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Sport ist ein Raum, in dem Männlichkeit vorgeführt wird. Dies zeigt sich auch in der Mode, womit gleichzeitig sportliche Kleidung Männlichkeit definiert. In den Männerkollektionen für den Frühling und Sommer 2015 machte sich insbesondere der Einfluss des Basketballs sichtbar. Neben dem britischen Designer Nasir Mazhar zeigten die Labels Philip Lim, Balenciaga und selbst sogar Bottega Veneta Schnitte der Kleiderordnung des Ballsports. Die kreative Leitung der letzten drei benannten Labels haben ihren Sitz in den USA. Auch das Hause Givenchy, dessen Creative Director ein enges Verhältnis mit dem amerikanischen Rapper Kanye West pflegt und die Spielart als favorisierten Sport bennent, führte ihre letzte Kollektion durch eine klassische Modifizierung fort. Erst im Januar in ihrer letzten Saison erfuhr der bedeutendste Ballsport Amerikas ihren modischen Höhepunkt der letzten Jahre durch die Präsentation Givenchys an einem nachkonstruierten Basketballplatz, dessen Motive auch die Kleidung zierte. Wieso ist der Einfluss des Basketballs in der amerikanischen Männermode so sehr von Bedeutung? Die amerikanische Kultur ist sowohl musikalisch als auch modisch durch die Vorführung der Clips (inszenierte Kleidung in Kurzfilmen) von der afro-amerikanischen Kultur sehr geprägt. Dem Hiphop wird mit dem gängigen Statement “als CNN der Schwarzen” eine maßgebliche Rolle zugeschrieben, genauso sehr wie dem Basketball als Raum der Vorführung schwarzer männlicher Identität über den Einfluss der NBA verstanden.

limwangbottega

In meiner Recherche nach dem Zusammenhang zwischen Männlichkeit und Basketball bin ich auf eine interessante soziologische Beobachtung gestoßen, die ich an dieser Stelle vorstellen möchte. Professorin Eva Boesenberg zufolge dient der “Sport zur Fetischisierung des schwarzen männlichen Körpers als reiner Körper.” In ihrem Aufsatz “Black Rules” demonstriert sie anhand drei afro-amerikanischer NBA Stars die von Millionen konsumierte und imitierte Männlichkeit. Anhand Basketballspieler Shaquille O’Neal zeichnet sie neben seiner kindlich naiven Darstellung die Bedeutung der Stärke, der Rolle des “Größten” und Gefährlichsten, die in seiner Spielart zum Ausdruck kommt. Michael Jordan halte nach Bell Hooks ein “sportliches Ethos” bei, das auf “Machtausübung, Sexismus und Homophobie basiere”. Mit Dennis Rodman, der sich gerne exzentrisch in geschlechterübergreifender Kleidung präsentiert, geht die Autorin auch auf Homosexualität ein. Trotz der offenen Kommentare des Spielers, gebe dieser zu verstehen, heterosexuell zu sein. Seine weiblich konnotierten Kleider deutet sie nicht als Infragestellung der Geschlecherkategorien von Weiblichkeit und Männlichkeit, sondern viel mehr als Provokation an die Bürgerlichkeit, denn sein Image als harter Kerl sei unbestreitbar. In ihrem Fazit, bemängelt sie, dass die Umgangsform im Basketball traditionelle Geschlechterrollen über das “hypermaskuline Image” verstärken. Sie schlussfolgert jedoch, dass durch verschiedene Männlichkeitsbilder der Stereotyp des “sexbesessen, intellektuell minderbemittelt und tendenziell gewalttätig” dargestellten jungen afro-amerikanischen Mannes abgebaut werden könnte.

Die auf den Straßen getragenen Shorts (auch in Deutschland), die in verkürzter Art getragen werden wie sie selbst zurzeit im Schaufenster bei H&M zu sehen sind, haben ihren Ursprung jedenfalls im Ballsport. Während jene Shorts, die das Knie bedecken, aus dem Basketball kommen, sind es Short oberhalb der Knie, die von Spielern im Fußball getragen werden.

dolce gabbana

Besonders interessant ist dabei die letzte Kollektion der italienischen Designer Dolce & Gabbana. Ist das Leitmotiv der Stier, so ziert das Muster auch einen sportlichen Look bestehend aus Tanktop und knielangen Shorts. Der Stier signalisiert in Verbindung des Sports die in den Wettbewerb ziehende Männlichkeit, die dabei sogar aggressiv vor geht wie sie in Stierkämpfen vorgestellt werden kann.

antonio marras

Basketball ist in Europa weniger beliebt, was nicht heißt, dass auf diesem Kontinent durch einen anderen Ballsport Männlichkeit nicht konstruiert wird. Insbesondere auch in Deutschland ist es der Fußball, der zurzeit durch die Weltmeisterschaft noch stärker an Bedeutung gewonnen hat und Millionen Menschen in Deutschland zum Feiern und Diskutieren vor die Monitore zieht. Gespiegelt wird die Bedeutung des Ballsports in der Kollektion des italienischen Designers Antonio Marras. Geht es im Fußball zunehmend auch um Politik und Patriotismus, so wird allem voran auch die Männlichkeit konzipiert. So sehr Stimmen der Medien auch von Gender Studies sich leiten lassen, so ist das Konzept der determinierten Geschlechterdichotomie auch in Deutschland tradiert.

Der Text, den wir im Seminar “Männlichkeiten – Grundlagen der Männlichkeitsforschung” der Dozentin Prof. Helma Lutz gelesen haben, passt an dieser Stelle sehr gut. Michael Meuser befasst sich in „It’s a Men’s World. Ernste Spiele männlicher Vergemeinschaftung“ mit der Ernsthaftigkeit des Spieles, die sich in der Verbindung zwischen Fußball und der gesellschaftlichen Ordnung ausdrückt, wobei das Geschlecht für Meuser eine wichtige Rolle spielt. Mit einem Zitat von Getrud Pfister macht Meuser in der Einleitung deutlich, dass es hierbei die Männlichkeit ist, die im Fußball der westlichen Kultur produziert und inszeniert wird. Dabei werden beim „Männersport“ auch männliche Werte und Neigungen geäußert. Mit Bourdieu macht Meuser deutlich, dass es sich bei Männlichkeit um eine „kompetive und homosoziale Praxis“ handelt, die Männer in einen Wettbewerb dringt und Frauen dabei ausschließen lässt. In dieser Praxis wird auf heterosozialer Dimension eine Hierarchie der Männlichkeit erstellt.

Im Kapitel „Fußball und hegemoniale Männlichkeit“ wird der Zusammenhang zwischen Fußball und des von Connell eingeführten Konzeptes erleuchtet. Die „Hegemoniale Männlichkeit“ äußert sich im Verhalten gegenüber anderen Männern und gegenüber Frauen. Dabei ist auch die Rede von „marginalisierter Männlichkeit“, die eine andere Männlichkeit verbindet wie beispielsweise die Gruppe der schwulen Männer. In ihrer Struktur wird sich in sogenannten bunten Ligen der Tradition der  Geschlechterbeziehungen und Identität widersetzt. Meuser geht in diesem Aufsatz auch über das moderne Phänomen der „Metrosexualität“ ein, die mit David Beckham Ausdruck fand, womit er den Fußball nach Holger Brandes als „Zeitgeist von Männlichkeit“ erklärt. Die Darstellung mit Frau und Familie ist ein wesentliches Merkmal, das die Männlichkeit betont und beweist. Mittlerweile ist der Begriff Spornosexual nach der These Mark Simpsons im Diskurs, der dem Mann viel mehr Disziplin, Erotik und Selbstdarstellung abverlangt. Die Männer werden auf ihren Körper reduziert. Dass das Aussehen auch bei den Fußballern noch immer sehr von Bedeutung ist, macht sich auch in der Weltmeisterschaft bemerkbar: auf einem Feld bewegen sich elf Männer je Mannschaft athletisch hin und her, diskutiert wird dabei nicht nur ihre Fähigkeit, sondern auch ihre ästhetische Performance.

Im letzten Teil dieses Kapitels macht er deutlich, dass die hegemoniale Männlichkeit funktioniert, indem der Untergeordnete einverstanden ist, jene Position einzunehmen, womit er an der „patriarchalischen Dividende“ teilnimmt und damit der männlichen Vergemeinschaftung gehört. Im Kapitel „Die ernsten Spiele der Fans“ werden auch die Machtverhältnisse unter den Spielern deutlich. Dabei geht es den Fans um den Status als Mann, diesen zu verteidigen und dabei den Gegner zu entmännlichen. Gewalt ist im Fußball damit auch ein legitimer Ort physischer Gewalt. Sie stehen dabei aber auch in einer Wechselbeziehung, womit Meuser meint, dass durch Körperverletzung des Gegenübers auch die Loyalität der eigenen Gruppe gewahrt wird.

Wie bereits angedeutet, muss man diesem Text, der die Konstruktion von Männlichkeit untersucht, hinzufügen, dass beim Fußball eben auch viele andere Faktoren dazu führen, dass dieser Ballsport so beliebt ist. Neben den neuen Patriotismusversuchen Deutschlands, ist es auch die Möglichkeit, sich in “netter Gesellschaft” mit anderen Menschen, Kollegen und Freunden zu treffen, die diesen Ballsport so anziehend für tausende Menschen macht. Nichtsdestotrotz kann durch die Tabuisierung der Homosexualität gesagt werden, dass dieses Feld ein bestimmtes Bild von Männlichkeit idealisiert und konzipiert. Dies habe ich in Bezug zum Basketball mit der Prof. Eva Boesenbergs Charakterisierung ausgewählter Spieler demonstriert, im Fußball hingegen mit Michael Meusers Text über die Interaktion und den Habitus der Teilhabenden am Spiel.

Noch macht sich der Fußball in Entwürfen deutscher Designer kaum bemerkbar, was letztlich damit zusammenhängen könnte, dass es der Berliner Modewoche an verschiedenen Konstruktionen von Männlichkeit mit kulturellen Ursprung  fehlt oder schlicht gesagt: an Ideen. Denn die letzten sportlichen Trends wurden aus den USA in den letzten Saisons ausreichend kopiert. Gleichzeitig spricht es aber dafür, dass sich die deutsche Mode noch immer auf eine sehr geistliche Ebene mit dem Material auseinandersetzt. Möge Sport wie hier vorgeführt viele negative Aspekte mit sich bringen, so ist dieser gerade für junge Menschen wegen der Gesundheit, sozialen Vernetzung und der Identität von großer Bedeutung. Schließlich lernen die Teilnehmer auch anhand der Regeln Fairness und Gerechtigkeit im Spiel, aber auch ihren eigenen Körper zu akzeptieren und glorifzieren. 

http://www.basketball.de/magazin/archiv_magONLINE/maenner.html

Bilder: Givenchy Mens FW 2014 Paris, Quelle: www.derriuspierre.com, Philip Lim Quelle: Style.com, Alexander Wang & Balenciaga SS 2015 Quelle: Style.com, Bottega Veneta SS 2015 Quelle: style.com, Antonio Marras SS 2015, Style.com 

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