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It’s Fashion – Mode im Fernsehen

Das hier abgebildete Mädchen im Ombré-Look ist Eleonora Carisi von der ich das erste Mal in meinem Interview mit Yvan Rodic von Face Hunter erfuhr, als ich wissen wollte, wer in seinen Augen als Streetstylephotograph ihn immer wieder mit dem eigenen Stil beeindruckt.  Vorgestellt wurde die Modebloggerin und Shopbesitzerin aus Turin, die längst ein Star in Italien ist, – in Deutschland völlig undenkbar- von der neuen deutschen Mode-Sendung „It’s fashion“, die seit dem 13.März auf dem Sender Einsplus ausgestrahlt wird. Die Moderation hat Jessica Weiß übernommen, Gründerin von Journelles. Mit dem Blog LesMads wurde Jessica Weiß an der Seite von Julia Knolle zur erfolgreichsten Modebloggerin Deutschlands. Gekonnt souverän, informiert und sympathisch berichtet sie in der ersten Folge aus der Modestadt Mailand über Fashion-Shows, Modeblogger, Vintage Stores und Jungdesigner. Vorgestellt wird eine Sendung, die redaktionell von ihr mitgestaltet wird, in einem Blog-Konzept. Im Intro erscheint Jessica Weiß in der gewohnten Blooger-Pose neben Jeans in Outfits, die aus Ledershorts oder College-Jacke bestehen. Die Looks sind enttäuschend unkreativ und durchschnittlich. Doch vielleicht für die Masse gerade deshalb so einfach, nachzustylen.  Die Illustration der erwählten Modestädte Paris, London, Mailand und Berlin spiegelt die gewohnte Kulisse der bekannten Streetstyle-Motive wieder und lässt ahnen, wohin die Sendung den Zuschauer mitnimmt.

In einer geschmacklosen Leo-Jacke begrüßt Weiß freundlich, das scheinbar leienhafte Publikum. Beschrieben werden im nächsten Abschnitt die Herbst/Winter Kollektionen 2013/2014 von Gucci, Prada und Roberto Cavalli. Der Bezug zur Gesellschaft in soziologischer Hinsicht wird zwar nicht unternommen, dafür aber kurz und verständlich über Stil und Material informiert. Der von Suzy Menkes kritisierte „Modezirkus“ vor der Show wird nun auch in bewegten Bildern im deutschen Fernsehen vorgestellt, was all jene, die nicht dabei sein können, die Atmosphäre miterleben lässt. Die Show von Roberto Cavalli selbst, wird als Zeitgeist gelobt. Das Wort Zeitgeist kann ich nun vor Allem dann schon nicht mehr hören, wenn das nicht einmal der Fall ist, aber das nur nebenbei. Kommentiert wird im Anschluss die Show kurz vom Fachpublikum, die eigenen Outfits wieder nach der Show. Von Leuten, die Selbstenworfenes tragen bis jene, die angeblich wahllos etwas aus dem Kleiderschrank gepickt haben, ist alles dabei, was die Vorstellung abwechslungsreich und spannend macht.

eleonoria weiß

Desweiteren werden Eleonora Carisis Shoppinggewohnheiten und Faszination an Mode durchleuchtet. Neben der enthusiastischen Modebloggerin Carisi, wirkt die zweite Bloggerin etwas eingefroren, auch stilistisch wieder in den Schatten gestellt. Denn Jessica wirkt durch ihre Körperhaltung anders als Carisi schlicht verkleidet. Genau das zeigt, dass noch immer der Umgang mit Mode in Deutschland anders als in Italien so angestrengt und bemüht wirkt. Viel mehr werden Trends verkörpert, als der eigene Stil zur Persönlichkeit vorgestellt.

Im nächsten Abschnitt gibt das Format dem Jungdesigner Massimo Gioretti von MSGM, das seinen Erfolg dem Internet dankt, eine Plattform zur Vorstellung. Auch über die Schwierigkeit, sich in Mailand zu etablieren wie es den unzähligen Designern in Berlin geht, erfährt der Zuschauer anhand des Schuhlabels Vs2R. Obwohl die Moderatorin kein Italienisch zu verstehen scheint, meistert sie diese Schwierigkeit im Interview dennoch.

aylin

Die Wirkung und Rolle von Kleidung wird im Gespräch mit der symphatischen Schauspielerin Aylin Tezel diskutiert. Gerade da hätte sich die Gelegenheit ergeben, etwas tiefsinnier aus soziologischer Sichtweise mit der Mode zu beschäftigen, da auch die Schauspieler sehr reflektiert und kritisch erscheint. Die Fragen reduzieren das Thema und belassen es bei Trends, Interesse an Mode im Alltag und auf dem roten Teppich. Sehr cool gibt die selbstbewusste Schauspielerin aber zu verstehen, dass sie keine Trendjägerin ist, stattdessen Wohlbefinden und den eigenen Stil als Priorität versteht, während Weiß in Lederhose und Statement-Kette ihr gegenüber sitztend gar nicht stilbewusst erscheint und in der „Kleidung verschwindet“. Gerade die Wirkung von Kleidung verschiedener Charaktere im Schauspiel wäre wert gewesen, näher zu durchleuchten. Doch an dieser Stelle geht es wieder um Kleidung in der Öffentlichkeit.

Im letzten Teil wird ein spannender Vintage-Laden aus Stücken des letzten Jahrhunderts vorgestellt. Außerdem erfährt der Zuschauer, welche Designer zur Recherche und Inspiration den Laden besuchen. Für jeden Modeliebhaber eine tolle Entdeckung!

Im Fazit für den Laien eine empfehlenswerte und unterhaltende Show, in der interessante Persönlichkeiten, Jungdesigner und etablierte Weltdesigner vorgestellt werden. Jessica Weiß ist durch ihre Einfachheit, mit sich gewiss unzählige deutsche Mädels identifizieren können, die perfekte Besetzung. Das lockere Verhältnis zwischen Blogger und Zuschauer, das auf Augenhöhe stattfindet, lässt viele Modeinteressierte in die Welt blicken und durch das Wissen von Weiß mehr darüber erfahren und daran teilhaben. Wünschenswert wäre mehr Stilbewusstsein der Moderatorin und an passenden Stellen Vertiefungen.

faz

Von der Masse zum anspruchsvollen Zeitungsleser – FAZ Magazin & Zeit Online

In der ersten Ausgabe des Magazins der FAZ, die im Februar unter der Leitung von Alfons Kaiser mit Jennifer Wiebking unter Anderem als Mitarbeiterin erschienen ist, wird Mode zum großen Thema. Mit „Miss Multitasking“ Jessica Joffe auf dem Cover wird eine Deutsche vorgestellt, die sich auch in den USA als Model, Schauspielerin und Autorin einen Namen gemacht hat. Ihre Bodenständigkeit, ihr Engagement und ihr sophisticated Look ganz im Sinne der New York kommen im Interview mit Alfons Kaiser stark zum Ausdruck und haben eine ganz inspirierende Auswirkung. Etwas verspätet kommt der Text „Es nervt – Schluss mit dem Hipsterspuk!“ von Daniel Haas, lässt sich aber rechtfertigen, indem der Text als Plädoyer für das Ende erklärt wird. Die Streetstyle Bilder, die Menschen aus der Modewelt porträtieren, sind nach der Idee von Journalist Alfons Kaiser und Fotograph Helmut Fricke einzigartig. Die Illustrationen von Karl Lagerfeld zum politischen Geschehen sind ohnehin grandios und verleihen dem Umgang Intellekt und Haltung. Mit Elin Kling lässt das Magazin den Leser ebenfalls am internationalen Modeblogger-Geschehen teilnehmen. Aber wie gewohnt porträtiert Alfons Kaiser auch die großen Schöpfer wie Giambattista Valli. Der Leser erfährt ganz charmant, warum die Arbeitsweise des italienische Designers in Paris dem des Psychotherapeuten gleichkommt. Ein großartiger, amüsanter Text über den selbständigen Stardesigner der „Leichtigkeit“. Die FAZ weiß, dass neben Politik auch eine Briese Glamour aus der Welt der Celebrities gehört. Denn was wäre die Welt der Mode ohne Menschen, die sie tragen, um zu analysieren?

Neben der Strecke mit Covergirl Jessica, die amerikanische Jungdesigner wie Alexander Wang und Proenza Schouler präsentiert, gibt es außerdem u.A. Geschichten über Diana Vreeland, Gabriele Strehle, Karlie Kloss, den Trend der Orientteppiche und der Liason zwischen Mode und Kunst.

Das sehr gelungene Magazin gibt der Mode den ernstzunehmenden Raum, der benötigt wird, während die deutsche Vogue hingegen mit Tina Turner auf dem Cover so verschreckend wirkt, dass ich mich gar nicht traue, reinzublätteren. Denn die deutsche Vogue scheint mir zeitgemäß, schön, aber unpolitisch.

Auch die ZEIT gibt der Mode einen wichtigeren Stellenwert. Während im Magazin zwei Mal im Jahr das Thema Mode verstärkt behandelt wird und jede Woche in der Stilkolumne aktuelle Trends besprochen werden, berichtet auch ZEITOnline verstärkt über Mode. Im Artikel „Das Modevolk fürchtet die Grippe“ von Maria Exner  findet eine vollständige Aufklärung des Prinzips Fashion Week statt. Welche Show, wann gezeigt wird, was es zu sehen gibt, welche Show wichtig ist, welche Show unwichtig ist und warum das ganze überhaupt wichtig ist, wird dem noch immer Schulbankdrückendem Rentner der ZEIT erklärt. Zur Zielgruppe gehört natürlich durch das Internet auch die derer, die an einem gewissen Lebensstil interessiert sind.

Auffällig ist tatsächlich wie mir Modejournalistin Jennifer Wiebking erklärte, dass Mode in deutschen Zeitungen immer wichtiger wird. Das liegt Wiebking zufolge daran, dass die Menschen viel mehr auf ein „gutes Leben“ achten, wozu neben Essen, Design und Gesundheit auch Mode gehört.

Grund dafür ist selbstverständlich auch Berlin als Modestadt. Diese so zerstörte Stadt hat schöpfende Talente hervorgebracht und durch ihre Vielfältigkeit und Lebensqualität Kreative gefördert. Selbst die meistdiskutiertesten Designer Hedi Slimane und Raf Simons haben sich von dieser Stadt auf ihrem Weg inspirieren lassen.

Ein weiterer Faktor könnte das Internet selbst sein. Neben den nationalen Blogs ist der Zugriff auf internetionale Blogs ein großer Einfluss. Besucht man Seiten aus Ländern wie USA, Frankreich, England und Italien, in denen Mode als Kulturgut und Lebensgefühl empfunden wird, fühlt es sich an, als könne man daran teilnehmen, sich also von der Ferne vor dem Monitor von den anderen Kulturen inspirieren lassen ohne aus dieser zu stammen oder zu besuchen. Da gerade die Internet-Generation sehr jung ist, ist der Drang, nachzuahmen sehr groß. Mag das Interesse im Alter verfliegen, so bleibt sicher der tiefere Umgang damit bestehen.

Ob zur soziologischen, wirtschaftlichen oder bloß hedonistischen Auseinandersetzung mit Mode: sie wird wichtiger. Medien haben erkannt, was deutsche Blogs lange Zeit verkörperten: den Deutschen ist Mode nicht ganz so unwichtig wie man zunächst denken mag. Fakt ist natürlich, dass die meisten Blogs aus Iszenierung bestehen, aber ist das so schlimm? Solange man sich nicht über sein Äußeres definiert, Spaß am Kombinieren hat und gerne für seinen Stil und Geschmack gelobt oder kritisiert wird, ist nichts dagegen einzuwenden. Da die Realität auf der Straße in Deutschland, vor allem durch das Wetter, Arbeitskleidung und die lebensmüde Einstellung bedingt, dann doch anders aussieht und die einzigen Trend-orientierten entweder Jugendliche oder Berliner Modemenschen sind, ist es umso spannender auch den Einfluss der weltweiten Mode auf die Gesellschaft und vice versa zu erkunden. Denn in einem so kritischen Land wie Deutschland, darf doch ein weiterer Grund zum Kritisieren nicht fehlen!

Bildquelle: It’s Fashion, http://citizencouture.com und FAZ

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