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Es hört sich witzig an, aber ich bin kein Fan von Frankfurt. Das liegt daran, dass in dieser Stadt nur eines zählt, wenn es um menschlichen Umgang geht: Geld. Geld, und darauf folgt Status, geldbringende Berufe, und zuguterletzt Konsumgüter. In Frankfurt wird viel gekauft und konsumiert. Und dazu gehören auch Orte, die neben der Bleibe selbst sehr viel Geld herausfordern: Restaurants, Kulturangebote, Shoppinglocations von Douglas über Zara bis hin zu Prada und Co., aber auch das “normale Leben”, das sich eben dadurch auszeichnet wie sich Menschen einander vorstellen. Manieren hat in Frankfurt meist nur der, der Geld hat. Dass sich die Menschen da gerne mit jenen Menschen umgeben, die es haben, ist klar. Denn in Frankfurt kann nur kultiviert leben, wer Geld hat. Die Stadt selbst hat außer ihrem Fußball keine Kultur. Goethe lebt seit gefühlt tausenden Jahren nicht, und selbst Museen erwarten 12 Euro für einen Eintritt, obwohl es sich in Frankfurt keineswegs um New York oder London handelt, wo solche Preise doch locker und sicher gerechtfertigt sind. Die meisten Frankfurter selbst halten Frankfurt nicht aus. Der Frankfurter Flughafen ist 15 Minuten von der Innenstadt entfernt. Die meisten Leute, die in Frankfurt wohnen, sind gar nicht da. In Frankfurt selbst sind häufig Menschen, die aus anderen Städten herkommen, oder eben aus dem Ausland zum Arbeiten in der Finanzbranche. Unter ihnen sind gewiss Menschen mit Humor und Kultur. Also lohnt es sich, zu erwähnen, dass man aus dem internationalen Frankfurt kommt, oder gar dort lebt und arbeitet. Dass das Bankensystem auch aus Frankfurt aus gesteuert wird, und dementsprechend Menschen anzieht, die für Geld und Status in diesen Segmenten der Bankenbranche auch arbeiten möchten, ist ebenso klar. Es scheint aber an Überhand zu nehmen, weshalb Menschen, die kein Geld haben, oder das, was es dazu braucht um als solches bezeichnet zu werden, abgewertet werden. Frankfurt ist insofern eine asoziale Stadt, als dass die Menschen keinen Wert auf menschliches Miteinander legen. Wert bedeutet hier Geld, Aktien, Designergüter, die zeigen, dass man es geschafft hat. Dass ausgerechnet hier, und in Hamburg – der einzigen Stadt, die das Geldhaben als Wichtigkeit übertrumpft, weil sie es wirklich hat (das Geld) – so viele Menschen auf der Straße leben und wie Dreck behandelt werden, ist kein Zufall. Aber das passiert eben, wenn Menschen nach Produkten fischen. Mein Cousin sagt, es mache Menschen blind, der Status und das Einkaufen. Und Recht hat er. Frankfurt ist reich an Geld, aber arm an Menschlichkeit. Hier gilt nicht “arm, aber sexy”, der Spruch, den der ehemalige Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit in die Welt raus gehauen hat und es mit der Hauptstadt cool machte, und keineswegs beschämend, kein Geld zu haben. In Berlin ist das Straßenleben daher auch besser ausgeprägt, dort herrscht Menschlichkeit, weshalb es gewiss die Menschen dort auch aushalten. In Frankfurt trifft dies nicht zu, aber auf die Nachbarstadt Offenbach. In der verhassten Schwesterstadt kommt es einmal mehr auf das Miteinander an, aber auch in der Nachbarsstadt fehlt es an Manieren im Alltagsleben. Aufstieg bedeutet in Frankfurt wiederum eben auch Kultiviertsein, denn das kann sich keiner leisten. In naheliegenden Dörfern oder gar Nachbarbundesländern wie Nordrhein-Westfahlen sieht das aber anders aus. Die Menschen dort haben Kultur, und das witzigerweise trotz der Tatsache, dass der Ruhrpott als ein Gebiet der Arbeiterklasse bekannt ist. Das mag Frankfurter nicht so Recht beeindrucken, denn in Deutschland gilt, aus der Arbeiterschicht zu kommen selbst als minderwertig. Dies mag auch erklären, warum Frankfurt als eine Stadt, die durch Aufstieg gekennzeichnet ist, Menschen anzieht, die raus wollen aus ihrer Arbeiterschicht. Dies gilt für Menschen mit Migrationshintergrund gleichermaßen wie für Menschen mit deutschem Hintergrund. Daraus resultiert dann der gewisser Anteil der herrschenden organisierten Kriminalität, des Drogenksonums, der Obdachlosigkeit und zuguterletzt des elitären Ellenbogenkampfes. Lebenswert ist das Leben in Frankfurt nicht. Nur wer Geld hat, genießt die Wahrnehmung. Jeder Andere ist nicht viel wert. In Städten wie New York oder London ist es genauso hart, sicherlich, aber das dürfte es für eine Stadt wie Frankfurt nicht selbstverständlicher machen, den Atzen raushängen zu lassen, und Menschen nach ihrem Äußeren, den Herstellern ihrer Kleidung und weiteren Gütern, die sie mit sich tragen, zu bewerten, und demnach, gut oder schlecht, zu behandeln. Nicht wer Geld hat, lebt und weiß, sich anderen gegenüber korrekt zu verhalten, menschlich, sondern der, der reich ist, an allem, doch nicht nur an Geld.

Mit Frankfurt können viele nichts anfangen. “Langweilig”, heißt es da, “kriminell” oder “konservativ” wird schnell geurteilt. Selbst nur zum Kennenlernen wird Frankfurt gerne mal gemieden. Dabei lohnt es sich, der Stadt einen Besuch abzustatten, wenn auch nur auf kurze Dauer. Hier einige, wenige Beispiele dafür, warum Frankfurt einen Kurztrip wert ist.

Frida Kahlo ist für einen Schub an Inspiration für das Frausein immer wieder ein Fest. Natürlich aber auch für männliche Feministinnen. Wie gut, dass ihre Werke mit denen von 33 weiteren, internationalen Künstlerinnen in der Frankfurter Schirn Kunsthalle unter dem Titel “Fantastische Frauen” ausgestellt werden. Ab dem 13. Februar ist die große Ausstellung zu sehen. Aber auch sonst hat das Museum am Römerberg immer wieder sehenswerte Ausstellungen im Programm. Zu einem der kreativen Hotspots Frankfurts zählt das mäßig gentrifizierte Bahnhofsviertel. Das raue Tagesleben, unterschiedliche Menschen wie auch Lokale sind hier das Thema. Angelpunkt der hippen Szene ist gefühlt seit über einem Jahrzehnt das Café Bar Studio Plank. Publikum ist hier neben der Fans des von Ata Macias mitgegründetem Technoclub Robert Johnson, eine buntgemischte Menschentraube, die das weltoffene Frankfurt feiert, und sich von dem auch angezogen fühlt. Abends ist es gleich neben dem Nachbarsspäti Yok Yok ein beliebter Ort fürs Trinken, Plaudern und Verabreden, tagsüber ein schönes Café mit kreativer Luft und sehr guten Kaffeegetränken. Selbst, wer nur auf Durchreise ist, sollte sich das Café nicht entgehen lassen. Das in der Elbestraße an der angrenzenden Münchnerstraße gelegene Café liegt in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof. Wenige Meter weiter folgt auch schon das Museumscafé des Tower MMK Elaines Delhi mit super Frühstück, schönem Ambiente und Frankfurter Heckmeck mit Stil. Starauflauf garantiert. In der Kirchnerstraße findet sich das italienisch angehauchte Bunca Café. Dort gibt es neben Oatly-Milch auch selbsterfundenen Chai Latte nach eriträischer Art, viel besser als bei Starbucks, weiß auch Gründer Samson Habtom glaubhaft zu sagen. Verifiziert und daher auch empfehlenswert! Gar nicht weit entfernt davon befindet sich das Mainufer. Über den Willy Brandt Platz und die Neue Mainzerstraße hin führt der Weg zur Untermainbrücke, ein wunderbarer Spaziergang mit Blick auf das Meer Frankfurts. Inspiration und Romantik garantiert. Entlang und um die Schweizerstraße herum sind dort die ansässigen Frankfurter anzutreffen. Zwischen Restaurants, kleinen Cafés und Läden ist das Viertel zu einem süßen Straßenleben fern des hektischen Frankfurter Alltags eine Alternative zum Verweilen und Erkunden. Eines der modischen Cafés, die sich dort befinden, ist das Moka Toaster, ein Mädchentraum und Plaudercafé für Männer, die das la dolce vita lieben. Zurück an der Alten Oper, einem der prägendsten Orte Frankfurts, wenn nicht der sehenswertesten Sehenswürdigkeit, gibt es ebenso einige, edle Cafés und Restaurants in der nahegelegenen Fressgasse, einer alten, noch immer sehr lebhaften Frankfurter Gourmetstraße. Wer den Blick auf die Oper beibehalten will, sollte es für einen Snack, guten Café oder auch Wein am Abend in der Tagesbar des Chinaskis r probieren. Das kleine, feine Boutique-Lokal gegründet von Lokalprominenz und DJ Julian Smith ist nicht nur ein schickes Delhi, sondern auch eines mit klassisch, köstlich, leichter Speisen. Sehr gut! Weitere Restaurants gibt es mitunter in der etwas heruntergekommenen, aber lebhaften und besonders historisch-schönen Kaiserstraße. Das EATdoori ist eines der guten Adressen, wenn es um etwas authentisch, indische Küche mit offenem, gemischten Publikum mit Hang zu Kosmopolismus und Streetfood geht. In der selben Straße ist auch der kleine, moderne Imbiss Chidoba, einem mexikanischen Burrito-Laden. Preiswert, vielfältig und schmackhaft gut. Sushi gibt es in der leicht gegenüberliegenden Straße im angrenzenden Rotlichtmilieu. Die stylische Bento Boutique hat freundliches Personal, tolle Gerichte, und rundum ein fabelhaftes Konzept mit kleiner, aber süßer Sitzmöglichkeit. Aber auch sonst befinden sich dort viele Lieblingsrestaurant der Frankfurter, die sich Essengehen zum unverzichtbaren Hobby und Erkunden der immer wandelnden Stadt gemacht haben. Wer mit großem Stil italienisch essen möchte, aber dabei auf große Salonidylle nicht verzichten mag, der ist im Herzen der Stadt, der Hochstraße im Pizza & Pasta Scalpi gut aufgehoben. Außerdem italienisch gut ist das Pizza Montana wieder zurück im Bahnhofsviertel. Dort gibt es speziell Neapler Pizza in coolem Ambiente, Instagramfreunde welcome! Wenn die Portionen auch etwas kleiner als herkömmlich ausfallen, so ist das Montana auch sonst ein beliebter Ort für die Kreativen, internationalen Geschäftsleute und Foodie-Touristen. Abends wird das Plank zur fancy Bar, aber in ruhigerer Ecke liegt das “The Parlour“. Die Bar ist zwar etwas gemütlich klein, aber hat eben Expertise in Getränken und eine Einrichtung, die an den adlig-modernen Stil Londons erinnert.

Highlights sind, wenn es um Frankfurt und die Sicht ihre Skyline geht, das Café Leonhards im Kaufhof, der Kaiserdom (Achtung, sehr viele Treppen) und das Mainufer. Dort findet an der Museumsmeile Schaumainkai auch stets zur Saison der Flohmarkt statt. Für echt typisches Sightseeing muss ein Besuch in eine der Ratskeller wie das Apfelwein Wagner für Ebbelwoi drinsein, eine Hop-On-Hop-Off Bustour oder Schiffsfahrt am Mainufer. Die am Mainkai startende Schifffahrt befindet sich in der Nähe des Römerbergs, dem sehenswerten Frankfurter Rathausplatz, der sogar schon Model und Instagramphänomen Bella Hadid überwältigt haben muss, als sie zu Besuch in der Bankenstadt war und sich hinter der Kulisse hat ablichten lassen. In naher Umgebung befinden sich außerdem noch die Galerien und Cafés der Brauchbachstraße, unmittelbar gelegen in der Nähe des Museums für Moderne Kunst und des romantischen, japanischen IMORI Cafés. Zur Übernachtung eignet sich das 25Hours Hotel The Trip. Das Hotel ist zwar der Adresse Niddastraße in einer schwierigen Lage, aber auch das ist eine Realität Frankfurts. Wer sich öffnen kann, sollte es ausprobieren. Denn das Konzept ist jugendlich und eben im echten, harten Leben angesiedelt, zwischen Fixerstuben, Obdachlosen und alten wie auch neuen Frankfurter Läden, das für viele Künstler auch ein Schatz gefüllt mit Inspiration ist. Ein weiteres Hotel ist Das Lindenberg. Es mag nicht sehr zentral gelegen sein, aber wer liebend gern mit U-Bahn oder noch lieber Taxi unterwegs ist, für den sollte sich der Aufenthalt im Konzepthotel lohnen. Wer es dann noch schafft, zu Fuß viele, weitere Orte zu erkunden, mit Frankfurter ins Gespräch zu kommen, und auf Entdeckungstour zu gehen, der wird sich sicher ein anderes Bild von Frankfurt machen können. Aber 48 Stunden Frankfurt, das kann Frankfurt in jedem Fall erfüllen.

Bilder: Schirn.de, Archiv, https://das-lindenberg.de/