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Nicht jedes Individuum ist ein geborener Selbstdarsteller. Die digitale Gesellschaft zwingt den Menschen, sich selbst darzustellen. Soziale Kanäle legen Berufsausbildung, Beziehungen, persönliche Interessen und zuletzt materielle Situation offen. Das Leben ist zu einem offenen Buch geworden, jede Bewegung online. Wurden eins Urlaubsbilder, die als privat galten, dem Kreis der realen Welt gezeigt, Erlebnisse erzählt, so werden live fremde Follower der sozialen Medien mit Hashtags informiert. Das Leben der anderen wird somit konsumiert. Das Leben selbst zu einer leidvollen 360° Selbstdarstellungsbewegung. Hat man einst in der Öffentlichkeit, den realen Straßen mit Kleidung angeben können, so lassen die digitalen Straßen Raum für die Darstellung jeglicher anderer Aktivitäten.Urlaubsziele, die dem Vintage Filter unterzogen werden, lassen darauf hindeuten, dass nostalgisch den vergangenen Zeiten nachgetrauert wird.

Auch verschiedene Sinnesempfindungen oder Gefühle eines Individuums können digital den erwünschten Raum geben. Foren, Bilder oder Sprache können der Persönlichkeitseinfaltung, die in der Gesellschaft eingeschränkt wird, ermöglichen.

In einer westlich modernen Gesellschaft in einem Industriestaat wie Deutschland fehlt es an sozialen Bindungen. Grund dafür ist Arbeit, die zwar Wohlstand garantiert, jedoch den Menschen zeitlich im Privaten einschränkt. Die unverzichtbare Interaktivität der neuen Medien erhöht die Mobilität, wie auch die Flexibilität, was dazu führt, dass der Mensch gezwungen ist, auf alles schneller zu reagieren. E-Mails, Auch die kollektive Verachtung des Kollektivs, das im Grunde genommen die natürlichen Bedürfnisse nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Zuneigung dazu veranlasst, unterdrückt zu werden, trägt dazu bei, dass soziale Medien für das soziale Individuum beansprucht werden.

instagramm shirt ZARAJene Vintage Bilder, die mit Instagramm gemacht werden, sind nun auch auf den T-Shirts zu sehen. Damit wird auch deutlich, dass das Digitale nicht erfüllend ist. Um digitale Bilder zu vergegenständlichen, landen sie auf dem Textil. Von der digitalen Welt, werden die Bilder damit auf die reale Welt übertragen und auf den Straßen der Stadt gezeigt. Instapparell, ein amerikanischer Online-Shop, bietet dem Konsumenten, Instagramm-Bilder auf T-Shirts zu bedrucken. Auf der Startseite gibt es vor, den Konsumenten zum Künstler werden zu lassen, der seine Individualität, gar sein ganzes Ich zum Ausdruck bringen kann, indem er die eigene Kleidung selbst kreiert. Auch die spanische Kette ZARA bietet für diesen Sommer jenes Design an, das aber im Gegensatz zu Instapparell nicht persönliche Eindrücke zeigt, sondern natürlich Duplikate eigens entworfener Motive. Den Oberkörper zieren damit aber nicht nur Strandbilder, sondern auch bildhafte Aussagen über das Leben oder verehrte Künstler wie Michael Jackson.

Auch erinnern die neuen Prints an die Motive, die in der Kindheit bereits aufgebügelt wurden. Stars, Disneyfiguren oder Blumen und Autos zierten Jeanshosen und Shirts. Das Instagram T-Shirt ist demnach ein textiles Medium, dass einen Mitschnitt des eigenen Ichs auf eine pubertäre Weise darstellt, und zudem Spiegel der Instagramm Online-Gesellschaft ist.

Bilder: Meltem Toprak, Zara Online

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