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Das erste Mal von Rapper Haftbefehl gehört, hatte die medienwirksame Öffentlichkeit 2013. Der Song “Chabos wissen, wer der Babo ist”, wurde zum Thema schlechthin. Es war sinnlos, es war komisch, es war erfolgreich. Nicht allein gut war die Musik, sondern die Bedienung des Stereotyps des “asozialen Migranten”, die das Plattenlabel Universal und dessen Manager Max Mönster einem größeren Publikum unterjubeln wollte.

Nach Bushido, Kool Savas und Sido sollte Haftbefehl nun der Rapper der Stunde werden. Der in der Szene gefeierte Manuellsen hatte vor dem zweiten Karriereanbruch unter Universal bereits prophezeit: “ein Kurde wird kommen.” Die Zeit für eine Persona war gekommen, die das neue asoziale Image des Migranten zu bedienen hatte. Aufgemotzt, plakativ, kommerziell. Ein Missbrauch einer Geschichte, dem sogenannten Migrationshintergrund.

Denn Offenbach, die Heimatstadt Haftbefehls, hatte gleich vieler anderer stark von Menschen verschiedener Herkunft bewohnten Gegenden eine Art Sozialisierungsproblem. Perspektive ist noch heute für junge Menschen kaum vorzufinden.

Die “kriminelle Vergangenheit”, die es für die Inszenierung als Gangster- und Straßenrapper brauchte, habe der Sage um Haftbefehl nach dort begonnen. Aykut Anhan wie Haftbefehl bürgerlich heißt, hatte Drogen vertickt. Auch in der benachbarten Stadt Frankfurt, in der tatsächlich, besonders im Bahnhofsviertel, ein gefährlicheres Drogenproblem herrscht.

Währenddessen war Haftbefehls persönliche Geschichte im Umlauf. Der Vater der fünfköpfigen Familie hatte Selbstmord begangen. Ein Schicksalschlag. Nach Spielsucht, der harten Rolle als Gastarbeiter, und ungeheurer Schulden hatte sich der Vater das Leben genommen.

Die Mutter habe ihre Söhne weg von Offenbach und dem Drogendealen nehmen, ihre drei Söhne behüteter aufwachsen sehen wollen. Sie zogen in das nahe gelegene Babenhausen. Ein ruhiger Vorort, zwischen Frankfurt und dem Odenwald. Doch eine weitere, unklare Straftat habe den Rapper und seinen ältesten Bruder zur Flucht gezwungen. Um einer Haftstrafe zu entkommen, sei eine Flucht in die Türkei gefolgt. So sei auch das Pseudonym Haftbefehl entstanden.

Für eine Karriere in der Musikbranche habe sich Anhan früh interessiert. Auch für das Schreiben. Als Straßenreporter inszenierte sich Haftbefehl vor der deutschen (Zeitungs-)Gesellschaft häufigst, war sich aber auch bewusst, dass er von ihr nicht auf Augenhöhe betrachtet, sondern als Haustier wahrgenommen wurde. Gleichzeitig war er das empor gehobene Gesicht einer Gesellschaft, die hat versagen müssen. Ungebildet, kriminell, der Gesellschaft in Deutschland nicht dienlich.

Gefundenes Fressen für eine Plattenfirma. Haftbefehl sollte als Musiker in der Rolle des Migranten lediglich den Part des Entertainers annehmen, und dabei das Vorurteil und den Stereotypen des asozialen Migranten bestätigen. Nebenbei schien der Traum einer deutschen Version eines amerikanischen Gangster-Rappers mit kriminellen Hintergrund wahr geworden zu sein. Ein Erfolg im Hause, für das Publikum, und die eigenen Zahlen. Ein Prestigeprojekt gar?

Anhans Ziel selbst war es, Geld zu verdienen. Bei der Familiensituation, die nach dem Tod des Vaters unter Geldsorgen litt, verständlich. Doch es ist auch kritisch, Musik des Geldes wegen zu produzieren. Vor allen Dingen zu supporten.

Nach einem deutlich aggressiveren Ton in “Ich nehm dir alles weg”, einer Art Handy-Video, Gewaltprophezeiung- und Drohung, entstand die sozialere Form des Haftbefehls, wie ihn die Massen heute kennen. Haftbefehls Zeit vor Universal war ebenso Rapmusik wie die Zeit danach. Ersteres weniger kommerziell und, letzteres harmloser als das zuvor. Sozialisierter, aber kalkulativ. Der Kopf hinter dem Signing: Max Mönster.

Der einstige Rapper, der eine Art Labelchef und Product-Manager, erklärt seine Rolle im Unternehmen mit folgenden Worten: “Ich bin ja nicht nur A&R, sondern auch Product Manager bei Universal. Das heißt, ich mache für alle „meine“ Künstler auch den kompletten Marketing-Abwasch mit. Ich kümmere mich so gesehen also um alles, was mit der Veröffentlichung zusammen hängt: vom Signing des Künstlers, über die Musik, die auf der Platte landet, bis zur fertigen CD im Handel …” (Interview, 16bars.de) Ein Manager der Position A&R (Artist and Reportoire) sucht nach “musikalischen Trends, die für die Plattenfirma kommerziell verwertbar sind.” (https://de.wikipedia.org, Erläuterin “Artists and Repertoire”, letzter Bearbeitungstag 31. Januar 2020)

Projekt Haftbefehl wurde somit konzipiert. Das Resultat: Ideologismen. Eine Ideologie, die sich Vorurteile zum Vorteil macht, dabei einen “Kanacken” inszeniert. Haftbefehls letztlicher Erfolg erklärt sich damit, dass Menschen mit Migrationshintergrund keine Vorbilder hatten. Die bürgerliche Schicht hingegen hatte was zum Lachen. Joko & Klaas beispielsweise präsentierten jene Auffassung und gaben dem Stereotyp Raum, wenn nicht Glauben: Der asoziale Kanacke, rebellisch, aber ungezogen wurde Maskottchen der Hipster und Berliner-Entertainer.

Auch die deutsche Gesellschaft hat ein Problem mit sich selbst, weshalb Haftbefehl auch verwendet wurde, um zu zeigen, was man war, anti-bürgerlich, und was man nicht war, elitär und konservativ. Verschiedene Gruppierungen lehnen sich seitjeher gesellschaftlich gegenseitig ab. Wer sich als migrantenfreundlich, zuteilen antideutsch und “straße” zeigen wollte, hörte und feierte Haftbefehl.

Sein Alleinstellungsmerkmal: die Sprache, und der affektierte Intellekt bei alldem, wenn nicht der Kunstcharakter, der noch heute zu verwirklichen werden versucht. Der neuartige Rapstil bestehend aus Worten verschiedener Sprachen in deutschen Textzeilen hatte man abgekauft. Die Sprache war nicht neukonzipiert, wie von vielen Rezipienten angenommen, sondern ein Produkt, wenn nicht Sprachkultur einer Subkultur einer migrantisch geprägten Community. Fälschlicherweise wurde die Sprache als Kunst betrachtet, von einer Gruppe, die scheinbar keine Einblicke in eine Parallelwelt hatte. Gesellschaftskritik stammte von den Rappern Celo & Abdi, die das sogenannte “Straßenjargon” spielerisch wie raffiniert zu ihrem Ding machten. Die Frankfurter verkörperten als eine Art “Underground-Rapper” die Symbiose aus “Kritik von unten” und “Migrationshintergrund”.

Zu Beginn Haftefebehls musikalischem Werdegang war von jenen Wortspielen nichts zu hören. War Haftbefehl in diesem Stil kommerziell kompatibler als die deutlich unbekannteren, aber authentischeren Rapper Celo&Abdi?

Max Mönster prahlt noch heute mit dem Projekt Haftbefehl. Er ist eine Art Fanboy. Gleichzeitig ist ihm die migrantische Community fremd. Zutritt zu Haftbefehls Terrain und sozialem Umfeld hat er keinen. Er habe sich dafür eingesetzt, den Rapper mit türkisch-kurdischen Wurzeln unter Vertrag zu nehmen. Geklappt hat es.

Die Zusammenarbeit habe man, wie es im selbigen Interview heißt, auf Folgendes festgelegt: “(…) Das wollen wir nicht verändern. Primär versuchen wir einfach alles(,) um seine Musik herum so gut wie möglich zu strukturieren, ihm den Freiraum zum Musik machen zu geben, den er braucht und ab und an die richtigen Fragen zu stellen.”

Druck habe man ihm nicht machen wollen, aber mit den “richtigen Fragen” einen Leitfaden geben. Scheinbar ohne zu erkennen, als was er nun eigentlich dargestellt wird. Gesellschaftskritisch oder aussagekräftig, geschweige denn sinnvoll war das Projekt “Haftbefehl” Max Mönsters nicht.

Das Konzept hat sich nun als Marketingprodukt einer Plattenfirma erwiesen, das nicht nur aus wenig Talent stardom machte, sondern – völlig ungewöhnlich – eine Ideologie verkörperte. Für Zahlen, Zuhörer, und eigener Genugtuung. Branche: Musik, Produkt: migrantisch, Zielgruppe: marginal. Machbar ohne Talente, aber einer mit gesellschaftlichen Konflikten aufgeladenen deutsch-migrantischen Community als Zuhörerschaft.

Doch die Fassade bröckelt ab wie der Putz einer geschädigten Wand: Haftbefehl, als Kunstfälscher, mit Max Mönster in einer Rolle des gierigen Galeristen ohne Fingerspitzengefühl für Authentizität. Ein Rapper inszeniert, von der Straße, ohne Tiefgang, Intellekt und Kunst. Und der letzte Song zeigt einmal mehr: “(…), nichts dahinter.” (Rap-)Game over.

Quelle: “https://www.16bars.de/blog/5619/nachgefragt-max-moenster-ueber-ar-arbeit-bei-universal-die-zusammenarbeit-mit-haftbefehl-und-selfmade/

https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-kultur_artikel,-wie-ein-bremer-die-musikstars-formt-_arid,1726881.html

Paris, Sommer 2018. Im Café. Ein deutsch-jüdischer Referent sitzt mit am Tisch. Ein Gespräch über Deutschrap und migrantische Jugendkultur. “Bei Haftbefehl sind eigentlich nur die Beats gut”, heißt es in etwa.

Ein Kritiker ist gefühlt jeder Musikhörer in Deutschland. Zu Recht. Im Land der Dichter und Denker werden sogar Schüler ob mit oder ohne Migrationshintergrund, zu hochkarätigen Kritikern, wenn es um Deutschrap geht. Auf sozialen Medien wird geschrieben, kommentiert, kritisiert und gestritten.

Der neueste Track “Conan und Xenia” kommt dabei nicht gut weg. Um an seinem Image vom Jahre 2016 anzuknüpfen, ist Haftbefehl zurück mit Shirin David. An der Seite der Youtuberin und TV-Prominenten, sollen Klicks generiert werden. Shirin David selbst braucht die Anerkennung der Musikgemeinde, um sich als Rapperin zu etablieren. Neben Hava und Rapperin Mel kommen Zweifel um ihre Authentizität und Glaubhaftigkeit in Sachen Feminismus und Skills auf. Doch auch Rapper Aykut Anhan hat es schwer, sich 2020 zu beweisen.

In den vergangenen Jahren traten unzählige Rapper ans Licht. Mit guten Zeilen lassen die meisten den Frankfurter Rapper ziemlich dumm dastehen. Dardan zum Beispiel ist jetzt in. Shindy immer noch einer der beliebtesten Musiker, die tatsächlich gehört werden. Aber auch Rin kommt gut an. Etliche Newcomer sind weniger bekannt, aber dafür interessant für das Publikum.  Einen gewissen Respekt vor Frauen haben dabei sogar die Stuttgarter Rapper. Ganz zu schweigen von der jungen Generation der Newcomer Rapper, die immer weniger frauenfeindliche Zeilen von sich geben. Sie haben ein positiveres Frauenbild, weniger diskriminierend, auf Augenhöhe.

Bei Haftbefehl wird aber schon eine Verkäuferin nur als “Nutte” bezeichnet. So wie in dem Song “Conan & Xenia”, das vergangenen Donnerstag mit einem von Shirin David hinzugefügten Part nochmals neu veröffentlicht wurde.
Wenn eine Verkäuferin für ihr Fraudasein als “Nutte” abgewertet und bezeichnet wird: was für ein Frauenbild, wenn nicht Menschenbild, oder besser Haltung muss dahinter stecken? Wir reden hier weder von einer Prostituierten, noch von einer Frau, die in sexueller Beziehung zu Rapper Haftbefehl steht.  Selbst eine Frau, die sich in seinen Augen unmoralisch oder nuttig verhält, sprich überpropotional sexuell aktiv ist, verdient diese Bezeichnung nicht.

Auch Barbara Shirin Davidavicius, die den weiblichen Part übernimmt, macht von dem Wort Gebrauch. Dabei kritisiert sie selbst “Slut-Shaming”. Für ihre sexuelle und weibliche Identität will sie von ihrer Fangemeinde und Kritikern zu Recht nicht verurteilt werden. Doch indem auch David Frauen als “Nutte” beschimpft wird sie zu einer Art weiblichem Haftbefehl, die beleidigend um sich schießt.

Eine Form von Sexismus gegenüber dem eigenen Geschlecht, bei der nicht klar wird, was folgende Zeile bedeuten soll: “Deu-Deutscher-Rap, ich sperr’ die Nutten in den Zoo.” Ist sie Zuhälterin, oder nur frauenfeindlich? Kritik am eigenen Geschlecht ist erlaubt. Doch anders als das Wort “Bitch” ist Nutte keine Kritik, Beleidigung oder ermächtigende Bezeichnung, die sich Frauen selbst zuschreiben. Frauen, die mit Sexarbeit Geld verdienen, als Nutten zu bezeichnen, ist falsch. Frauen, die keiner Sexarbeit nachgehen, als Nutten zu bezeichnen, ebenso. Ob von Männern oder Frauen. Es ist auch kein metaphorisch oder bedeutungsvoller Begriff im Rap. Es ist höchstens eine Anspielung an “Lass’ die Affen aus dem Zoo”, jener Zeile des Liedes “069” (das übrigens fast haargenauso klingt wie Conan). Auch bei 069 war nicht ganz klar, was die Message ist. Kritisierte Haftbefehl die gewalttätigen “Affen”, wollte er sie auf eine Gegenkultur los lassen oder sollte er einen darstellen?

Shirin Davids wie auch Haftbefehls Musik funktioniert nur über ihre Selbstdarstellung, und ihr Image, wozu auch eine gute Prise “asozial-sein” gehört, ohne straße-sein zu müssen und einer wie von der klassizistischen Gesesllschaft verschmähten Unterschicht.

Also warum ist die Musik trotzdem gut? Weil, um auf den Expat zurück zu gehen; Producer Bazazzian dahinter steckt. Dem Referenten nach der eigentlich kreative Macher und Künstler der Musik Haftbefehls.

The first time I had the opportunity to see musician Banks live was in 2014. And I was overwhelmed by my first and last girl crush so far in front of the stage.

In 2013 no one was quite sure if she could have the ability to stay. BANKS has been new. She has been trendy. And she has been quite unique.

The music industry does cherish the uniqueness of musicians, but more often it happens that musicians end up recognizing themselves not anymore.

If a musician has made it to a sort of worldstage, even with their uniqueness (see The Weeknd) it might happen that they start changing themselves to be perceived as what is called “the norm”, or even “mainstream”.

However there are only a few artists, which can be described as “mainstream”. Lady Gaga, Justin Bieber and most of all Katy Perry belong to this category in music.

They are unique, if not very unique in their own way – for sure – but they embody iconic pop culture, which has been proved as much more promising and ongoing. They manage to reach the world. Their personality does play a role, too. But it is the combination of a poppy, funny and talented sound that moves people from all over the world to listen to their music. That doesn’t apply to the music of BANKS. The Californian girl is mysterious and independent especially as a female musician, singer-songwriter and performer. Her audience, which shouldn’t be underestimated, understands her own journey. Her newest song played at “1Mic 1 Take”, shows BANKS singing “Drowning” in an updated version of her 5 year old song with a Caribbean emphasis. Banks feels her music, and she does share her perception of her true feelings, no matter, which boards she treads only by jazzing “Drowning” for her audience up. She sings for her audience, and that’s why her audience still replies.

Barbara Davidavicius wie Internetstar “Shirin David” bürgerlich heißt, begann ihre Karriere im Alter von etwa 19 Jahren auf sozialen Medien wie Youtube; da machte sie gerade Abitur, erzählte von Liebeskummer, war witzig, intelligent und konnte dabei über sich selbst lachen. Mit Erfolg und ihrer symphatischen Präsentation stieg ihr Bekanntheitsgrad. Aus einer Schülerin wurde Youtuberin, von der man wusste, “sie hat’s drauf!”

Doch aus ihr wurde auch Deutschrapperin, eine Frau, die als Mädchenmaskottchen für die Fehler und Ausprägungen ihrer Generation hat herhalten wollen. Mit eingesetzem Silikon, falschen Fingernägeln und noch viel mehr Tuning wurde aus Shirin David eine Puppe, die nicht nur sich und all’ ihrer Abbilder Respekt und Verteidigung zu zollen versuchte, sondern – und das ist die Schattenseite – sich und ihre Fans davon zu überzeugen, dass ihr Äußeres Empowerment für sie und alle Frauen, die es ihr gleich tun, gegen den Rest der Welt sein kann.

Davidavicius, die aus einem iranisch-litauischen Elternhaus stammt, musikalisch ausgebildet ist, und von ihrer Familie noch heute unterstützt wird, stößt in der deutschen Gesellschaft auf Unmut und Unverständnis, woraus selbst auf der Verleihung des Bambi-Awards kein Hehl gemacht wurde. Trotz Krönung zum Shootingstar 2019 musste in einer Laudatio erklärt werden, wer Shirin David ist, und was sie tut. Es war auch ein Loblied an ihren Mut zur Künstlichkeit. Ihrem Selbstbewusstein also, und ihrer Stärke, sich von anderen nicht diktieren lassen zu müssen, was als schön und hässlich gilt.

Wie teuer sie ist, sollte ihr Debütsong “Supersize” zeigen, ein Begriff, der beschreibt, dass an ihr alles XXL ist. Sichtbar wollte sie sein. Und ein Abbild der Frauen, die sie zu bewundern scheint: Nicki Minaj, Beyonce, Barbie, und Co. Eine Art Machtdemonstration gleichzusetzen mit einem Gipfel der Weiblichkeit. Ihr Äußeres soll von dort aus zeigen, dass sie stark ist. Auch und besonders gegenüber der Männerwelt. Dass Shirin David etwas kann, steht fest. Dass ihr Talent aber nicht ganz im richtigen Bereich eingesetzt ist, ebenso. Aber, dass Shirin David so erfolgreich ist, hängt damit zusammen, dass auch andere Marken an ihr verdienen. Dm, RTL, Douglas. Deutsche Unternehmen reißen sich um junge Influencer auf Social Media, um zu verkaufen. So präsent Shirin David auch sein mag, so jungfräulich bleibt Barbara Davidavicius, die sich hinter dem Pseudonym auf der größten Bühne Deutschlands zu verstecken scheint. Ist 25 aber nicht ohnehin das neue 18? Bleibt also genug Zeit, um aufzustehen, Krone zu richten, und weiterzugehen.

Popqueens tauchen auf, und verschwinden. Bleibt zu hoffen, dass Alina Baraz aus L.A. bleibt. Die Clevelanderin mit ukrainischen Wurzeln hat bereits früh angefangen. Gospelmusik hat sie dabei ebenso geprägt.

Ihr neuester Song “More Than Enough” ist ein Epitome amerikanischer Musik, die im Jahre 2020 nach Taylor Swift, Ariana Grande und Lana Del Rey vermutlich lange gehört werden könnte. Indie RnB-Artist Khalid durfte sie bereits im Duo in “Electric” und “Floating” besingen. “Morocco” wiederum brachte eine Kollabo mit Rapper 6LACK. “To me” ist eine Odé wie sie von einer Sabrina Claudio stammen könnte. Nur echter, und stärker.

Trotz Liebeskummer und Abhängigkeit erzählt der Solosong von dem Versuch, neu anzufangen, sich aber dennoch nicht unterkriegen zu lassen, und das gemeinsame Gefühl, enttäuscht zu werden zu teilen, aber sich keineswegs Lebensfreude stiehlen zu lassen. “More Than Enough” jetzt streambar.

Was ist nur mit dem geliebten Liebling der zeitgemäßen RnB-Bewegung geworden? The Weeknd hatte 2011 erstmals die Musik-Kultur des Internets mit “House of Balloons” gewissermaßen revolutioniert. Unabhängig war er, digital und gar prägend für seine Zeit. Wie einst zu Zeiten von “Day n Night”, wurde gestaunt: “Wer war nur dieser “The Weeknd?”

Peu à peu kamen mehrere Songs, seine Stimme wurde deutlicher, sein Gesicht trat an die Öffentlichkeit. “Underground”, Electro-Sex-RnB-Musik hören, und im Internet unterwegs sein, jenen Trend setzte “The Weeknd” nachhaltig. Ganze Jugendkulturen bildeten sich um ihn herum. Er war der Musiker der Stunde, stilprägend, musikalisch wie auch modisch. Dabei stand er für eine Internetgeneration, die es vorzug, anonym zu leben und dabei in den Netzwerken der Datawelt visuell Ausdruck zu finden.

“After Hour” und zuletzt auch “In your eyes”, seine erst kürzlich erschienen Songs, lassen Fragen offen stehen. Warum so hollywood? Warum so Michael Jackson? Und warum so bizarr? Der gebürtige Kanadier mit äthiopischen Wurzeln, der eigentlich Abel Makkonen Tesfaye heißt, scheint heute mehr denn je als Reinkarnation seines Superheldfavoriten und Idol Michael Jackson wieder ans Tageslicht getreten zu sein. Bisher hatte nur Stimmlage an die Legende erinnert, doch nach Tanzeinlagen sind es nun auch die Ästhetik, Töne und Liebesgeschichten, die an den verstorbenen King of Pop erinnern. Dabei wird er weder seinem Idol noch nicht selbst gerecht.

Bild: Screenshot aus “The Weeknd – In your Eyes” aufgenommen am 25.03.2020 über youtube

Who d’ f*** is AJ Tracey? Ché Wolton Grant heißt der Gute. Nicht minder sexistisch als ein Stormzy, aber doch mit mehr Manieren und Stil.  Was Rap angeht, sind die britischen Kollegen ja ähnlich wie deutschen Rapper in ihrer Musik freier als die Amerikaner. In Sprache und Lebensstil. Aber auch sonst kommt gerade ziemlich viel aus London und drumherum Groß Britanniens. Mit “Praise the Lord” an der Seite von Skepta hatte A$AP Rocky einen seiner größten Erfolge gelandet.

Für einen jüngeren AJ Tracey mag es schwieriger sein, international einen Durchbruch zu erzielen. Die Briten werden ja doch auch wie alle Anderen in Sachen Rap verlacht. Burna Boy, Wizkid oder Akon aus Afrika sind als Megastars eine gewisse Ausnahme. Sie haben es auch in den USA geschafft. Aus UK stammen zwar eben Skepta, Stormzy und Slowthai, wie auch The Streets, die allesamt den bekannteren UK Rap mitgeprägt haben. Aber – und so viele Stars auch zurzeit in Groß-Britannien in den Medien sind – für einen 25-Jährigen AJ Tracey wird es trotz appeal der Extraklasse Zeit kosten.