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Vor wenigen Wochen habe ich einen jungen Mann kennengelernt, der etwa in meinem Alter ist. In seinen Anfang 30-ern also. Er saß im Café zu meiner Rechten. Seine Freundin, eine junge hübsche, Blondine, war gerade einmal etwa 19 Jahre alt. Sie sprach von ihrem Abitur.

Im Biologie-Unterricht hatten wir damals gelernt, dass Frauen von ihrer Reife dem männlichen Geschlecht immer zwei Jahre voraus sind. Das hieße, sie wäre in etwa 21. Mental.

“Alter ist nur eine Zahl”, heißt es. Das ist richtig. Ich bin zwar kein Entwicklungsforscher in Sachen Kinderpsychologie, oder Erwachsenen – oder gar Jugendpsychologie und Gehirnforschung, aber, da ich auch einmal 19 war, kann ich sagen, und von mir selbst behaupten, dass damals ein 31-Jähriger mich immens prägen würde. Nicht aber als Freund, sondern als alles Andere, nur nicht als Freund.

Als ich in etwa ihrem Alter heute war, vor zehn Jahren also, wurden Jungs und Männer, die sich auf das weibliche Geschlecht ihres Alters nicht einlassen können, veraltetermaßen “emotional verkrüppelt” genannt. Kein fairer Ausdruck in Hinblick auf Menschen mit geistiger oder körperlicher und seelischer Behinderung. Wenn aber von “emotional verkrüppelten” Menschen –  und hier waren insbesondere Männer gemeint, die Rede war, so  meinte man damit, dass jene Männer nicht in der Lage sind, ihre Gefühle mitzuteilen, weiter zu entfalten oder gar auf andere Menschen eingehen zu können.

Das dürfte auch erklären, warum gar die sogenannte marginalisierte Männlichkeit, wie wir sie überwiegend bei Künstlern oder heute auch Rappern erkennen und schätzen – so frauenfeindlich und gewalttätig einige unter ihnen auch sein mögen (Farid Bang, Kollegah, einige Mitglieder der 187 Straßenbande, Jamula und Bausa – um nur einige unter ihnen genannt zu haben) – als Gegenentwurf zu einer “hegemonialen Männlichkeit” (nach Connell) präsent ist. Während Rapper nämlich, oder gar Soulsinger und andere Musiker jeglicher Art, häufig die Art haben, ihre Gefühle mitzuteilen, sind besonders auch in Deutschland viele Männer noch immer in ihrer Männlichkeit dabei, den “Harten” abzugeben.

Das führt dann zu dem, was wir Sexismus nennen.Who knows? Vielleicht haben sie eine Mutter, die nicht das beste Frauenbild präsentierte, oder einen Vater, der die Mutter nicht zu respektieren verstand, oder einen Kumpel, der ihnen einredet, wie sie sich Frauen gegenüber zu verhalten hätten, oder sind in einer Kultur aufgewachsen, die ihnen erklärt, Frauen schlechter behandeln zu müssen.

Was die junge Frauen betrifft, – und da ist auch noch viel Unsicherheit mit im Spiel, auch in der Erklärung selbst- die mit 19 Jahren einen überaus älteren Mann datet, kann nicht viel gesagt werden. Außer, dass sie vermutlich nicht weiß, womit sie es da überhaupt zu tun hat. Nämlich, emotional eingeschränkter Männlichkeit.

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