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Deutsch-türkische Gesellschaft treffen sich einmal: in der deutschen Gesellschaft ist es genauso wie in der deutsch-türkischen und zu guter Letzt auch türkischen Gesellschaft verpöhnt, mit 30 Jahren unkoventionell zu leben. In der Türkei heißt es dann “evde kalmis” (zu Haus geblieben), wenn eine Frau nicht genügend Heiratsanträge bekommen hat, und noch immer bei den Eltern wohnt. In der deutschen Gesellschaft gibt es das zum Glück ja nicht, das Beleidigen und Lustigmachen über Frauen, die nicht im hohen Alter geheiratet haben, was es aber sehr wohl gibt: den Glauben, eine Frau, sei dann für jeden verfügbar. Wenn sie nicht in festen Händen ist. Für die deutsch-türkische Gesellschaft in Deutschland bedeutet das dann doppelte Last: Es wird gelästert, und verurteilt. #Geschlechterdebatteheute #wasdirdeinsoziologiestudiumnichterzählt

Ist es meine Schuld, einer Gruppe anzugehören, die von der Gesellschaft als wertlos erachtet wird? Muslimisch, türkisch, Frau. Keine besonders angenehmen Eigenschaften für eine deutsche Kultur. Verständlich, doch auch verletzend. Denn wie kann eine junge Frau mit jenen Wurzeln und Angehörigkeiten eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen? So nämlich werden doch die meisten behandelt.

Mein Chef machte Witze über mich, er fand mein Äußeres komisch. Grund für sexuelle Anmachen und Exotisierung. Aber, und das war deutlich schlimmer, fand er, dass ich gar nicht in das Unternehmen passte. Nicht, weil ich nicht gut genug war, sondern scheinbar nicht die Ideale und Werte des Unternehmens repräsentierte. Ich war nicht christlich genug. Er meinte, ich hätte nicht verstanden, worum es “den Deutschen” geht. Um den Aufkärungsgedanken etwa, Freiheit, aber auch andere Dinge, die hier zu Lande so wichtig sind. Er fand mich durchweg lächerlich. Wie ich den Job dennoch bekam? Über einen Kollegen, der meine Kompetenzen sah.

Dieser Chef, der selbst nur angestellt war, erhoffte sich, mich weg ekeln zu können. Er mied mich, ließ nicht zu, dass ich mich weiterentwickeln konnte. Ich wusste nicht genau, was ich hätte tun müssen, um diesem und jenem gerecht zu werden. Ich las mehr, ich machte mehr. Ich setzte mich unter Druck. Ich versuchte, ihm aufzufallen, besonders zu wirken, mich von jener besagten Gruppe abzugrenzen. Ich tat so, als sei ich doch eine von ihnen.

Irgendwann aber bemerkte ich, dass nicht ich das Problem war, sondern er. Ganz genau wie Barbara Schöneberger das Problem ist, und nicht die Roma und Sinti. Erst neulich machte die deutsche Moderatorin folgende Bemerkung, die scheinbar zum Lachen bringen sollte, doch auf Kosten anderer: “Zigeunersauce heißt jetzt: Sauce ohne festen Wohnsitz.”

Diese Aussage trifft mich. Nicht ganz so hart wie es den Zentralrat der Roma und Sinti tut, die diesen scheinbar harmlosen Kommentar zu Recht als “beschämend” und “unwürdig” bezeichnen. Er trifft mich nicht, weil ich jener Gruppe angehöre, sondern, weil ich weiß, dass auch über Türken jene Vorurteile im Umlauf sind.

Türken in Deutschland werden noch immmer als Tiere angesehen, stupide, nicht ausreichend für Intellekt und Jobs, die im Bereich der Kultur sind.

Ich bin noch nicht sicher, wohin es mich als nächstes zieht. Fest steht, dass ein Unternehmen, in dem auf Kompetenz wertgelegt wird, mein neues Ziel ist.