Du denkst zu viel nach, denk nicht so viel nach!

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“Ich kann es nicht, ich kann es nicht lassen.”

Gesicht in die Hände legen, Ellbogen absützen. Gesicht vor die Hände halten, denken. Schwerer Kopf

“Wir sterben, ich kann nicht glauben, dass wir sterben. Ich kann nicht glauben, dass ich geboren wurde. Warum ich geboren wurde? Die zwei wichtigsten Tage im Leben sei der an dem ich geboren bin und der an dem ich wüsste, warum. Es beschäftigt auch andere Menschen, der Sinn des Lebens. Ich bin nicht allein. Ich bin so leer. Ich bin nicht die Einzige. Vielen Menschen geht es so. Aber diese Leere, ich fülle sie mit meinen Gedanken über die Leere. Ich kann nicht anders. Warum sterben wir? Ob es ein Leben nach dem Tod gibt? Ob ich als Vogel wiedergeboren werden könnte, ob das Leben fassbarer, lebenswerter als Vogel ist? Ob ich das Leben als Mensch nicht zu schätzen weiß, ob Tiere nicht Menschen sind, ob das Wort Tier nicht die Erfindung des Menschen ist wie das Wort  der Kunst? Ich weiß es nicht, wüsste ich es doch bloß. Wenn ich doch nur das Geheimnis erfahren könnte. Wenn doch nur Gott es mir zuflüstern würde. Eines Tages wird meine innere Stimme das richtige Wort fallen lassen gleich Sesam öffne dich. Ich werde es eines Tages erfahren. Ob ich ein fertiger Mensch bin, wenn ich sterbe?  Ob ich Gott treffen werde, wenn ich nicht mehr atme. Ich atme, ich bin gerade da. Ich fühle mich sehr real, sehr echt, sehr anwesend. Ob ich die Liebe nicht zu oft vergesse? Ich vergesse zu oft, wofür es sich zu leben lohnt, wenn ich nachdenke. Ich bin einfach mit meiner Existenz überfordert, ich kann nichts dagegen tun. Vielleicht sollte ich es mehr zu schätzen wissen, vielleicht habe ich den Wunsch geäußert auf die Welt zu kommen, bevor ich die Welt betrat. Ob der Himmel eine Fata Morgana im echten Himmel ist, aber ich nur zu blind bin.

“Du denkst zu viel nach, denk nicht so viel nach!”

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IMG_00022-Teiler von meiner Mutter Songül Toprak, Schuhe: Palladium, Armband: Berliner Vintage Store, Lippenstift: MAC

2 thoughts on “Du denkst zu viel nach, denk nicht so viel nach!

  1. Wir sterben nicht. Du brauchst nicht zu glauben, dass wir sterben. Im Übrigen glauben wir auch nicht. Insofern kannst du froh sein, geboren zu sein. Das ganze Universum beneidet dich um diesen Moment. Es gibt also auch keine zwei Tage, es gibt nur den Moment deiner Geburt. Dadurch, dass wir fallen, krümmt sich die Zeit. Diese Logik beschäftigt alle anderen Menschen auch – du hast Recht. Du bist nicht allein und ganz gewiss nicht leer. Du bist mit dir und deine Gedanken sind nur ein Resultat deiner Fülle. Deswegen kannst du auch anders. Frage dich nicht, warum du stirbst, denn es gibt eine Existenzform nach dem Tod. Ob es als Vogel sein wird, weiß ich nicht, aber du befindest dich in diesem Moment im (er)fassbarsten Zustand des ganzen Universums – es ist der (er)lebenswerteste. Vergiß nicht, das ganze Universum beneidet dich darum; sogar Tiere, obgleich sie wahrscheinlich nicht wissen, dass sie es tun. Es ist nicht möglich, abschätzig gegen das eigene Leben als Mensch zu sein. Unser reflexives Bewusstsein hebt uns von den meisten Tieren ab, d.h. wir sind selbst noch biologische Automaten und haben das Wort „Mensch“ anthropologisch erfunden. Da gibt es nicht mehr zu wissen; ein Geheimnis ist es erst recht nicht. Und mit diesem Gottesbild versperrst du dir selbst die Wahrheit, die doch so einfach vor deinen Augen liegt. Ein Gott, der dir eines Tages etwas zuflüstern wird, ist ein Arschloch und heißt in Wirklichkeit „Irrtum“. Diesen Irrtum weitest du auf deine innere Stimme aus, so dass du dich in deinem Wahn gottesgleich dem Nichts entgegen bewegst. Wenn du dein Glück eines Tages suchst, wirst du schon an der Bestimmung des Tages scheitern in einer Welt, die es auch nach dir noch geben wird. Und bewusst unbewusst beantwortet dein Selbst dir die Frage schon, indem du nach einem Zieleinlauf beim Sterben fragst. Eins kann ich mit Gewissheit sagen. Du wirst Gott nie treffen. Du bist ein Teil seines Fingerabdruckes, und in diesem Moment seine Erregung. Erregung hat sehr viel mit Liebe zu tun. Liebe ist vernünftige Erregung. Fokussiere dein Denken hierauf und du wirst merken, dass du etwas dagegen tun kannst, damit dich deine Existenz nicht mehr überfordert. Doch du wirst es bald sehen, weil du die Wahrheit schon in Betracht ziehst. Du hast nämlich wirklich den Wunsch geäußert, auf die Welt zu kommen, bevor du auf die Welt gekommen bist. Deswegen beneidet dich das ganze Universum darum, weil du erhört wurdest. Dein Treffen mit Gott hat also schon stattgefunden. Und wenn man irgendwann kein Bewusstsein mehr hat und sogar diese (er)lebbare Form verlassen hat, kann man sicher auch wieder glauben.

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