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In einem T-Shirt mit der Aufschrift “We should all be feminists” ziert Jennifer Lawrence eine der aktuellen Ausgaben der deutschen Harper`s Bazaar. Das schlichte Shirt mit der kräftigen Aussage entstand unter der Führung Maria Grazia Chiuri im Hause Christian Dior, und bewegt sich damit ganz nach der Stärke des heutigen Feminismus.

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Der Creative Director ist eine Frau

War die Position zuvor von Raf Simons besetzt, so stand Christian Dior bis vor kurzem noch für Eleganz, Sex-Appeal, und jugendlichen Umbruch. Raf Simons, der mittlerweile für Calvin Klein arbeitet, wurde hochgefeiert: als cooler Mann, der die Frau zu bestimmen weiß, ähnlich wie einst Christian Dior selbst. Der Gründer, der heute selbst noch im Geiste der Marke lebt und weiter geehrt und verehrt wird, wurde zu seiner Position zum ersten Mal mit einer Frau ersetzt. Ob er sich im Grabe umdreht ist ungewiss. In jedem Fall ist es ein historischer Wendepunkt.

Man denke nur an Louis Vuitton für den Nicolas Ghesquiere arbeitet, Balmain mit Olivier Rousteing, oder selbst Chanel, ein Unternehmen, das von einer machtreichen Frau aufgebaut, etabliert, und von Karl Lagerfeld geführt wird. Dass all‘ diese Männer schwul sind, spielt keine (negative) Rolle: sie sind keine Frauen, sondern Männer, auch wenn ihnen noch so gerne von heterosexuellen Männern die Männlichkeit abgesprochen wird. Dennoch, es ist irrsinnig witzig: selbst in der Mode, die ja zu oft der Frau zugeschrieben wird, werden Männer in der kreativen Führung den Frauen vorgezogen. Die Mode erkennt den (schwulen) Männern sogar eine sehr starke Männlichkeit an, die sich dadurch definiert, dass nur sie allein die Macht haben, die Frau zu bestimmen und vor allen Dingen zu definieren. Alle anderen starken Frauen wie Isabel Marant gründen ihr Label selbst.

Doppelte Ladung Feminismus

Eine deutliche Verschiebung des Wechsels im Hause Dior. Auch inhaltlich. Die Kollektion wurde vom Kampfsport des Fechtens inspiriert. Und vom derzeitigen Feminismus. Chirui hat sich damit einem sozialen Thema verschrieben, und damit Dior in feministischer Hinsicht gleich zweimal verändert. Auf eines der T-Shirts bedruckt steht die Aufforderung „We all should be feminists“.

Ähnlich wie Balmain hat sich das Haus Dior einem sozialen Thema angenommen. Dior bedient sich da einem Trend und geht gleich mit: vor allen Dingen auf sozialen Netzwerken machen sich Frauen verschiedenster Herkünfte stark gegen Rassismus in den USA oder vorherrschenden Schönheitsidealen wie es im Video von H&M sehr gut veranschaulicht wird. Gerade durch Hilary Clinton oder Sheryl Sandberg hat sich der Feminismus auch in den höchsten Positionen einreihen können. Ist der Spruch von der Feministin Chimamanda Ngozi Adichie entliehen, so umgreift die Nachricht selbst die Situation der Frauen in Nigeria. Ob Frauen im Westen oder Osten: wir sollten alle Feministinnen sein, wenn wir für unser Geschlecht diskriminiert werden. Auch das ist die Message, und gleichzeitig die Antwort auf all jene, die meinen, den Feminismus brauche man nicht. Eine Lehre an Chiruri ist die message auch: In einer Männerdomäne selbst in der Mode muss sie als Frau sich durchkämpfen.

Aber nicht nur in der Mode braucht es den Feminismus, sondern auch als Frau auf der Straße, in der Schule, Universität, oder am Arbeitsplatz, in der Rolle als Mutter und Familienmitglied. Die Benachteiligung von Frauen ist eine Tatsache und Jennifer Lawrence auf dem Cover kein Zufall. Die Schauspielerin, Gesicht der Marke, wurde in Hollywood aufgrund ihres Geschlechts schlechter bezahlt. Als Trägerin des Shirts ist sie eine Anhängerin mehr, die als Vorbild Tausende erreicht. Der Dior-Feminismus wäre damit etabliert als eigene feministische Strömung, und das Haus mit einer weiblichen Spitzenposition feministischer denn je.

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