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Türkische Bloggermädels wie Nil Ertürk sind unkreativ, wenn es um Individualität geht. Aber um Individualität geht es ihnen auch kaum. Es geht darum, schönstmöglich Weiblichkeit mit Stil zu präsentieren.

Eine schöner als die andere könnte man meinen, wenn man sich im Antrepo, dem Gebäude der diesjährigen Mercedes Benz Fashion Week, umsieht. Die Mädchen glänzen von Kopf bis Fuß wie das Meer, das von der Terrasse zu bewundern ist. Während in Berlin aus einer Jugendkultur um den Kampf der Individualität kreative, kunstvolle Gewänder entstehen, geht es den vorwiegend weiblichen Besuchern der Istanbuler Modewoche um Weiblichkeit und Schönheit. Androgynität sieht man selten. Das findet auch Facehunter über dessen Besuch sich die Türken sehr freuen. Wer von ihm fotographiert wird, schätzt sich glücklich. Bei so vielen schönen Mädchen fällt es nämlich nicht einfach, aufzufallen. Doch die Schönheit türkischer Frauen ist unbestreitbar, fragt man Yvan Rodic. Der weltumreisende Blogger Facehunter findet die türkischen Mädchen Istanbuls wunderschön wie die Stadt selbst, weshalb er immer wieder zu Besuch kommt.

Gemachte Haare sind eine Selbstverständlichkeit. Schließlich sind die Preise der kosmetischen Dienstleistungen so niedrig, dass sich nahezu jede Frau jeder Schicht in Istanbul ein gepflegtes Äußeres leisten kann. In der Türkei wird durch den Lifestyle der Serien das Leben der Reichen noch stärker glorifiziert als er bereits auf den Straßen der Stadteile Bebek gezeigt wird. Anders in Deutschland wird in Istanbul gerne geprotzt. Denn unter den Reichen sind viele Neureiche, die gerne ihren Erfolg zeigen, vor Allem auch mit dem Aussehen.

Gerade wird das Haar in der modernern Version des Ombré getragen. Die Spitzen erhalten nicht mehr den starken Kontrast wie es letzten Winter noch gesehen wurde, sondern werden bereits im Augenbereich schon heller. Roter Lippenstift sowie getuschte Wimpern in Kombination mit Eyeliner sind ebenso ein beliebter Stil. Unter den Besuchern befinden sich auch viele Frauen mit gemachter Nase und meist dazu noch aufgespritzten Lippen. Der Trend der verkürzten geraden Augenbrauen verstärken den Einheitslook. Erst im Nachhinein habe ich bemerkt, wie viele Mädchen ich unbewusst mehrmals fotografiert habe. Dabei fehlt es Istanbul keineswegs an Kreaitivität und Individualität. In Vierteln wie Cihangir, Galata und Taksim (Asmali Mescit) gibt es sehr viele junge, kreative Menschen mit ausgefallenen Stil, die sich meist von der anatolischen Kleidungskultur beeinflussen lassen. Doch unter den Besuchern befinden sich größtenteils Designstudenten oder die geladene High Society. Da das Gebäude öffentlich für jeden betretbar ist, werden ähnlich wie in Berlin restliche Karten verteilt. Unter den Besuchern sind also viele Fans, die in der Hoffnung kommen, ihre Stars zu treffen. Stars besuchten die Modewoche aber kaum. Am Dienstag verstarb nach 269 Tagen im Koma der 15-jährige Berkin Elvan, der während der Proteste zum Brotkaufen das Haus verlassen hatte. Um Anteilnahme an der Trauerfeier zu zeigen, wurde am Dienstag die Fashion Week abgebrochen. Tausende gingen in weiten Teilen der Türkei auf die Straße. Die Proteste hielten zwei Tage an bis ein weiterer kleiner Junge in Istanbul, und ein Polizist in Tunceli ums Leben kamen.
Die Aspannung machte sich auch im Zelt bemerkbar, denn die Shows waren sowohl Mittwoch als auch Donnerstag von vielen Prominenten unbesucht. Erst Samstag, am letzten Tag der Mercedes Benz Fashion Week Istanbul, kamen viele Prominenten zur Show des Stardesigners Hakan Akkaya, der mit seiner Beliebtheit mit Guido Maria Kretschmer zu vergleichen ist. Im Publikum saßen auch viele Mädchen mit Kopftuch, die bewundern um sich blickten, doch dabei auch sehr zurecht gemacht zur Modewoche kamen.

Der Stil der Istanbuler Modewoche zeigte schöne, gepflegte Mädchen, die stolz ihre Weiblichkeit betonen. Etwas mehr Kunst und Individualität könnten Istanbul jedoch nicht schaden, denn in diesem Wettbewerb der Weiblichkeit zu überleben ist eine Kunst, die meist in Künstlichkeit endet. Von berufstätigen Frauen, die es nicht einsehen, ihre Weiblichkeit aufzugeben, könnte sich Deutschland jedoch auch eine Scheibe abschneiden.

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