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Wenn von Sexismus in Deutschland die Rede ist, scheiden sich die Geister. Die einen meinen, “Sowas gibts hier gar nicht”, und die Anderen finden, “doch, und ob es den gibt, du siehst ihn nur nicht.” Und wo ist er sichtbar? Dort, wo er nur unsichtbar sein kann: hinter den Mauern der Arbeitszimmer der Unternehmen. Junge Frauen werden hin- und hergeschickt, müssen Kaffee kochen, die Recherchearbeit leisten. Aufgaben, für die sich die Männer oft zu schade sind. Die Figur wird ausgecheckt, die Kleider kommentiert, und dann, wenns noch schlimmer wird, untergraben, angemacht, und eingeladen.

Das Problem mit Unternehmen ist, dass sie denken, dass Frauen etwas von ihnen wollen und ihre Antwort darauf ist: “Nee, bekommste net.” Okay, und was wollen Frauen? Frauen wollen die selben Arbeitsbedingungen. Mehr ist es nicht. Die Köpfe jener Männer aber, die noch scheinbar in den 60ern leben, sind an die strukturellen Veränderungen nicht angepasst. Sie sind auch nicht aufgeklärt über die neuen Bestimmungsrechte und Möglichkeiten, die Frauen heute haben.

Es mögen zwar nur kleine Nuancen sein, die Frauen sich noch in der Welt der Männer unter dem Feminismus erkämpfen wollen, doch wenn auch Unterstützung und Beachtung Frauen gegenüber stattfindet, so sind auch heute noch die Rechte der Frauen nicht ausreichend ausgeschöpft.

Denn, wann immer Frauen die Gelände und Terrains betreten, die vornehmlich von Männern gemacht, bedient und im Glauben geführt werden, sie seien Eigentum der Männer, wird der Irrglauben spürbar.

Überwiegend in der Arbeitswelt und in diverser Machtgefilde, anders gesagt: wann immer von Einfluss, Aufsicht und Führungsqualitäten wie auch analytisches Denken die Rede ist, werden die so eben genannten Fähigkeiten dem männlichen Geschlecht zugeschrieben, und von den meisten Männern beansprucht. Frauen wird trotz Kompetenz und Qualifizierung kein fairer Vortritt gelassen, obwohl es doch sonst so schön “Ladies first” heißt.

Gerade wenn es auch um Sexismus geht, der sich über Kommentare und Blicke äußert, passiert es, dass einmal mehr Vergewaltigungen als eigentliches Problem des Sexismus genannt werden, was sie auch sind, was aber dem anderen männlich geprägtem Sexismus Recht ist, da die dortigen sehr viel kleineren Espakaden, die häufig kleinen Foltereien gleichkommen, gekonnt ignorierbar gemacht werden können. Das lässt das Anprangern nicht zu. Von Aufstiegs- und Entwicklungschancen sei erst gar nicht die Rede.

Es ist häufig verständlich, dass der Sexismus in Deutschland unter den Teppich gekehrt wird, oder noch besser: verleugnet. Oft heißt es dann, “neeee, wir sind hier nicht im Nahen Osten. Also Frauen dürfen hier Autofahren, und sie dürfen auch arbeiten, und, naja, sie dürfen sich im Zweifelsfall scheiden lassen, können abtreiben, oder auch Mutterschutz bekommen.” Fakt ist doch aber, dass das alles nur Vorwände von den Männern sind, die sich selbst an dem eigentlichen Sexismus in Deutschland, der sich in anderer Form äußert, beteiligen, davon profitieren und sich die Debatte, die ablenkt, zu Nutze machen. Continue reading ›

Viele Frauen und Männer sind frauenfeindlich, oder frauenfeindselig. Was sie auszeichnet – ob Frau, ob Mann, ist ihr Verhalten dem weiblichen Geschlecht gegenüber. Frauen behandeln andere Frauen ebenso herablassend, unfreundlich und abwertend. Denn in ihren Augen ist das weibliche Geschlecht weniger wert, und leider auch weniger Mensch. Wenn also von oben Frauenfeindlichkeit produziert wird, zieht sich das hierarchisch bis in die untersten Rangreihen einer Firma.

“Dann formte Gott, der Herr, eine Frau aus der Rippe, die er Adam entnommen hatte” (1. Mose 2,22). Diese Geschichte durchzieht sich durch die christliche. Sie besagt, dass die Frau aus dem Manne entstanden wurde, und nur an zweiter Stelle steht. Erst der Mann wurde kreiert, dann die Frau. Besonders in der christlichen Kultur herrscht auch deshalb Frauenfeindlichkeit und ebenso keine Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit. Sexismus.

Die Ansichten, dass Männer das bessere und überlegenere Geschlecht ist, teilen ebenso viele Frauen an der Spitze wie Männer. Sie sind anderen Frauen gegenüber voreingenommen, und nehmen sie nicht ihrer würdig. Wie das möglich ist? In dem sie sich den männlichen Attributen hingeben und den männlichen Habitus annehmen. Kurzes Haar, Vernunft über Emotionalität und Rücksichtslosigkeit wird geliefert. Von der Frau wird noch heute – ob in Führungsposition oder nicht – abverlangt, männlich auszusehen und sich auch so zu geben. Denn sonst wird ihre Kompetenz in Frage gestellt. “Wir erlauben es uns nicht, Weiblichkeit und Autorität zusammen zu denken” wie Prof. Dr. Barbara Vinken bereits attestierte.

Dies gilt für Frauen immer dann, wenn sie sich auf dem Arbeitsplatz auf ein männerdominiertes Feld begeben. Sie mögen das Sagen haben, aber keineswegs sind sie bereit, anderen Frauen Platz zu machen. Männer sind dabei aber auch in ihrer Welt nur Anhängsel, und die schlechteren Männer. Der Übermut und die Männerfeindlichkeit lebt auch in Deutschland insbesondere noch nach Alice Schwarzer, und der Feminismus-Bewegung seit den 60-ern und 70ern. Gleichzeitig ist nicht sicher, ob sie sich heimlich noch danach sehnen, so richtig Frau-sein zu können, oder längst die Weiblichkeit wie sie sie gerne ausleben würden, abgehängt und aufgegeben haben.

Diese Frauen, die sich in den höchsten Spitzenpositionen niedergelassen haben, sind in einem Ruhestand, nach vermutlich vielen Geschlechterkämpfen. Sie haben sich in dieser Zeit auch einer neuen Identität angenommen, lehnen alles Weibliche ab, besonders Frauen, die ihre Weiblichkeit nach wie vor leben, und sie sprechen sich die Eigenschaften zu, die in unserer Gesellschaft den Männern zugeordnet werden; Intellekt, Allwissen, Erhabenheit, auch sonst: Distanz, Geniekult und Entschlossenheit sowie Durchsetzungsvermögen. Allesamt Führungsqualitäten, die heutzutage angepriesen und mitunter verlangt werden. Sowohl Männer als auch Frauen wissen es dabei, andere Frauen, die nicht versuchen, sich den Erwartungen hinzugeben, zu unterdrücken.

Während Männer und Frauen in der Arbeitswelt besonders andere Frauen erniedrigen, verstehen sich die Frauen, die sich als Frauen betrachten wollen, emotional, schwach und gleichzeitig empathisch. Diese Eigenschaften sind in der Arbeitswelt selten gefragt. Und so kommt es zum Ausfechten. Frauen an der Spitze stechen an der Spitze andere Frauen aus. Das tun ihnen auch Männer gleich, obwohl Männer nach einem Konkurrenzdenken im Gefilde mit anderen Männern üblicherweise konkurrieren.

Wenn also Männer, im klassischen Sinne, mit Frauen konkurrieren, ist das nicht nur Frauenfeindlichkeit, sondern auch gegen die Natur. Konkurrieren Frauen mit Frauen, so bedeudetet dies, dass sie sich so verhalten, wie wir es von Männern erwarten: konkurrenzfähig (Barber, Watson 1991) Ebenso unüblich.

Frauen werden auch zu diesem eher “männlich” konnotierten Verhalten gebracht, da Frauen nur als Hahn im Korb bestehen können. Menschen werden nicht nach Kompetenz eingestellt, sondern nach geschlechtlichem Wesen. Kommt also eine weitere Frau in das Revier einer Frau, endet es nicht sehr frauenfreundlich. Die Frauenquote ist ein Erzeugnis all dessen, und sie fördert die Frauenfeindlichkeit unter Frauen. Denn den Platz bekommt nicht, wer gut ist, sondern frau. Was dagegen getan werden kann? Kompetenz statt Geschlechterdiskriminierung – und positivierung als Qualifizierung für einen Job.

Und zuguterletzt auch das Aufrollen eines so tabuisierten Themas: Frauenfeindlichkeit unter Frauen in Deutschland. Das hilft nämlich weder den Männern, und ganz besonders kaum einer Frau. Ganz besonders nicht in der Arbeitswelt. Frauenquote hin oder her, auch in der Chef-Etage.

Literaturangabe: Jill Barber/ Rita Watson “frau gegen frau – Rivalinnen im Beruf”, 1991, Rowohlt Verlag GmbH