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Heute im Hugendubel. Eine innere Stimme sagt: “Nein, geh da nicht rein, nein, die wollen dich da nicht.” Was sich jetzt witzig oder fast gespentisch gruselig anhört, ist eine Stimme, die besonders vor dem Eingang nicht wegzukriegen ist. Nicht nur die Temperatur wird unangenehm, wenn die Glastüren aufgebrochen werden, sondern das menschliche Klima. Bänker huschen in ihrer Mittagspause vorbei, Leseratten blicken gierig um sich, während sie sich müßig mäßig bewegen, Geschäftsfrauen stolzieren rücksichtslos stumpend. Da denkt man sich einmal, heute mal nicht auf Sparmodus machen und auf amazon bestellen, das Klima schonen, die deutsche Wirtschaft ankurbeln, und direkt bei einer Buchhandlung kaufen (wenn auch Kette), die eben ein persönlicheres und größeres Angebot hat, und durch gelungene Import – Exportverträge nahezu jedes aktuelle Buch im Bestand hat. Falsch gelegen. Schwarze Haare, schwarze Augen, schwarze Augenbrauen, noch nie in einer Buchhandlung gesehen: “Hilfe, der Kanacke ist da”, und so wie die auch noch aussieht, kann die doch gar nicht lesen. Deutsche Vorurteile, welcome! Kanacke, hübsch, Modemädchen, Anlass also. “Ähh, doch, schon, also Lesen und Schreiben lernt man ja schon auch, selbst in einem Schwellen- oder Entwicklungsland.” Aber die Damen und Herren der Hugendubel-Mitarbeiterschaft sind weder geschult, noch belesen, wenn es um unterschiedliche Menschen, gar Kunden geht. Sind das dann nicht die eigentlichen Kulturbanausen, die sich für die eigentliche Elite des deutschen Hochadels aus Literatur und Theater halten? Leider kennen die meisten Mitarbeiter nicht einmal die Standardwerke, das ist traurig, aber auch nicht verwunderlich, wenn immer wieder die Rede einer Buchmarktkrise ist. Bei aller (Kapitalismuskritik-)Liebe, so leicht verschlägt es den ungebildeten Türken dann doch nicht wieder in die Hugendubel-Buchhandlung. Der Büchermarkt selbst frisst ihre Bücher, nicht die Kinder, und schon gar nicht die mit Migrationshintergrund. Stichpunkt: Interkulturelle Kompetenzen, die in der ein oder anderen, deutschen Institution noch immer nicht angekommen ist. Ein Umdenken muss stattfinden, Sensibilisierung, gerade in einer hohen Kultur wie der Literatur und Kunst.

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