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Vergangene Woche unterbrach ich die Fashion Week in Berlin, um zum ITS Festival nach Trieste zu reisen, wozu mich SWATCH einlud. Das ITS Festival ist ganz nach dem Namen International Talent Support ein Festival, das in vier Kategorien mit zahlreichen Preisen, Dotierungen und neuen Berufsmöglichkeiten Nachwuchsdesigner auf ihrem Weg unterstützt. Gegründet wurde das Festival vor 13 Jahren von Barbara Franchin, einer Talententdeckerin, die bereits Designer wie Raf Simons und Viktor&Rolf als Jury-Mitglieder für ITS gewinnen konnte. Und unter den Gewinnern war bereits unter Anderem der britische Designer Mark Fast, der Strickmode erfolgreich auf der London Fashion Week zeigt. Die großen Sponsoren sind die Marken Swatch, Diesel, Swarovski, YKK und Samsung, die alle ihre eigene Kategorie und Jury haben. Unter dem Thema „lucid dream“ war die einzige Einschränkung und zugleich Herausforderung, mit der DNA der Marke zu arbeiten. Nominiert wurden in jeder Kategorie 10 Teilnehmer aus den verschiedensten Nationen. Freitag Abend fand die Ausstellung statt, in der alle Arbeiten in den Kategorien, Accessories, Kunst und Schmuck zu sehen waren, von denen am nächsten Tag die besten ausgezeichnet werden sollten. Die Arbeiten der Kategorie Mode wurden mit einer Präsentation vor der Preisverleihung angekündigt. virginia

In der hochkarätigen Jury von SWATCH saßen Carlo Giordanetti, Creative Director des Labels, der Kunsthistoriker Juri Steiner, das Berliner Künstlerpaar Eva & Adele, der italienische Künstler Gianluigi Colin, der Creative Director Sebastian Fischenich, ehemalige Direktorin der spanischen Vogue Maria Eugenia Alberti und zuletzt der Sänger Mika Penniman und seine Schwester Yasmine. Allein wegen der ersten drei Jury-Mitgleider wollte ich mir dieses Event nicht entgehen lassen. Die Interviews, die ich mit ihnen führen durfte, werde ich in den nächsten Tagen veröffentlichen können. Wegen des letzten Teils der Jury kamen übrigens unzählige Mädchen, um stundenlang vor unserem Hotel gelegen am Meer im Zentrum Triests zu warten. Solch einen Andrang habe ich in Deutschland noch nie erlebt. Wie ich später erfuhr, ist Mika in Italien so beliebt und bekannt, weil er in der Jury der italienischen Verison von X-Factor saß.

Der Preis in der Kategorie “Artwork” ging an Virginia Burlina. Ein Kriterium der Juroren Eva & Adele war Radikalität und Schönheit. Gewonnen hat sie letztlich Carlo Giordanetti zufolge, vor Allem auch durch die Feminität des Bildes und Eleganz, die nur von einer Frau verkörpert werden könne. Auch mit der Emotionalität und Poetrie habe Viriginia Burulina die Essenz der Marke Swatch am stärksten gedeckt. SWATCH, eine Schweizer Uhrenfirma, die sich als “größte Kunstgallerie” mit dem Geiste eines 6 jährigen Kindes beschreibt, fand sich verkörpert auch durch die Visionen der weiteren 9 Teilnehmer aus 6 Nationen in einem neuen Kontext. Beachtet sollte neben der DNA von Swatch, auch die Größe von 150x150cm und das Einbinden dreidimensionaler Elemente. Den Materialien, Farben und Formen waren keine Grenzen gesetzt. Mir hat besonders die Arbeit von Ryota Murakami und seiner Mutter Chiaki gefallen. Gemeinsam haben Sohn und Mutter eine gestrickte Welt aus dem Kinderzimmer eingereicht. Fabelhafte Kuscheltiere glitzernd getragen auf Wolken zwischen Regenbogen waren farbträchtig kreativ und phantasiereich. Die Arbeit der Teilnehmerin Youmeng Liu stellte ein Koboldartiges Wesen dar, das in einem transparenten Bauch bewegliche Insekten in sich barg. Ihre Vision war faszinierend gruselig und kindlich zugleich. Virginia Burlina jedenfalls wird ihre Vorstellungen zu der Marke SWATCH in einem Praktikum in das Design der Uhren einfließen lassen, und mit einem 10.000 Euro dotierten Preis sich ihren eigenen kreativen Weg ebnen. swatchKobold

In der Kategorie Fashion, dessen Jury unter Anderem von Diesel Creative Director Nicola Formichetti und beherbergt wurde, gewann die Britin Katherine Roberts-Wood mit ihrer Kollektion “Synch” gleich zwei Preise: Fashion Collection of the Year und den Vogue Talents Award. Obwohl ihre Entwürfe weniger innovativ waren, passen sie ganz in die Ästhetik der italienischen Vogue durch ihre raffinierte Schönheit, der unverkennbar aufwendigen Handarbeit. Wie alle anderen Teinehmer entwarf auch sie ein Teil in ihrem Stil ganz nach Profil Diesels in Jeans-Optik. In der Kategorie Fashion beeindruckte mich besonders Jae Woo Lee aus Südkorea, die jedoch leider leer ausging. Ihre Kollektion “Dis.connect” zeigte zweiseitige, gerippte Wolle, wobei Stoffreste lose an den fundamentalen Kleidungsstücken hingen, fliegten, magnetisch klebten.

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leelee2xxDen Award für Fashion Special Prize erhielt Anita Hirlekar mit gestrickten, unendlich einander verwobener sichtbar maschiger Wolle.

Die Männer – Kollektion “Bunnies with the sea” von Anna Bornhold, die ganz nach ihren deutschen Wurzeln die nordische Ästhetik auf hippe Art wiedergegeben hat, gefiel mir persönlich leider gar nicht. Entwürfe dieser Art waren bereits häufig zu sehen. Sie jedoch erhielt den Modateca Award. Den Diesel Award erhielt verdient Zoe Water. Ihre Jacken erinnerten an Rucksäcke. Ihre Entwürfe kamen dem Stil Diesels selbstverständlich am nächsten und werden hoffentlich bald in ähnlicher Form zu kaufen sein.

annaanitaDen Vogue Talent Award in der Kategorie Jewellry hat Maiko Takedo gewonnen. Ihr Traum besteht aus der Vorstellung, Wolken zu tragen. Ästhetisch hat sie sich inspireren lassen von Robert Wilson`s Produktion von Philip Glass Oper “Einstein am Meer” aus dem Jahre 1976, die die Japanerin 2012 in London sah.   maikoMirja Pitkaarts Entwürfe haben mir ebenfalls sehr gut gefallen, wofür sie auch in der Kategorie Accessoire einen Preis gewonnen hat. Hier zu sehen ein Teil ihrer Kollektion: ein Notizbuch mit dreidimensionalem Cover aus Leder hochwertig hergestellt. mirja pitkaartAm gleichen Tag vor der Preisverleihung durften wir noch im Archiv von ITS Entwürfe vergangener Gewinner bestaunen. Dort erzählte mir einer der Triest Helferinnen, eine Filmstudentin aus Kroatien, dass der Illy Cafè aus der Stadt Triest komme und man an der slowenischen Grenze, wo der Kaffee produziert werde, den Kaffee bereits riechen könne. Den himmlischen Duft habe ich nicht mehr erleben können, aber das Archiv hatte fast ebenso eine berauschende Wirkung. Zwei kleine Zimmer im obersten Stockwerk eines alten Gebäudes waren gefüllt mit den Arbeiten der Gewinner aus den letzten 13 Jahren. Tausende Einreichungen hatte man ebenfalls in grauen Pappkartons aufbewahrt, die während des Festivals jederzeit geöffnet werden durften. Das Archiv selbst öffnet nur einmal im Jahr während der Veranstaltung, daher ein paar Eindrücke aus der Schatzkammer:

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Wie erwartet waren unter den Gästen sehr gut angezogene Frauen und Männer. Kreativität und Opulenz waren die Charakteristiken, die zu sehen waren. Der Berliner Individualismus und die jugendlichen Subkulturen, aus denen ich direkt eingeflogen war, vermisste ich dennoch. Denn die Feminität wurde von vielen Gästen auch auf die Spitze getrieben, von vielen Gästen aber auch wunderbar verkörpert. Von den männlichen (italienischen) Gäste habe ich leider keine Bilder machen können, doch deren Stilbewusstsein ist ohnehin reichlich auf den Streetstyle Bildern der Pitti Umo zu bewundern.

style itsIMG_2453style triesteVon dem Wettbewerb hatte ich zuvor nichts gehört, es hat jedoch meine Erwartungen übertroffen. Viele Arbeiten waren sehr künsterlisch und beinhalteten einen Gedanken, und das trotz der Tatsache, dass eine Zusammenarbeit mit Marken stattfand, in der eben die Arbeiten auch der Ästhetik der Marken gerecht werden mussten. Das Thema “lucid dream” ließ dabei den größtmöglichen Raum für Ideen offen, und hat dabei eben selbst auch die Kreativen allein mit der Auswahl der Thematik zum Nachdenken angeregt. Unterstützt werden sie mit zahlreichen Awards allemal. So viele Awards waren es vor Allem in der Kategorie Fashion, dass man keine Übersicht mehr hatte. Zudem wurden manche Arbeiten in mehreren Kategorien nominiert und gekrönt. Eine gute Möglichkeit für die Talente ist ITS auch deshalb, weil sie eben auch entdeckt werden können, von Investoren oder beispielsweise Gallerien. Mit 99 Medienvertreten aus 13 Ländern bestand das Publikum aus hochwertiger internationaler Fachpresse, unter Anderem mit der italienischen Vogue als Berichterstatter und zugleich Unterstützer. Dadurch, dass sich Kunsthistoriker, Künstler und Modedesigner unter den Juroren befanden, hatte der Wettbewerb auch einen intellektuellen Anspruch an die materiellen Arbeiten. Die Qualität des Festivals kam durch die Aufmachung des Designs und Layouts der Festivalbilder sowie die Internetpräsenz nicht sehr gut zum Vorschein, was wohl auch mein einziger Kritikpunkt wäre.

Was mir besonders an dem Festival gefiel, war die Entspanntheit des kreativen Publikums. Ich mochteauch die Gelassenheit der Stadt Trieste, die der Gastgeberin und mitwirkenden Juroren und Partnern. Die Arbeit der Kreativen wurden zelebriert und gefeiert. Neben den drei Juroren von SWATCH, lernte ich außerdem die Redakteurin Juliana Buchroithner von Material Girl, Anja Tranninger von Flair aus Österreich, sowie Andrea Lucia Brun von der Schweizer Zeitschrift Bolero und letztlich auch Samantha Oberholzer und Nina Thelenberg von SWATCH kennen. trieste1.Bild:  Giuliano Koren für ITS

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