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Frankfurt. Das Museum Moderne Kunst zeigt seit dem 16.Mai die Retrospektive eines Künstlers, der in der elitären Kunstwelt bisher kaum Beachtung geschenkt bekommen hat. Dem 1926 in Antigua und Barbuda geboren und 2009 am selbigen Ort verstorbenem Künstler Frank Walter wird nun als Maler, Bildhauer, Philosoph, Autor und Fotograph gehuldigt, sein Schaffen in der deutschen Museumslandschaft in den Vordergrund gerückt. Doch die Unternehmung, den karibischen Künstler in einen Dialog gesteckt zu haben, der von Rassismus, Gleichberechtigung und Ausgrenzung geführt wird, wird weder dem Künstler gerecht, noch der wahren Motivation seines Schaffens.

Die Farben, die sich in seiner Kunst um einzigartige Sandtöne, türkisfarbene Meeresbilder und tropische Landschaften sammeln, die Bewohner der Karibik als Subjekte, seine Neugier für Astrologie und das Leben selbst, zeichnen diesen so großen Künstler aus. Nicht etwa primär sein Schwarz-Sein.

Bei den Arbeiten von Künstlern wie Rosemarie Trockel (Prisoner of Yourself , 1998), Kader Attia (Repair Analysis, 2013), oder etwa Howardena Pindell (Free, White and 21, 1980) sieht das anders aus. Die gezeigten Werke sind mehr als maßgeblich, schmerzumreißend, und tonangebend. Sie sind gar ein wertvoller Beitrag für die derzeit geführte Debatte.

Der Dialog, der vom Museum begonnen werden möchte, wirft die Frage auf, ob es richtig ist, Frank Walter überhaupt in einen Dialog zu stellen, wenn die Mehrheit seiner Arbeit von dem Gefühl der Einsamkeit, Wissbegier, und Farbenlehre durchzogen worden ist, womit er als Autodidakt bis in das hohe Alter von 83 Jahren Ausdruck verliehen zu schien. Die Schau seines Œuvres unabhängig seiner Hautfarbe zu zeigen, wäre wirkungsvoller.

Die Ausstellung nimmt trotz der eigenen Kritik an jenen Themen selbst eine “rassifizierte Zuschreibung” vor, eine Deutung und missliche Interpretation. Zwar ohne Wertung, aber auch nicht mit der nötigen Freiheit, von der sich Kunst nährt. Denn Frank Walter, so zeigen es zumindest seine Werke, ging es nicht um Wehr, sondern – wenn überhaupt – um Repräsentation.

Die Frage, weshalb ein Künstler, der schwarz ist, unbedingt als schwarzer Künstler dargestellt werden muss, statt nur als Künstler, ist genau deshalb eine berechtigte. Frank Walter in den Dialog von Künstlern zu setzen, die sich mit Kolonialismus, Identität oder Kritik an “Weißen” außeinandersetzen, mag auf den ersten Blick befreiend wirken, und doch schleudert es den Künstler vermutlich genau dorthin, wo er niemals stehen wollte: In eine Ecke, die ihn auf seine Hautfarbe reduziert, statt seine Kunst hervor zu heben.

Info: Bis zum 15. November 2020 ist die Ausstellung im Museum Für Moderne Kunst noch zu sehen. Coronabedingt dürfen und sind nur wenige Besucher in den Räumen anwesend.

Bilder: (1) Frank Walter, Ausstellungsansicht MUSEUM MMK FÜR MODERNE KUNST, (2) Frank Walter, Tambourine and Harp, (3) Frank Walter, Psycho Geometrics Credit: Axel Schneider

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