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Im Sommer des Jahres 2015 besuchte ich zum ersten Mal das wundersame Viertel Balat in Fatih Istanbul. Es ist eines der alternativen, aber bunten Bezirke, die viel Geschichte in sich tragen und weiterhin dabei sind, sich sehr facettenreich zu entwickeln. Gerade auch das Kreativpublikum liebt das Bezirk.
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Seit meiner Geburt besuche ich Istanbul im Sommer. Wenn man in einer Millionenstadt wie dieser tagtäglich nicht nur unzähligen Fremden begegnet, sondern geliebten Menschen aus der Familie, fühlt man sich auch immer ein wenig wie zu Hause. Ich habe dennoch angefangen die Menschen in der Stadt für ihre eigene Kultur fern von Erzincan oder Darmstadt zu lieben, die Lebendigkeiten auf den Straßen, Geschichten und all’ die anderen Süßigkeiten, die ich als Kind bekam. Mit der Zeit haben sich die Menschen und die Orte, die ich kennenlernen durfte, verändert. Dabei gibt es 10 geliebte Dinge, ohne die ich Istanbul nicht verlassen kann, und mit euch teilen möchte, für den Fall, dass es euch auch einmal in diese Stadt verschlägt.
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1. Die Fahrt mit dem Dolmuş
Dolmuş bedeutet “Gefüllt”, und genau so funktioniert der Minibus: er fährt erst los, wenn der Bus voll ist. Im Dolmuş zu sitzen, ist echt ein günstiger Spaß. Man hört oft witzige Gesprächsfetzen, oder sieht älteren Frauen dabei zu, wie sie High Five auf der Fahrt schlagen. Nicht nur also, weil es günstig ist, kann man gut auf das Taxi verzichten. Auch wenn man kein türkisch kann; es ist im Gegensatz zur -Ubahn und dem öffentlichen Bus sehr familiär, man erlebt die verschiedenen Menschen auf der Fahrt. Es hat in einer so protzigen Stadt etwas sehr angenehm Bodenständiges, und gleichzeitig sehr Alltägliches: unzählige Menschen nutzen den Dolmuş, um zur Arbeit, zur Familie oder zum Einkaufen zu fahren. Wie auf dem Bild zu sehen ist, bin ich gerade mit einem Blumenstrauss für ein wunderschönes Verlobungspaar auf dem Weg nach Tarabiya, eine der schönsten Fahrten entlang dem Meer, nachdem man das Businessviertel Levent hinter sich lässt.
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Während meines ersten Besuches in Prag, fuhr ich an den nur zwei Stunden entfernten Kurort Karlovy Vary. Auf die Idee kam ich per Zufall durch einen Film, dessen Ästhetik mich noch immer fasziniert. Als ich ursprünglich eine Reise nach Budapest plante, recherchierte ich nach der Vorlage des fiktiven Hotels aus dem Film “The Grand Budapest Hotel”, da ich davon ausging, es müsse in Budapest sein. Auf meiner Suche stieß ich jedoch zunächst auf eines in der Nähe Prags, das dem amerikanischen Regisseur Wes Anderson in seiner ästhetischen Gestaltung der Architektur diente: das Grandhotel Pupp im Kurort Karlovy Vary in der Tscheschichen Republik.

Nicht nur die Außenfassade, die vor den Wäldern ähnlich wie im Film hervorragt, ist seines Blickes wert: bereits im Café erhält man einen wunderbaren Einblick in den Stil der Räumlichkeiten und des Interieurs. Vor dem dreiteiligen Anwesen zu stehen, ist jedoch sättigend genug. Ich schließe noch immer in meinen Tagträumen die Augen, um vor mir das Grandhotel Pupp eingerahmt von der gewaltigen Natur zu sehen.

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In den Semesterferien verbrachte ich drei Tage über das Wochenende  in Zürich. Zürich ist sowohl in kultureller als auch wirtschaftlicher Hinsicht die wichtigste Stadt der Schweiz. Sie erinnert an Hamburg, und dennoch ist sie einzigartig. So spießig eine Stadt auf den ersten Blick wirken mag, so gegensätzlich ist die kleine Bewegung in ihr. Die Lebensqualität der Großverdiener gibt den Ton der Innenstadt an, doch genauso intensiv ist der verrückte Hauch des Dada präsent. Das erste, das ich in der Innenstadt bemerkte, war der Weg zur Zeitschrift “20 Minuten”; die in der ganzen Schweiz verteilt ist, um die Bürger über Mode zu informieren. Das Land hat anscheinend so viel Kapital, dass sie eine Lifestyle Zeitschrift herausbringt, die gar nicht mal so schlecht ist. In letzer Zeit habe sich aber die Werbung vermehrt wie mir meine Cousine aus Freiburg erklärte. Was die Mode betrifft, geben einige, wenn auch wenige Passanten dem deutschen Touristen das Gefühl, dass es sich um eine Weltstadt handelt. Ob der Hipster mit Bart oder all-in-black Triller – der Look ist definitiv gekonnter als in Berlin. Was die Mädchen betrifft, ist auch in Zürich der H&M-Look selbsverständlich sehr präsent, doch was die weiblicheren Mädchen anbgelangt: Extensions und lange Fingernägel wie ich sie in Deutschland nicht gesehn habe. Der Rest der Schweizer Bevölkerung in der Zürcher Innstadt ist gehoben konservativ gekleidet, doch die meist bunten Accessoires haben etwas hippiehaftes eben dadaisches. Und in der Bahnhofsstraße, der teuersten Einkaufsstraße Europas, kleidet man sich zwischen der wichtigsten Banken fein ohne so protzerisch zu sein wie man es von der Goethestraße kennt. Continue reading ›

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Die Competition zwischen den deutschen Städten Berlin und München habe ich bislang nur über Medien wie ZEITmagazin und Vice verfolgen können. Dazu reicht die Ähnlichkeit Rosenheims, die ich öfter wegen meiner Verwandten besuchte, nicht aus. Als ich vor knapp acht Wochen das erste Mal zum Oktoberfest in München war, konnte ich mir noch kein genaues Bild machen. Die letzten Tage, die ich in der süddeutschen Stadt verbrachte, haben mich aber nun über die Motive des Wettbewerbs aufgeklärt. Alternative vs. Spießigkeit. Durch die Armut Berlins verhielt sich die deutsche Hauptstadt tatsächlich in weiten Teilen bisher sehr statusfrei, gesellschaftsunabhängig und unbemüht. Dass das heute 2013 noch so ist, mag ich zu bezweifeln. Dass sie hässlich und dreckig ist, stimmt durch die Gentrifizierung auch nicht mehr ganz. Doch vergleicht man jenseits vom Prenzlauerberg die Spießigkeit Mittes, die sich gerade weil sie von der Berliner Subkultur hat inspirieren lassen, mit dem Rivalen, so steht fest: die Spießigkeit ist bei Weitem nicht so ausgesprägt. München, eine reiche Stadt, die Berlin finanziert, zeigt, was sie hat, was mich doch sehr an den Habitus Italiens erinnert. Läuft man die Maximilianstraße entlang bis zum Bayrischer Hof, wo dieses Bild im Spiegelsaal des Hotels entstanden ist, begegnet man unzähligen Designertüten, gespritzten Lippen und toten Tieren. Das Pendant hierzu ist selbstverständlich nicht Mitte, sondern Charlottenburg. Und dennoch zeigt letzterer Stadtteil mehr Stil und Klasse. Dafür ist München sehr viel herzlicher. Zwar ist es spießiger, aber wem ist aufrichtige Spießigkeit nicht lieber als gewollte Offenheit. Berlin ist spießiger als es das alte Image möchte, so sehr es dies auch bestreiten mag. Menschen jedoch, die von sich selbst mit Witz und Charme behaupten können, spießig zu sein, sind ja doch meist offener, als erwartet.  mehotel

München jedenfalls ist nicht zu Unrecht vielleicht die schönste Stadt Deutschlands. In jedem Fall bin ich von der Schönheit dieser Stadt begeistert, da ich nach Städten wie Köln, Hamburg, Frankfurt und Berlin niemals eine Schönheit dieser Art erwartet hätte. Dass Deutschland, dieses ach so triste Land so großen ästhetischen Geschmack in Architektur beweisen könnte, hätte ich niemals gedacht. Die Herzlichkeit ist nicht vergleichbar mit der Herzlichkeit der orientalischen Südländer, und dennoch hat diese Stadt im Vergleich zu Berlin Wärme zu bieten. Gerade auch das Dörfliche, das viele aus Bayern nach München bringen, hat etwas sehr angenehm Familiäres und Geborgenes. In dieser Stadt macht es jedoch keinen Spaß, arm zu sein. Den Preisen in Berlin kann auch im Jahre 2013 keiner etwas vormachen. Im Bayerischen Hof, das auf Wunsch von Ludwig I von Bayern 1839 erbaut wurde, jedenfalls ist jeder Cent für dieses wunderschöne barocke Ambiente wert. Der Pina Colada und Tee ist klasse, wie die Bedienung auch! Vom Barkeeper habe ich mir erzählen lassen, dass der Spiegelsaal mit genau einem Spiegel sogar den zweiten Weltkrieg überlebt hat. Es war die Nacht vom 24. auf den 25. April, als der bayerische Hof von einem Bombenangriff zerstört wurde. Hermann Volkhardt, dessen Vater das Hotel für 2,8 Mio Goldmarken erwarb, glaubte jedoch an den Wiederaufbau. Gekauft wurde vom Enkel Falk das Nebengebäude Palais Montgelas 1969, welches drei Jahre später zur Eröffnung der Olympischen Spiele eröffnet wurde. Heute wird das Hotel in vierter Generation von Innegrit Volkhardt geführt. Nach der Idee eines 10 Jahresplans der Komplementärin, gibt es seit 2005 auf dem Dach sogar ein Schwimmbad und einen Wellnessbereich, was ich selbst beim nächsten Besuch unbedingt noch erleben muss.

bild1Istanbul lehrt mich, das Leben mit all meinen Sinnen wahrzunehmen. So sehr ich das Internet auch schätze, so sehr ich auch die deutsche Mentalität schätze, in Deutschland mögen wir reich sein, und doch sind wir zu oft die ärmsten Menschen der Welt. Denn, ob wir es uns eingestehen wollen oder nicht: wir sind einsam. Wir arbeiten, weil wir nichts haben. Das Geld, das wir verdienen, geben wir aus, irrsinnig wie wir sind, um die leeren Plätze zur Rechten und Linken mit vollen Tüten zu belegen. Was auch immer über soziale Netzwerke geteilt wird, geschieht meist, weil uns im echten Leben die Menschen fehlen, die wir uns zum Erleben wünschen. Ob ein Frühstück oder die Beteiligung an einer politischen Diskussion. Wir haben uns von dem entfremdet, was wir selbst sind: dem Menschsein. Dabei haben wir lange verlernt zu lieben, noch länger aber haben wir verlernt, zu genießen. Die Nächte sind leere Versprechungen, all die Kleider seelenlose Hüllen, das Internet der einzige Notausgang, um uns abzulenken, das Gefühl zu geben, Menschen und Gefühle ersetzen zu können. Uns ist kalt, aber es liegt nicht bloß am Wetter, es liegt an unserer Lebensführung. Was wir aber wollen, sind Menschen. Menschen mit Haltung, mit Kraft und Lebensenergie. Wir wollen Menschen riechen, sie etwas aus dem Herzen sagen hören, wir möchten ihnen aber auch zuhören. Ihren Geschmack möchten wir schmecken, ihre Bewegungen fühlen. Ob wir leer sind oder nicht, wir sind Denker. Was es bedeutet, das Leben zu genießen, haben wir bei all den Gedanken um das richtige Leben verlernt.

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Unsere Zeit verfliegt vor dem Monitor, dabei verlieren wir mit jeder Sekunde, jeder Stunde die Möglichkeit, unsere Sinne einzusetzen. Mag das Internet noch so sehr Kreatitivität fördern, uns informieren, den Austausch verleichtern, mit einem stillen Herz spüren wir nicht, dass wir existieren.

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Es gibt nichts Besseres, als einen lockeren Umgang mit der Zeit, den Menschen und dem eigenen Selbst zu pflegen. Was ich an der türkischen Kultur zum Ausgleich von einem Extrem zum anderen schätze, ist der leichte Umgang mit der Zeit. Wer die Zeit nicht zu ernst nimmt, braucht sich nicht vor der Zukunft fürchten. Wer seine Zeit zu verwerten weiß, statt sie zu planen, wird ihr niemals hinterher trauern. Was ich noch viel mehr schätze, ist der lockere Umgang mit Menschen. Die deutsche Gesellschaft ist unfassbar unterkühlt, distanziert und zu oft reserviert. Selten begegnen mir Menschen, die selbstbewusst eine lockere, coole Art haben, die sympathisch interessante Gespräche erlauben. All der negativen Eigenschaften Deutschland, die mein Newsfeed Facebooks spiegeln, möchte ich hier nicht begegnen. Und so werde ich auch die nächsten Tage das Internet vermeiden. Wo auch immer man sein mag, wenn man in seinen freien Tagen auf das Internet verzichten kann, so kann ich jedem nur empfehlen, soziale Netwerke zu umgehen, das Leben anderer Menschen nicht zu beobachten, sondern im Leben kennenzulernen und selbt ein Teil davon zu werden.

Selbst ich bin als “Deutschtürkin” noch immer dabei, Gelassenheit und die Lust am Leben zu erlernen. Zu oft erwische ich mich selbst bei einem Spaziergang am Meer nachzudenken, statt zu genießen. Wir dürfen das neugierige, lebensfrohe Kind in uns nicht verhungern lassen. Keep curious, bitches!

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Die türkische Spezialität Lokum verfeinert mit Rosen und Pistazien

Eine Ottomane platziert im Salon des türkischen Cafès Confiserie Orientale in Berlin Mitte. Betritt man den feinen Laden in der Linienstraße neben der bekannten Bar Schwarzwaldstuben, taucht man ein in die süße vergangene Geschichte des osmanischen Reiches. Hochwertige türkische Köstlichkeiten wie sie von den orientalischen Machern selbst Lokum genannt werden, bietet Confiserie Orientale an. Das gelblich weiße Lokum, die Süßigkeit, die aus gelierter Stärke und Zucker entsteht, wird mit Marzipan, Rosen,  Früchten und Pistazien verfeinert.
Abgeleitet wird Lokma vom türkischen Wort “lokma”, was auf Deutsch mit “Happen, Bissen” übersetzt werden kann. Wie ich selbst nachgelesen habe, heißt es vollständig “rahat-lokum” “bequeme Häppchen” und entstammt aus dem Arabischen von “rahat al-huqum” was so viel wie “Vergnügen, Ruhe für den Gaumen” bedeutet. In der türkischen Kultur wird Lokum oft zu Tee und verschiedenen Nüssen serviert.

Die Geschichte des Gründers Udi Cemil Bey 1883 in Istanbul

»WAS IST DER ZWECK DER SÜSSIGKEIT? Dass sie, nachdem man ihre Süsse genossen hat, nicht schwer im Magen liegt.«. Dies sind die Worte von Udi Cemil Bey, der im Jahre 1883 die Manufaktur Cemilzade in Istanbul gründete, welche noch heute Confiserie Orientale in Berlin mit seinen handgemachten Freuden beliefert. Bereits im Alter von 16 Jahren eröffnete Udi Cemil Bey im Statdteil Sehzadebasi im damaligen Osmanischen Reich einen Süßwarenladen, um die Familie nach dem Tod des Vaters zu versorgen. Für das handgemachte Marzipan, Lokum (türkischer Honig) und die Bonbons standen angereiste Kunden sogar Schlange. Es dauerte nicht lange, bis Udil Cemil Bey dafür selbst von den Franzosen dafür ausgezeichnet wurde. Doch Süßigkeiten waren nicht seine einzige Begabung. Bey war auch als Komponist und  Lautespieler(Udi) so bekannt, dass er mit 31 Jahren im Palastorchester angestellt die Tochter des damaligen Sultans Abdulmecit unterrichtete. Auch war er als Hafiz bekannt, der in der Lage ist, den Koran zu rezitieren.

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