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Ob George Clooney, ein ehemaliger Klassenkamerade oder der Typ in der Bar – ständig rätseln wir, wer schwul (lesbisch) ist, wer hetero, und wer vielleicht doch bisexuell sein könnte. Frauen gleichermaßen wie Männer.

Wird Homosexualität als etwas Unnormales betrachtet, um Menschen auszugrenzen oder eher gar um einen Grund dafür zu bekommen, warum man abgelehnt wird?

Warum interessiert uns das eigentlich so? Ich glaube zum einen, weil Menschen eine “Schwäche” finden möchten. Homosexualität ist selbstverständlich keine Schwäche, wird bekanntlich aber in Kreisen, in denen es als etwas Unnormales gesehen wird, als eine betrachtet. Nach Seyran Ates leben wir in einer Zwangsheterosexuellen Gesellschaft, es ist also erzwungen, dass Männer sich von Frauen angezogen fühlen und Frauen von Männern. Dass viel mehr Menschen homosexuell sind, als wir annehmen, ist uns natürlich nicht bekannt. Von Homosexualität wissen wir seit der Antike, die modernen gebildeten Griechen tolerierten lesbische wie auch schwule Beziehungen, selbstverständlich jedoch bleiben auch sie viel mehr in ihren Kreisen wie auf der Insel Lesbos. Und selbst heute ist dies überall ein Thema, jedoch wird je nach Staat, Politik, Kultur und Religion dieses Thema unterschiedlich behandelt und thematisiert.

Noch immer haben sehr viele Menschen Angst davor, zu ihrer sexuellen Orientierung zu stehen, und sie öffentlich zu machen. Muss man das überhaupt? Muss man nicht, die eigene Sexualität wie auch die eigenen Interessen jedes Menschen sind eine private Angelegenheit. Aber wenn Menschen über ihre Interessen, über Männer und Frauen, Beziehungen, ihre Persönlichkeit, Sex und alles andere sprechen möchten, so sollten sie doch die Freiheit zu genießen haben, zu ihrer Persönlichkeit sowie ihren dementsprechenden Vorlieben zu stehen, und zu sagen, welches Geschlecht, genauso sehr welchen Menschen sie anziehend finden.

Aber birgt sich hinter dieser Suche nach der Schwäche eines Menschen nicht die eigene Schwäche? Frauen, die von Männer abgelehnt werden, sagen sich oft: “entweder er ist vergeben oder schwul.” Man könnte auch auf die Idee kommen, dass einfach kein Interesse an der Person, nicht am Geschlecht da ist. So sehr man übermäßigen Sex in der deutschen Gesellschaft auch als “Sport” verstehen mag, Sex ohne Gefühle ist eine oberflächliche körperliche Bestätigung, ein kurzer Moment der Geborgenheit. Es heißt so viel wie “ja, ich finde dich körperlich sexy, mehr auch nicht.” Der Geschlechtsakt ist demnach etwas Tieferes, etwas, von dem sich jeder Mensch instinktiv wünscht, mit einem Menschen zu erleben, den er innerlich liebt.

An der Liebe erkennt der Mensch, wer er selbst ist. Was er liebt, was er nicht liebt, was er erlebt hat, was ihn belastet, was ihn glücklich macht, erkennt er am besten, wenn er nicht in den Spiegel sieht, sondern in das Gesicht des Gegenübers. Einen Partner zu haben, ist für jeden Menschen das größte Glück, denn erst dann, so erfüllend die Arbeit, so liebevoll die eigene Familie und genugtuend andere Umstände auch sein mögen, an einem Partner, der den Menschen akzeptiert, erhält der Mensch das höchste Gefühl der Heimat, des Wohlbefindens auf der Erde, des Menschseins, des Zufriedenseins, des Lebenssinns.

Genau aus diesem Grund, ist der Liebesschmerz der größte innerliche Schmerz. Wird man von einem Menschen, an dem man interessiert ist, abgelehnt, beginnen die größten Zweifel an der eigenen Person, am ganzen Leben. Genau das ist der Grund, warum uns die Sexualität anderer Menschen so interessiert.

 

Stars zahlen für den Ruhm mit ihrer Privatssphäre. (Facebook ist übrigens noch lange nicht das Ende der Privatssphäre – es liegt schließlich in der Hand jedes Users, was er öffentlich macht, was nicht).

Warum aber machen Menschen wie George Clooney oder Kanye West, über die jahrelang sich die Gerüchte um ihre Sexualität durchsetzen, nicht öffentlich? Weil sie von ihrem Image abhängig sind, sogar profitieren. George Clooney und Kanye West verdienen an ihrem Image. George Clooney ist einer der begehrtesten Männer für Frauen des Hollywoods, Kanye West gilt neben Kim Kardashian als Rapper in einer stark patriarchalischen Struktur ebenfalls nach außen hin als heterosexueller Mann, zumindest möchten sie dieses Image wahren und verkaufen. Genauso wie in der Politik oder im Fußball: in Gesellschaften, in denen ein Mann nur über die Liebe zu einer Frau definiert wird, haben Männer keine Chance zu ihrer Sexualität zu stehen.

Ob in den USA oder in der Türkei: über die Sexualität von Stars, insbesondere der Männer wird gerätselt, doch kaum einer traut sich, öffentlich darüber zu sprechen. In Deutschland hingegen genießen die meisten Prominenten in dieser Hinsicht ihre Freiheit. Dadurch, dass Deutschland jedoch ein Einwanderungsland ist, und in den letzten Jahren verstärkt muslimische Menschen eingewandert sind, wird sich in dieser Hinsicht auch die Medienkultur verändern, sodass auch sicherlich in den Medien in Zukunft öfter gerätselt wird, weil es im Islam noch immer sehr tabuisiert wird.

Was mir jedoch bei all der öffentlichen Debatten nach der “richtigen Sexualität” aufgefallen ist: unsere Respektlosigkeit und Intoleranz dem Menschen gegenüber, dem Menschen und seines Charakters, seiner eigenen persönlichen Entwicklung und Erfahrungen. Wir neigen dazu, unsere eigene Vorstellung, von dem was richtig und was falsch ist, anderen Menschen aufzwingen, unsere eigenen Werte und Ideologien durchzusetzen, in der Angst, andere könnten uns selbst verunsichern, und unsere heimatliche Vorstellung zerstören.

Es geht in diesem Leben nicht darum, wen oder was wir lieben. Es geht darum, fähig zu sein, etwas zu lieben. Egal, was. Ob das unsere Eltern sind, ein Gott, ein Beruf, ein Hobby, die Natur, unsere Freunde oder einen Partner.  Es geht nur darum, zu lieben, allein das macht das Leben lebenswert.

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