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In den Semesterferien verbrachte ich drei Tage über das Wochenende  in Zürich. Zürich ist sowohl in kultureller als auch wirtschaftlicher Hinsicht die wichtigste Stadt der Schweiz. Sie erinnert an Hamburg, und dennoch ist sie einzigartig. So spießig eine Stadt auf den ersten Blick wirken mag, so gegensätzlich ist die kleine Bewegung in ihr. Die Lebensqualität der Großverdiener gibt den Ton der Innenstadt an, doch genauso intensiv ist der verrückte Hauch des Dada präsent. Das erste, das ich in der Innenstadt bemerkte, war der Weg zur Zeitschrift “20 Minuten”; die in der ganzen Schweiz verteilt ist, um die Bürger über Mode zu informieren. Das Land hat anscheinend so viel Kapital, dass sie eine Lifestyle Zeitschrift herausbringt, die gar nicht mal so schlecht ist. In letzer Zeit habe sich aber die Werbung vermehrt wie mir meine Cousine aus Freiburg erklärte. Was die Mode betrifft, geben einige, wenn auch wenige Passanten dem deutschen Touristen das Gefühl, dass es sich um eine Weltstadt handelt. Ob der Hipster mit Bart oder all-in-black Triller – der Look ist definitiv gekonnter als in Berlin. Was die Mädchen betrifft, ist auch in Zürich der H&M-Look selbsverständlich sehr präsent, doch was die weiblicheren Mädchen anbgelangt: Extensions und lange Fingernägel wie ich sie in Deutschland nicht gesehn habe. Der Rest der Schweizer Bevölkerung in der Zürcher Innstadt ist gehoben konservativ gekleidet, doch die meist bunten Accessoires haben etwas hippiehaftes eben dadaisches. Und in der Bahnhofsstraße, der teuersten Einkaufsstraße Europas, kleidet man sich zwischen der wichtigsten Banken fein ohne so protzerisch zu sein wie man es von der Goethestraße kennt.z2

Außer der Mode ist der Besuch ins Museum in den wenigen Tagen eine tolle Alternative die Stadt kennen zu lernen. Zurzeit bietet die Zürcher Kunsthalle die Edvard Munch Ausstellung an mit der zweiten Version des Schreis. Aussgestellt ist in der Dauerausstellung neben Klassikern wie Manet und Picasso unter Anderem der Schweizer Künstler Ferdinand Hodler, dessen Sujet vom Spiel zwischen Frauen und Männer im Jugendstil dominiert wird. Auch der Schweizer Künstler Cuno Amiet der Künstlergruppe Brücke ist mit einigen Werken ausgestellt. Sowie weitere moderne Künstler wie Twombly und Wesselmann. Selbstverständich sind auch Künstler des Dadaismus wie Sophia Tauber Arp ausgestellt wie hier auf dem Bild zu sehen ist.

z3z4z5z6z7Zürich, als Geburtsort des Dadaismus, hat viel über ihre Kunstströmung zu erzählen, wenn sie auch heute nicht mehr so exzessiv weiter gelebt wird. Im Cabaret Voltaire findet zurzeit in Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich und dem Statistikinstitut eine Führung statt, die ihre Besucher mit Zahlen und Fakten über die eigene Stadt informieren möchte. Verbunden ist die Ausstellung mit dadaistischen Elementen, besonders schön im Café zu sehen, wo ich nach der Ausstellung drei junge Schweizer kennenlernte. Niemals hätte ich gedacht, dass ich in der Geburtststätte des Dada mich mit Schweizer über Haftbefehl unterhalten werde. Die Zürcher Menschen seien arrogant, erklärten mir ein paar junge Schüler in der Tram. Sowohl von den Schweizern als auch den Jungs mit Migrationshintergrund wollte ich wissen wie man hier mit Einwanderern umgeht. Ich hatte zuvor zu viel Schlechtes gehört. Und auch die Stadt macht keinen positiven Eindruck mit Anti-Einwanderungspolitischen Plakaten, die den Patriotismus deutlich machen. Beide erzählten mir Folgends: Solange man integriert sei, und sehen könne, dass man etwas macht statt auf Kosten des Staates zu leben, werde man akzeptiert. Interessanter fand ich aber in der Unterhaltung das Interesse über Deutschland. Man verfolge die Geschehnisse in Politik und Kultur in den USA, England und eben Deutschland. So hinterwäldlerisch wie Deutschland aber gerne die Schweiz darstellt, ist Zürich selbstverständlich keineswegs. Aber wer so viel Kapital hat, von dem wünscht man sich ein wenig mehr Kreativität in den Medien. Vom Dada, der bereits aus dem letzten Jahrhundert ist, hört man leider auch nicht mehr viel. Aufgeschlossen und kommunikativ sind jedenfalls die Menschen im hauseigenen Café. Auch das junge Mädchen an der Bar war mir sehr behilflich und empfiel mir die Dienerstraße zum Weggehen. Eine Ausgehstraße, die man sich vorstellen kann wie die Kreuzberger Oranienstraße. Zwischen all der türkischen und italienischen Imbissbuden, suchte ich die von ihr empfohlene Bar Zukunft, dessen Publikum ans Plank erinnert. Dort seien insbesondere auch die Kunststudenten der Zürcher Hochschule. z8Außerdem besuchten wir das Dada Cafè am Limmatquai, welches mit obskurren Objekten verziert ist. Für die hipperen unter euch ist das Café Grande Bar empfehlenswert und außerdem Frau Gerolds Laden, was ich nach einer kleinen Recherche fand, aber leider nicht mehr besuchen konnte.  Besonders empfehlenswert ist auch das Café Bar Odeon, indem Schriftsteller wie Thomas Mann verkehrten und Künstler des Dada debattierten. z9

Was Zürich heute in kreativer Hinsicht ausmachen soll, sei die visuelle Kommunikation wie mir eine mir bekannte Designerin erklärte. Das beeindruckende und bewegende Amnesty International Plakat ist nicht von einem Schweizer Künstler, aber für Amnesty SChweiz von einer Zürcher Agentur an den französischen Künstler Bartholot in Auftrag gegeben worden. Ein weiteres kreatives Plakat fiel mir auf, das die visuelle Gestaltung Zürichs hervor hob.

Ein Besuch in die Altstadt darf natürlich nicht Fehlen. Der Freund meines Onkels, selbst ein ehemaliger Widerstandskämpfer in der Türkei, zeigte uns das Haus, indem Lenin viele Jahre seines Exils verbrachte. Der Name eines weiteren Revolutionärs ist ein Gebäude weiter verewigt: Georg Büchner. z10z11z12z13z14

Gegessen habe ich im Restaurant Zähringer in der Innenstadt. Was Essen und alles andere betrifft, ist die Stadt sogar teurer als Frankfurt.  Ein Döner allein kostet 7 oder 8 Franken, was umgerechnet 9 Euro machen. Das bereits 30 Jahre alte Restaurant beschreibt sich selbst als unkonventionell zum Arbeiten, Essen und Leben. Es sei früher ein Raum für linkes Denken gewesen erklärte mir ein Gast. Peter, der mit mir seinen Tisch teilte, ist ein Zürcher Lehrer. In den 70-er Jahren besuchte er Pakistan, um dort zu unterrichten. Weil er sich seit seinem 14. Lebensjahr mit Yoga beschäftigt und meditiert, zog es ihn nach Asien, wo er weitere Länder bereiste. Dort sah er viel von Armut. Den Menschen ginge es dort früher gut, doch seit dem es den Fernseher und das Internet gibt, habe sich die erste Welt, von der sie erfuhren, negativ auf ihr eigenens Leben ausgewirkt. Als ich ihm entgegnete, dass die wohlhabenden Menschen in unserer Umgebund trotz des Wohlstands nicht glücklich seien, sagte er etwas, dass ich niemals vergessen werde: Aber das ist kein Trost für den, der hungert.” Das Zähringer mag kein politischer Ort mehr sein, aber so unkonventionell dass man unkonventionelle Gespräche mit besonderen Menschen führen darf, durfte ich selbst erleben.

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Übernachtet habe ich im 25Hours Hotel Zürich West. Insgesamt kann ich das Hotel besonders wegen der Lage und dem Design-Aspekt empfehlen. Das Mädchen am Empfang war am ersten Tag erst etwas grimmig bevor sie am nächsten Tag mit den anderen Mädels freundlicher wurde. Das Zimmer war gut beheizt, was leider oft nicht der Fall ist in Hotels.  Sauber war es auch, und das Frühstück war auch empfehlenswert. Leider wurde vieles nicht mehr nachgefüllt. Die Gäste sind unterschiedlich: von Familie über Paare bis kreative Geschäftsmänner, die alleine unterwegs sind. Einen kleinen Lounge Bereich mit Tee und Computern gibt es noch dazu auch, wenn man unter sich noch etwas im Hotel abhängen möchte. z111

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