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Ich kann mehr als schönsein, allein, indem ich es nicht sein möchte.

In letzter Zeit ist es still auf diesem Blog. Das liegt zum einen daran, dass ich mich zurzeit intensiver im Studium mit Themen auseinandersetze, die auch auf diesem Blog behandelt werden. Zum anderen liegt es daran, dass ich seit einigen Monaten an einem Artikel für ein anderes Medium arbeite. In diesem Artikel geht es um Schönheit. Ich selbst habe mich dabei so sehr in das Thema reingesteigert, dass ich mit diesem Beitrag einmal wieder meine persönlichen Gedanken, die ich mir während der Recherche gemacht habe, teilen möchte.

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„Living Dolls: Warum junge Frauen heute lieber schön als schlau sein wollen“ heißt eines der Bücher, über die wir heute im Seminar „Neuer Feminismus“ sprachen. Ob Slutwalks oder Femen, immer wieder geht es in unseren Diskussionen um den Körper der Frau, der zum Objekt wird von Männern wie von Frauen selbst in Kultur, Religion, und Industrie. Wann sexuelle Selbstbestimmung beginnt und wo sie mit der Reduzierung darauf endet.

Was trotz den Erfolgen des Feminismus ja nämlich immer wieder geschieht: Frauen reduzieren sich selbst oft auf den eigenen Körper im eigenen Wettbewerb. Auch ich zelebriere auf diesem Blog Weiblichkeit, Schönheit und Mode. Ziemlich traditionell für eine junge Frau wie mich, wenn man es so möchte. Was ich aber bei all‘ den Gedanken und vor Allem Bemühungen um Schönheit schon immer für mich selbst wusste: ich muss gar nicht schön sein. ich kann es, wann immer ich Lust dazu habe. Definiert man Schönheit als etwas, das nicht jeder ist, sondern nur manche, dann ist es für mich vollkommen in Ordnung, Frauen zu sehen, die „schöner“ sind. Manchmal denke ich auch auf dieser Ebene, wenn ich Frauen sehe, die je nach Kulturkreis den Schönheitsidealen entsprechen.Ich spreche hier von Formen der Nase, des Mundes, der Augen. Aber ich selbst gehe ohnehin viel lieber davon aus, dass Schöheit etwas ist, dass jeder SEIN kann und was ihn damit auch so aussehen lässt. Egal welcher Typ Frau, ich sehe am Tag unendlich viele Frauen mit vollkommenen Gesichtszügen, aber kein Gesicht ist schön ohne Ausstrahlung. Dazu gehören tatsächlich für mich Werte wie Reinheit, Unschuld, Energie, Können, Talent, Selbstbewusstsein. Ohne das ist alles nur hohle Form, die gerne betrachtet wird.

Ich habe das Buch von Natasha Walter noch nicht gelesen. Aber ich kann mir für mich erklären, warum Frauen lieber schön sein wollen als schlau. Weil es dafür schneller Anerkennung gibt, weil Frauen in vielen Kulturkreisen noch immer nach ihrem Aussehen als Mensch bewertet werden, weil manche Frauen in manchen Gesellschaften sonst keine Überlebensschance haben. Aber ich lebe nicht in einer Gesellschaft wie diesen, oder sagen wir (persönlichen) Welt. Frauen auf ihr Aussehen reduzieren ist sowas von anachronistisch. Ich darf studieren, ich kann hinterfragen, eigenstndig hinterfragen, die Schönheitsindustrie infrage stellen, die Modeindustrie verstehen, andere Persönlichkeiten erkennen, Vorbilder suchen, meinen Fähigkeiten nachgehen, sein, wer ich sein möchte,

mich e n t f a l t e n.

Ich meine, das ist das das schönste deutsche Wort. Sich entfalten, Mensch sein. Frei sein. Frei von gesellschaftlichen Zwängen, individuell, in Deutschland. In der Welt, in der ich lebe, lernt man Menschen kennen, man urteilt nicht nach einer Oberfläche, man nimmt sie aber natürlich wahr. Aber zurück zum Buch. Ja, es macht tatsächlich Spaß, „hübsch“ auszusehen, aber es ist kein Ideal. Denn es macht viel mehr Spaß, schlau zu sein, und die Strukturen, in denen wir leben, zu verstehen. Nein, es gibt nichts Besseres als die Strukturen zu verstehen, denn das macht frei und erlaubt jedem, für sich selbst Schönheit zu definieren.

Ich bewundere Frauen, die schön sind. Aber ohnehin finde ich nur Frauen schön, die etwas können. Das eine bedingt das andere. Und am tollsten finde ich kritische Frauen, die imstande sind alles zu hinterfragen. Von diesen gibt es aber zu wenig. Zum Glück aber nicht in Deutschland. Ich sehe dort viele Mädchen, die imstande sind, kritisch zu denken. Ich will lieber schlau werden als schön, Aber ich habe nichts dagegen, dabei gut auszusehen. Gelegentlich mit Schminke und ausgewählten Kleidern, in denen ich mich wohlfühle, und Selbstbewusstsein ausstrahle, und damit auch schön bin, allem Voran aber mit Verstand. Mit Verstand finde ich mich am Schönsten. Und dann macht es mir nichts aus, ungeschminkt mit vergammelten Klamotten aus dem Haus in die Uni zu gehen und einfach ich selbst zu sein, und alldem zu entziehen, den Erwartungen, denen man als Frau entsprechen muss oder als „junger, cooler, gläubiger“- Mensch. Sich dem entziehen, den Anforderungen irgendwelcher Menschen und sein. Und können. Und sich dabei denken, nicht schön aussehen zu müssen.

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3 Comments

  1. Pamela Jauregui says:

    Ich finde Frauen erst mit Inperfektionen schön. Inperfektionen in den Gesichtszügen wie im Karakter. Wie oft treffen wir auf Frauen, die mit Outfit, Haare und Nägel makelos erscheinen? Sie sitzen gerade und lachen nicht zu laut. Hinterfragen ist ein Fremdwort, der Humor einfach, das Gesprächsthema: Männer oder Shoppen. Klar, ich als Frau spreche auch über Schuhe und Sex, aber es nervt wie lang sich solche Gespräche bei manchen Frauen halten können! Umso glücklicher bin ich, wenn ich auf solche treffe die mehr Inhalt zeigen, keine Hemmung haben sich selbst zu sein und dabei nicht perfekt auszusehen. Das ist für mich Schönheit

  2. Anonym says:

    Ich hoffe es kommen mehr Kommentare, da dein Blog viele Follower hat, jedoch wenig kommentiert wird. Schade um deine Mühe…

    Ein paar zusammenhangslose Gedanken zum Thema:

    Sich mit Schönheit beschäftigen zu können ist einem gewissen Grad an Wohlstand geschuldet. Jemand, der sich mit existenziellen Problemen auseinandersetzen muss, hat nicht das Bedürfnis nach Schönheit. (Natürlich ist es subjektiv, ab wann man seine [wirtschaftliche und soziale] Existenz als bedroht wahrnimmt)

    Dass man sich selbst sexualisiert, ist nur schwer möglich. Eine Sexualisierung ist dann vorhanden, wenn die Sexualität nicht als Teil der Persönlichkeit wahrgenommen wird, sondern als Definition einer Person benutzt wird. Ein Beispiel ist die islamische Verwendung von Schleiern. Man möchte jedem nicht-verwandten Mann signalisieren, dass man kein sexuelles Interesse an ihm hat. Man tritt bei jedem Kontakt so auf, dass man die nonverbale Kommunikation auf die eigene Sexualität lenkt. Man kommuniziert bewusst mit jedem nicht-verwandten Mann auf sexueller Ebene: Eine Schülerin mit ihrem Lehrer, eine Studentin mit ihrem Professor, eine Krankenschwester mit ihrem Patienten… einfach mit jedem. Mehr Sex geht nicht. Das ist natürlich das extremste Beispiel. Ansonsten ist eine – eigen motivierte – Sexualisierung kaum möglich.

    „… für sich selbst Schönheit zu definieren“ ist – meiner Meinung nach – nicht möglich und nur intellektuelles Wunschdenken. Das würde voraussetzen, man könne sich dazu entscheiden, jemanden, den man nicht schön findet, als schön zu empfinden. Was natürlich nichts daran ändert, dass Schönheit nicht alles ist. Ohne dir zu nahe treten zu wollen. Du wirst niemanden finden, der dich nicht als schön empfindet. Das gibt dir eine Form von Freiheit und erleichtert es dir, dich zu entfalten (persönlich, wirtschaftlich, gesellschaftlich…).

    „… zum Objekt wird … in Kultur, Religion, und Industrie“. Meiner Meinung nach werden diese Faktoren überschätzt bzw. zur intellektuellen Scheindiskussion verwendet. Man sollte sich mit natürlichen Gegebenheiten abfinden können. Schönheit gehört – meiner Meinung nach – dazu. Ich selbst habe aufgrund einer Behinderung einen verformten/entstellten Körper. Kultur, Religion und Industrie können – meiner Meinung nach – nicht dazu beitragen, dass man nicht schöne Körpereigenschaften nicht mehr als nicht schön empfindet. Das mag bei Objekten wie Kleidung gehen, jedoch nicht bei Menschen.

  3. Monika says:

    „Sich entfalten“ bekommt noch mal eine ganz andere Dimension, wenn man älter wird :-). Wenn ich erkältet bin, dauert es ungefär eine Stunde, bis ich mich „entfaltet“ habe (einfach so, durch wach sein, meine ich).

    Klug sein ist nicht schlecht. Kann sehr nützlich sein und Ansehen bringen. Auch Wohlstand und Erfolg. Andere Menschen legen ihren Schwerpunkt eher auf freundlich sein, Herzensgüte, hilfsbereit sein, Zuverlässigkeit, gute(r) Freund(in) sein, und auch gut aussehen. Das ist alles menschlich.

    Tatsächlich stimme ich dem Fazit des Artikels aus vollem Herzen zu: „Sich dem entziehen, den Anforderungen irgendwelcher Menschen und sein.“ Vollständig positiv formulieren könnte man es vielleicht so: „Integer sein, zu sich selbst stehen, sich selbst erschaffen, so wie man sein will“.

    Liebe Grüße und weiterhin viel Freude mit allem

    Monika

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