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“Was für ein Selbstbewusstsein”, kommentierte die Freundin meiner Schwester Kim Kardashian, als sie sich ihre Bilder auf Instagram ansahen. Ja, Kim Kardashian ist verdammt selbstbewusst. Neben den dünnen, langen Mädchen zeigt sie stehts ihr Dekolléte ausgiebig, und man könnte nicht gerade sagen, dass sie versucht ihren Hintern zu kaschieren. Sie macht nahezu jeden Trend mit: auch auf einen engen sportlichen Chanel-Zweiteiler, der von dem schmalen Model Cara Delevingne vorgeführt wurde, verzichtet sie nicht. Kurvige Frauen würden sich dies wohl kaum trauen. Denn allem voran muss sie viel Spott & Häme ertragen. Mit ihrer Figur könne sie dies nicht tragen. Und als sie nun auch noch ihren entblößten Hintern auf dem Cover eines New Yorker Magazins veröffentlichte, entstanden unzählige Memes, die sich über sie und ihren “Pferde”Hintern lustig machen. Natürlich möchte sie Ruhm, aber ich sehe ein Lächeln auf ihren Lippen: sie macht sich lustig, denn ihr Plan geht auf. Sie bekommt die Aufmerksamkeit, die sich wünscht. Solch ein Break, der unzählige Medien über sie berichtet, ist vielleicht sogar Instagram zu verdanken. All die scheußlichen Kommentare auch. Denn ihr opulenter Körper wird nicht seit gestern zunichte beleidgt. Man hätte die Bilder auch einfach ignorieren können, hat man aber nicht.

Ich weiß nicht so ganz, was ich von ihr und ihren Bildern selbst halten soll. In einem Beitrag sprach ich ihr den Ikonentitel ab, in einem anderen Artikel stellte ich ihre Rolle als Frau in den Medien in Frage. Sie objektiviert sich – das ist klar – und bedient sich per Instagram dem traditionellen Klischee der Frau, die nichts als ein Körper ist. Nicht mehr. Ihre Nacktbilder Bilder kann ich nicht mehr sehen, und ärgere mich auch über das Internet, das als Werbefläche für sinnlose Produkte genutzt wird. Dazu gehört auch ihr Körper und ihr Drang nach Aufmerksamkeit.

Da ich Keeping up with the Kardashians nur einmal geschaut habe, glaube ich, dass das öffentliche Familienszenario ebenfalls sehr relevant ist, wenn es darum geht, ihren Bekanntheitsstatus zu erklären. Aber auch das Leben eines wohlhabenden kalifornischen It-Girls mit armenischen Wurzeln, wie es auch viele Instagram-Stars zeigen, zieht das Publikum an. Dass sie jedoch nicht arbeitet, bezweifle ich stark. Gerade, was auch den Körper betrifft. So kurvig er ist, so trainiert ist er. kim chanel
Große, dünne Frauen dominierten in den letzten Jahren das Schönheitsideal. Es ist aber nicht nur die Modeindustrie, die dieses Ideal produziert: nein, es ist auch die Arbeitswelt- und Urbanität. Wer viel unterwegs ist, schnell von A nach B läuft, mobil ist, der hat es deutlich leichter, wenn sein Körper leichter ist. Ein Argument der Schönheitsindustrie ist stehts: Die Kleidung soll gesehen werden, aber was ist mit den Kleidern, die besser an kurvigen Frauen sitzen? Der Laufsteg führt oft auch vor, wie es gezeigt werden soll. Und gerade dieses soll ist das Problem. Kim Kardashian sei zu fett, heißt es oft in den Kommentaren. Ihr Hintern viel zu breit. Im Grunde genommen ist dies die gleiche Diskriminierung. Ja, es werden sowohl dünne als auch kurvige Frauen gleichermaßen diskriminiert.

lara stoneUnd der Westen scheint in den letzten Jahren nicht genug Hintern gesehen zu haben. Kurvige Frauen schämen sich meist für ihre Figur, aber warum bloß? Warum bloß muss es heißen, dass Kurven nicht schön sein können? Und warum müssen gleichermaßen dünne Frauen für ihre fehlende Oberweite kritisiert werden?nadia-aboulhosn-in-jonathan-saunders-and-margie-ashcroft-in-stella-mccartney_zps655ffcd1

Auf den Size Zero-Trend wird in den letzten Jahren verstärkt reagiert: Plus Size Models wurden eingeführt. Die Vogue druckte erst vor Kurzem Plus Size Models ab, Juergen Teller fotografierte das Ausnahmemodel Lara Stone, die für ihren üppigen Busen bekannt ist, und zeigte sie unretuschiert. Unperfekt perfekt. Die Bloggerin Nadia Aboulhousn zeigt sich seit je her verdammt sexy mit ihren Kurven. Sie nimmt viel Raum ein, nichts jedoch hängt. So eine starke und füllende Präsenz muss man erstmal handeln können.

originalDas Phänomen Kim Kardashian zeigt aber auf, was passiert, wenn Schönheitsideale der anderen abgelehnt werden, wenn einer den Hintern der anderen “zu dick” findet: er wird massiv beleidigt. Es ist der Preis, den Stars bezahlen könnte man behaupten, aber diesen Preis zahlt gar jeder, der auf einer Plattform vertreten ist, also auch auf Facebook & Co. Und wie Feministinnen und Menschenrechtler zurecht kritisieren, muss gegen solche Beleidigungen strenger vorgegangen werden.

Sawtche__dite_Sarah_Saartjie_Baartman_étudiée_comme_Femme_de_race_Bôchismann_Histoire_Naturelle_des_Mammifères_tome_II_Cuvier_Werner_de_Lasteyrie-700x533Auf dem deutschen Blog “mitvergüngen” setzt man sich mit Kim Kardashian und ihrem Hintern auseinander. Weder die Welt, noch die amerikanische Schauspielerin Tina Fey oder der Modeblog The Man Repeller zeigen, woher das Motiv stammt: Der selbige Fotograph nutzte das Motiv bereits vor vielen Jahren mit einem dunkelhäutigen Model nach einem Vorbild. Der Blog berichtet, dass Carolina Burmont 1976 bereits in dieser Pose fotographiert wurde, welches im Buch “Jungle Fever” abgedruckt wurde. Das Original hingegen zeige die 21-jährige Saartjie Baartman, die 1810 aus Südafrika nach Paris verschleppt wurde. Kaum zu glauben, aber Grund dafür sei ihr Hintern, “Fettsteiß genannt”, um ausgestellt zu werden. Im Grunde genommen wird hier der Körperbau einer Afrikanerin ähnlich zur Schau gestellt wie damals selbst Anfang des 19. Jahrhunderts in Deutschland dunkelhäutige Menschen zur Völkerschau im Zoo.

balmain kimDie Autorin stellt in Frage, dass Kim Kardashian sich dazu Gedanken gemacht hätte. Als ob. Als ob der Fotograph und ihr ganzes Team, gerade ihr Ehemann Rapper Kanye West keinen Gedanken daran verschwendet hätte. Kim Kardashian wird selbst immer für ihren Hintern diskriminiert. Sie wurde nach Paris nicht verschleppt – das ist klar. Sie stellt ihn selbst zur Schau, und profitiert selbstverständlich an dieser “Ethnisierung”, jedoch zeigen die Kommentaren auf den sozialen Medien zu ihrem Hintern und ihrer Figur auch, dass die Zuschauer sie auch selbst ethnisieren und exotisieren. Es gibt dutzende Frauen mit diesem Hintern. Ob eine Nicky Minaj oder Iggy Azalea. Beide werden für ihren Hintern kritisiert. Auch sie spielen mit der Objektivierung, aber gerade die “weiße” Rapperin Iggy Azalea muss sich rassistischen Äußerungen antun. Ob eine Weiße so einen Hintern haben könne, wird immer wieder gefragt. Keiner weiß, ob er echt ist oder nicht, auch wenn die Rapperin selbst sagt, sie habe nichts machen lassen. Auch Kim Kardashian dementiert eine OP. Im Grunde genommen ist es auch egal – echt oder nicht:denn es ist ihr Schönheitsideal. Und gerade in Paris hat man für die Amerikanerin nicht viel Ansehen übrig.

Sie ist die große Ausnahme. Creative Director Olivier Rousteing scheint sie zu inspirieren, aber bei Balmain schafft sie es nicht auf den Laufsteg, obwohl sie das mit ihrem durchtrainierten Körper könnte, stattdessen läuft ihre dünne, lange Schwester. Kim setzt sich durch. Bei einem so strikten Schönheitsideal, das Paris diktiert, erscheint sie immer wieder mit tiefem Dekolléte, hautenger Kleidung, falschen Wimpern, dunklen schwarzen Haaren. Im Orient, woher ihr Vater kommt, wäre sie keine Ausnahme. In den USA ist sie es vermutlich auch nicht. Sie wäre eine von vielen attraktiven, weiblichen Frauen. Sie ist im Grunde genommen der erste amerikanische Star, der mit diesem Aussehen Ruhm erhält. Und sie hat ein neues Schönheitsideal erschaffen: Die durchtrainierte Kurvige. Ihr Bauch ist flach, ihre Beine schlank, der Busen und Hintern üppig. Auch wenn Tina Fey kritisiert, dass Stars wie Jennifer Lopez und Beyonce mit ihrem Hintern ein weiteres Körperteil ins Rampenlicht gebracht hätten, dem alle zu genügen hätten: mit iher kurvigen Figur revolutioniert sie dennoch. Und alle schauen dabei zu.

Quellen: https://www.tumblr.com/search/Champagne+Incident, http://www.nadiaaboulhosn.com/

 

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