewandten hat man eine sehr große Freiheit, vor allem sehr viel Zeit, Platz und Raum, seinen Weg zu finden.” Über die Zukunft macht sie sich noch nicht so viele Gedanken, weder über eine mögliche Arbeit als Creative Director für eine Firma, noch über das Einkleiden von Persönlichkeiten, genauso wenig über die Arbeit anderer Designer. Andere Designer habe sie in Berlin bedauerlicherweise auch nicht sehen können, doch die Stadt wirke sehr energetisch auf sie, weshalb sie sich auch gut vertreten fühle. Sie merke, wie hoch die Nachfrage sei, vor Allem bei Jungdesignern und das findet sie gut. Einmal im Jahr besuche sie Berlin, und sei dabei oft in Neukölln, wobei sie sich dabei nicht sicher sei, denn die Stadt empfindet sie als riesig, deutlich größer als Wien. Die Modeszene in in Wien hingegen sei relativ klein. Zwar gäbe es sehr viele talentierte, junge Designer, die dort arbeiten, aber es sei alles noch ein bisschen kleiner und langsamer. “Wien ist keine supergehypte Modestadt.”

Supergehypt hingegen is zurzeit Pharrell und Eminem, die ja doch mittlerweile zu Ikonen aufsteigen könnten, wenn sie es nicht sogar schon sind. Die Rapper begleiteten im Remix eines Freundes zur klassischen Melodie ihre Kollektion. Die Musik spiegele ihre Kollektion wieder: Klassisch, aber durchbrochen. Sportlich, feminine Elemente wollte sie dabei in ihrer Kollektion haben. Da entwarf sie ganz nach den aktuellen großen Kollektionen, wo Sportlichkeit eine immer größere Rolle spielt. Ihre Kollektion ist nicht geleitet von einem künstlerischen Gedanken, sondern viel mehr von den äußerlichen Codes der DNA wie auch aktuellen Trends in ihrer eigenen Sprache, und vor Allem Technik des neudefinierten Raumes des weiblichen Körpers. Aber über ihre eigene Kollektion möchte sie gar nicht so viel sprechen, denn die müsse so gut wie möglich werden, dass sie für sich selbst sprechen kann. Und das kann sie.

roshi porkar 2
Marina+Hoermanseder+Show+Mercedes+Benz+Fashion+gn0m4OOkjLPl

Die Mercedes Benz Fashion Week, die kommenden Dienstag im Erika Heß Stadion in Wedding beginnt, wird eine entspannte Modewoche, davon bin ich überzeugt. Umso mehr freue ich mich, auf Designer konzentrieren zu können, die ich schon seit Längerem aus persönlichem Interesse verfolge. Deutsche Modemacher haben es nicht einfach in ihrem Beruf, gerade weil das Vorurteil über ihre Kultur besteht, für Mode weder Interesse noch Kompetenz zu haben. Dennoch bahnen sie sich ihren Weg, so schwer dieser auch sein mag. Keinen der Berliner Designer sehe ich auf dem höchst möglichen Niveau, doch manche von ihnen sind auf dem besten Weg dahin. Andere wiederum lassen sich feiern, obwohl sie nicht einmal so genau wissen, wo es lang geht. In den nächsten Tagen werde ich insbesondere auf die folgenden Designer ein Auge werfen:

dawid

Dawid Tomaszewski Metamorphosis nannte sich die Kollektion für SS 2013, die mich fesselte. Die transparente Seide schmückte dabei die Frau, und erhob sie gleichzeitig. Er definiert die Frau nicht per se durch ihr Aussehen. “Die Dawid Tomaszewski Frau ist eine starke und durchsetzungsfähige Person und versteht es, diese Eigenschaften in ihrer Kleidung reflektieren zu lassen.” Seine bisherigen Winterkollektionen waren sind definitv sehr unspektakulär, während seine Entwürfe für den Sommer ganz im Kontrast stehen und mich bisher überzeugten. Continue reading ›

Givenchy-FallWinter-2014-Paris-Fashion-Week-DerriusPierreCom-55

Sport ist ein Raum, in dem Männlichkeit vorgeführt wird. Dies zeigt sich auch in der Mode, womit gleichzeitig sportliche Kleidung Männlichkeit definiert. In den Männerkollektionen für den Frühling und Sommer 2015 machte sich insbesondere der Einfluss des Basketballs sichtbar. Neben dem britischen Designer Nasir Mazhar zeigten die Labels Philip Lim, Balenciaga und selbst sogar Bottega Veneta Schnitte der Kleiderordnung des Ballsports. Die kreative Leitung der letzten drei benannten Labels haben ihren Sitz in den USA. Auch das Hause Givenchy, dessen Creative Director ein enges Verhältnis mit dem amerikanischen Rapper Kanye West pflegt und die Spielart als favorisierten Sport bennent, führte ihre letzte Kollektion durch eine klassische Modifizierung fort. Erst im Januar in ihrer letzten Saison erfuhr der bedeutendste Ballsport Amerikas ihren modischen Höhepunkt der letzten Jahre durch die Präsentation Givenchys an einem nachkonstruierten Basketballplatz, dessen Motive auch die Kleidung zierte. Wieso ist der Einfluss des Basketballs in der amerikanischen Männermode so sehr von Bedeutung? Die amerikanische Kultur ist sowohl musikalisch als auch modisch durch die Vorführung der Clips (inszenierte Kleidung in Kurzfilmen) von der afro-amerikanischen Kultur sehr geprägt. Dem Hiphop wird mit dem gängigen Statement “als CNN der Schwarzen” eine maßgebliche Rolle zugeschrieben, genauso sehr wie dem Basketball als Raum der Vorführung schwarzer männlicher Identität über den Einfluss der NBA verstanden.

limwangbottega

In meiner Recherche nach dem Zusammenhang zwischen Männlichkeit und Basketball bin ich auf eine interessante soziologische Beobachtung gestoßen, die ich an dieser Stelle vorstellen möchte. Professorin Eva Boesenberg zufolge dient der “Sport zur Fetischisierung des schwarzen männlichen Körpers als reiner Körper.” In ihrem Aufsatz “Black Rules” demonstriert sie anhand drei afro-amerikanischer NBA Stars die von Millionen konsumierte und imitierte Männlichkeit. Anhand Basketballspieler Shaquille O’Neal zeichnet sie neben seiner kindlich naiven Darstellung die Bedeutung der Stärke, der Rolle des “Größten” und Gefährlichsten, die in seiner Spielart zum Ausdruck kommt. Michael Jordan halte nach Bell Hooks ein “sportliches Ethos” bei, das auf “Machtausübung, Sexismus und Homophobie basiere”. Mit Dennis Rodman, der sich gerne exzentrisch in geschlechterübergreifender Kleidung präsentiert, geht die Autorin auch auf Homosexualität ein. Trotz der offenen Kommentare des Spielers, gebe dieser zu verstehen, heterosexuell zu sein. Seine weiblich konnotierten Kleider deutet sie nicht als Infragestellung der Geschlecherkategorien von Weiblichkeit und Männlichkeit, sondern viel mehr als Provokation an die Bürgerlichkeit, denn sein Image als harter Kerl sei unbestreitbar. In ihrem Fazit, bemängelt sie, dass die Umgangsform im Basketball traditionelle Geschlechterrollen über das “hypermaskuline Image” verstärken. Sie schlussfolgert jedoch, dass durch verschiedene Männlichkeitsbilder der Stereotyp des “sexbesessen, intellektuell minderbemittelt und tendenziell gewalttätig” dargestellten jungen afro-amerikanischen Mannes abgebaut werden könnte.

Die auf den Straßen getragenen Shorts (auch in Deutschland), die in verkürzter Art getragen werden wie sie selbst zurzeit im Schaufenster bei H&M zu sehen sind, haben ihren Ursprung jedenfalls im Ballsport. Während jene Shorts, die das Knie bedecken, aus dem Basketball kommen, sind es Short oberhalb der Knie, die von Spielern im Fußball getragen werden.

dolce gabbana

Besonders interessant ist dabei die letzte Kollektion der italienischen Designer Dolce & Gabbana. Ist das Leitmotiv der Stier, so ziert das Muster auch einen sportlichen Look bestehend aus Tanktop und knielangen Shorts. Der Stier signalisiert in Verbindung des Sports die in den Wettbewerb ziehende Männlichkeit, die dabei sogar aggressiv vor geht wie sie in Stierkämpfen vorgestellt werden kann.

antonio marras

Basketball ist in Europa weniger beliebt, was nicht heißt, dass auf diesem Kontinent durch einen anderen Ballsport Männlichkeit nicht konstruiert wird. Insbesondere auch in Deutschland ist es der Fußball, der zurzeit durch die Weltmeisterschaft noch stärker an Bedeutung gewonnen hat und Millionen Menschen in Deutschland zum Feiern und Diskutieren vor die Monitore zieht. Gespiegelt wird die Bedeutung des Ballsports in der Kollektion des italienischen Designers Antonio Marras. Geht es im Fußball zunehmend auch um Politik und Patriotismus, so wird allem voran auch die Männlichkeit konzipiert. So sehr Stimmen der Medien auch von Gender Studies sich leiten lassen, so ist das Konzept der determinierten Geschlechterdichotomie auch in Deutschland tradiert.

Der Text, den wir im Seminar “Männlichkeiten – Grundlagen der Männlichkeitsforschung” der Dozentin Prof. Helma Lutz gelesen haben, passt an dieser Stelle sehr gut. Michael Meuser befasst sich in „It’s a Men’s World. Ernste Spiele männlicher Vergemeinschaftung“ mit der Ernsthaftigkeit des Spieles, die sich in der Verbindung zwischen Fußball und der gesellschaftlichen Ordnung ausdrückt, wobei das Geschlecht für Meuser eine wichtige Rolle spielt. Mit einem Zitat von Getrud Pfister macht Meuser in der Einleitung deutlich, dass es hierbei die Männlichkeit ist, die im Fußball der westlichen Kultur produziert und inszeniert wird. Dabei werden beim „Männersport“ auch männliche Werte und Neigungen geäußert. Mit Bourdieu macht Meuser deutlich, dass es sich bei Männlichkeit um eine „kompetive und homosoziale Praxis“ handelt, die Männer in einen Wettbewerb dringt und Frauen dabei ausschließen lässt. In dieser Praxis wird auf heterosozialer Dimension eine Hierarchie der Männlichkeit erstellt.

Im Kapitel „Fußball und hegemoniale Männlichkeit“ wird der Zusammenhang zwischen Fußball und des von Connell eingeführten Konzeptes erleuchtet. Die „Hegemoniale Männlichkeit“ äußert sich im Verhalten gegenüber anderen Männern und gegenüber Frauen. Dabei ist auch die Rede von „marginalisierter Männlichkeit“, die eine andere Männlichkeit verbindet wie beispielsweise die Gruppe der schwulen Männer. In ihrer Struktur wird sich in sogenannten bunten Ligen der Tradition der  Geschlechterbeziehungen und Identität widersetzt. Meuser geht in diesem Aufsatz auch über das moderne Phänomen der „Metrosexualität“ ein, die mit David Beckham Ausdruck fand, womit er den Fußball nach Holger Brandes als „Zeitgeist von Männlichkeit“ erklärt. Die Darstellung mit Frau und Familie ist ein wesentliches Merkmal, das die Männlichkeit betont und beweist. Mittlerweile ist der Begriff Spornosexual nach der These Mark Simpsons im Diskurs, der dem Mann viel mehr Disziplin, Erotik und Selbstdarstellung abverlangt. Die Männer werden auf ihren Körper reduziert. Dass das Aussehen auch bei den Fußballern noch immer sehr von Bedeutung ist, macht sich auch in der Weltmeisterschaft bemerkbar: auf einem Feld bewegen sich elf Männer je Mannschaft athletisch hin und her, diskutiert wird dabei nicht nur ihre Fähigkeit, sondern auch ihre ästhetische Performance.

Im letzten Teil dieses Kapitels macht er deutlich, dass die hegemoniale Männlichkeit funktioniert, indem der Untergeordnete einverstanden ist, jene Position einzunehmen, womit er an der „patriarchalischen Dividende“ teilnimmt und damit der männlichen Vergemeinschaftung gehört. Im Kapitel „Die ernsten Spiele der Fans“ werden auch die Machtverhältnisse unter den Spielern deutlich. Dabei geht es den Fans um den Status als Mann, diesen zu verteidigen und dabei den Gegner zu entmännlichen. Gewalt ist im Fußball damit auch ein legitimer Ort physischer Gewalt. Sie stehen dabei aber auch in einer Wechselbeziehung, womit Meuser meint, dass durch Körperverletzung des Gegenübers auch die Loyalität der eigenen Gruppe gewahrt wird.

Wie bereits angedeutet, muss man diesem Text, der die Konstruktion von Männlichkeit untersucht, hinzufügen, dass beim Fußball eben auch viele andere Faktoren dazu führen, dass dieser Ballsport so beliebt ist. Neben den neuen Patriotismusversuchen Deutschlands, ist es auch die Möglichkeit, sich in “netter Gesellschaft” mit anderen Menschen, Kollegen und Freunden zu treffen, die diesen Ballsport so anziehend für tausende Menschen macht. Nichtsdestotrotz kann durch die Tabuisierung der Homosexualität gesagt werden, dass dieses Feld ein bestimmtes Bild von Männlichkeit idealisiert und konzipiert. Dies habe ich in Bezug zum Basketball mit der Prof. Eva Boesenbergs Charakterisierung ausgewählter Spieler demonstriert, im Fußball hingegen mit Michael Meusers Text über die Interaktion und den Habitus der Teilhabenden am Spiel.

Noch macht sich der Fußball in Entwürfen deutscher Designer kaum bemerkbar, was letztlich damit zusammenhängen könnte, dass es der Berliner Modewoche an verschiedenen Konstruktionen von Männlichkeit mit kulturellen Ursprung  fehlt oder schlicht gesagt: an Ideen. Denn die letzten sportlichen Trends wurden aus den USA in den letzten Saisons ausreichend kopiert. Gleichzeitig spricht es aber dafür, dass sich die deutsche Mode noch immer auf eine sehr geistliche Ebene mit dem Material auseinandersetzt. Möge Sport wie hier vorgeführt viele negative Aspekte mit sich bringen, so ist dieser gerade für junge Menschen wegen der Gesundheit, sozialen Vernetzung und der Identität von großer Bedeutung. Schließlich lernen die Teilnehmer auch anhand der Regeln Fairness und Gerechtigkeit im Spiel, aber auch ihren eigenen Körper zu akzeptieren und glorifzieren. 

http://www.basketball.de/magazin/archiv_magONLINE/maenner.html

Bilder: Givenchy Mens FW 2014 Paris, Quelle: www.derriuspierre.com, Philip Lim Quelle: Style.com, Alexander Wang & Balenciaga SS 2015 Quelle: Style.com, Bottega Veneta SS 2015 Quelle: style.com, Antonio Marras SS 2015, Style.com 

IMG_1751

Ein Zarmädchen – Sein oder Nichtsein?

Zara, Frankfurt. Gestern fand der erste Samstag des alljährlichen Zara Sommerschlussverkaufes statt und wie jedes Jahr finden sich alle Damen in einem Gedränge zwischen rot markierter Kleider der letzten Kollektion wieder im Streit um die besten Schnäppchen. Per E-Mail für den Online Verkauf für Donnerstag  00:00 Uhr angekündigt, sehe ich Mädchen auf Instagram sich über den Beginn informieren.

Konnte man sich vor einigen Monaten das eine oder andere Teil zum Originalpreis nicht leisten, findet man sein Lieblingsstück im reduzierten Bereich, wenn man denn Glück hat.

Aber auch jenseits des Schlussverkaufs frage ich mich jedes Mal, wenn ich einen Zaraladen in Frankfurt oder Istanbul betrete: soll ich es mir nun kaufen oder nicht? 5 Gründe, die mich immer wieder vom Kauf abhalten.

Weiblichkeit

Mögen die Kampagnenbilder androgyne bis konservative nordische Frauen porträtieren, so ist Zara in Deutschland definitiv ein Kostüm der Weiblichkeit. Die Kleider Zaras betonen die Femininität und lassen Frauen aus aller Welt „weiblich schön“ aussehen. In Zaras finden sich von Frauen mit Kopftüchern bis Frauen mit kurzen roten Haaren die unterschiedlichsten Typen mit unterschiedlichster Herkunft, Nationalität und Religion. Was die Frauen hier verbindet ist das Frau-Sein und damit definieren sie sich auch im traditionellen Sinne. Sie achten auf ihren Körper und sind meist geschminkt. Selbst die hellen Typen findet man hier jenseits des Klischees der deutschen Natürlichkeit mit langen Haaren und wallenden Röcken. Es sind meist jene an die Geschlechterrollen angepassten Frauen ohne Mut zur Kreativität, wobei ich mich immer wieder Frage: Möchte ich so ein Mensch sein, der auf den ersten Blick als Frau zu erkennen ist? Die meisten Frauen sind von oben bis unten perfekt gestylt mit langen Haaren, getuschten Wimpern und den dazu ordentlich erwählten Kleidern. Präsentiere ich mich hier auf diesem Blog nicht ähnlich? Ja, aber die Realität lässt mir selten Zeit dafür, zumal ich gerne auch den traditionellen Erwartungen mit ungeschminktem Gesicht und gammligen Klamotten trotze.

Wenn ich also Teile für Outfits rauspicke, frage ich mich auf dem Weg zur Kasse jedes Mal: möchte ich so aussehen wie all die anderen Frauen auch, die sich größtenteils mir ihrer Weiblichkeit definieren und dabei einen Wettbewerb antreten gegen Frauen um Männer? Ich frage mich, ob ich dieses Image mitmachen soll. In Zarakleidern sieht provoaktiv ausgedrückt, jede Frau gleich aus. Vor Allem die orientalischen Frauen in Frankfurter unter sich, die so unglaublich gerne dort einkaufen wie auch viele der nordischen Frauen, zum. in Frankfurt.

IMG_5803

Continue reading ›

Schirn_Presse_Paparazzi_Klein_Antonia_yellow_cab_1962

Die Fotographie “Antonia+yellow cab” William Kleins aus dem Jahr 1962 zeigt eine mondäne Frau vor dem Taxi posierend auf den Straßen New Yorks, zu sehen seit gestern in der Schirn Kunsthalle Frankfurt in der Ausstellung “Paparazzi! Fotographen, Stars und Künstler”. Resultiert die Ästhetik jener konzeptualisierten Modefotographie aus früheren meist ungewollten Paparazzibildern, so ist es heute Gang und Gäbe, dass sich Gäste der großen Modestädte von New York bis Mailand selbst auf den Straßen in Szene setzen, ja gar davon abhängig sind, fotographiert zu werden. Wer als Mode-Journalistin hinter der Kamera stand, steht heute im Rampenlicht, denkt man dabei nur an Miroslava Duma oder Anna Dello Russo. Sie lieben die Inszenierung wofür sie von Suzy Menkes bereits Kritik einbüßen mussten. Doch genießen sie die Blicke, die Aufmerksamkeit für ihre Präsenz und ihre Kleiderauswahl wie sie sonst nur den Models vorbehalten war. Für etablierte Stars wie Kanye West verhält es sich ähnlich, wenn sie die Modewoche besuchen. Doch es geht darüber hinaus. Die Mode reicht der Masse solcher großen Stars nicht, sie sind an ihrem Leben interessiert. Stellvertretend sind es meist Männer, die waffenähnlich Kameras mit sich tragen. getarnt Voyeur spielen, um das richtige Bild zu schießen, werden sie von dauerhaften Verfolgungen nicht müde. Sie verfolgen Stars auf Schritt und Tritt, und dabei kommt es nicht selten zu gewaltigen Auseinandersetzungen zwischen Jäger und Gejagtem. Genau diesen Interessenkonflikt wie auch Intention und Profil jener Beteiligten stellt die Ausstellung vor. Continue reading ›