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Rapper sind schon echt so ein Faszinosum. Sie sind männlich wie kein anderes Geschöpf. Sie weinen wie Frauen es nicht können, und sie schreiben wie Politiker es nicht können. Sie sind aggressiv, genügend Gründe dafür haben sie. Sie sind sportlicher als Kickboxer, wenn sie mit Drehkick gen Kamera treten. Sie sind doper als der größte Läufer. Sie können auch romantisch, wie gesagt, wenn sie verletzt sind, sie haben eine Mutterseele. Fast möchte man(n) sagen, sie sind nicht nur Faszinosum, sondern Prinzessin, mehr als ich es je sein werde. Als Frau fragt man sich da: “Hat ihnen die Mutter nicht gesagt, dass sie es können, die Sache mit der appearance, oder wurde es ihnen einfach nicht häufig genug gesagt?”

Ich weiß es nicht. Aber sie brauchen die Aufmerksamkeit, und sie verdienen sie, mehr als ein Journalist sich je davon erträumen lassen darf. Von Fremden, Freunden, Followern, Feuds, Frauen, und Fans. Der Widerstand aber, den die meist männlichen Rapper leisten wollen – gegen die Gesellschaft und alles, was sie sonst so im Alltag nervt –  könnte für die einen Fluch sein, für die Anderen der Segen schlechthin. Denn sie brauchen den geistigen Input, wie den materiellen Output. Für die Erfolgreichsten unter ihnen kommt das Eine aber eben mit dem Anderen. Das macht sie wegweisend, gerade auch, weil viele einen Migrationshintergrund haben und inspirieren können. Sie sind fortschrittlich wie der größte Broker in ihrer Persona, und broker als der größt möglich gefeierte Debütant der deutschen Literaturszene.  Für das weibliche Geschlecht gilt, das sich auch wieder zu jener Zeit überdurchschnittlich von den modernen Künstlern des Sturm & Drang angezogen fühlt, sich nicht von jener brauchbaren, aber zutiefst verletzbaren Männlichkeit in den Bann ziehen zu lassen. Denn so wirklich eifrig Handeln können das die wenigsten Frauen. Ihre Seitensprünge und medialen Eskapaden. Liebenswert sollten sie trotzdem für alle Frauen sein. Den Fame hat man sich schließlich ja nicht umsonst hart erarbeitet. Wer aber denkt wie ein Rapper, niemals aber so leben würde, für den gilt: “Date niemals einen Rapper!”

Nach der Trennung zwischen dem gefühlt wichtigsten Paar der deutschsprachigen Rapszene, nämlich Mozzik und Loredana, folgt ein Song, der als Disstrack ordentlich die deutsche Rapszene einheizt. Mit albanischem Flair, und gar Gangstergetue, wenn nicht hochgradig Stil im Blockbusterfilm, lieferte der bereits dem Publikum bekannte Rapper aus Kosovo nun auch Antworten.

Gramoz Aliu nämlich, heutiger Ex-Mann Loredanas, schlägt zurück und löst alle Fragen auf. “Auf Wiedersehen” ist ein Racheakt, aber wie so viele Rapper ist auch der kosovo-albanische Exportschlager so sprachbegabt, dass er aus seiner Emotionalität einen ganzen deutschen Rapsong gemacht hat. Mozziks Muttersprache ist keineswegs die Deutsche. Loredana, Ex-Wifey und neuartige Rapperin, wenn nicht Partnerin eines anderen Rappers wie aus der brodelnden Gerüchteküche der Szene hervorgeht, kriegt ihr Fett ab. In ihrer eigenen verständlichen (schweizerdeutschen) Sprache. Ein Rapper dieser Größe mag dies nicht auf sich sitzen lassen. Seine Sprachphantasie drückt aus, was er denkt und glaubt, zu leben.

Bei den Rapenthusiasten kommt das einmal wieder mehr als gut an. Denn guter Rap speist sich von einer unverwundbaren Verwundbarkeit, wenn nicht gar Ehrlichkeit, die bildlich so gewalttätig ist, dass sie ungefragt mitnimmt in die Welt und des Films des Protagonisten, dieses Mal mit Mozzik.

Ist Coolness wieder cool? Evan Klar hat etwas von Coolness, jener, die es braucht, um als Mann auch einfach seine Gefühle zu gestehen. Direkt, ins Gesicht. Das tut er mit “I Do”, der Newcomer macht uns wieder heiß auf kühlere Sounds, Stimmen und Stimmungen statt heißer HipHop-Töne.

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet aus Australien jene Musik kommt, die das Potential hat, die Musik des gefühlten Jahrhunderts, nämlich Hiphop, abzulösen. Was nicht heißen mag, dass das eine besser oder schlechter als das andere ist. HipHop aber hat sich aus den meisten Gründen, die es braucht, um gehört zu werden, bewähren können als die wichtigste Musikrichtung der letzten Jahre. Das Recht hat sie, aber es kann sich auch ändern, zumindest Verändern. Was könnte da nicht besser helfen – denn Musik treibt schließlich an, das ist ihre Aufgabe, friedlich in bestem Falle statt animalisch und angreifbar, wenn nicht gar menschenverletzend – als die australische Prise “Chill”. Neben Evan Klar und DVNA sind auch die folgenden drei Musikernamen jene aus Australien, die neuentdeckt zur Abwechslung ab 2020 gebraucht werden.

Was passiert, wenn Rihanna, Destiny’s Child, Teedra Moses und Banks in einem Cocktail landen, der Cosmopolitan heißt, richtig: Metropolitan Music, der jungen Aussie Künstlerin DVNA der Gold Coast. Der elektronische “Rude Boy” klingen durch, oder etwa Girlpowersong “Girl”, und zu guterletzt auch It-Klassiker des RnB “Be Your Girl” der amerikanischen Soulsängerin und last, but not least schimmert Trendmusikerin Banks aus LA mit ihrem Discohit-Remix des Warm Water durch, die allesamt bis heute noch sowohl Männern als auch Frauen schwärmerische Gefühle erträglich machen, statt sie in Liebeskummer versinken zu lassen. Dass ihre Musik “Elemente aus Soul” hat, findet die junge Künstlerin selbst auch wie es in einer Beschreibung ihrer Social Media-Kanäle heißt. “Modern Day Electronica” eine weitere Komponente, die ihre Musik zu dem mache, was sie ist. In ihrer Instagram-Story derweil fragt sie ihre Follower “Worst date you ever been ?”, und zeigt frappierend, dass sie sowohl ihre eigene Geschichte als auch die der anderen erzählen will. “Sushi in Tokyo”, “Girl on the Move”, oder “Looking like a Snack” sind Tracks, die aus Gesprächen mit Freunden entstehen, in die Liebes- und Gefühlswelt ihrer einladen, und ihre Sicht der Dinge ausdrücken. DVNA, die junge weibliche Stimme aus der Gold Coast ist noch unbekannt, und gerade deshalb bleibt mit Vorfreude viel zu erwarten.

Bilder: Facebook, Privat

Theophilus, der einstige Liebling der Hipsterszene um den verstorbenen Karl Lagerfeld (RIP) herum, hat heute einmal mehr bewiesen, warum er sich diesen gewissen Status verdiente, und heute weiterverfolgt. Weil er’s kann. Experimentelle Musik, zu seinem Rap und Gesang. Besser kann das nur Jazzlegende Aloe Blacc. Theophilus London aber, jünger und deutlich von verschiedeneren Musikrichtungen beeinflusst, hat nun sein neues Album “Bebey” rausgebracht. Nicht nur Jazz oder etwa Soul und Funk wären diese, sondern neben Rap und Rock die noch im Mainstream etwas unbekanntere Musikrichtung Caiypso, die seinen Ursprung in Trinidad und Tobago hat. Dort geboren ist auch London, der New Yorker Musiker aber lässt sich, gerade mit einer weitumreist, klingenden Geschichte, auch von so vielen, weiteren Komponenten leiten. Von Kunst etwa, oder Mode, das, was ihn antreibt. Für Off White durfte er sich austoben. Das Cover seines Albums zu “Bebey” fertigte der ebenfalls aus New York stammende Künstler Alexander Harrison an. Ein junger, talentierter Künstler, der Intersektionalität und Rassismus zu seinen Themen zählt, und mit seiner Kunst aufweckt, spielerisch zwischen Popart eines Andy Warhol, den expressionistischen Vorreiter Basquiat und einem surrealen Magritte die Linien des Lebens hinterfragt, deutet und in eigener Farbe erschafft.

Das Titelbild, das eine blondierte Frau mit dunklem Teint zeigt, steht für das, was auch London letztlich dazu angetrieben hat, das Album “Bebey” zu verschriftlichen und aufzunehmen. Scheinbar auch die Kreativität und Attraktivität der afro-amerikanischen Frau, die mit ihrem Haar ihre Geschichte, Individualität und Stilbewusstsein ausdrückt, wie es eines der weiteren Coverbildern zeigt, machen Theophilus als Künstler verrückt. Auf dem Album befinden sich desweiteren Tracks mit Tame Impala, Lil Yachty oder Ariel Pienk, die auch seine Vielfältigkeit in seinem Musikgeschmack ausdrücken. Theophilus London ist driven wie sein Name, und seine Musik treibt an mit Groove!

Das Ausnahmetalent Jorja Smith ist kein Geheimtipp mehr. Für ihr Debütalbum “Lost & Found” war die gebürtige Britin in der Kategorie “Best New Artist” für den Grammy nominiert, den BRIT Award als “British Female Solo Artist” hat sie abgestaubt. Anders als Kontrahenten wie Dua Lipa oder Mabel weiß Jorja Smith sich weder einer konzipierten Vermarktung zu unterziehen noch in eine bestimmte Richtung lenken zu lassen. Stattdessen, was wohl auch erklärt, dass sie nach wie vor bei keinem Majorlabel unter Vertrag ist, bleibt sie echt, konsequent und ehrlich in ihrer Musik.

Mit Größen wie Adele, Amy Winehouse oder Sade wird sie verglichen, doch so komplementiertend das auch sein mag, Jorja Smith hat ihre eigene, unverkennbare Stimme. Ein Hauch von Reggae zieht sich durch den samtig-süßen, rauchig-rauen Gesang der Schönäugigen. Dabei hat sie nicht nur musikalisch die Herzen ihrer Kollegen Stormzy, Maverick Sabre oder Drake erobert, sondern die einer gesamten Fangemeinde mehrerer Genres, die auf der Suche sind nach Liebe, Gefühl und Seele, Trost und vor allem wahrhaftiger Musik. Sei es, weil die Worte, die die Lippen der Sängerin berühren, aus eigener Feder stammen, oder sie zum klassisch-romantischen Sound zurück kehrt, und dabei diesen und sich selbst erblühen lässt. Bevor sie sich zu ihrem Konzert in Frankfurt einstimmt, treffe ich sie in ihrem Zimmer auf der Couch zu einem Interview.

Du bist jung, schön, und vor allem talentiert: Wann hast du das erste Mal dein Talent entdeckt? Und wie hast du es geschafft, den Schritt zu gehen, zu schreiben, aufzunehmen und letztlich auch zu performen?

Ahw, dankeschön! Ich habe schon immer geschrieben, seit ich klein bin. Mit acht Jahren trat ich in der Kirche auf. Als ich aufgeregt und nervös auf der Bühne war, hat mich meine Mum immer ermutigt. Und als ich 18 war, bin ich nach London gezogen. Meine Eltern haben mir gesagt: “Folg’ deinem Traum!” Davor habe ich einfach immer geschrieben. Ich hab’ einen Laptop bekommen, hab’ mir Garageband drauf gezogen, damit ich mich beim Singen auf Beat aufnehmen konnte. Ich hab’ auch Klavier gespielt. Aber ich hab’ nie… Ich hab’s einfach gemacht. Ich war ziemlich unbefangen statt irgendwie etwas auszuprobieren. Nee, ich hab’s einfach getan.

Du bist jetzt 21. Wie würdest du dich beschreiben?

21… Ich bin stolz auf mich. Ich lebe meinen Traum.

Was hat dich am meisten empoweret? Gibt es da etwas oder ist es…

Das bin einfach nur ich. Einfach ich. lacht Ich mag es einfach, zu singen. Ich schreibe für mich selbst. Die Leute vor der Bühne mitsingen zu sehen und, dass meine Lieder sie berühren, macht mich richtig glücklich. Ob diese kleinen Mädchen und Jungs oder ältere Typen und Frauen, alle… jah, das gibt mir wirklich ein gutes Gefühl!

Und woher kommt all die Weisheit von “Lost & Found?”

Mm, Ich denke nicht, dass ich weise bin.

Du denkst nicht?

Doch, auch. Ich schreibe aus Beobachtungen, Unterhaltungen, Erfahrungen, Dingen, die ich durchlebe. So halt. Und je älter ich werde und wachse, je mehr gibt es, worüber ich schreibe.

Gab es denn bestimmte Situationen oder intensive Erfahrungen, die dich zu der Person gemacht haben, die du heute bist?

Ja, die könnte es gegeben habe. Aber das ist nicht meine Art zu denken. Ich denke nicht, dass ich hier aus einem bestimmten Grund bin. Ich nehme jeden Tag so wie er kommt. So mache ich mein Ding. (lächelt)

Aus “Lost & Found” geht ein wenig hervor, dass du ein gutes Verhältnis zu deinen Eltern hast. Was denkst du, braucht es, damit man sich mit seinen Eltern gut versteht?

Meine Eltern und ich sind eigentlich immer sehr offen miteinander. Wir reden über alles. Ich habe ihnen immer alles erzählt, auch, was ich gerade in Sachen Musik mache. Aber sie haben mich auch immer unterstützt. Klar, sind das deine Eltern, aber sie können auch deine Freunde sein. Natürlich gibt es da eine Grenze. Wenn deine Eltern dir mal etwas zu sagen haben, kann es sein, dass du nicht darauf antworten kannst. Das kann man bei Freunden machen. Man kann auch mal unhöflich sein zu Freunden. lacht Aber ich denke, um ein gutes Verhältnis zu den Eltern zu haben, ist es gut, wenn man sich ausspricht und miteinander redet.

Mit Nike hattest du eine Kollaboration. Wie denkst du, steht es um Vielfältigkeit in der Mode deiner Generation? Fühlst du dich representiert? Du bist ja gemischt.

Die Zusammenarbeit war so cool. Ich bin echt dankbar und glücklich darüber, dass ich da mitgemacht habe. Es gibt jetzt viel mehr Diversität in der Mode, und ich bin stolz, ein Teil von einer vielfältigeren Bewegung zu sein, die Leute wie mich repräsentiert. Es ist gut zu sehen, dass es jetzt mehr Vielfältigkeit gibt, viel mehr People of Color in der Modeindustrie. Gemischte und schwarze Frauen auf großen BIllboards, Werbeplakaten, überall.

Du bist im Vereinigten Königreich aufgewachsen. Was hat dich in Sachen Musik und Mode beeinflusst?

Was meine Musik betrifft, bin ich sehr von der Musik beeinflusst, die bei mir zu Hause lief. Ich habe Nina Simone gehört, Amy Winehouse, Damian Marley – alles, was meine Mum zu Hause so spielen lassen hat – viel Jazz, Ska und Reggae. Was meinen Style betrifft, mag ich es bequem, sportlich oder sexy. Es kommt darauf an, wie ich mich gerade fühle oder was ich mache.

Du wirkst stark, aber als ich dein Instagramprofil oder Albumcover gesehen habe, dachte ich um ehrlich zu sein, du wärst sehr ernst.

(Lacht) Das sagt jeder.

Und jetzt bist du so schüchtern..

Ja, das höre ich oft.

Du wirkst viel kindlicher.

Ich lächle viel, aber nicht wirklich auf Instagram.

Nicht auf Instagram?

Machmal. Ich denke nicht darüber nach, wie ich auf Instagram wirke. Aber jeder, der mich sieht und kennengelernt, sagt: “Oh, du bist so nett. Du lächelst.”

Du bist irgendwie smooth..

Ich würde nicht sagen, dass ich smooth bin. Ich bin plump. (Lacht)

Wie benutzt du eigentlich Instagram?

Ich poste meine Tourdaten, manchmal Selfies, Bilder von meinen Auftritten, manchmal Stories. Ich benutze es nicht wirklich. Ich poste, aber ich schaue nicht drauf.

Also bist du da nicht so drin?

Nee. Ich verpasse immer, was meine Freunde posten, und bin dann immer so: “Mist!” Aber Instagram ist nicht wirklich meins.

Es interessiert dich also nicht wirklich?

Nein. Ich habe so viele Follower, und bekomme so viele Kommentare, dass ich es nicht lese, weil es nicht echt ist.

Aber empoweret und inspiriert dich die neue Body Positivity Bewegung, die auf Instagram stattfindet durch Marken wie Savage Fenty von Rihanna zum Beispiel, wenn es um deinen eigenen Körper geht?

Auf jeden Fall! Als ich jünger war, sah man nur dünne Mädchen. Es gab mal eine Dove-Werbung, in der ganz verschiedene Frauen gezeigt wurden, mit unterschiedlich ethnischem Hintergrund und verschiedenen Körperformen. Sowas mag ich, und so etwas habe ich schon einige Male gesehen. Ich weiß nicht, ich war etwas mollig, als ich klein war. Dadurch hatte ich immer ein wenig das Gefühl, das etwas an mir nicht stimmt. Ich wollte immer Sport machen, aber jetzt sieht man so viele Leute, die sich alle in ihrer eigenen Haut wohlfühlen. So sollte es ja auch sein.

Es sollte keiner einem sagen, wie man auszusehen hat. Und noch heute: Ich bin nicht übergewichtig, aber wenn ich enge Sachen trage, sagen mir die Leute Sachen wie “Du siehst aus als wärst du schwanger”. Es macht mir nichts aus, aber jemand anderen könnte das wirklich treffen und dazu führen, dass er nichts mehr isst. Die Leute müssen aufpassen, was sie sagen. Mir ist es egal, denn mir macht’s nichts aus, dass ich aussehe als wäre ich schwanger. Aber andere könnte das echt traurig machen.

Also hast du eine Schutzmauer, und es prallt an dir ab.

Ja, es hat mir mehr ausgemacht als ich jünger war. Manchmal macht es mir schon etwas aus, aber es ist sehr davon abhängig, wie ich mich gerade fühle. Wenn ich down bin, wird mir auch nicht gefallen, wie ich aussehe. “Ehh, das sieht nicht gut an mir aus”, denke ich mir dann. Aber du hast nur dich, sei glücklich, wir haben im Leben nur einen Körper.
Jorja Smith

Und warum hast du dir die Haare abgeschnitten? War es für das Video (“Beautiful little Fool”) oder hattest du sie schon davor so kurz?

Nein, sie waren schon davor kurz, aber ich möchte nicht darüber sprechen. lacht Aber ich liebe deine Haare. Es ist eine gute Veränderung.

Ja, das denke ich auch. Um sich befreit zu fühlen…

… ja, und meine Haare wachsen jetzt gesund. Sie waren wirklich kaputt. Das war eigentlich auch der Grund, warum ich sie abgeschnitten habe. Ich bin daher auch glücklich, dass ich es gemacht habe und sie jetzt einfach wieder gewachsen sind.

Ja, das war für mich auch eine der Gründe. Meine Haare waren auch sehr kaputt.

Ja, so sieht es auch gut aus. Es wird richtig schön wachsen. Dein Haar ist dick. Du hast ‘ne Menge Haare. (lacht)

Ja, das ist nicht immer gut, aber…

Mach’ dir keinen Kopf, ich hab’ einen Damenbart. (lacht)

Und wie lang sind deine Haare jetzt?

(zeigt ein Bild der derzeitigen Länge) Das ist eine Menge Haar.

Ja, das ist es, wow, du hast richtig viele Haare. Benutzt du auch Perücken?

Manchmal. Zum Beispiel für einen Ponytail. Kommst du zur Show?

Ja.

Ich werde einen blauen Pferdeschwanz tragen.

Wow!

Jah, ich mag es, mich mit meinem Haar zu beschäftigen. Das macht Spaß!

Ja, es ist echt cool. Ich habe es auch versucht. Ich war in einem Afroshop in Frankfurt.

Du hast eine Perücke anprobiert? (lacht)

Ja, das habe ich. Aber es passt einfach nicht zu meiner Gesichtsform.

Perücken sind eh witzig. Du musst sie gerichtet bekommen ehe sie schön aussehen.

Ja, das stimmt, aber du hast eine schöne, hohe Stirn. Es steht dir. Ich liebe deinen Look und Style!

Dankeschön! (lächelt)

Fotos: Rashid Babiker
Erstveröffenlichung: AMY&PINK, www.amypink.de 20.03.2019

Capos Musik ist Medizin für den Kopf. Alle familiären Probleme lösen sich in Nichts auf, hört man “Run, Run, Run”, Marathon. Da steckt Mitgefühl drin. Capo, so sehr er auch immer im Schatten seines großen Bruders stand, hat den Berg erklommen, und es geschafft, sich eigentständig zu entwickeln wie kein anderer. Das ist gesund und ziemlich cool, wenn ich sagen darf, typisch für meinen 1990er Jahrgang.

Wenn auch die “Der Pate-Filme”, die Cem Anhan fährt, oft weit hergeholt und unrealistisch sind, Capos eigene Filme machen einem das Leben leichter. In seinem jüngsten Lied “Der Puls steigt” erzählt er, was er für die Liebe bereit ist zu tun. “Im Rhythmus gefangen”, ein Song, der nicht nur die türkische Kultur feiert, sondern auch den zum Prinzen geworden Sohn, zeigt sich Capo einmal mehr von seiner romantischen Seite. Die Tatsache, dass so viele Mädchen davon träumen, wifey von Capo zu sein, ist ein Beweis für seinen Mut und den Lebensweg, den er geht.

Denn er ist ein Kämpfer. Das zeigten eben auch die Zeilen “Weil wir von Grund aus Kämpfer sind m m m, Mama hat gezeigt wie’s geht, m m m”, eine Anspielung auf die eigene historische Geschichte der Familie. Seinen offenen Umgang damit brauchen die Fans. Denn familiäre Probleme sind nur allzu oft die Realität migrantischer Jugendliche in Deutschland. Capos aus der Tiefe-Rappen, dieses Herzausschütten gepaart mit der richtigen Melodik, der Kombination aus Jazz, Balkan, und arabischer Orientalistik lassen zu seinen Wortklängen mitsummen, die Wahl der Frauen ist ohnehin nur ein weiterer Schachzug, der von Capos Geschmack zeugt. Aber er hat es eben auch faustdick hinter den Ohren.

Interessanter Name, noch interessanter ist vielleicht ihr Äußeres, und ganz besonders interessant, ist, dass sie auch etwas sehr Schönes macht. Poppy Ajudha ist aber nicht primär etwa Model, oder Schauspielerstar, auch wenn ihr Name an Cara Delevignes ältere Schwester und ihr Gesicht an das einer Zoë Kravitz erinnert (ja, die Model- und Schauspielertochter von Lenny Kravitz und Lisa Bonet), so ist doch klar, warum sie die Neuentdeckung schlechthin ist.

Die 24-jährige South Londoner stammt nicht nur aus einer sehr jazzigen Musikszene, sondern bringt sie auch Intellekt mit, indem sie Strukturen hinterfragt. Die junge Wilde des contemporary Jazz experimentiert mit jenen Komponenten der Musik und Kulturen, denen sie sich widmet. Ihr Look ist orientalisch-afrikanisch, sie hat einen Bachelor in Anthropologie und Musik an der Hochschule für Orient- und Afrikastudien und bringt genau das, nämlich eine nicht allein westliche Perspektive in ihrer Musik zum Ausdruck.

Für ihr erstes Lied, mit dem sie erst einer breiteren Masse bekannt gemacht wird, hat sie Mahalia mit an Bord. So zart sie wirkt, in “Low Ride” zeigt sie an der Seite der weitaus bekannteren Künstlerin zur Verstärkung leidenschaftlich von der Leidenschaft der Verführung, und dem “Knistern” all in-between. photo credit: Harry McCulloch

Feiert ihr auch so Menschen, die aussprechen, was sie denken. Besser dann auch noch singen, was sie denken. Ich schon! Die Britin mit dem deutsch-klingenden Nachnamen ist fierce, und eine fighterin. “Therapist” ist eine ehrliche Abfuhr der 22-Jährigen. Dass Mae Muller schon aus einem coolen London selbstbewusst herausspaziert, war schon in “Anticlimax” zu sehen. Ihre sehr mädchenhafte Stimme beweist sich gegen die Welt der Jungs, denen sie den Laufpass gibt, und für die Welt der Männer, von denen sie träumt. Und mit “Dick” wird es nur noch heftiger. Aber wieso die Britin verurteilen, wenn sie emotional über die Dinge singt, die sie und ihre gesamte (Instagram-)Generation ohenhin schon beschäftigt. Sie selbst hat auch dazu eine Meinung: “…es muss nicht metaphorisch sein. Ich möchte Dinge aussprechen, die jeder im Kopf für sich denkt.” Für manche mag es zwar nicht so recht verständlich sein, weiß Mae, aber sagt eben auch selbst, dass es emotional ist. Und wer sich manchmal genauso fühle, der könne sich eben auch damit identifizieren. Sie kenne die Message, die sie verbreiten möchte. Mae Muller muss sich für ihre Sprache aber gar nicht rechtfertigen. Denn wer S****** erlebt, darf es auch beim Namen nennen. Und wer es schafft, wie Mae Muller ihre Songs wie aufbereitete Rosensträuße anderen jungen Mädchen da draußen zur Aufheiterung zu schenken, und dabei die besten Ratschläge parat zu haben, der verdient, für seine Stimme und Sprache, die Anerkennung zu bekommen, die ihr obliegt. Bravo Mae Muller! Am 17.Februar ist Mae Muller übrigens live in Berlin im Privatclub zu sehen.

Bilder: Rosaline Shahnavaz

Heute wird Elias unter die Fittiche genommen. Der 1996 geborene Ali Bayila Bolonga hatte seinen ersten größeren Part auf dem kontroversen Song “Erdbeerwoche” von KC Rebell & Summer Cem. Ein Album erschien letztes Jahr, von Epic Records wurde sein jüngstes Video “BENZO” gerade erst vor weniger als zwei Wochen veröffentlicht. Er scheint hoch gehandelt zu werden. Aber gerade auch ein 22-Jähriger muss wissen, dass Rap ein gefährliches Spiel ist. Continue reading ›

“Butterfly” ist der Song der britischen Künstlerin Cleo Sol, der vor wenigen Tage erst veröffentlicht wurde. Zwar wissen wir nicht viel über die britischen Soulsängerin, nur, dass sie unter ihrem wunderschönen Namen 2018 bereits eine EP namens “Winter” herausgebracht hat, die uns mit vier tiefen Songs bescherte. Aber der eigene Gesang der Londonerin klingt zu Klavier feucht-fröhlich frühlingshaft-sommerlich zu herbst-winterlich traurigeren Gefühlen. Ihre Lyrik ist herzzereißend und herzaufhellend zugleich. Wie die Briten so schön sagen: “lovely”! Liebenswert erscheint sie auch in ihrem ersten Video zu “Sweet Blue” hier. “Butterfly” hingegen zeigt die Schöne friedliebend melodisch zu Gitarre wie einst Oasis mit “Wonderwall” nur allzu schwer greifbar wie ein Schmetterling in seiner eigenen Anschauung.

Rapper UFO361 hat es nicht leicht, aber anders – und hoffentlich – als ein Drake, hat Ufuk Bayraktar wie UFO361 bürgerlich heißt, keinen Ghostwriter am Start. Denn seine Texte sind durch und durch lit.

Titel wie “Irina Shayk”, “Scheiß auf eure Party!”, oder “Wir sind High 2.0” haben Witz und machen Spaß und bringen sicherlich auch die Kasse zum Klingeln. Dennoch ist er der Künstler im Game schlechthin, und macht wie bekannt über Künstler viele Phasen durch. Er scheint abgefucked, dann wieder gutgelaunt, auf der Höhe, in der Tiefe, geflashed vom Geld, Erfolg und Ruhm, dann wieder enttäuscht, einsam und nachdenklich in aller Ruhe vermutlich am Schreiben – hoffentlich allein – und zuguterletzt bleibt er wie er ist; dichterisch, sagenhaft, gut. Keine Frage, Ufo361 ist allzu kindlich, was die Kollegen im Rap sicherlich verärgern sollte, aber er reagiert, und genau deshalb ist es so gut, ihm zuzuhören. Als Rap-Fan hat man ja doch lieber einen Rapper vor sich, der irgendwie auch erlebt hat, was er da von sich erzählt. Wenn nach zwei Wochen der nächste Hit erscheint, muss der Rapper schon noch hinter dem Lebensstil stehen, der kurz zuvor noch hochgefeiert wurde. Continue reading ›

Mit Fallin hatte Alicia Keys vor etwa zehn Jahren unser Herz erobert. Das Jahr beginnt mit ihrem neuen Lied “Underdog”. Ihr Sound ist jazzy soulig, aber auch poppig und ländlicher geworden, ihre kritische Stimme hat sie sich dabei beibehalten. Inspirierend war sie ja eh schon immer.

Vor drei Jahren bereits hatte sie verkündet, sich fortan natürlich und ungeschminkt zu zeigen. Sie war es Leid, als Musikerin, sexy aufzutreten. Denn, wenn sie sich mit ihrem Stil zurückhielt, bezeichnete man sie beschimpfend als Lesbe. Noch heute stellt sie sich dem Gegenüber. Ihr geflochtenes Haar trägt sie wie vor zehn Jahren, ihre Stimme ist nicht minder stark wie auch ihr Selbstbewusstsein. Ihr eigenes Skincare-Ritual, das sie auf ihrem Channel hochgeladen hat, ist übrigens genauso alternativ, spirituell und ungeschminkt wie sie!

In ihrem neuen Song erzählt sie nicht nur vom Underdog-Sein, und dem damit einhergehenden Feingefühl für das wesentlich Wichtige im Leben, sie scheint sogar selbst ein wenig in der Szene dazu geworden zu sein. Traurig ist das nicht, sondern ermutigend. Denn sie singt, was sie denkt. Recht muss sie es nicht jedem machen. Sie ist sich selbst treu geblieben in ihrer Musik, und so darf sie noch lange ihre Musikliebhaber auf ihre persönliche (Musik-)Reise mitnehmen, und mit ihrer Intuition bezaubern.

Beiden Schwestern liegt eine Ausstrahlung zugrunde, aber nur Beyonce ist es, die im Vordergrund steht. Trotz des hohen Erfolges, der Kunst und dem Risiko, neue Wege eingeschlagen zu haben, ist Beyonces jüngere Schwester Solange erst mit einem Video einer breiteren Masse bekannt geworden. Jenes Video, das von einem Mitarbeiter aus dem Abteil der Sicherheitsverwaltung ungefragt veröffentlicht wurde, zeigt eine Schwester, die die Wut vor dem Ehemann der eigenen, älteren Schwester nicht zurückhalten kann. Über die Tritte jener Auseinandersetzung wurde die ganze Welt informiert, wer diese beiden Schwestern zusammen aber sind, weniger. Beyonce Knowles geboren 1981 im texanischen Houston wurde gerade wegen ihres Talents darauf getrimmt, ein Superstar zu werden, wie Britney Spears und viele ihrer Generation. Bevor es mit ihrem ersten Album „Dangerously in Love“ 12 Mio. Platten werden sollten, die sich unter ihrem eigenen Namen verkauften, war sie Teil der erfolgreichen Girlband Destiny’s Child. Mit Hits wie „I‘m a Survivor“, „Bills, Bills, Bills, oder „Independent Women Pt. 1“ schafften sie den Durchbruch, steuerten dabei aber insbesondere in den USA zu einem positiveren und emanzipatorischen Frauenbild bei, das von Unabhängigkeit der afro-amerikanischen, amerikanischen, wenn nicht universalen Frau geprägt werden sollte. Continue reading ›

Mabel ist schon lange auf dem Radar der RnB-Fans, aber auch auf dem der Popfreunde des guten Radiogeschmacks. Die im andalusischen Málaga geborene britisch-schwedische Sängerin verfolgt zwar Trends um Afrobeat, Reggaetón und Trapsound, die auch die spanische Sängerin Rosalía innehat, kennt ihre Wurzeln aber auch im klassischen RnB. Mit der Stimme einer Sade, als Tochter der funkig-poppig 90s Hiphop Sängerin und groovy Tänzerin Neneh Cherry, einem Vater, der mitunter für Massive Attack und die Sugababes Musik produzierte, hat Mabel die besten Voraussetzungen, das Beste aus sich selbst hervor zu holen. Continue reading ›

APACHE 207 wurde anfangs belächelt, hat sich aber mittlerweile fest eingebrannt. In der Bravo gab es ihn zum Aufhängen als Poster, Sido, ein alter Hase des Games, hat mit ihm kollaborieren wollen. Man will ja am Zahn der Zeit bleiben. Rap ist für den ein oder anderen eben mehr zu Business als Kunst geworden. Zumindest ist Apache gerecht und anständig in der Etablierung seines eigenen, hart erkämpften Genres. Der Sound von Apache, ein Begriff, der übrigens aus dem Türkischen apaçi kommt und eine Anlehnung an den Indianerstamm Apache ist, macht sich nicht viel von Verurteilungen. Der legendäre Look des Salt Bae dürfte ihm da auch als Vorbild einen Gefallen tun. Nach Nusret zieht nämlich auch Volkan Yaman wie er bürgerlich heißt, seine Show ab. Ähnlich wie die meist türkischen Jungs in der Heimat seiner Eltern, die hinter dem eigenen Stil von Musik über Kleidungsstil bis hin zur Lebensanschauung stehen und diesen feiern. Das Revival der 80-er und des 90-er Bubblegum wie auch Happy Hardcore im Deutschrap hat er schließlich selbst miterfunden und durchgesetzt. “Apache macht Rap, in dem die Härte des so genannten Straßenraps auf den ironisch gebrochenen Kitsch von Cloud Rap trifft”, findet Christoph Möller beim Deutschlandfunk. Er erinnert damit eben auch an Rin, und den ersten Rapper, wenn nicht Urvater des Cloudrap Yung Hurn. Es stehen aber noch weitere Inspirationsquellen im Raum. Continue reading ›

Der Dua Lipa Virus hat am Ende auch mich befallen. Was sich hier negativ anhört, ist gänzlich nicht so gemeint. Denn Fakt ist, Dua Lipa ist zwar schon lange am Pophimmel, konnte aber noch nicht ganz zeigen, was sie so drauf hat. Mit ihrem neuesten Song “Don’t Start Now” beweist sie nämlich, was sie hat: Charakterstärke. Ihre Stärken liegen nicht beim Tanz, auch nicht bei diversen Tönen, die sie zu treffen vermag. Was sie aber kann: Stilhaben, Elektropop beherrschen, und einfach die Linie weiter fahren, womit sie auch einfach Grundsteine für die feministische Musik legt, die zuvor nur Beyonce so richtig inne hatte, was den Pophimmel angeht. Es ist kommerziell, gar keine Frage, aber dennoch gut. Denn ihr neues Auftreten wie auch ihre sonstige Performances auf der Bühne können zutiefst beeindrucken. Die über 1,70m Große Dua Lipa, die keineswegs mager oder zierlich ist, hat in London begonnen, was schon im kosovo-albanischem Pristina seine Wurzeln hatte. Dort hat sie auch zu Ehren des Heimatlandes ihrer Eltern und ihrer eigenen Wurzeln das erste Festival gegründet. Mit 24 Jahren. Das Sunny Hill Festival brachte schon Miley Cyrus in eines der abgelegendsten Orte der Welt. Dabei hat gerade der Balkan eine der besten Musiksounds zu bieten, und beeinflusst noch heute mit seinen traditionsreichen und folkloristischen Liedgesängen und Instrumenten. Derweil ziert ihr Gesicht das neue Werbeplakat von Yves Saint Laurent. “Libre” der neue Duft der Freiheit, wie es heißt, zeigt Dua Lipa mit kurzem Bob, dicken, markanten Augenbrauen und einem Blick, der sagt: “ich schaff’s auch solo als Frau!” Continue reading ›

Die 22-Jährige AWA Santesson-Sey wurde erstmalig entdeckt bei der schwedischen Version der Fernsehtalentshow X-Factor. Heute veröffentlicht sie erste Songs und Videos. “Like I Do” zeigt sie inmitten anderer junger Frauen, stark, bewaffnet und am Zahn der Zeit. Die Bilder sind das neue, modisch ästhetische Stilmittel und Standpunkt der Black girls, und solcher, die sich zu dieser Gruppe dazu zählen. Trotz starker Stimme, und der Verkörperung einer jungen, hübschen und stylisch auftretenden Künstlerin, ist vor allen Dingen eines zu sehen: Konzept, Konzept, Konzept. Awa Santesson-Sey wie sie bürgerlich heißt, arbeitet nun von London aus mit einem großartigen Team. Und noch großartigeren Vorlagen: von einem Jorja Smith-Styling über einem Gruppenbild a la Destiney’s Child- bis hin zu Beyonce und Solange Knowles Hair- and Make Up ist alles dabei, was ein RnB-Fan der jüngeren Generation zu finden hoffen vermag. “Like I do” erzählt von der Selbstbestimmung, Selbstliebe und Selbstbewusstsein, die drei großen S’s unserer heutigen Zeit, als Frauen versteht sich. Ob die 22-Jährige aber bereits in die Rolle, die ihr auferlegt worden zu sein scheint, gewachsen ist, wird sich vermutlich noch zeigen. Ein Konzept muss nicht immer von einer Künstlerin selbst kommen, aber ob sie auch hinter dem Konzept steht, oder gar daraus entwachsen ist, das ist es, worum es auch in der vermarktbaren Musik geht. Talent allein aber reicht nicht, auch und gerade in der kommerziellen Welt der Musik. Das hat aber hat sie immerhin wie bereits bei ihrem Auftritt 2012 zu sehen, jetzt heißt es nur noch werden, was sie singt, und leben. Auch mit 22.

Um Katy Perry kommt man nicht herum, denn, face it or not: sie ist eine Popikone, und vermutlich heute das, was einst Madonna war. Und umso cooler zu sehen, dass vor genau drei Jahren auf ihrer Hitsingle “Chained the Rhythm” mit ein wenig Sozialkritik Bob Marleys Enkelsohn Skip mit drauf war. Anders als die meisten Promikinder- und Angehörige ist Skip Marley scheinbar aber nicht darauf bedacht, sich zu fügen, sondern stets zu sein. Denn obwohl seine Stimme doch so sehr an die seines Großvaters erinnert, selbst auch die Erscheinung und sein eigener Singstil, so ist doch zu sehen: ein ganz eigener Charakter. In seinem neuen Video an der Seite von RnB-Queen H.E.R. besingt und beschwört er die Liebe zur Frau wie es vermutlich nur sein Großvater konnte. Mit dem Star der RnB-Stars, H.E.R. geben die beiden einen besonders guten Match an. Besonders schön einmal zu sehen; es heißt nicht Feature, sondern ein &, eine neue Art der Gleichberechtigung, bei der Frauen selbst als Duopartner, egal wie groß oder klein der Name ist, der gleiche Raum eingeräumt wird. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, und ganz gleich wie bei Michael Jacksons Neffe, dem neuen Shootingsstar Jafaar (“Got me Singing“); die Großen hinterlassen uns zumindest in unserer neuen Zeit ihre jüngeren Angehörigen, damit auch wir unsere eigenen Stars und Helden der neuen Zeit in Sachen Musik haben. Möge 2020 die beste Musik hervorbringen!

Zurzeit ist Mahalia dem ein oder Anderen sicher mit “Simmer” über den Weg gelaufen. In dem Song an der Seite von Burna Boy heizt sie richtig ein. Allein der Refrain ist neben dem gedämmten Licht eine Idee für sich. Continue reading ›

Was ist nur gerade im Deutschrap los? Exkursionen in Eurodance (Zitat, Toxic über Apache 207, sowie laut.de), Afrotrap (Rap.de mit Aria über RAF Camora und Co.), 80-er und 90-er und Sonstiges beschäftigt die Rapgemeinde, die sich in eine Art fortlaufendem Rapseminar vorgefunden sieht. Was aber war Deutschrap einmal?

Natürlich hat Deutschrap mit dem sogenannten “Müslirap” (Producer M3 im ZEIT Interview) angefangen. Die Fantastischen, Die Beginner und Fettes Brot waren lustig drauf, mochten den Bass und Beat, haben sich innerhalb der “deutschen”, vor allen Dingen damaligen sehr alternativ, aber nicht durchmischten Szene ausgetobt und feiern können. Klar, sie waren die ersten, und dabei auch sehr erfolgreich melodisch, romantisch, loyal. Mit der Migration aber kamen neue Rapper, deren Eltern nicht allein deutsch waren. Kool Savas und Rapper wie Ercandize begannen in Berlin ihre Geschichte, Bushido kam dazu, und Rapper wie Samy Deluxe aus Hamburg formten sich hervor. In der Anfangs- und Zwischenzeit hörte man auch von anderen Städten etwas: Massive Töne, oder etwa Advanced Chemistry, wovon die einen aber nur an wenige Erfolge anknüpfen konnten, wärend die Anderen regelrecht zu alternativ für die noch damals weitaus unbefruchtete HipHop-Szene selbst im Sinne des kommerziellen Conscious-Rap waren. Fremdenhass, Ausländerkriminialität wurden ohnehin immer mehr zum Thema. Was mit Xavier Naidoos Band “Adriano” begonnen hatte, über Afrob weiter getragen wurde und damit einige, neue Impulse hat geben können, endete dann doch letztendes mit Messerstecherei, denn auch deutschsprachiger Rap wanderte und veränderte sich dabei immer mehr von einer erst witzigen, dann provokanten und schlussendlich weg von einer kritischen Haltung zu einer Kopie amerikanischen Gangsterraps. Haftbefehl war geboren. Und obwohl der Stil wie er ihn hat in der Medienöffentlichkeit prägen können eher den Frankfurter Rappern Celo & Abdi zuzuschreiben und zu ordnen ist, so steht doch fest, dass eine Gewaltrealität besonders in Frankfurt bereits existierte. Die Kriminalität und der Drogenverkauf, an den hier in Frankfurt nahezu jedes Kind in Berührung kommen kann, wurde zu einem neuen Sinnbild des deutschen Raps. Continue reading ›


“Pass auf, wen du liebst!, Pass auf, wen du liebst”, rappt UFO361. Der türkisch-stämmige Berliner Rapper aus Kreuzberg ist einer jener, die dem Deutschrap etwas Wasser gegossen haben. Dank ihm kam aus Capital Bra der raus, der heute da ist. “Power” so hieß der Song, der das Beste aus beiden Berlinern rausholte. Man könnte meinen, das ist Gangsterrap auf neuem Niveau, aber es ist mehr; sogar mehr als Reaktion auf die bestehende Konkurrenz der verschiedenen Städte innerhalb des Deutschrap, nämlich originales Berliner Lebensgefühl, wenn es darum geht durchzukämpfen, und genau mit jener Lebenshaltung können sich viele in ganz Deutschland identifizieren. UFO361, der zum “Wireless-“Festival in Frankfurt einen langen Auftritt auf der Deutschrap-Bühne hatte, sang leidenschaftlich sentimental, aber sichtlich auch depressiv von Erlebnissen und durchlebten Gefühlen. Autotune und Playback waren dabei, aber heutzutage: live rappen, wer kann das schon noch? Continue reading ›

Wow, ihre Stimme! Die Sängerin Tabitha aus den Niederlanden ist ein holländisches Pendant zu Jorja Smith. Mag ihr soulig poppiger Sound noch so wenig gemein haben mit jener a cappella Musikerin, so ist doch Fakt, dass sie sich hat inspirieren lassen von britischem Pop und Rap. An Land hat sie gezogen Krept & Konan, jenes South-Londoner Drill-Duo, das gefährlich gut ist.

Denn so echt ihre Gefühle in jenem Song “Pour me another one” auch sein mögen, so ganz korrekt sind sie dann eben doch nicht. Ihr Song “Robbery” aus dem nicht zu Unrecht verurteilten Drill-Rap, entwendet der Rapmusik nicht nur ihren eigentlichen Zweck, sondern kommerzialisiert sie gar für nichts.

“Pour me another one” aber ist als Partyhymne – und Schnulzsong so harmlos, dass er mit Vorsicht vor dem Einschenken genossen werden kann. Um über Liebeskummer hinweg zu kommen, ist Alkohol ja ohnehin nicht die beste Lösung, Tabithas Stimme aber lässt so sehr mitfühlen, sodass man ganz vernünftig mithören kann. “So pour me another…of your song!

Die 22-Jährige Isländerin ist zwar noch soweit unbekannt, hat aber Superstarpotential wie die einer Zara Larsson, oder noch besser: Lykke Li aus dem skandinavischen Nachbarland Schweden. Weniger melancholisch ist sie zu Teilen, dafür aber wie auch ihre gesamte Generation optimistischer.

Denn nicht nur was die Zukunft betrifft sind die jungen Menschen heute positiver gestimmt, sondern besonders auch was ihr Körperbildnis betrifft. Glowie gehört zu jenen selbstbestimmten jungen Frauen ihres Jahrgangs, 1997. Cool drauf, was ihre Figur betrifft, aber auch, ihre Liebesbeziehungen. Ein gesünderes Verhältnis zu sich, und somit im Sinne der Selbstliebe auch gegenüber des anderen Geschlechts. Aber das erkämpfen sich eben die jungen Musikerinnen, ob mit oder ohne ihre Altersgenossinnen, ob sie nun im Vorsprung sind, oder nachziehen müssen. Auch Sara Pétursdóttir wie sie bürgerlich heißt, habe mit ihrem Körper zu kämpfen gehabt. Die als “zu dünn” geltende hat es dennoch geschafft, feucht fröhlich sich selbst an der Seite anderer in ihrem Video “I’m Good” zu bewegen und präsentieren. Entdeckt wurde sie noch nicht als eines der etlichen Models, obwohl sie das Zeug dazu hätte, ist aber auch scheinbar dazu gewillt, mehr zu erreichen, nämlich erst einmal die Zufriedenheit und innere Ruhe für sich. Wie die Sonnenblume in ihrem Gesicht im Clip, hat auch sie den Glow, und so dürfte es auch kein Zufall sein, dass ihr Name die liebliche Form eines Produktes ist, das zurzeit als Lieblingsprodukt der Jungen und Junggebliebenen die Regale aller Drogerien und Parfümerien ziert, wenn nicht aller Regale der Mädchenzimmer. Sara Pétursdóttir ist definitiv ein Glow-Girl, und so bleibt zu hoffen, dass sie aus sich erblühend noch viel mehr Hits rausbringt, aus ihren Erfahrungen, und ihrer inneren Ausstrahlung! Because… the Glow must go on!

3,7 Mio. Aufrufe in nur vier Tagen. Jorja Smith ist zwar kein Geheimnis mehr, und doch mausert sie sich langsam langsam, doch ziemlich steil nach oben an die Spitze mit nachhaltigem Effekt. An der Seite von Afrikas Superstar Burna Boy hat sie den neuen Sound zu “Be Honest” kreiert, nachdem sie ihr tatsächlich sehr viel ruhigeres Debütalbum “lost and found” veröffentlichte. Sie ist damit eine der jungen Generation englisch-sprachiger Künstlerinnen, die derzeit aktiv mit afrikanischen Musikern zusammen arbeitet statt sie zu zitieren wie es häufig der Fall war. Globalisierung und der langersehnte Schachzug aus einer Debatte um kulturelle Aneignung paaren sich dann doch recht einfach mit Jorja Smith und Burna Boys charakteristischem Sprechgesang, woraus sich letztlich trotz des kleinen Einschubs ein recht gelungenes Feature zu ergeben haben scheint.
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Ein wenig Frauenfeindlichkeit steckt darin, ein wenig Wahrheit, das ist Capo, der kleine Bruder von Haftbefehl, der in die Deutschrapszene so richtig Wind geblasen hat. Denn er hat den Flow, ähnlich wie Haftbefehl, und er hat das Bewusstsein, sein eigenes musikalisches Ding zu machen. Zwar ist er ebenfalls auf den Autotunezug gesprungen, aber seine Beauts wahren noch immer die Authentizität durch 80-er und 90-er Beats, und vor allem seinen erstklassigen Album “Alles auf Rot”.
Letzteres machte ihn so eigen und zeigt seine klare Stellung im Deutschrap, die wäre: alternativ. Ob es seine Idee war, für den zweiten Release des kommendes Capimo-Albums (Zusammenschluss der Rapper Capo und Nimo) auf einen Beat, der nicht ähnlicher als Miami von Will Smith sein könnte, drauf zu ziehen? Man weiß es nicht. Fakt ist, seine Stimme und sein Flow dazu harmonieren, und damit wäre er auch wortwörtlich ein wenig die bessere Hälfte Capimos. Das macht aber nichts, denn Nimo leitet ein, spricht die flacheren Worte, auf die man im Deutschrap ungern verzichtet und hat die schöne Singsang-Stimme. Capo widmet sich da – ein wenig älter wie er ist – eher den harten Worten zu, und machte das ganze dann auch erwachsenenreif. Ob sich Capimos Album, das in der Szene mäßig gefeiert wird, beweisen wird, zeigt sich in der Zukunft. Sicherlich aber veranlasst es einen Capimo, die nächsten eigenen Klassiker raus zu hauen. Solange heißt es “Another Day, Another Date”!

Rüsselsheim represents…Mero, der 18-jährige Enes Meral übernimmt gerade die deutsche Rapszene. In einem Neuköllner Hummus & Falafelladen droppt einer von vier Jungs den Namen Mero, als ich sage, ich komme aus der Rap-Hochburg Frankfurt-Offenbach mit Rappern wie Celo&Abdi, Haftbefehl, Capo, Nimo, Hanybal und Azzi Memo. Continue reading ›

Bushidos Ersguterjunge Signing Samra hat neulich ‘n mega Hit rausgehauen. Gangstershit mit Gefühlen. Cataleya, man weiß nicht genau, ob er sie liebt oder hasst. Womöglich eine Hassliebe.

Wie Cigdem Toprak für die Welt schrieb: Rap heute ist romantischer denn je. Wenn auch immer noch gewalttätige Stilmittel genutzt werden; im Blickpunkt ist Liebe, das La dolce vita, und der eigene Erkennungswert. Es scheint, die Jungs, die ja doch problematischer in diese Gesellschaft integriert sind, kommen an, und das auf gutem Wege allemal! Continue reading ›

Meine neueste Entdeckung, auf die ich ganz persönlich stolz bin. Nach einer Playlist zu Jorja Smith & Co. stolperte ich auf Youtube über Lolo Zouaï, die gebürtige Französin zog es im jungen Alter nach Amerika, und heute mixt sie gekonnt beide Sprachen. Warum auch sollte man das Französische, eine der meistgeliebtesten Sprachen der Welt, links liegen lassen? Und dazu singt sie eben einfach ein wenig im Chanson-Stil, neumodisch, und sagen wir retrohaft modern. Ich liebe wie sie so Wörter wie Inshallah benutzt wie aus ihrem Hitsong “Desert Rose” zu entnehmen ist. Ein anderer Hit ist: “High Highs to Low Lows” indem sie, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, ehrlich von “not just minimum wage” singt. Herrlich ehrlich! Gibt ein gutes Gefühl für eine aus der Y-Generation, really! Continue reading ›