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Es gibt Menschen, die sind sehr gerissen, voller Selbstzweifel und Komplexe. Aber aus diesen Unausgeglichenheiten erschaffen sie Kunst. In aller Unruhe ist es am Besten Potential zu erkennen. Für diese Bild-Ästhetik habe ich mich vom phänomenalen Fotographen Hedi Slimane inspirieren lassen. Sein schwarz weißer Blick auf die Welt vereint die Kontraste der Welt: Schön, hässlich. Gut, böse. Erleuchtung, Abgrund. So zähle man unendlich lange auf mit jedem Objekt und Subjekt, von dem wir wissen, dass es existiert. Doch wie auch immer man es auslegen möchte, in erster Linie ist es die traurige Perspektive des Hundes. Enttäuscht traurig voller Melancholie mit dem Versuch im Weltschmerz den Freuden des Lebens die Farbe zu entreißen, um es zu verzeitlosen. Hedi Slimane muss einer von ihnen sein. Einer der Extremen, was ihn zum Künstler macht. Ob bekannt oder unbekannt, Menschen wie er sind überall um uns. Der Creative Director von Saint Laurent Paris ist jener mit dem Mut, der mit entschlossen haben muss, dass der Vorname des bereits verstorbenen Namensträger in der heutigen Zeit weg fallen muss. Ein trauriger Beschluss gegen Yves. Im Namen hätte der großartige Modeschöpfer ewig weiter atmen dürfen. Für all die Frauen wie für den Rest seiner Fans, für die er mit seiner Mode das Leben revolutionierte, muss dies enttäuschend gewesen sein. Stattdessen hat man den Todesort hinzugefügt. Hedi Slimane hingegen ist jener, der in Paris geboren ist, wo auch die Mode gezeigt wird. Zufall? Oder doch Kalkül eines eitlen Menschen. Bewegt von wildem Ehrgeiz.

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Wer ist dieser Hedi Slimane? Geboren 1968 in Paris als Sohn eines Tunesiers und einer Italienerin studierte er Politik und Kunstgeschichte in Frankreich. An Kreativität dürfte es ihm nicht fehlen. Bis er als Creative Director für die Frauen und Herrenlinie den Höhepunkt seiner Karriere feiern sollte, lebte er zwischenzeitlich in den 90ern in Berlin. Dort inspirierten ihn die schmalen dünnen jungen Männer für die Slimane Silhouette, für die auch Karl Lagerfeld bereit war, unzählige Pfunde los zu werden. Die Röhrenjeans, die wir heute tragen, hat eine amerikanische Journalistin der New York Times nicht den Entwürfen Hedis zugeschrieben, sondern seinem wohl größten Konkurrenten Raf Simons. Raf Simons die ruhige kreative Seele mit dem schlichten Auge für das Schöne, die von aller Welt für seine Arbeit bei Dior hochgelobt wurde, nachdem er in Tränen Jil Sander verlassen musste. Hedi Slimane ist das genaue Gegenteil Raf Simons. Unausgeglichen, auf der ständigen Suche nach Bestätigung. Seine verbitterte Reaktion auf Journalistin wie jene der New York Times? Keine Einladung zur Show. Er ist jener, die sich persönlich angegriffen fühlen, wenn Menschen Kritik an seiner Arbeit ausüben. Und leider fällt diese immer häufiger negativ aus. Für Saint Laurent hingegen tat er etwas, das kaum einer wagte. Er holte Skanalmusiker Marilyn Manson wie auch Courtney Love vor die Linse. Hedi Slimane ist nicht der herausragende Mode-Designer wie Raf Simons, dafür aber der bessere Künstler. Seine Bilder spiegeln die Zerrissenheit seiner Persönlichkeit wieder, die Tiefe, die Verlorenheit, die verrückte Verdorbenheit, den Lebensstil des Misfits, der sich nicht fügen möchte, stattdessen tut was er möchte, in Extremen.

black white3(Rock: 10 Euro, Oxfam, Spitzentop: 26 Euro, Epiphany Vintage & More Frankfurt)

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