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Designer Vladimir Karaalev präsentierte im Rahmen der Fashion Week seine Kollektion im Podewil Palais. In verträumter Atmosphäre mit absolutem Körpergefühl präsentierten die Models eine zart-sommerliche Einkleidungsvariante im großen Stil. Wie kaum ein anderer beherrscht der gebürtige Bulgarier die Einfachheit der Silhouettenführung, die großes modisches Selbstbewusstsein ausstrahlt. Nude, Grau, Gelb. Die dezenten Farben wurden mit einem Sonnenstark harmonisch akzentuiert. Gerade wegen des Unbetonten des Körpers – ähnlich wie Tai und andere Designer der japanischen Avantgarde –  sind die Mädchen, die Karaleev tragen, sehr mädchenhaft feminin und romantisch. In einem spontanen Gespräch konnte ich mit dem tiefgründigen und sehr symphatischen Designer über die Differenzierung von Mode und Kunst, seiner Inspirationsquelle und dem Status der Berliner Modewoche sprechen.

Du hast dich dieses Mal für eine Installation entschieden, genauso wie letzten Sommer. Wieso hast du dich für dieses Medium entschieden? Was kannst du hier verwirklichen, was du mit einem Catwalk nicht tun kannst?

Ich mag beide gleich. Für diese Kollektion wollte ich es ein bisschen Hippie, ein bisschen freier. Die Models sollen mal stehen und schweben in der Luft. Und das können sie nicht wirklich auf dem Catwalk. Auf dem Catwalk ist es auch eine Art von Abstraktion, das finde ich eben auch mit der Musik. Man hat so viel Zeit. Ich weiß, Journalisten lieben Installationen, denn sie können wirklich die Sachen genau anschauen. Der Catwalk ist eben so, dass man einen schnellen Eindruck hat. Das ist auch was Schönes, aber hier hat man mehr Zeit, sich die Sachen anzuschauen. Mir ist auch die Musik immer sehr wichtig, es muss alles stimmen. Die Mädchen sind auch total toll. Ich habe denen gesagt „Als ob das eure eigene Sache ist. Macht, was ihr wollt.“ Die sind auch alle sehr verträumt, und das finde ich auch sehr super.

Worauf achtest du, wenn du die Mädchen auswählst? Geht es wirklich nur um deine eigene pure Definition von formaler Schönheit oder hat das auch etwas mit Persönlichkeit zu tun? 

Mit Persönlichkeit auf jeden Fall. Es gibt hier auch drei Mädchen, mit denen ich immer wieder gerne arbeite und die kommen auch gerne zu mir. Wir haben auch um ehrlich zu sein kein großes Budget dafür, trotzdem. Aber die mögen mich-, und ich finde, auch dieser persönliche Kontakt zu den Models wichtig. Es ist nicht nur “du bist gebucht, du kriegst 100 Euro, du musst kommen und wirst wie Ware behandelt.“

Wie Ware ? (frage nach, da es sehr laut ist)

 Wie Ware, wie Menschenhandel. Ich finde, die haben alle etwas Besonderes. Ich unterhalte mich auch mit denen darüber, was sie sonst machen.

 Du lernst sie auch immer kennen- wie schön. Die Models bewegen sich sehr verträumt, wie du sagst, und musisch. Für dich ist Mode aber keine Kunst, sagtest du einst. Deine Aussage war sehr gut nachvollziehen, indem du sagtest, „Kunst muss verstanden werden“. Doch diese Interaktion, dass Mode immer noch einen Kunstcharakter bekommen kann, beweist du eigentlich mit deiner theatralischen Installation.

 Mode und Kunst unterscheiden sich, indem die Ansätze ganz anders sind. Es ist manchmal so, dass Mode wie Kunst aussehen kann, aber dann eben nicht diese Funktion erfüllt. Für mich ist Mode in dem Sinne keine Konzeption. Mode ist einfach…H&M ist Mode, Mango ist Mode, ich bin Mode, Garet Pugh ist auch Mode. Also ganz unterschiedliche Sachen, und deswegen hat die Mode manchmal ein schlechtes Imaging. Deswegen versuchen viele vielleicht zu sagen „das ist eher Kunst.“ Weil sie sich von dieser Konfektion entfernen wollen. Aber Mode hat einfach eine andere Funktion, die erfüllt werden muss und daran arbeite ich viel – nicht, dass meine Sachen irgendwie untragbar sind. Meine Sachen sind sehr tragbar. Ich verkaufe auch ziemlich viel, seit ein paar Jahren. Daran scheitert es nicht, dass sie tragbar sind. Vielleicht nicht unbedingt massentauglich, aber das war auch nie mein Ziel. Ich will nicht, tausende Teile produzieren. Ich schließe mich da auch automatisch an andere an. Es gibt viele, die das nicht gut finden.

 Was ist für dich gute Kunst?

Bei der Kunst geht es um nichts Neues, finde ich. Kunst will glaube ich nichts Neues zeigen, sondern bezieht sich immer auf Geschichte. Deswegen ist es ziemlich schwierig, als normaler Mensch irgendwo reinzugehen, und etwas zu verstehen, denn man braucht immer diesen Kontext. So viele Sachen , die wir nicht wissen. Man muss sich schon davor Mut machen, (bei der Überlegung) was für eine Idee der Künstler hatte. Vielleicht bezieht es sich auf einen anderen Künstler, der in der Vergangenheit gelebt hat und den er gar nicht kennt. In der Kunst geht es nicht um gut und schlecht, da ist dieses ästhetische Feld weg, und bei der Mode geht es ziemlich genau um das Visuelle. Da müssen für mich die Proportionen stimmen, und bei der Kunst – ich rede jetzt von der Postmoderne – steht das Konzept im Vordergrund und nicht das Ästhetische, und die Ästhetik. So viele Leute sagen immer, „das finde ich hässlich“. Es geht nicht um schön und hässlich. Kunst ist nicht da, um das auf der Wand aufgehängt zu haben. Und Mode ist dazu da, getragen zu werden.

Möchtest du als Mode-Designer, die Zeit, den modischen Zeitgeist, viel mehr dokumentieren oder neu entwerfen?

Das muss eine Balance sein. Mode ist schon ein sehr schönes Zeitdokument. Man kann schon zuordnen, aus welchem Jahrzehnt etwas kommt. Natürlich ist auch Ziel der Mode, dass sie sich weiter entwickelt. Ich rede jetzt von keiner Revolution, aber Evolution. Jede Kollektion baut sich aufeinander. Ich mag, dass sich jede Kollektion auf die vorige bezieht, aber auch was Neues zeigt. Vielleicht ein kleines Detail. Viele Sachen, die ich auch in der vorigen Kollektion versucht habe, zu machen, sind jetzt die Weiterentwicklung.

Wenn es um die Inspiration geht, bist du da eher von deiner Herkunft oder dem deutschen Geschmack beeinflusst? Oder ist es unabhängig, universell, global?

Ich glaube schon, dass meine Herkunft einen Einfluss auf mich geübt hat. Denn ich bin außer jeglichem Modekontext aufgewachsen. Ich hatte nie diese Tradition, was Mode angeht, wie einer, der vielleicht aus Paris, London oder New York kommt. Deren Mode war immer da und Mode war Kulturgut. Hier in Deutschland habe ich auch immer wieder das Problem, dass Mode als Kulturgut bewiesen werden muss. Bis jetzt war es immer wie die Autoindustrie. Einfach Sachen, die man in Kaufhof kaufen kann. Und ich versuche einfach daran zu arbeiten. Die Leute sagen, es geht weiter, es geht nicht nur um schöne Klamotten, aber ähnlich wie in der Kunst muss man sich auf den Kontext beziehen.

Durch diese multikulturelle Identität in der deutschen Modebranche, mit dir und Augustin Teboul steigt das Interesse, weil Deutschland dadurch nicht mehr so deutsch präsentiert wird.

Jaja, genau, genau. Ich bin ein großer Fan von Augustin Teboul. Ich bin so froh, dass die auch hier arbeiten, weil die auch total anders sind als alles andere in Berlin. Hier entsteht viel und wir kennen uns auch untereinander. Und ich finde, es ist auch ganz wichtig, dass man sich gegenseitig unterstützt.

Also glaubst du, Deutschland wird modischer?

Ja, auf jeden Fall. Wir sind auf dem guten Weg. Ich meine, New York haben auch alle ausgelacht, als sie angefangen haben. „Nie wird es passieren“ und jetzt ist es einfach da. Ich glaube schon, dass es wird.

Vielen herzlichen Dank für das Interview.

Vielen Dank auch.

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