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Viele Frauen und Männer sind frauenfeindlich, oder frauenfeindselig. Was sie auszeichnet – ob Frau, ob Mann, ist ihr Verhalten dem weiblichen Geschlecht gegenüber. Frauen behandeln andere Frauen ebenso herablassend, unfreundlich und abwertend. Denn in ihren Augen ist das weibliche Geschlecht weniger wert, und leider auch weniger Mensch. Wenn also von oben Frauenfeindlichkeit produziert wird, zieht sich das hierarchisch bis in die untersten Rangreihen einer Firma.

“Dann formte Gott, der Herr, eine Frau aus der Rippe, die er Adam entnommen hatte” (1. Mose 2,22). Diese Geschichte durchzieht sich durch die christliche. Sie besagt, dass die Frau aus dem Manne entstanden wurde, und nur an zweiter Stelle steht. Erst der Mann wurde kreiert, dann die Frau. Besonders in der christlichen Kultur herrscht auch deshalb Frauenfeindlichkeit und ebenso keine Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit. Sexismus.

Die Ansichten, dass Männer das bessere und überlegenere Geschlecht ist, teilen ebenso viele Frauen an der Spitze wie Männer. Sie sind anderen Frauen gegenüber voreingenommen, und nehmen sie nicht ihrer würdig. Wie das möglich ist? In dem sie sich den männlichen Attributen hingeben und den männlichen Habitus annehmen. Kurzes Haar, Vernunft über Emotionalität und Rücksichtslosigkeit wird geliefert. Von der Frau wird noch heute – ob in Führungsposition oder nicht – abverlangt, männlich auszusehen und sich auch so zu geben. Denn sonst wird ihre Kompetenz in Frage gestellt. “Wir erlauben es uns nicht, Weiblichkeit und Autorität zusammen zu denken” wie Prof. Dr. Barbara Vinken bereits attestierte.

Dies gilt für Frauen immer dann, wenn sie sich auf dem Arbeitsplatz auf ein männerdominiertes Feld begeben. Sie mögen das Sagen haben, aber keineswegs sind sie bereit, anderen Frauen Platz zu machen. Männer sind dabei aber auch in ihrer Welt nur Anhängsel, und die schlechteren Männer. Der Übermut und die Männerfeindlichkeit lebt auch in Deutschland insbesondere noch nach Alice Schwarzer, und der Feminismus-Bewegung seit den 60-ern und 70ern. Gleichzeitig ist nicht sicher, ob sie sich heimlich noch danach sehnen, so richtig Frau-sein zu können, oder längst die Weiblichkeit wie sie sie gerne ausleben würden, abgehängt und aufgegeben haben.

Diese Frauen, die sich in den höchsten Spitzenpositionen niedergelassen haben, sind in einem Ruhestand, nach vermutlich vielen Geschlechterkämpfen. Sie haben sich in dieser Zeit auch einer neuen Identität angenommen, lehnen alles Weibliche ab, besonders Frauen, die ihre Weiblichkeit nach wie vor leben, und sie sprechen sich die Eigenschaften zu, die in unserer Gesellschaft den Männern zugeordnet wird; Intellekt, Allwissen, Erhabenheit, auch sonst: Distanz, Geniekult und Entschlossenheit sowie Durchsetzungsverögen. Allesamt Führungsqualitäten, die heutzutage angepriesen und mitunter verlangt werden. Sowohl Männer als auch Frauen wissen es dabei, andere Frauen, die nicht versuchen, sich den Erwartungen hinzugeben, zu unterdrücken.

Während Männer und Frauen in der Arbeitswelt besonders andere Frauen erniedrigen, verstehen sich die Frauen, die sich als Frauen betrachten wollen, emotional, schwach und gleichzeitig empathisch. Diese Eigenschaften sind in der Arbeitswelt selten gefragt. Und so kommt es zum Ausfechten. Frauen an der Spitze stechen an der Spitze andere Frauen aus. Das tun ihnen auch Männer gleich, obwohl Männer nach einem Konkurrenzdenken im Gefilde mit anderen Männern üblicherweise konkurrieren.

Wenn also Männer, im klassischen Sinne, mit Frauen konkurrieren, ist das nicht nur Frauenfeindlichkeit, sondern auch gegen die Natur. Konkurrieren Frauen mit Frauen, so bedeudetet dies, dass sie sich so verhalten, wie wir es von Männern erwarten: konkurrenzfähig (Barber, Watson 1991) Ebenso unüblich.

Frauen werden auch zu diesem eher “männlich” konnotierten Verhalten gebracht, da Frauen nur als Hahn im Korb bestehen können. Menschen werden nicht nach Kompetenz eingestellt, sondern nach geschlechtlichem Wesen. Kommt also eine weitere Frau in das Revier einer Frau, endet es nicht sehr frauenfreundlich. Die Frauenquote ist ein Erzeugnis all dessen, und sie fördert die Frauenfeindlichkeit unter Frauen. Denn den Platz bekommt nicht, wer gut ist, sondern frau. Was dagegen getan werden kann? Kompetenz statt Geschlechterdiskriminierung – und positivierung als Qualifizierung für einen Job.

Und zuguterletzt auch das Aufrollen einem so tabuisierten Themas: Frauenfeindlichkeit unter Frauen in Deutschland. Das hilft nämlich weder den Männern, und ganz besonders kaum einer Frau. Ganz besonders nicht in der Arbeitswelt. Frauenquote hin oder her, auch in der Chef-Etage.

Literaturangabe: Jill Barber/ Rita Watson “frau gegen frau – Rivalinnen im Beruf”, 1991, Rowohlt Verlag GmbH

Rassismus tötet, lautet der Sticker, der an einer Tür der S-Bahnstation des Offenbacher Marktplatzes klebt. Ein Appell, der als Untertitel in neun weitere Sprachen übersetzt ist, will auf die Namen der Opfer des Anschlags in Hanau machen. Umgekommen ist auch Ferhat Unvar als einer der zehn Ermordeten, die bei einem terroristischen Anschlag am 19.Februar 2020 umgekommen sind. In einer Shisha-Bar.

Ferhat Unvar war gerade einmal 22 Jahre alt. Seine Heimat ist Deutschland, hier geboren und aufgewachsen, hatte er gerade seine Ausbildung beendet. Die Türkei hat er noch nie gesehen wie hr berichtete.

Ein rassistisch motivierter Mord einer Ideologie, die wir in verschiedenen Graustufen in der Gesellschaft erleben. Der Anschlag zeigt, dass der Gedanke, Menschen aufgrund ihrer Ethnie, ihres Aussehens und ihrer Kultur und Sprache noch immer auszumerzen, wenn nicht auszugrenzen und von der Gesellschaft auszuschließen, existiert. Der Schock sitzt noch immer tief, denn diese Tat hätte keiner erwartet. Gerade deshalb ist die Sensibilisierung und der weitere Kampf sowie Aufklärung gegen Rassismus in dieser Gesellschaft noch so erforderlich, damit Hanau nicht noch einmal passiert.

Es gibt nahezu nur einen, einzigen Beruf, der Frauen in der Welt der Medien sichtbar macht: grob, das Modeln. Dass Models selbst dabei die Frauen sind, die in den Medien am sichtbarsten sind, Platz bekommen und präsent sein dürfen, hat uns die Geschichte gelehrt. Und die Geschichte zeigt noch heute, dass wir in einer übersexualisierten Gesellschaft leben, in der der Frau nur ein Platz zugewiesen wird.

Als sichtbarste Repräsentantinnen und Soldatinnen an der fordersten Front der Medien, haben sie in der Medienwelt die Frau zu repräsentieren gewusst, aber in ihrem Frauenbild auch zur Stagnation geführt.

Sie werden gebucht, und erhalten – im Idealfall – als Gegenleistung ein Honorar. Fürs Laufen, Gesichtherhalten und Posieren. Dass dabei das eine Model glaubwürdiger als das Andere ist, zeugt von harter Arbeitskraft. Aber, wie die ein oder andere Arbeitskraft auch, werden sie ausgenutzt. Und das auch zu Kosten anderer Frauen.

Die meist weiblichen Models haben wie alle anderen Frauen auch ihr Recht, sich zu zeigen, und mit ihrem Körper und ihrer Arbeit damit, Geld zu verdienen. Nicht selten sind sie in der Modewelt auch Businessfrau, die ihren Körper bewusst einzusetzen weiß.

Und dennoch, – das war das eigentliche Problem in den letzten Jahren, wenn nicht im letzten Jahrhundert – wird und wurde das Aussehen eines Models mit Produkten verkauft, und umgekehrt Produkte mit der Frau.

Dies führte zum Einen dazu, dass der Beruf eine Illusion von Schöheit erschaffen und genährt hat, gleichzeitig – und das war das Schwerwiegendere daran – hat der Beruf dazu geführt, dass Frauen in einem einzigen Beruf haben Anerkennung erhalten können, als Frauen. Denn nach wie vor bleiben Frauen in männerdominierten Welten und Berufsfeldern unsichtbar.

Es gibt wenige Berufsfelder, die Frauen zulassen und gleichwertig betrachten. Männer hingegen sind in den Medien weiterhin sichtbar als Manager, Medienmogul, CEO, Comedian, Künstler, Rapper, Journalist, Moderator, Polizist, etc. Frauen hingegen sind überdimensional häufig in Medien in der Rolle als Model dargestellt. Angela Merkel, das ist die Ausnahme.

Wenn Medien Spiegel der Gesellschaft sind, dann ist Grund für die Unsichtbarkeit der Frau in der Medienwelt, dass Frau auch in der Realität nicht überall präsentiert sind. Aber wenn es eine Instanz gibt, die Medien selbst lenkt- und die gibt es durchaus – dann ist sie mitverantwortlich dafür, dass Frauen in ihrer üblichen Rolle dargestellt sieht: mit Körper als Hausfrau und Gebährmaschine. Die meisten Models repräsentieren nichts Anderes als das. Keinen Beruf, sondern einem gewissen Frauenbild.

Kontrovers ist dies deshalb, weil Models als das gelten, was der Name bereits sagt, als Vorbild oder gar “Anschaubild”, in der Mode. In Mode ist, dass Frauen nach wie vor nicht viel wert sind. Das ist für die Modewelt von Vorteil. Für die Frauen selbst, die in dieser Welt arbeiten, finanziell vielleicht auch. Platz aber, und das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, wird Frauen sonst nicht gemacht. Und solange heißt es weiterhin vor der Linse “Lächel mehr, zeig mir mehr von dir. Hier, bitte, mach!”

Als ich vor einigen Monaten im Feed eines Models auf Instagram den Spruch “Girls compete with one another. Women support each other” las, war ich inspiriert, ergriffen und zugleich bestärkt, Selbiges zu tun. Andere Frauen ebenso zu unterstützen wie ich es selbst habe erfahren dürfen.

Der Zusammenhalt zwischen Frauen ist genauso sehr Ziel des Feminismus wie die Gleichstellung zwischen Mann und Frau. Letzteres wird vom Mann erwartet. Doch die Bedingung unter Frauen, einander zu respektieren und gleichwertig zu behandeln, ist genauso sehr eine Erwartung, die zu Tage treten soll.

Feminismus ist wieder wichtig. Es geht zwar in der westlich geprägten Welt nicht mehr um das Recht, arbeiten zu dürfen, sondern das Recht, auf der Arbeit und überall anders auch, gleichwertig behandelt zu werden.

Feminismus muss daher neu definiert werden, sich den gesellschaftlichen Veränderungen anpassen, und zuletzt auch Frauen herausfordern, sich selbst und ihre Anforderungen zu deklinieren.

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Es gibt viele Frauen, die sich gerne vergleichen. Hin und wieder gehöre ich auch zu diesen unsympathischen Frauen. Im Fitness-Studio, in den Öffentlichen, auf der Landstraße, aus dem Auto. Ein wenig ist es “normal”, aber ein wenig ist es verstörend, wenn es ältere Frauen tun, die sich mit Jüngeren vergleichen. Seit ich meine Haare kurz trage, passiert es immer und immer wieder, dass ältere Frauen sich mit meinem Haar vergleichen. Ich schwanke zwischen Rassismus – meine Haare sind auffällig dunkel – und dem einfachen Neidtrieb in einer Gesellschaft, in der ohnehin Jugendwahn und Neid besteht.

Im Türkischen sagt man über einen Mann, der “glotzt”: öküz, was auf Deutsch “Ochse” heißt, aber nicht sehr nett gemeint ist. Eine Frau sagt es, wenn sie begafft wird, auch in der Türkei kommt das Hin und Wieder vor, wenn nicht andauernd. Mittlerweile aber muss ich einsehen, dass Deutschland da nicht fortschrittlicher ist. Hier glotzt jeder Mann eine Frau an, die er gut findet. Hat man aber die Frau gefragt, ob sie das will? Frauen glotzen ja auch nicht den ganzen Tag minutenlang andere Männer an. Sexuelle Belästigung über Körperkontakt ist ja schon ein Tabu, wie dürfte man sich da je über “harassment” mit Blicken beschweren? Mit Gutaussehen oder die-Blicke-auf-sich-ziehen hat das nicht viel gemein. Es ist sexistisch, aber nicht etwa, weil es Männer tun, sondern der weitverbreitete Irrglaube besteht, Männer dürften Frauen anglotzen bis sie nachgibt. Ob schüchtern, oder aufreisserisch spielt dabei keine Rolle.

Es gibt natürlich auch Frauen, die sich gerne von Männern verführen lassen. Mir fällt da eine Frau ein, die auf sozialen Medien sich gerne mit anderen Männern zeigt. Sie ist Journalistin. Und wenn sie die Gelegenheit hat, gutaussehende, prominente, junge Männer zu treffen, macht sie die gern mal an, Zwinker hier, Zwinker da.

Aber das ist zum Glück nur die Ausnahme. In “reicheren” Gesellschaften, nennt man sie ja eigentlich “Sugarmama”. Zurück zu den Männern auf der Straße. Bei den Amerikanern nennt man das “Catcalling”, aber wie ein Video einer New Yorkerin zeigte, müssen sich die Frauen dort weitaus mehr Kommentare geben. Das aber dürfte hier auf “Deutschboden” nicht so gerne verbal geschehen, sondern mit Blicken. Und der nennt sich Sexismus.

Deutsch-türkische Gesellschaft treffen sich einmal: in der deutschen Gesellschaft ist es genauso wie in der deutsch-türkischen und zu guterletzt auch türkischen Gesellschaft verpöhnt, mit 30 Jahren unkoventionell zu leben. In der Türkei heißt es dann “evde kalmis” (zu Haus geblieben), wenn eine Frau nicht genügend Heiratsanträge bekommen hat, und noch immer bei den Eltern wohnt. In der deutschen Gesellschaft gibt es das zum Glück ja nicht, das Beleidigen und Lustigmachen über Frauen, die nicht im hohen Alter geheiratet haben, was es aber sehr wohl gibt: den Glauben, eine Frau, sei dann für jeden verfügbar. Wenn sie nicht in festen Händen ist. Für die deutsch-türkische Gesellschaft in Deutschland bedeutet das dann doppelte Last: Es wird gelästert, und verurteilt. #Geschlechterdebatteheute #wasdirdeinsoziologiestudiumnichterzählt