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Literaturkritiker Ijoma Mangold kommt mit seinem zweiten Buch daher. Auf “Das deutsche Krokodil”, einer autobiographischen Geschichte um die eigene Identität, folgt “der innere Stammtisch”, der in über einem halben Jahr, und kürzer eines ganzen, als politisches Tagebuch die erlebte Zeit kommentiert haben will. Gelungen. Denn mit dabei ist die Pandemie, Debatten um Empowerment und POC. Aber auch Greta Thunberg wie auch Fridays for Future und Hanau gehen an dem Autor und kulturpolitischen Korrespondenten der Die Zeit selbstverständlich nicht vorbei.

Die Gedanken des Intellektuellen sind dabei gewohnt höchst intellektuell, mit einer guten Prise Humor. Nahezu jeder zweite Satz lässt schmunzeln. Besonders gut: die Gedanken, die selbst aus Dialogen stehts im inneren Monolog des Tagebuches münden, zeigen nicht nur den politischen Geist. Sie lassen den Leser mitdenken, diskutieren, und debattieren. Selbst ganz intellektuell werden. Auch allein. Ijoma Mangold’s eigene Stimmfarbe wie auch Denkart schimmert durch jeden Worklang, jeden Sätzeschwung und jedem Anglizismus hindurch.

Der Literaturkritiker nimmt sich dabei selbst häufigst nicht allzu ernst, was das Lesen nicht allzu sehr herausfordert, aber den Leser. So lässt es sich hindurchblättern, zur Seite legen, und wieder ganz wo anders anfangen. Manche Tage lassen sich hervorragend doppelt lesen, einige Zeilen wiederum wollen des historischen Faktenwissens wegen markiert und nachgeschlagen werden. Wiederum andere Kontexte wollen den Leser eine neue Meinung gebildet sehen. Ein Fundus an Impulsen aus politischen Gegebenheiten, der Gegenwart, Vergangenheit, und Zukunft. Von “politischem Bürger” zu (politischem) Bürger eine Bereicherung!

Erschienen bei Rowohlt Verlag, Hardcover 22 Euro

Deutsch-türkische Gesellschaft treffen sich einmal: in der deutschen Gesellschaft ist es genauso wie in der deutsch-türkischen und zu guter Letzt auch türkischen Gesellschaft verpöhnt, mit 30 Jahren unkoventionell zu leben. In der Türkei heißt es dann “evde kalmis” (zu Haus geblieben), wenn eine Frau nicht genügend Heiratsanträge bekommen hat, und noch immer bei den Eltern wohnt. In der deutschen Gesellschaft gibt es das zum Glück ja nicht, das Beleidigen und Lustigmachen über Frauen, die nicht im hohen Alter geheiratet haben, was es aber sehr wohl gibt: den Glauben, eine Frau, sei dann für jeden verfügbar. Wenn sie nicht in festen Händen ist. Für die deutsch-türkische Gesellschaft in Deutschland bedeutet das dann doppelte Last: Es wird gelästert, und verurteilt. #Geschlechterdebatteheute #wasdirdeinsoziologiestudiumnichterzählt