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Make Up ist heute wichtiger denn je und was ist noch wichtiger? Richtig, Skincare. Die braucht es nämlich für ein gutes Make Up. Und die “Skincare-Routinen” der Models und Beautygurus überwiegend auf Youtube sind heute gefragter denn je. Denn Soziale Medien machen aus jedem einen Star. Gab es früher nur eine Marilyn Monroe, so ist eben eingetroffen, was Andy Warhol, der Urheber des Popartkunstwerks “Marilyn Diptych” bereits 1968 prophezeit hatte: ”In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes.” Also muss ein gutes Hautbild daher. Die hochauflösende Kamera hält nicht nur jede Falte eines Hollywoodstars auf der Leinwand fest, sondern auch jene derer, die mit den sozialen Medien in einer Art Semi-Öffentlichkeit stehen.

Ein weiterer Grund für die Popularität der strikt eingehaltenen Skincare-Routine hängt auch mit dem großen Stichwort dieser Zeit zusammen. Soziale Medien suggerieren zum Einen völlige Transparenz, kramen aber zum Anderen auch jene Intimität aus der Tiefe der menschlichen Seele hervor. In der Realität sieht das dann so aus, dass Youtuber von der richtigen Körperhygiene erzählen, in Unterwäsche ihre “Body-Transformation” zeigen, oder auch andere Geständnisse in Hinblick auf Körper, Gefühlswelt und Identität machen. In der Welt des Youtubens wird nichts verpönt. Persönliches vor der breiten Masse zu erzählen, gilt gar weder als peinlich noch privat, sondern schlicht bewundernswert. Erfahrungen, die zuvor nur einem ausgewählten Kreis anvertraut wurden, werden heute vor laufender Kamera mit einem Millionenpublikum geteilt. Es gibt einen gesamtgesellschaftlichen Konsens in der Welt der Medienverbraucher darüber, dass jeder das Recht hat, etwas vom Anderen erfahren und lernen zu dürfen und zu können. Die Gesellschaft ist über die sozialen Medien auf digitaler Augenhöhe menschlicher geworden und zugleich inniger. Es scheint, die Aufklärung der neuen Zeit findet über die Informationsgesellschaft hin auf Youtube statt.

Wohlbemerkt handelt es sich dabei lediglich um die Welt der digitalen Community, die sich auf Netzwerken wie Snapchat, TikTok, Instagram oder insbesondere auch auf Youtube zusammenschließt und findet. Letzerer Kanal besonders zeigt die Skincare-Routinen von Models, Schauspielerinnen und anderen Persönlichkeiten aus der Welt der Mode. In den meist 3 bis 9-schrittigen Verfahren erklären die überwiegend weiblichen Darsteller wie sie ihr Gesicht reinigen, pflegen, peelen, abwaschen, massieren und vorbereiten; scheinbar für die Welt da draußen, die besonders der Frau auch heute noch schwer zu schaffen macht.

Gleichzeitig zeigen die Videos aber auch das wahre Gesicht der Protagonistinnen, fern von Make Up und Maskierung. Besonders die Youtuberinnen, die unzählige Abonennten haben, zeigen nicht nur wie sie vor und nach dem Make Up oder der Skincare-Routine nach dem Aufstehen und Zubettgehen aussehen, sondern auch sich öffnend, was sie denken. Das Make Up-Ausziehen oder zumindest das Gesichtreinigen steht insofern im Zeichen der Zeit, als dass es den Betrachter mitnimmt, in die Seele zu blicken.

Künstlerisch muten die Videos fast an; sie laden dabei in die private Gefühlswelt ein und die Rollen der Frauen reichen vom Model über Mutter bis hin zum Mädchen von Nebenan. Dass ausgerechnet ein Kunstvideo wie jenes mit Schauspielerin Margot Robbie für die Vogue unter den weitaus kommerzielleren Skincare-Routine-Videos enstanden ist, kann nur als eine Art künstlerische Reaktion auf die allzu viel bestehenden verstanden werden, die allesamt gar etwas Musisches an sich haften haben. Margot Robbie zeigt keine direkte Persiflage, sondern ihre eigene Rolle darin. Gleichzeitig spiegelt das Video aber auch, dass wir es mit einer Art Kunsthandwerk zu tun haben, die scheinbar für viele lächerlich erscheint. Als “Australian Psycho” deklariert, haben sich die Macher der Vogue-Produktion eben auch als gesellschaftlichen Kommentar des Klassikers “American Psycho” von Bret Easton Ellis verleiten lassen.

Skincare heute ist aber nicht nur wichtiger, weil ein Überangebot an Beautyprodukten besteht, sondern eben die Haut im Fokus steht. Die gesellschaftlichen Wandlungen zeichnen sich heute mehr denn je an der Haut ab, statt wie sonst an der Mode. Klimawandel, Umweltverschmutzung besonders durch Plastik, das über Essen wie auch Kosmetikprodukte belastet und aufgenommen wird, aber auch Stress sowie die Transparenz der sozialen Medien, was das Private anbelangt, spiegeln sich darin wieder, sodass die Haut zum wichtigsten Angelpunkt geworden ist.

Zwar ist die Skincare-Routine noch immer mehr überwiegend der Frau verschrieben, doch sind es eben auch gerade Frauen, die sich oft zu pflegen verpflichtet fühlen, und zeigen dürfen, was sie empfinden und wie sie fühlen. Wie die Mode ist auch die Kosmetik weiblich konnotiert. Mit ihrer Skincare-Routine, in der sie sich ungeschminkt zeigen, was früher weniger möglich oder akzeptiert war, zeigen sie, wie nah ihnen alles geht und wie sehr sie den Schutz und die Zeit für sich brauchen. Die Routine oder auch das Skincare-Ritual wie es häufig genannt wird, hat fast Etwas von einer religiös-kulturellen Praxis. Die westliche Kultur, die eben auf Technologien setzt, sie verwendet, sich individuell inszeniert, und dabei – auch in ihren Youtube-Videos – Romantik verkörpert und damit die weibliche Schönheit idealisiert, dabei zu Gefühlen steht und Frauen zwingt und im selben Moment erlaubt, ihre Meinung wie auch Erfahrungen kund zu tun, ist klar wie die Haut der meisten Frauen auf Youtube.

Skincare verhält sich zwischen Kunst und Ruhm, Anerkennung und der einfachen Pflege, steht doch letztlich intensiv für das modische Selbstbewusstsein der heutigen Frau, die auf sich achtet und etwas auf sich hält. Dies mag wohl auch erklären, weshalb etliche Beautywerkzeuge entstanden sind. Sie geben der Frau Raum zur Entfaltung und die Möglichkeit, an sich und ihrem Körper zu arbeiten. Wenn dies auch nur die Haut betreffen mag, jenes Tool, dass die Erfüllung der Frau darstellte, konnte bis vor Kurzem nur die Mode.

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