Menu
menu

bild1Istanbul lehrt mich, das Leben mit all meinen Sinnen wahrzunehmen. So sehr ich das Internet auch schätze, so sehr ich auch die deutsche Mentalität schätze, in Deutschland mögen wir reich sein, und doch sind wir zu oft die ärmsten Menschen der Welt. Denn, ob wir es uns eingestehen wollen oder nicht: wir sind einsam. Wir arbeiten, weil wir nichts haben. Das Geld, das wir verdienen, geben wir aus, irrsinnig wie wir sind, um die leeren Plätze zur Rechten und Linken mit vollen Tüten zu belegen. Was auch immer über soziale Netzwerke geteilt wird, geschieht meist, weil uns im echten Leben die Menschen fehlen, die wir uns zum Erleben wünschen. Ob ein Frühstück oder die Beteiligung an einer politischen Diskussion. Wir haben uns von dem entfremdet, was wir selbst sind: dem Menschsein. Dabei haben wir lange verlernt zu lieben, noch länger aber haben wir verlernt, zu genießen. Die Nächte sind leere Versprechungen, all die Kleider seelenlose Hüllen, das Internet der einzige Notausgang, um uns abzulenken, das Gefühl zu geben, Menschen und Gefühle ersetzen zu können. Uns ist kalt, aber es liegt nicht bloß am Wetter, es liegt an unserer Lebensführung. Was wir aber wollen, sind Menschen. Menschen mit Haltung, mit Kraft und Lebensenergie. Wir wollen Menschen riechen, sie etwas aus dem Herzen sagen hören, wir möchten ihnen aber auch zuhören. Ihren Geschmack möchten wir schmecken, ihre Bewegungen fühlen. Ob wir leer sind oder nicht, wir sind Denker. Was es bedeutet, das Leben zu genießen, haben wir bei all den Gedanken um das richtige Leben verlernt.

bild4 bild1bild5

Unsere Zeit verfliegt vor dem Monitor, dabei verlieren wir mit jeder Sekunde, jeder Stunde die Möglichkeit, unsere Sinne einzusetzen. Mag das Internet noch so sehr Kreatitivität fördern, uns informieren, den Austausch verleichtern, mit einem stillen Herz spüren wir nicht, dass wir existieren.

bild2bild3IMG_3757

Es gibt nichts Besseres, als einen lockeren Umgang mit der Zeit, den Menschen und dem eigenen Selbst zu pflegen. Was ich an der türkischen Kultur zum Ausgleich von einem Extrem zum anderen schätze, ist der leichte Umgang mit der Zeit. Wer die Zeit nicht zu ernst nimmt, braucht sich nicht vor der Zukunft fürchten. Wer seine Zeit zu verwerten weiß, statt sie zu planen, wird ihr niemals hinterher trauern. Was ich noch viel mehr schätze, ist der lockere Umgang mit Menschen. Die deutsche Gesellschaft ist unfassbar unterkühlt, distanziert und zu oft reserviert. Selten begegnen mir Menschen, die selbstbewusst eine lockere, coole Art haben, die sympathisch interessante Gespräche erlauben. All der negativen Eigenschaften Deutschland, die mein Newsfeed Facebooks spiegeln, möchte ich hier nicht begegnen. Und so werde ich auch die nächsten Tage das Internet vermeiden. Wo auch immer man sein mag, wenn man in seinen freien Tagen auf das Internet verzichten kann, so kann ich jedem nur empfehlen, soziale Netwerke zu umgehen, das Leben anderer Menschen nicht zu beobachten, sondern im Leben kennenzulernen und selbt ein Teil davon zu werden.

Selbst ich bin als “Deutschtürkin” noch immer dabei, Gelassenheit und die Lust am Leben zu erlernen. Zu oft erwische ich mich selbst bei einem Spaziergang am Meer nachzudenken, statt zu genießen. Wir dürfen das neugierige, lebensfrohe Kind in uns nicht verhungern lassen. Keep curious, bitches!

bild2

Leave a reply