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La mode pour la mode! – The little black Jacket by Karl Lagerfeld

Die Hauptrolle der Ausstellung „The little black Jacke“ ist der schwarzen klassischen Jacke von Chanel gewidmet. Aber muss aus diesem Grund den Nebendarstellern die Persönlichkeit entrissen werden?

Nahezu einhundert prominente Persönlichkeiten wurden vom Modezar Karl Lagerfeld abgelichtet. Mag die Ausstellung als Raumlichkeit einem Museum mit Kunstobjekten ähneln und ganz demokratisch für jeden zugänglich sein, so fragte sich der Junge, der von seinen zwei Freunden in die dunkle Unterführung am Potsdamer Platz geschleppt wurde dennoch nicht zu Unrecht auf türkisch „Lan, ben burda ne yapim?“ (Junge, was soll ich hier?).

Eiskalt und ungerührt liefen sie an eines der Götter am Hiphop Olympus vorbei und fanden auch nach wenigen Sekunden den Weg zurück. Nicht einmal das poppige Bild des Theophilus London im Lichtenstein-Comic konnte die Jugendlichen im modischen Gangsterstil beeindrucken.

Woran das wohl lag? Sicherlich haben sie nicht gerechnet, dass West und London auch anwesend sein könnten. Denn schließlich galt Hiphop lange als out. Erst Rapper und Sänger wie Kanye West, OFWGKTA, Theophilus London, die noch nie in Baggy Pants gesichtet wurden und eher dem intellektuellen Dandy gleichen als dem dreckigen, wütenden Weisen von der Straße, der wie ein wahnsinniger Obdachloser die Welt kritisiert, von der er mit Chains und 100$ Burger ein Teil ist, machten den Hiphop salonfähig. Weil sie sich westlicher kleiden, westlicher ausdrücken und einen westlicheren Lebensstil haben und sich auch die letzten Mode-Mitläufer mit dem teuren Lebensstil identifizieren können.

Aber ist das wirklich Kanye West? DER Kanye West? Der Junge mit den dope beats und den kritischen Gedanken, der dem Hipop ein neues Image verpasst hat, obwohl er noch immer um den Respekt jedes einzelnen kids von der Straße kämpft, obwohl er mit Liedern wie „all falls down“ die Intellektuellen bereits auf seine Seite holen sollte? Auf den schwarz-weißen Bildern im Profil ist er erstaunlich profillos abgebildet. Mit Kruzifix-Kette und in Lederhose scheint der „Jesus walks“-Interpret weniger göttlich als gewöhnlich. Da verhilft die Chanel-Jacke höchstens dazu, als trendiger Modetypus anerkannt zu werden. Nicht einmal als Innovator.

Auch sonst scheinen die unzähligen Schauspieler und Models im wahrsten Sinne des Wortes farblos und unscharf.

Die Stylistin Carine Roitfeld versucht mit Stil zu beeindrucken, Anna Wintour hingegen glaubt ganz größenwahnsinnig, ihr Haarschnitt sei wie der Apfel von Apple. Ob sie damit ein unverwechselbares Gesicht bekommt, sei dahingestellt.

Einzig entgegen gestrahlt haben Sarah Jessica Parker und Waris Ahluwalia. Und Yoko Ono.

Die übichen Verdächtigen wie Alice Dellal, Freja Deha, Alexa Chung (welche Tätigkeit übt die letzte Dame überhaupt aus?), …haben die große Marketing-Kampagne mit ihrer (sicherlich) unbezahlten Arbeit zu einem low-budget Projekt gemacht, indem ihnen Ruhm gebührt. Wir werden sehen, ob sie aus Langweile bald ersetzt werden, oder ob sie nicht Trend sondern zeitlos sind.

Neben den Designern Haider Ackermann und Alexander Wang und einigen wenigen Künstlern wie Yoko Ono, sind deutlich viel zu wenige Persönlichkeiten aus verschiedenen Lebensbereichen vertreten. Vielleicht ist ja das der Grund, warum die Mode nur in der Mode anerkannt wird. Weniger normative Gesichter, mehr außergewöhnliche Menschen! Verkauft sich schlechter, ist dafür aber künstlerischer. Denn sonst bleibt alles wie es ist. La mode pour la mode!

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