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Ob mit Lemaire, Dior Hommes oder Louis Vuitton – die französischen Häuser zeigten vergangene Woche zur Mens Paris für kommenden Winter einen klassischen Mann wie sie ihn sich eleganter nicht hätten vorstellen können: es ist der Archetyp des französischen Mannes, durchaus weich in seiner Bewegung, einzig der Schuh . gibt ihm einen festen Stand. Zugleich knabenhaft dürfen sie auch sein: Bei Dior Hommes sind es ausgerechnet Blumen, die den unreifen Gesichtern als Punkanstecker der Rebellion verhelfen sollen.

WALTER VON BEIRENDONCK FW15 Paris 01/22/15

Auch Louis Vuitton erlaubt dem Mann Weiblichkeit: Mit Monogramm Täschen in der Hand sind mit Blumen bedruckte Jacken und Pullover zu sehen. Allem voran ist auch der LV Mann mit sportlich rot-beiger Kapuzenjacke noch in den Kinderschuhen. Und so richtig knabenhaft wird es nochmal bei Rick Owens, einem der entgegen blickenden Avantgarde-Designern fernab des französischen alteingesessenen Stils. Er scheute nicht davor zurück, die männlichen Genitalien seiner Models durch seine Entwürfe beim Gang über den Laufsteg hervor blitzen zu lassen. Der Designer selbst, der nicht zum ersten Mal provoziert, beschrieb es selbst als jungenhaft kindisches Verstoßen. „Boys with their dicks out is such a simple, primal, childish gesture.“

Seine Phantasie erinnerte an die athletischen Darstellungen der Antike, manche der Entwürfe an die traditionelle Tracht der Römer, der Toga. Eine Präsentation dieser Art wäre vermutlich außerhalb Europas undenkbar. Stammt Owens aus den USA, so wäre es interessant zu sehen gewesen, welche Reaktionen die Freiziügigkeit des männlichen Körpers ausgelöst hätte. Wurde der Körper der Frau all die Jahre auf dem Laufsteg für jene Objektivierung kritisiert, so ist es dieses Mal der männliche Körper. Doch friedlcih entgegen genommen hätte vermutlich diese „witzige Verdorbenheit“ weder die USA, noch der Orient. Die Show entsprach ganz der künstlerischen Provokation Europas, der Freiheit Frankreichs.

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Auch ein anderer ausländischer Designer verkörperte die Werte Frankreichs zur Pariser Modewoche. Der belgische Designer Walter van Beirendonck gab über seine Mode seine Haltung zu verstehen und bekennt sich zu den französischen Werten, gegen den Attentat auf Paris. „Stop terrorising our world“ zierte das Statement die nackte helle Brust. Mit diesem Statement positionierte sich Beirendonck eindeutig. Besonders interessant ist der Hosenbund mit der Aufschrift „warning, explicit beauty“: eine ähnliche Krönung wie bei Owens.

In Paris selbst treten derweil die französischen Werte nach den Attentaten nach wie vor selbstbewusst auf, etliche Fensterscheiben zeigen die Beschriftung „je suis charlie“: Nicht nur die französischen Designer zeigen sich mit ihrem Stil patriotischer denn je, auch die ausländischen Modedesigner lassen sich ihr Recht auf künstlerische Freiheit nicht nehmen.

Bilder: Rick Owens, Photo: Yannis Vlamos / Indigitalimages.com, W.v.B.: Courtesy of Walter v. Beirendonck

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