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Rassismus tötet, lautet der Sticker, der an einer Tür der S-Bahnstation des Offenbacher Marktplatzes klebt. Ein Appell, der als Untertitel in neun weitere Sprachen übersetzt ist, will auf die Namen der Opfer des Anschlags in Hanau machen. Umgekommen ist auch Ferhat Unvar als einer der zehn Ermordeten, die bei einem terroristischen Anschlag am 19.Februar 2020 umgekommen sind. In einer Shisha-Bar.

Ferhat Unvar war gerade einmal 22 Jahre alt. Seine Heimat ist Deutschland, hier geboren und aufgewachsen, hatte er gerade seine Ausbildung beendet. Die Türkei hat er noch nie gesehen wie hr berichtete.

Ein rassistisch motivierter Mord einer Ideologie, die wir in verschiedenen Graustufen in der Gesellschaft erleben. Der Anschlag zeigt, dass der Gedanke, Menschen aufgrund ihrer Ethnie, ihres Aussehens und ihrer Kultur und Sprache noch immer auszumerzen, wenn nicht auszugrenzen und von der Gesellschaft auszuschließen, existiert. Der Schock sitzt noch immer tief, denn diese Tat hätte keiner erwartet. Gerade deshalb ist die Sensibilisierung und der weitere Kampf sowie Aufklärung gegen Rassismus in dieser Gesellschaft noch so erforderlich, damit Hanau nicht noch einmal passiert.

Es gibt nahezu nur einen, einzigen Beruf, der Frauen in der Welt der Medien sichtbar macht: grob, das Modeln. Dass Models selbst dabei die Frauen sind, die in den Medien am sichtbarsten sind, Platz bekommen und präsent sein dürfen, hat uns die Geschichte gelehrt. Und die Geschichte zeigt noch heute, dass wir in einer übersexualisierten Gesellschaft leben, in der der Frau nur ein Platz zugewiesen wird.

Als sichtbarste Repräsentantinnen und Soldatinnen an der fordersten Front der Medien, haben sie in der Medienwelt die Frau zu repräsentieren gewusst, aber in ihrem Frauenbild auch zur Stagnation geführt.

Sie werden gebucht, und erhalten – im Idealfall – als Gegenleistung ein Honorar. Fürs Laufen, Gesichtherhalten und Posieren. Dass dabei das eine Model glaubwürdiger als das Andere ist, zeugt von harter Arbeitskraft. Aber, wie die ein oder andere Arbeitskraft auch, werden sie ausgenutzt. Und das auch zu Kosten anderer Frauen.

Die meist weiblichen Models haben wie alle anderen Frauen auch ihr Recht, sich zu zeigen, und mit ihrem Körper und ihrer Arbeit damit, Geld zu verdienen. Nicht selten sind sie in der Modewelt auch Businessfrau, die ihren Körper bewusst einzusetzen weiß.

Und dennoch, – das war das eigentliche Problem in den letzten Jahren, wenn nicht im letzten Jahrhundert – wird und wurde das Aussehen eines Models mit Produkten verkauft, und umgekehrt Produkte mit der Frau.

Dies führte zum Einen dazu, dass der Beruf eine Illusion von Schöheit erschaffen und genährt hat, gleichzeitig – und das war das Schwerwiegendere daran – hat der Beruf dazu geführt, dass Frauen in einem einzigen Beruf haben Anerkennung erhalten können, als Frauen. Denn nach wie vor bleiben Frauen in männerdominierten Welten und Berufsfeldern unsichtbar.

Es gibt wenige Berufsfelder, die Frauen zulassen und gleichwertig betrachten. Männer hingegen sind in den Medien weiterhin sichtbar als Manager, Medienmogul, CEO, Comedian, Künstler, Rapper, Journalist, Moderator, Polizist, etc. Frauen hingegen sind überdimensional häufig in Medien in der Rolle als Model dargestellt. Angela Merkel, das ist die Ausnahme.

Wenn Medien Spiegel der Gesellschaft sind, dann ist Grund für die Unsichtbarkeit der Frau in der Medienwelt, dass Frau auch in der Realität nicht überall präsentiert sind. Aber wenn es eine Instanz gibt, die Medien selbst lenkt- und die gibt es durchaus – dann ist sie mitverantwortlich dafür, dass Frauen in ihrer üblichen Rolle dargestellt sieht: mit Körper als Hausfrau und Gebährmaschine. Die meisten Models repräsentieren nichts Anderes als das. Keinen Beruf, sondern einem gewissen Frauenbild.

Kontrovers ist dies deshalb, weil Models als das gelten, was der Name bereits sagt, als Vorbild oder gar “Anschaubild”, in der Mode. In Mode ist, dass Frauen nach wie vor nicht viel wert sind. Das ist für die Modewelt von Vorteil. Für die Frauen selbst, die in dieser Welt arbeiten, finanziell vielleicht auch. Platz aber, und das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, wird Frauen sonst nicht gemacht. Und solange heißt es weiterhin vor der Linse “Lächel mehr, zeig mir mehr von dir. Hier, bitte, mach!”

Als ich vor einigen Monaten im Feed eines Models auf Instagram den Spruch “Girls compete with one another. Women support each other” las, war ich inspiriert, ergriffen und zugleich bestärkt, Selbiges zu tun. Andere Frauen ebenso zu unterstützen wie ich es selbst habe erfahren dürfen.

Der Zusammenhalt zwischen Frauen ist genauso sehr Ziel des Feminismus wie die Gleichstellung zwischen Mann und Frau. Letzteres wird vom Mann erwartet. Doch die Bedingung unter Frauen, einander zu respektieren und gleichwertig zu behandeln, ist genauso sehr eine Erwartung, die zu Tage treten soll.

Feminismus ist wieder wichtig. Es geht zwar in der westlich geprägten Welt nicht mehr um das Recht, arbeiten zu dürfen, sondern das Recht, auf der Arbeit und überall anders auch, gleichwertig behandelt zu werden.

Feminismus muss daher neu definiert werden, sich den gesellschaftlichen Veränderungen anpassen, und zuletzt auch Frauen herausfordern, sich selbst und ihre Anforderungen zu deklinieren.

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Es gibt viele Frauen, die sich gerne vergleichen. Hin und wieder gehöre ich auch zu diesen unsympathischen Frauen. Im Fitness-Studio, in den Öffentlichen, auf der Landstraße, aus dem Auto. Ein wenig ist es “normal”, aber ein wenig ist es verstörend, wenn es ältere Frauen tun, die sich mit Jüngeren vergleichen. Seit ich meine Haare kurz trage, passiert es immer und immer wieder, dass ältere Frauen sich mit meinem Haar vergleichen. Ich schwanke zwischen Rassismus – meine Haare sind auffällig dunkel – und dem einfachen Neidtrieb in einer Gesellschaft, in der ohnehin Jugendwahn und Neid besteht.

Im Türkischen sagt man über einen Mann, der “glotzt”: öküz, was auf Deutsch “Ochse” heißt, aber nicht sehr nett gemeint ist. Eine Frau sagt es, wenn sie begafft wird, auch in der Türkei kommt das Hin und Wieder vor, wenn nicht andauernd. Mittlerweile aber muss ich einsehen, dass Deutschland da nicht fortschrittlicher ist. Hier glotzt jeder Mann eine Frau an, die er gut findet. Hat man aber die Frau gefragt, ob sie das will? Frauen glotzen ja auch nicht den ganzen Tag minutenlang andere Männer an. Sexuelle Belästigung über Körperkontakt ist ja schon ein Tabu, wie dürfte man sich da je über “harassment” mit Blicken beschweren? Mit Gutaussehen oder die-Blicke-auf-sich-ziehen hat das nicht viel gemein. Es ist sexistisch, aber nicht etwa, weil es Männer tun, sondern der weitverbreitete Irrglaube besteht, Männer dürften Frauen anglotzen bis sie nachgibt. Ob schüchtern, oder aufreisserisch spielt dabei keine Rolle.

Es gibt natürlich auch Frauen, die sich gerne von Männern verführen lassen. Mir fällt da eine Frau ein, die auf sozialen Medien sich gerne mit anderen Männern zeigt. Sie ist Journalistin. Und wenn sie die Gelegenheit hat, gutaussehende, prominente, junge Männer zu treffen, macht sie die gern mal an, Zwinker hier, Zwinker da.

Aber das ist zum Glück nur die Ausnahme. In “reicheren” Gesellschaften, nennt man sie ja eigentlich “Sugarmama”. Zurück zu den Männern auf der Straße. Bei den Amerikanern nennt man das “Catcalling”, aber wie ein Video einer New Yorkerin zeigte, müssen sich die Frauen dort weitaus mehr Kommentare geben. Das aber dürfte hier auf “Deutschboden” nicht so gerne verbal geschehen, sondern mit Blicken. Und der nennt sich Sexismus.

Deutsch-türkische Gesellschaft treffen sich einmal: in der deutschen Gesellschaft ist es genauso wie in der deutsch-türkischen und zu guterletzt auch türkischen Gesellschaft verpöhnt, mit 30 Jahren unkoventionell zu leben. In der Türkei heißt es dann “evde kalmis” (zu Haus geblieben), wenn eine Frau nicht genügend Heiratsanträge bekommen hat, und noch immer bei den Eltern wohnt. In der deutschen Gesellschaft gibt es das zum Glück ja nicht, das Beleidigen und Lustigmachen über Frauen, die nicht im hohen Alter geheiratet haben, was es aber sehr wohl gibt: den Glauben, eine Frau, sei dann für jeden verfügbar. Wenn sie nicht in festen Händen ist. Für die deutsch-türkische Gesellschaft in Deutschland bedeutet das dann doppelte Last: Es wird gelästert, und verurteilt. #Geschlechterdebatteheute #wasdirdeinsoziologiestudiumnichterzählt

Heute im Hugendubel. Eine innere Stimme sagt: “Nein, geh da nicht rein, nein, die wollen dich da nicht.” Was sich jetzt witzig oder fast gespentisch gruselig anhört, ist eine Stimme, die besonders vor dem Eingang nicht wegzukriegen ist. Nicht nur die Temperatur wird unangenehm, wenn die Glastüren aufgebrochen werden, sondern das menschliche Klima. Bänker huschen in ihrer Mittagspause vorbei, Leseratten blicken gierig um sich, während sie sich müßig mäßig bewegen, Geschäftsfrauen stolzieren rücksichtslos stumpend. Da denkt man sich einmal, heute mal nicht auf Sparmodus machen und auf amazon bestellen, das Klima schonen, die deutsche Wirtschaft ankurbeln, und direkt bei einer Buchhandlung kaufen (wenn auch Kette), die eben ein persönlicheres und größeres Angebot hat, und durch gelungene Import – Exportverträge nahezu jedes aktuelle Buch im Bestand hat. Falsch gelegen. Schwarze Haare, schwarze Augen, schwarze Augenbrauen, noch nie in einer Buchhandlung gesehen: “Hilfe, der Kanacke ist da”, und so wie die auch noch aussieht, kann die doch gar nicht lesen. Deutsche Vorurteile, welcome! Kanacke, hübsch, Modemädchen, Anlass also. “Ähh, doch, schon, also Lesen und Schreiben lernt man ja schon auch, selbst in einem Schwellen- oder Entwicklungsland.” Aber die Damen und Herren der Hugendubel-Mitarbeiterschaft sind weder geschult, noch belesen, wenn es um unterschiedliche Menschen, gar Kunden geht. Sind das dann nicht die eigentlichen Kulturbanausen, die sich für die eigentliche Elite des deutschen Hochadels aus Literatur und Theater halten? Leider kennen die meisten Mitarbeiter nicht einmal die Standardwerke, das ist traurig, aber auch nicht verwunderlich, wenn immer wieder die Rede einer Buchmarktkrise ist. Bei aller (Kapitalismuskritik-)Liebe, so leicht verschlägt es den ungebildeten Türken dann doch nicht wieder in die Hugendubel-Buchhandlung. Der Büchermarkt selbst frisst ihre Bücher, nicht die Kinder, und schon gar nicht die mit Migrationshintergrund. Stichpunkt: Interkulturelle Kompetenzen, die in der ein oder anderen, deutschen Institution noch immer nicht angekommen ist. Ein Umdenken muss stattfinden, Sensibilisierung, gerade in einer hohen Kultur wie der Literatur und Kunst.