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Ich verstehe deutsche Medien nicht. Ganz klar. Ich arbeite für sie und mit ihnen, aber es gibt hin und wieder Dinge, die ich nicht gut finde, nicht gut finden kann. Denn oft fügen sich Rassismen in Bilder; und in dem Fall sind das dann Modebilder. Was das Zeitmagazin falsch macht, ist auch der Vogue passiert. Eine blonde, blauäugige Frau wie sie für den Inbegriff der deutschen Frau steht, wurde erneut auf’s Cover genommen. Dass es sich dabei um den größten Schlagerstar Deutschlands, wenn nicht der erfolgreichsten der Welt handelt, ist gegenstandslos. Klar, die Vogue versucht da eine neue Richtung zu gehen: von wegen deutscher Nationalstolz und so, Peter Lindbergh als Fotograph am Start, das neue Deutschland, das auch etwas in Kunst und Kultur hervorbringt, gesellschaftliche Relevanz hat oder doch nur für bessere Verkaufszahlen sorgt? Ich weiß es nicht. Aber fest steht, dass immer wieder Frauen dieser Wirkung und des Aussehens abgebildet und dargestellt werden. Gibt es eine Alternative zu Helene Fischer, in Deutschland? Muss sie denn Türkin sein, oder Schwarze? Nein, natürlich nicht, denn erstens ist das bemitleidender positiver Rassismus, zweitens ist das einfache Profilierung von wegen „wir sind ja so weltoffen“ und drittens ist es falsch und eine Art Anschuldigung. Man muss nicht eine Türkin nehmen, weil man eine Deutsche hat. Noch weniger aber muss man eine Schwarze nehmen, weil sie schwarz ist, oder man sich damit als international zeigen möchte. Das passiert oft. Auf den Covern deutscher Magazine wie auch der Modewelt. Aber Schönheit und Offenheit sind keine Fragen der Hautfarben. Was mich an Helene Fischer an dem Cover der deutschen Vogue stört, ist die Tatsache, dass sie da einfach nichts verloren hat. Sie ist weder Beauty, noch ist sie Sportlerin, die mit ihrem Körper im Vordergrund steht, geschweige denn Tänzerin. Sie ist auch nicht der Inbegriff Deutschlands, unter dem das Ganze verkauft wird, noch ist sie musikalisch in irgendeiner Form interessant oder zeig- und feierbar.

Klar möchte man auch mal nach außen zeigen, was Deutschland zu bieten hat, oder einfach Frauen mit dem ansprechen, was im Lande von Interesse ist und womit sie sich identifizieren können. Aber das alles mit Helene Fischer? Schlagermusik ist ein fester Bestandteil deutscher Kultur, aber ist das alles, was wir in diesem Land zu bieten haben? Gibt es keine großen zeitgenössischen Künstlerinnen? Dieses Land bringt wenige Talente hervor, denn hier gibt es nur Wenige, die die jüngeren Generationen unterstützen, deshalb kann auch nur eine so veraltete Kunstmusikform wie der Schlager letztlich auf dem Cover landen. Und ein weiteres Problem: In Deutschland gilt nur als erfolgreich, was Zahlen macht, ob Geld oder Instagramfollower. Aber wenn man im eigenen Lande keine Kim Kardashian hat, lässt man es einfach sein. Denn mit einer Helene Fischer schafft man schon gar nicht „before it’s in fashion, it’s in Vogue!

Bild: Vogue.de

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